Archivbild: Hubertus Knabe in der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Quelle: Bernd von Jutrczenka)
Audio: radioBerlin 88,8 | 24.11.2018 | Bild: dpa/Bernd Von Jutrczenka

Gericht hebt Beurlaubung auf - Ex-Gedenkstättenchef Knabe darf vorerst auf Posten zurück

Der Ex-Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte in Hohenschönhausen hat einen ersten Erfolg vor Gericht erzielt. Richter hoben seine Beurlaubung bis zum Frühjahr 2019 auf. Knabe wird vorgeworfen, nicht genug gegen sexuelle Belästigung in der Gedenkstätte getan zu haben.

Der freigestellte Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, darf per einstweiliger Verfügung vorerst auf seinen Posten zurückkehren. Das hat das Landgericht Berlin am Freitag in einem Eilverfahren entschieden, wie eine Gerichtssprecherin auf Nachfrage von rbb|24 bestätigte. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet.

Knabe war am 25. September im Zuge von Vorwürfen gegen den Vize-Gedenkstättendirektor Helmuth Frauendorfer vom Stiftungsrat der Gedenkstätte einstimmig von seinen Aufgaben entbunden worden. Er wurde bis zum Tag seiner endgültigen Entlassung am 31. März 2019 freigestellt. Diese Freistellung hat das Gericht nun aber aufgehoben.   

Frauendorfer soll Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben und hatte die Vorwürfe zum Teil eingeräumt. Der Stiftungsrat unter dem Vorsitz von Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) warf Knabe vor, nicht entschieden genug gegen die sexuelle Belästigung von Frauen durch seinen Vize vorgegangen zu sein.

Knabe weist Vorwürfe zurück

Lederer will laut "Tagesspiegel" noch am Wochenende in Absprache mit  Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen, um die aktuelle Eilentscheidung des Gerichts anzufechten. Auf Nachfrage von rbb|24 lehnte ein Sprecher der Kulturverwaltung eine Stellungnahme am Samstag ab. Er bestätigte nur, dass die einstweilige Verfügung beim Senat eingegangen ist.

Der langjährige Gedenkstättenleiter hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen und erklärt, er selbst habe seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "immer fair und respektvoll behandelt". Einen Nachfolger für Knabe soll eine Kommission unter Grütters' Leitung finden. Der Stiftungsrat hatte nach der Freistellung Knabes die frühere Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, als Vertrauensperson eingesetzt. Die Stasiopfer-Gedenkstätte wird vom Bund und dem Land Berlin gemeinsam finanziert.

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32 Kommentare

  1. 32.

    "ausgeplündert"... Und wer hat zwischendurch immer wieder Geld in die DDR gepumpt? Ausplündern kann man nur einmal etwas....

  2. 31.

    Nachdem die gesamtdeutsche Wehrmacht in der SU für die Zerstörung von 1.710 Städten, 70.000 Dörfern, 32.000 Industriebetrieben und 65.000 km Eisenbahnstrecke verantwortlich ist, waren die Reparationsentnahmen durch die Sowjets völlig berechtigt. Ungerecht war lediglich, daß die USA verhinderten, daß diese Entnahme aus Gesamtdeutschland erfolgte und man damit vorsätzlich die kleine SBZ/DDR durch De-Industrialisierung ausbluten ließ, während man den Westdeutschen Zucker in Form von Schuldenschnitt und Marshallplan in den Allerwertesten blies, so daß sie bis heute glauben, sie sollten sich etwas darauf einbilden.

    Wo die DDR-Bonzen selbige relevant "ausgeplündert" hätten, würde ich gern mal wissen. Der Komfort in Wandlitz war geradezu deprimierend. Jeder westdeutsche mittelständische Unternehmer hätte über Vermögen und Lebensstil ostdeutscher Bonzen nur mitleidig gelächelt.

    Was die Plünderung im Zuge der 2. De-Industrialisierung ab 1990 angeht, haben Sie natürlich völlig Recht.

  3. 30.

    Da haben wir wohl noch einige Wendungen zu erwarten. Die heutige Reaktion des Stiftungsrates ist ein weiterer Mosaikstein. Wir werden sehen wie es weitergeht. Als Außenstehender würde ich mich schlapp lachen. Der Bedeutung der Gedenkstätte ist das alles sehr abträglich.

  4. 29.

    Wen meinen Sie? Wer soll auftauchen? Das Urteil ist wie jedes andere. Gerichte entscheiden nach Gesetzen unabhängig von politischen Motiven. Die abschließende Entscheidung wird noch eine Weile dauern, bis dahin wird ein vergiftetes Betriebsklima herrschen, das niemandem nützt. Wenn ein Verhältnis so gestört ist, dann sollte schnell eine Trennung stattfinden. Niemandem kann es Freude bereiten, dort zu arbeiten, auch Herrn Knabe nicht.

