Fotoalbum einer Familie (Quelle: rbb|24/Mitya)
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Audio: Inforadio | 29.11.2018 | Bettina Rehmann | Bild: rbb|24/Mitya

Wie es sich mit dem Wechselmodell lebt - Eine Woche Mama, eine Woche Papa

Vier Jahre alt ist Jean, als seine Eltern sich trennen. Mutter und Vater entscheiden, weiter gemeinsam für ihr Kind da zu sein. Jean verliert keinen Elternteil - und hat jetzt sogar zwei Familien: eine bei Mama und eine bei Papa. Von Bettina Rehmann

Jean hat zwei Zahnbürsten, zwei Wohnungsschlüssel, zwei Wege zur Schule: einen aus Tempelhof an sein Gymnasium, einen aus Friedrichshain. Heute ist Jean, ein selbstbewusster Jugendlicher, 14 Jahre alt. Vor zehn Jahren haben sich seine Eltern getrennt, seitdem wechselt er immer freitags den Haushalt.

Dieser Rhythmus ist heute für ihn und seine zwei Familien Alltag, aber als er damals erfuhr, dass seine Eltern sich trennen würden, sei er schockiert gewesen, erzählt Jean: "Mama ist zu mir gekommen und hat zu mir gesagt: 'Wir trennen uns jetzt'." Da habe er das dem Sinn nach noch gar nicht richtig wahrgenommen. Als sie aber gesagt habe, "'wir leben dann auch noch in der gleichen Stadt und dem gleichen Umfeld und du kannst den anderen besuchen gehen und wir wechseln uns da ab' - da war ich erst einmal total geschockt", sagt Jean. "Man geht als Kind davon aus, dass die beiden immer da sind und auch immer zu zweit für einen da sind. Ich hatte Angst, dass ich nur noch einen sehe und den anderen nicht mehr. Das war schon krass."

Als Jeans Eltern Christoph und Gerda sich trennen, leben alle zusammen in dem Stadtteil, in dem auch Jeans Kindergarten ist. Um ihn nicht aus seinem gewohnten Umfeld zu reißen, bleibt Jeans Vater zunächst in der gemeinsamen Wohnung. "Am Anfang hatten wir noch keine richtige Struktur, was die Betreuung von Jean angeht, das hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt", erinnert sich Christoph. "In den ersten Monaten waren es so vier, fünf Tage, manchmal auch kürzer. Aber wir haben eben beide gemerkt, dass es Jean überhaupt nicht guttut." Die Eltern testen auch einen Zwei-Wochen-Rhythmus. Aber der habe weder zu ihren Bedürfnissen als Eltern, noch zu Jeans gepasst, er hätte "den anderen Elternteil zu lange vermisst", sagt Christoph.

"Ich hatte einen Knoten im Hals und konnte ihm nicht helfen"

Auf Erfahrungen im Bekanntenkreis können Gerda und Christoph zu diesem Zeitpunkt nicht zurückgreifen, sie suchen Hilfe bei einer Familienberatung. Viel Konkretes erfahren sie auch dort nicht, doch man gibt ihnen den Tipp, sich in die Lage des Kindes zu versetzen. "Es ist schwierig, mit einem vierjährigen Kind darüber zu sprechen, da es in dem Alter noch nicht Entscheidungen treffen kann, die so weitreichend sind", sagt Christoph. "Wir haben uns mit ihm unterhalten, wir mussten ja auch die ganze Situation der Trennung irgendwie aufarbeiten. Wir haben versucht, unser Kind mit ganz viel Rücksichtnahme, Fürsorge und Liebe aufzufangen, und in den Gesprächen haben wir dann auch herausgefunden, dass es mit dem Wochenwechsel vielleicht das beste ist - auch, wenn es schmerzhaft ist." Am Anfang hätten sich herzzerreißende Szenen abgespielt, erinnert sich Christoph: "Wenn ich mit ihm an Gerdas Wohnung vorbeigefahren bin, hat er angefangen zu weinen. Ich hatte selbst einen Knoten im Hals und konnte ihm nicht helfen. Ich konnte nur sagen: Jean, wir haben dich lieb."

Auch Jean erinnert sich: "Es war anfangs schwer, aber es hat sich dann eingependelt und wurde immer leichter, wenn ich beim Übergang war. Am Anfang fiel es mir immer schwer, von Mama zu Papa zu wechseln oder andersherum, aber mittlerweile macht es mir gar nichts mehr aus."

