Der ehemalige griechische Finanzminister Janis Varoufakis spricht am 25.11.2018 bei einem Treffen der Partei „Demokratie in Europa“ in Berlin zu Journalisten. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Spitzenkandidat von DiEM25-Bewegung - Varoufakis will in Deutschland zur Europawahl antreten

Eigentlich war er während der Griechenland-Krise nicht gut auf Deutschland zu sprechen. Doch nun will der ehemalige griechische Finanzminister Varoufakis hier in den Europawahlkampf ziehen – als  Spitzenkandidat einer europaweiten Bewegung.

Der ehemalige griechische Finanzminister Gianis Varoufakis will in Deutschland für die Europawahl 2019 kandidieren. In einer Versammlung der Partei "Demokratie in Europa" wurde er auf den ersten Platz einer Liste für die Wahlen zum Europaparlament im Mai kommenden Jahres gesetzt. Die Partei ist den Angaben zufolge ein deutscher Ableger von Varoufakis' europäischer Bewegung "Democracy in Europe Movement 2025" (Diem25).

Varoufakis sagte, er habe die Voraussetzungen für eine Kandidatur erfüllt, dazu gehört für Bürger anderer EU-Länder, einen Wohnsitz in Deutschland zu haben. Nun gehe es darum, dass transnationale Demokratie Wirklichkeit werde, so der Linkspolitiker am Sonntag in Berlin.

Grieche will europaweit Wahlkampf machen

Der 57-Jährige war 2015 nach rund einem halben Jahr als Minister in Griechenland zurückgetreten. Er hatte in der Links-Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras versucht, die Gläubiger Griechenlands zu einem Schuldenschnitt zu bewegen, um so soziale Kürzungen zu vermeiden.

Varoufakis sagte, er wolle in den nächsten Monaten in Deutschland Wahlkampf machen, aber auch in Griechenland und anderen EU-Ländern präsent sein. Es gelte, dem giftigen Mythos ein Ende zu bereiten, dass es einen Kampf zwischen Nord und Süd, Ost und West gebe. Der einzige Kampf sei der zwischen fortschrittlichen Europäern und Autoritären.

Neben Varoufakis stehen unter anderem auch Kandidaten aus Österreich und Kroatien auf vorderen Listenplätzen der Partei "Demokratie in Europa".

Mit prominentem Zugpferd nach Brüssel

Für "Demokratie in Europa" dürfte der prominente Name Varoufakis jedenfalls ein Gewinn sein. Denn mit ihm könnte dem deutschen Ableger der noch recht unbekannten DiEM25 der Einzug ins EU-Parlament gelingen – zumal es bei der Europawahl keine Fünf-Prozent-Hürde gibt. Und zumindest was den Bekanntheitsgrad angeht, steht Varoufakis den Spitzenkandidaten und -kandidatinnen der großen Volksparteien - Manfred Weber (CSU), Ska Keller (Grüne), Katarina Barley (SPD) und Nicola Beer (FDP) - in nichts nach.

Das ist DiEM25

Die Bewegung "Democracy in Europe Movement 2025" bezeichnet sich auf ihrer Homepage [externer Link] selbst als "eine europaweite, grenzüberschreitende Bewegung von Demokraten". Sie will nach eigenen Angaben dazu beitragen, die EU vor dem Zerfall zu retten und sie wieder zu einer "Gemeinschaft für gemeinsamen Wohlstand, Frieden und Solidarität für alle Europäer" zu machen. Die Mitglieder der Bewegung kommen sowohl aus dem grünen als auch aus dem linken politischen Lager.

Sendung: radioeins | 25.11.2018 | 17:30Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Stinkefinger für Deutschland. Nicht der deutschen Sprache mächtig. In Deutschland reichen bereits 0,6 % der Stimmen für einen Sitz, In Griechenland 3 %. Wir haben es verdient. Cleverer Mann. Viel Erfolg !

  2. 1.

    Viel Erfolg!

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