  5. 28.

    @ hb männchen
    Freuen wir uns doch darüber....Mal kein Gehetze..

  6. 27.

    Was mich wundert, ist, dass der Linken-Versteher und -Lautsprecher noch nicht aufgetaucht ist und Allen, denen das Urteil Freude macht, AfDnähe andichtet.
    Das Urteil muss wohl schwer getroffen haben.

  7. 26.

    Unter Einbeziehung bisheriger Kommentare möchte ich hinzufügen, dass die die DDR erst von den Sowjets, dann von eigenen Staatsbonzen und zum Abschluss von damaligen Westdeutschen ausgeplündert wurde. Selbst Herrn Knabe müsste die Ausstrahlwirkung der Grundrechte von Frauen nach dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland bekannt sein, sodass die publik gewordenen Diskriminierungsfälle in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen meiner Meinung nach wegen seiner Position als Leiter von ihm zu verantworten sind und seine jetzige Anwesehenheit dort für mich völlig unverständlich erscheint.

  8. 25.

    Auch das gehört leider zur Realität dazu. Da sind richtig üble Geschäfte abgelaufen. Wenn ich da nur an die Stamag in Regis-Bretingen denke, oder diese ganzen 1 Euro Geschäfte, Der Rubbel-Rubel... Da sind viele wilde Geschichten abgelaufen. Die ZERV wusste gar nicht wo sie zuerst anfangen sollte. Wahrscheinlich hat sie dann auch noch viel mehr aufgeklärt als sie sollte. Das ist ein Thema, da könnten Sich RBB und MDR richtig lange mit beschäftigen. Könnte aber gefährlich sein.

  9. 24.

    1. Eine kurze Stellungnahme mit Bezug zum Kommentar 21/Paula/ von 10:50 Uhr. Ja natürlich, für eine Kündigung gibt es natürlich immer Gründe. Ob es denn auch immer gute Gründe sind, ist natürlich auch eine Frage der Perspektive. Mir kommen schon an diesem Punkt ganz massive Zweifel. Die Gedenkstätte ist, wenn auch sehr beliebt, in der äußeren Darstellung schon länger umstritten. Gut, Politik ist immer umstritten. Ich denke da sind wir uns einig. Hier geht es um die Schattenseiten unserer jüngeren deutschen Geschichte. Wie sie denn nun öffentlich dargestellt und transportiert werden soll. Da gibt es recht unterschiedliche Interessen und Auffassungen. Es gibt die Gruppen die möchten gerne mehr in den Vordergrund stellen und es gibt Gruppierungen, die sagen: damit muss doch endlich mal Schluss sein. Er muss nach Möglichkeit Schluss sein, noch bevor irgendjemand etwas weiß. Da wird schon mit recht subtilen Mitteln gearbeitet. Was als erstes auf der Strecke bleibt ist meist die Wahrheit.

  10. 23.

    II: Die meisten der Informationen sind nach meinem Empfinden sehr nebulös. Es werden nur Halbheiten zugegeben die sich nicht näher zuordnen lassen. So gesehen ist eine seriöse Beurteilung kaum möglich. Aussagen Dritter werden zuweilen als unumstößliche Wahrheit kundgetan. „...wie aus gut informierten Kreisen verlautet…“ usw. Seriöser Journalismus ist das für mich nicht. Nun hat ein Gericht eine vorläufige Entscheidung getroffen. Für mich ein Indikator dafür, dass wenigstens Teile unserer Justiz noch funktionsfähig sind. Was mich betrifft, ich kann mich nicht auf der einen Seite hinstellen und sagen: auch für die ehemaligen Mitarbeiter der Stasi gilt der Rechtsstaat und für die vermeintlich ehemalige Leitung der Gedenkstätte, fordere ich die Inquisition. So geht es für mich nicht. Ja, und wer denkt dabei an die betroffenen Mitarbeiter, insbesondere die betroffenen Frauen? Ich denke die Damen wissen schon lange, dass sie nur noch Mittel zum Zweck sind. Für mich die bitterste Erkenntnis

  11. 22.

    Ach nein? Die West-CDU hat 1990 mit 40 Millionen und ihrem gesamten Apparat einen Wahlkampf in der DDR geführt, der sie gar nichts anging. Das waren in die DDR exportierte Westwahlen. Ohne diesen massiven Propagandafeldzug der West-CDU wären die Wahlen völlig anders ausgefallen. Die Bürgerrechtler wollten keinen Anschluß (schon gar keinen völlig überhasteten)sondern Reformen.