Jean hat neue Geschwister in beiden Familien

Heute ist der Wechselrhythmus normal – und Jeans zwei Familien sind über die Jahre gewachsen. Seine Mutter lebt seit einigen Jahren mit ihrem Freund zusammen in Friedrichshain, vor zweieinhalb Jahren hat Jean zwei Geschwister, Zwillinge, bekommen. Auch Jeans Vater ist nicht alleine: "Ich lebe jetzt seit zwei Jahren mit einer neuen Partnerin zusammen, die selber einen achtjährigen Sohn hat, da besteht zwischen meiner jetzigen Partnerin und ihrem Ex-Partner auch ein Wechselmodell, Woche, Woche und wir erwarten jetzt noch Nachwuchs, so dass also Jean nochmal einen Bruder kriegt."

Bei so viel Patchwork ist auch einiges an Absprachen nötig und, so Christoph, glücklicherweise möglich: "Wir können miteinander reden, das ist auch ganz wichtig, nicht nur für die Eltern, sondern auch für das Kind." So können sich die Familien auch eine gewisse Flexibilität erhalten. Das Wechselmodell sei geregelt, aber nicht statisch. Was Familienfeiern, Ferien oder Urlaub angehe, sei man variabel. Jeans Geburtstag allerdings ist ein Fixum: "Wenn ich mit Freunden feiere, ist es so, dass wir das ein Jahr beim einen, und im nächsten Jahr beim anderen machen, aber da sind dann auch beide Elternteile mit dabei, das ist eigentlich ziemlich locker und entspannt."

Klare Aufteilung auch bei den Kosten

Gesetzlich geregelt ist das Wechselmodell nicht, lediglich das sogenannte Residenzmodell ist abgebildet. Danach lebt das Kind nach der Trennung bei einem Elternteil und wird von diesem betreut. Den anderen, der Unterhalt zahlt, trifft das Kind mehr oder weniger häufig. Auch hier betraten Gerda und Christoph neues Terrain und waren bei der Aufteilung der Kosten für die Betreuung auf sich gestellt. Doch schwierig war die Rechnung nicht.

Bei der Trennung waren sowohl Christoph als auch Gerda berufstätig. "Wir hatten beide ein Einkommen, das auch ähnlich hoch war. Und wenn es nicht ähnlich hoch war, haben wir unsere Kosten anteilig verrechnet. Wer gerade mehr hatte, hat anteilig mehr bezahlt, das funktioniert ganz gut, weil da ja auch die Aufwendungen für beide gleich sind: Beide müssen Wohnraum, Lebensmittel und Kleidung zur Verfügung stellen. Wir haben auch das Kindergeld geteilt und größere Anschaffungen, Geschenke, Jacke, Schuhe, Schulranzen oder so - das haben wir dann anteilig bestritten." Das müsse nicht bei allen funktionieren, sagt Christoph, "meistens geht eine Partnerschaft ja im Streit auseinander und mit bösen Worten, dann ist es eher schwierig und man mag dem andern gar nicht Verständnis für dessen Situation aufbringen. Wir haben uns gütlich getrennt und konnten deswegen auch das Finanzielle besprechen. Wir haben gesagt, das Fairste ist es einfach, wenn wir die Kosten teilen."

Streit ums Geld, nicht Streit ums Kind

Streit hat es aber dennoch gegeben, nämlich als sich die finanzielle Situation von Gerda nach der Geburt ihrer Zwillinge drastisch veränderte und Christoph mehr zahlen sollte. Ein Beratungstermin beim Jugendamt half überhaupt nicht. "Wir hatten gehofft, dass uns jemand mit Kompetenz einen Rat geben kann, wie man diesen Streit schlichten kann, weil wir auch unser Verhältnis nicht aufs Spiel setzen wollten." Der Berater habe aber nicht helfen können. "Man hatte den Eindruck, dass der vielleicht gar nichts wusste, keine Richtlinien oder irgendwas zur Verfügung hatte, an denen er sich orientieren konnte. Er hatte auch vielleicht einfach zu wenig Zeit." Mit dem Problem allein, gingen die beiden dann doch irgendwann wieder aufeinander zu und einigten sich darauf, dass Christoph zu einem größeren Anteil die Kosten übernahm, bis Gerda wieder arbeiten gehen konnte. Die freiwillige Lösung war in dem Fall für die Familie die richtige. Der Streit über das Geld bedeutete nicht das Ende des Wechselmodells.

