Steffen Königer erklärt bei einer Pressekonferenz seinen Austritt aus der AfD. (Quelle: rbb/Dominik Lenz)
Video: Brandenburg aktuell | 29.11.2018 | Stephanie Teistler | Bild: rbb/Dominik Lenz

Gewissensgründe angeführt - Brandenburger AfD-Abgeordneter Königer verlässt die Partei

Der Brandenburger AfD-Abgeordnete Steffen Königer verlässt seine Partei und erhebt schwere Vorwürfe: Er spricht von "sektenartigen Strukturen" in der AfD. Die Bürgerlichen hätten den Kampf gegen die Destruktiven in der Partei verloren, erklärte er.

Steffen Königer, Mitglied der AfD-Landtagsfraktion und Sprecher der Alternativen Mitte, verlässt die AfD. Der Brandenburger Landtagsabgeordnete begründete seine Entscheidung mit der Ohnmacht der Gemäßigten gegenüber radikalen Kräften in der AfD. "Die Bürgerlichen in der AfD haben den Kampf gegen die Destruktiven in der Partei in vielen Landesverbänden endgültig verloren", erklärte er am Donnerstag.

In der AfD nehme die "Begeisterung über bewusste Grenzübertritte von wenigen Protagonisten nicht ab". Eine möglicherweise drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz werde dabei von vielen Funktionsträgern fahrlässig in Kauf genommen.

Königer wirft AfD "sektenartige Strukturen" vor

"Ein Verbleiben in der Partei kann ich unter diesen Umständen mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren", sagte Königer.

Ziel für viele in der Partei sei "der Aufbau von sektenartig organisierten Gefolgschaften", in denen Treue höher stehe als Sacharbeit, sagte Königer am Vormittag in Potsdam bei einer Pressekonferenz. Es gehe nur noch darum, "die eigene Klientel in den sozialen Netzwerken mit Aufregern zu füttern".

AfD-Abgeordnete Kalbitz und Gottschalk wehren sich gegen Vorwürfe

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Kay Gottschalk sagte, dieser Austritt sei "bedauerlich". Die von Königer gelieferte Begründung ließ er nicht gelten. Er vermute, dass eher persönliche Gründe eine Rolle gespielt hätten.

Andreas Kalbitz, Fraktions- und Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg, sagte am Donnerstag in Potsdam, es gehe hier nicht um Inhalte, sondern die Angst vor dem Mandatsverlust. Königer sei Mitte Oktober zur Wahl der Europadelegierten in Brandenburg ebenso krachend durchgefallen wie bei seiner Kandidatur für das Europaparlament. "Ich wäre nicht überrascht, wenn Königer auf der Suche nach einem Versorgungsposten versucht, sich zur Landtagswahl 2019 an die CDU oder die Freien Wähler zu verkaufen", so Kalbitz. Der Weggang von Königer werde die AfD in Brandenburg nicht schwächen.

Hoffmann (CDU) könne sich Mitgliedschaft Königers in der CDU nicht vorstellen

"Mit der Abgabe seines Parteibuchs hat er nicht seine Ansichten abgegeben", hieß es in einer Mitteilung von Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der Linken im Brandenburger Landtag. Er sei es gewesen, der vom "totalen Krieg" gegen das Bildungssystem gesprochen und sich im Landtag über Lesben und Schwule lustig gemacht habe.

Ursula Nonnemacher von der Grünen-Fraktion im Brandenburger Landtag sagte: "Der Austritt ist ein deutliches Zeichen dafür, dass rechtsradikale Kräfte im parteiinternen Machtkampf der AfD immer mehr Oberhand gewinnen." Nun verlasse Königer das nach noch weiter rechts abdriftende Schiff.

Zum Parteiaustritt von Königer sagt Gordon Hoffmann (CDU), Landtagsabgeordneter im Brandenburger Landtag: "Wenn jetzt sogar Herr Königer, dessen Reden im Parlament und seine Provokationen ja für sich sprechen, sagt, die AfD sei ihm zu radikal, dann lässt das tief blicken, dann muss es wirklich arg sein." Da er Königer aus der Ausschussarbeit und aus dem Parlament kenne, könne er sich nicht vorstellen, dass er Mitglied werde.

Königer gründete umstrittenes Meldeportal für Schüler

Das AfD-Gründungsmitglied Steffen Königer gehört seit 2013 der AfD an und zog 2014 in den Brandenburger Landtag ein. 2017 gründete er die Alternative Mitte Brandenburg, die sich selbst als gemäßigte liberal-bürgerliche Plattform gegen den rechten Flügel der AfD versteht.

Im Oktober dieses Jahr hatte Königer noch das umstrittene Online-Meldeportal in Brandenburg gestartet, auf dem Schüler vermeintliche Neutralitätsverstöße und Kritik an der AfD im Unterricht melden sollten. Mitte November hatte er sich erfolglos für einen der vorderen Plätze auf der Kandidatenliste der AfD für die Europawahl beworben.