    „Das Bonner Nilpferd ist in einer Massivität gekommen, dass man einfach hilflos war. Im Wahlkampf ist einfach der gesamte Apparatismus des Westens in den Osten gebracht worden. Dem hatten wir nichts entgegenzusetzen. Das waren in die DDR exportierte Westwahlen.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Volkskammerwahl_1990#Wahlkampf

    Es stellt sich also die Frage, was sich die Unternehmerpartei CDU von der kolonialen Übernahme versprach und wer tatsächlich profitierte. 85% der DDR-Liegenschaften verschleuderte man an westdeutsche "Investoren", 10% an ausländische. Nur 5% durften von Ostdeutschen erworben werden.

  12. 21.

    Wenn jemand erst einmal bis zur fristgerechten Kündigung von seiner Aufgabe freigestellt, also bis zum Eintritt der Kpndigung beurlaubt wurde, gibts dafür gute Gründe. Das Leben am Arbeitsplatz geht weiter. Mit dieser Gerichtsentscheidung ist dem Kollen/innenkreis nicht geholfen. Das Klima ist vergiftet und es ist fraglich, was Herr Knabe denn nun tagtäglich bis zum 31.03.2019 an seinem Arbeitsplatz produktives leisten will. Also ich bin froh, dass ich dort nicht arbeite.
    Alles nur zur "Gesichtswahrung" von Herrn Knabe. Nicht mehr und nicht weniger. Wer denkt dabei an die dadurch auch betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiteriinen???

  13. 20.

    Mein Glückwunsch an Herrn Knabe für den Erfolg vor Gericht.
    Das ist eine schwere Niederlage für den linken Lederer,der Herrn Knabe schon lange loswerden wollte. Die schonungslose und ehrliche Aufarbeitung der SED Diktatur durch Herrn Knabe,war Lederer ein Dorn im Auge.

  14. 19.

    Früher haben die SED-Anhänger immer "Die Partei, die Partei hat immer Recht" gebrüllt, wenn es Zweifel gab.
    Wurde von der Partei- und Staatsführung vorgegeben. Viele, sehr viele sangen mit. Letztlich war das wie pfeifen im dunklen Wald.
    Da brauchte man auch nicht sonderlich nachdenken.

  15. 18.

    Solange sich noch die Stasi-Strukturen in der SED-PDS Nachfolge Die Linke so etabliert haben, selbst Personen hoffiert werden (z.B. Dehm, Kahane),hinterlässt es schon ein Geschmäckle, wenn gerade die die Aufklärung sabotieren wollen und fadenscheinige Gründe vorschieben, um einen der schärfsten Kritiker dieser unseligen Verquickung mundtot zu machen.
    Nun hat das Gericht eine erste positive Entscheidung für Herrn Dr. Knabe gegeben, die der Clique der ewig Gestriegen die Schranken aufzeichneten.
    Ein Sieg für die Demokratie.

  16. 17.

    Mich hat die Entscheidung des Gerichts doch sehr überrascht. Es gibt eine Aussage von Herrn Doktor Klaus Lederer die ich ausdrücklich unterschreibe. Er habe sich öffentlich absichtlich zurückgehalten um arbeitsrechtliche Maßnahmen nicht zu erschweren. Sinngemäß. Ein Verhaltensmuster, dass ich bei der Berichterstattung durch den RBB bis zum heutigen Tage nicht erkennen konnte. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass diese Art der Berichterstattung nicht im Interesse der Frauen sein kann.

  17. 16.

    Wie hätten Sie es denn empfunden, wenn dort stehen würde „Leiter darf auf seinen Posten zurück“? Der Satz würde nun völlig falsch sein. Nur ein Ex kann zurück. Ein Leiter ist ein Leiter.... ;-) Versuchen Sie doch sachlich zu sagen was Sie meinen. Dieses Nebelkerze mit der Wortwahl lenkt nur ab. Ausserdem ist es oft so, dass jemand „gefeuert“ werden soll, wenn die Chemie nicht mehr stimmt. Das endet meist vor Gericht und läuft auf einen Vergleich mit Abpfindung hinaus. Oder meinen Sie, Herr Knabe will dort wirklich noch arbeiten? Jetzt geht es nur um Gesichtswahrung. Für beide Seiten. Also Vergleich vor Gericht. Passiert tagtäglich vor Gerichten.

  18. 15.

    Wir Wessis haben nicht gerufen : wir sind ein Volk.
    Erst unbedingt die Wiedervereinigung wolken und jetzt jammern.

  19. 14.

    ... oder verantwortungslos handelt. Die Vorwürfe betreffen Machtmissbräuche seitens des AG.

  20. 13.

    SEMANTIK hat sich während meines Deutsch-Abiturs schon mit Inhalt angefüllt.
    Früher waren halt alle dümmer.

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