"Insgesamt würde ich sagen, klappt es gut", resümiert Christoph. "Dafür, dass die Eltern sich getrennt haben, ist Jean ein selbstsicheres, glückliches Kind, das auf eigenen Beinen steht, eine ausgebildete Persönlichkeit hat, charakterstark ist. Manchmal gibt es vielleicht Missverständnisse, in Absprachen mit der Mama oder so, aber das sind Banalitäten." Sein Sohn kann sogar Vorteile im Wechselmodell erkennen: "Für mich wäre es viel schlimmer gewesen, wenn sich meine Eltern, wenn wir noch zusammen leben würden, dauernd streiten würden – das ist mein absoluter Horror. Oder wenn ich jetzt nur zu einem hätte gehen können, das wäre für mich absolut unvorstellbar gewesen. Ich glaube, da hätte ich richtig Radau gemacht. Einen Elternteil zu verlieren, ist für mich keine Option."

Sendung: Inforadio, 29.11.2018, 09:45 Uhr

Beitrag von Bettina Rehmann

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22 Kommentare

  1. 22.

    Dem kann ich nur zustimmen. Mein Ex-Mann hat damals versucht, das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zu bekommen und wollte mich aus der ehelichen Wohnung klagen. Nachdem das Gericht festgesetzt hat, dass wir auf bestimmte Zeit (bis zur nächsten Verhandlung) ein Wechselmodell (eine Woche der eine Eltern Teil Abendbetreuung und der andere Elternteil Morgenbetreuung, im wöchentlichen Wechsel) haben sich die Kinder eindeutig für die Betreuung bei der Mutter entschieden. Somit hatten wir das konventionelle Betreuungssystem, sprich jedes zweite Wochenende beim Vater und jeden Donnerstag. Anfangs lief mit den Besuchszeiten alles gut. Ich habe sogar außerordentlichen Treffen gerne zugestimmt. Dann vielen zunächst die Donnerstage weg. Bald wurden die Wochenenden weniger. Schließlich wollte der Kindsvater die "Betreuung in den Ferien" nicht mehr wahrnehmen. Ab da hat erb sich dann gar nicht mehr gemeldet. Ich kann nicht verstehen wie man erst um die Kinder kämpft und sie dann hängen lässt.

  2. 21.

    Ist Ihnen in ihrer jahrelangen Erfahrung mit Jugendämtern und Familiengerichten schon mal der Gedanke gekommen, dass diese nur mit strittigen Fällen zu tun haben - und die allermeisten Fälle, die nämlich ohne Auseinandersetzung ablaufen, gar nicht mitbekommen?

  3. 20.

    Leider sind das auch meine Erfahrungen. Die Zeiten sind schon längst vorbei, in denen Mütter Vätern ihre Kinder entreißen wollen. Den Luxus können sie sich auch gar nicht erlauben, da sie auch berufstätig sein müssen und jedwede Unterstützung im Alltag begrüßen. Zudem sollte inzwischen bei jeder Frau angekommen sein, dass Kinder beide Elternteile brauchen. Ausnahmen gibt es überall, aber Standard ist, dass es faire Besuchsregelungen gibt. Dafür sorgt spätestens das Familiengericht, dass zum Glück inzwischen die Position des Vaters sehr stärkt. Wenn Väter das wirklich wollen. Es ist leider zu oft noch so, dass sie sich nicht genügend einbringen und der Mutter das Feld überlassen. Aber auch das wird sich noch ändern.

  4. 19.

    Wir haben es ausprobiert. Das funktioniert super. Hat das Kind halt zwei Zuhause. Na und? Wo ist das Problem? Tausend mal besser, als wenn das Kind einen Elternteil kaum oder gar nicht sieht! Beide Eltern sind gleichermaßen wichtig für das Kind. Kein Elternteil ist verzichtbar oder ersetzbar. Es sei denn, man will sein Kind traumatisieren. Nicht umsonst wurde das Wechselmodell in -zig Ländern gesetzlich verankert. Nur im rückständigen Deutschland steht die Umsetzung noch aus. Manche denken hier eben noch in Kategorien der 50er.

  5. 18.