Im Landtag will er als Parteiloser verbleiben.

Sendung: Inforadio, 29.11.2018, 10.00 Uhr

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64 Kommentare

  1. 64.

    Oh ja, das "Partei"-Pamphlet der AfD habe ich leider gelesen. Gaulands "Vogelschiß in der Geschichte", Bernd Höckes grenzwertig verleumdende Äußerungen zum Holocaustdenkmal, von Storchs Äußerungen (die sogar angezeigt wurden) über die die "barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden" sind nur 3 Beispiele, um Ihre Frage zu beantworten. Der Rest ist in den Medien fast täglich zu hören oder zu lesen. Das AfD Programm ist u.a. frauendiskriminierend (insbesondere für Alleinerziehende), homosexuellen- und geringverdienderfeindlich und trägt in keinem Punkt zu einer integrationsfördernden Debatte, die wir dringend bräuchten, bei. Ihr Schwenk auf die Grünen und Linke ist hier unnötig und sinnfrei und tut nichts zum Thema.

  2. 63.

    "...doch es ist wie in anderen Parteien eben auch die Spreu trennt sich vom Weizen und das ist das possitive,..." [sic!]

    Ach, wie jetzt? Doch keine Alternative zu den so verhassten "Altparteien"? Hier geht es um Geld und Pöstchen? Ja, dann hat sich ihre AfD, für die sie hier so unermüdlich Propaganda betreiben, aber schnell entzaubert.

    Ich meine es war nie anders. Halt wie alle rechtsextremen "Parteien", wie DVU usw. vor ihr.

    Und gleich wieder in die beliebete Opferrolle fallen, was machen denn die Medien daraus? Sie berichten. Das ist was ich von den ÖR erwarte.

    Leicht zu durchschauen ist da eher ihr Versuch die Vorgänge in dieser "Partei" irgendwie schönzureden aber auf diese billige Propaganda von ihnen und einem Kalbitz fallen immer weniger Leute herein.

  3. 62.

    Nein, ist es nicht. Der Satiriker Schlecky Silberstein mußte um sein Leben und das seiner Familie fürchten weil es zu Morddrohungen kam, nachdem ihm ein AfD Politiker zu Hause aufgelauert und seinen Adresse im Internet veröffentlicht hatte.

    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-09/schlecky-silberstein-christian-brandes-afd-satire-video-chemnitz

  4. 61.

    Bislang schrumpfen die Stimmenanteile, mal auf ein paar kleine Regionen abgesehen wo schon seit der Wende eine große Affinität zu Rechtsradikalen herrscht, wie Südbrandenburg z.B.

  5. 59.

    Es geht hier um etwas ganz anderes & macht einen der den Steffen kennt schon nachdenklich, er wurde nicht zum Kandidaten für die EU Wahl nach Brüssel aufgestellt, auch hat er keine Möglichkeit mehr gesehen Karriere zu machen, es ging Ihm nur um Bezüge & Macht, schade und ich habe gedacht den Steffen zu kennen, bin menschlich sehr enttäuscht doch es ist wie in anderen Parteien eben auch die Spreu trennt sich vom Weizen und das ist das possitive, was natürlich die Medien draus machen ist schon klar,aber tröstet euch liebe Medien es wird nichts dran ändern die AFD wird in BRB nächstes Jahr stärkste Partei, da müßt Ihr halt noch stärkere Geschütze auffahren lassen euch wird schon 1 Woche vor der Wahl was einfallen, um nach der Wahl alles wieder zu hinterfragen, es ist einfach zu leicht zu durchschauen & zum Glück fallen immer weniger Bürger auf diese Art der Berichterstattung nicht mehr rein !!

  6. 58.

    Welche Äußerungen von AfDlern sehen Sie als „verfassungsfeindlich, antisemitisch, rassistisch, fremdenfeindlich, menschenverachtend“ an? Haben Sie das Programm der AfD gelesen? Meine Wenigkeit sehr wohl das der Linken oder der Grünen. Bitte Sachargumente, statt nachsprechen von medialen Etikettierungen

  7. 57.

    Bleiben wir doch einfach bei den reinen Fakten. Die AfD Brandenburg war von Beginn an ein zerstrittener Haufen mehr oder weniger anderswo erfolgloser Zeitgenossen. Dies zeigt sich schon daran, wie oft in den paar Jahren die Besetzung des Landesvorstand wechselte. Dies zeigt sich aber auch am Werdegang von Lucke, Petry & Co. Sie starteten alle wie die Tiger und landeten als Bettvorleger. Herr Königer ist für mich nur ein Teil dessen und sicherlich nicht der letzte als Bettvorleger landende Tiger

  8. 56.

    „Schlägertrupps der AfD?“ Pardon, auf welchem Planeten leben Sie? Listen von AfD-Mitgliedern auf indymedia, „Antifa-Hausbesuche“, Straftaten gegen das Versammlungsgesetz, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Aufhetzen zu Gewalt, Körperverletzung von AfD-Mitgliedern war doch bisher eher das Privileg linker Schläger

  9. 55.

    Was Sie nicht sagen. Wir haben es mit einer Sekte zu tun, keine demokratisch legitimierte Partei. Da bekommt Fake News gleich eine neue Qualität. Verlässt ein Abgeordneter seine Sekte, pardon Partei, dann gibt es dafür unterschiedliche Gründe.
    Wir sollten es einfach zur Kenntnis nehmen u. keiner Hysterie verfallen. Im Übrigen hat das noch keiner Partei geschadet.
    Im Gegenteil, die Stimmenanteile werden wachsen, wie die kommenden Landtagswahlen zeigen werden.

  10. 54.

    Da bin ich voll bei Ihnen. Ich sehe die Risse innerhalb der AfD und zu deren Jugend auch mit Vorfreude. Wenn nun noch die Protestwähler sich mit dem Prgramm der Partei auseinander setzen würden, dann wäre es für die nächsten Wahlen möglich, stabile Regierungen zu bilden. Herr Königer wird wohl sehr stark vom Egoismus geprägt sein, mit den Strukturen der AfD wird sein Abgang eher nichts zu tun haben.

  11. 53.

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  12. 52.

    Also ich habe nichts dagegen wenn sich die AfD von innen heraus zerlegt. Um so früher sind wird diesen rechtsextremen Spuk wieder los. So war es bei der DVU, den Reps, der Schill "Partei"...

    Ob die nun vom VS beobachtet werden oder sich bei internen "Röhm-Putschen" gegenseitig abservieren. So what?

  13. 51.

    ...Fliesenleger und Studienabbrecher, der von einem - Zitat: "totalen Krieg gegen das Volk der Dichter und Denker" fabuliert, ist natürlich ein Inbegriff der Seriosität und Glaubwürdigkeit und über jeden Zweifel erhaben. Wenn der behauptet, sein Austritt erfolge nicht aus persönlichen Gründen, dann muß man das glauben. Ganz sicher.

  14. 50.

    "Dass die AfD den Charakter einer Sekte hat wissen doch viele schon lange."

    So isses, man merkt das alleine schon am Auftreten der AfD Jünger hier, wie die hier diese "Partei" und alles drumherum verteidigen und gutheißen, jede Kritik wegreden wollen und Kritiker anfeinden, das hat schon was von einem Messias und seiner Sekte. Man glaubt und verbreitet selbst die dicksten und offensichtlichsten Lügen.

    "Sie ist wie weiland die DVU im Landtag nur dazu da einigen wenigen satte Diäten zu sichern, mehr nicht."

    Und genau dort wird diese rechtsextreme "Partei" auch landen, auf dem Misthaufen der Geschichte.

  15. 49.

    Ich denke mal, da steckt was anderes dahinter. Gut möglich, dass Herr Königer im permanenten Hauen und Stechen innerhalb der AfD warum auch immer gegen wen auch immer den Kürzeren zog und deshalb austrat. Dass die AfD den Charakter einer Sekte hat wissen doch viele schon lange. Es verwundert um so mehr, dass dies Hern Königer erst heute auffällt. Diese Partei ist einfach nicht wählbar. Sie ist wie weiland die DVU im Landtag nur dazu da einigen wenigen satte Diäten zu sichern, mehr nicht.

  16. 48.

    Das ist wirklich schade . Ich möchte diesen Mann sehr und schätzte ihn mir seinen Einfüllen und seiner Intelligenz.
    Wir müssen uns mehr mit guten Leuten umgeben.

  17. 47.

    Das hats wohl einer mit der Angst zu tun bekommen. "Die Geister die ich rief, die werde ich nicht mehr los."

  18. 46.

    Da kann man mal sehen aus welchen Mitglieder sich diese rechtsextreme "Partei" rekrutiert.

    Abgehalfterte cDUler die bis in die Parteispitze aufsteigen konnten, eine Adlige mit dubiosen Netzwerken, eine Karrierefrau deren Lebensmodell im krassen Gegensatz zum Parteiprogramm steht mit Problemen im Umgang mit Spenden, alte SEDler und Karrieristen die ihr Schäfchen in trock'ne bringen wollen.

    Wären da nicht die vielen Rechtsextremisten, Rassisten, Antisemiten und Geschichtsrevisionisten in und um dieser "Partei", ja dann wäre sie gar keine "Alternative" zu den von ihr verachteten sog. "Altparteien".

  19. 45.

    Herr Königer fand auf den letzten Parteitagen der AfD keinen Zuspruch mehr und wurde für nichts mehr gewählt.

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