    Rein mathematisch ist das ja ein logisches Modell.
    Aber ist es das wirklich? Abgesehen davon, dass in Zeiten der Wohnraumknappheit immer noch ein Zimmer mehr vorhanden sein muss, stelle ich mir die Situation für ein kleines Kind nicht einfach vor, kein "richtiges" Zuhause zu haben, diesen einen Ort, wo man heimisch ist, seine täglichen Rituale, seine Geheimnisse, seines Nachbarsfreunde hat. Statt dessen jede Woche einen großen Abschied und jede Woche das Einleben in einen anderen Haushalt, in andere Lebensumstände, Nichts vergessen! Terminkalender führen! Beiden Elternfamilien gerecht werden!
    Ich sehe das mit großer Skepsis!

  6. 17.

    Wenn Trennungen nicht verkraftet werden, muß es ja vorher überhaupt erst mal zu Trennungen gekommen sein. Wenn die Kindsmutter nicht gleichberechtigten Umgang verhindern würde, wäre es im Regelfall keine Trennung. Indem Sie die Schuld daran den Vätern in die Schuhe schieben, zäumen Sie also das Pferd von hinten auf. Logik scheint Ihre Stärke nicht zu sein. Mütter neigen dazu, gemeinsame Kinder als "ihre Kinder" - als ihr Eigentum zu betrachten. Wenn Sie das selbst in 20 Jahren in "Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Familiengerichten" noch nicht mitbekommen haben, steht das für sich. Warum Sie mir mehr als 1,5 Tage lang zwanghaft Ihre krude Meinung aufdrängen müssen, bleibt Ihr Geheimnis. Und da wundern Sie sich, wenn ich darüber nicht erfreut bin?
    Meine persönlichen Erfahrungen werde ich hier nicht weiter ausbreiten. Die gehen Sie nichts an.

  7. 16.

    Ich möchte nun doch noch einmal reagieren. Es ist sehr befremdlich, dass Sie ganz offensichtlich nicht damit umgehen können, dass ich meine Meinung vertrete. Es ist definitiv nicht selten, dass Väter sich nach nicht verarbeiteten oder verkrafteten Trennungen von ihren Kindern abwenden, den Kontakt nur aufs Nötigste beschränken oder den Kontakt gänzlich abbrechen. Ich weiß nicht, woher Sie Ihre Erkenntnisse haben, sie hören sich eher nach subjektiver Wahrnehmung, als nach empirischen Fakten, an. In zweieinhalb Jahrzehnten enger Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Familiengerichten machte ich hingegen die Erfahrung, dass das leider zum Alltagsgschehen gehört. Warum Sie so aggressiv auf das Thema und mich reagieren, ohne dass Sie selbst schlechte Erfahrungen machen mussten, bleibt wohl Ihr Geheimnis. Ich möchte Sie auch nicht weiter nerven und werde mich jetzt nicht mehr äußern. Trotzdem sollten Sie im Internet immer damit rechnen, auf gegensätzliche Meinungen zu stoßen. Gehört dazu ;-)

  8. 15.

    Daß Eltern von sich aus den Kontakt zu ihren Kindern abbrechen oder nicht wollen, ist sehr, sehr selten. Das ist unnormal. Daß Eltern ihre Kinder behalten wollen, teils mit unlauteren Mitteln, ist hingegen der Normalfall. Das ist die natürliche Verhaltensweise. Warum Sie ausgerechnet auf den Ausnahmefall abstellen, daß Eltern nichts von ihren Kindern wissen wollen, ist nicht nachvollziehbar. Daß Sie mir darin trotzdem so penetrant widersprechen, nervt. Mir ist auch mit meinen über 5 Jahrzehnten Lebenserfahrung so ein Fall noch NIE untergekommen. Ich habe aber auffallend oft erlebt, wie Väter enttäuscht aufgegeben haben, weil ihnen die Kinder vorenthalten und gegen sie aufgehetzt wurden. Angesichts der Tatsache, daß 90% der Trennungskinder bei der Mutter leben, ist offensichlich, wer häufiger diese unlauteren Mittel anwendet.

    Nein, meine Kinder hatten sich für mich als Vater entschieden - schon vor der Trennung. Das tut hier allerdings nichts zur Sache.

  9. 14.

    Sie scheinen ungute Erfahrungen gemacht zu haben. Erging es Ihnen als Kind so, oder hat man Ihnen Ihre Kinder vorenthalten? So wie Sie mich angehen, muss ja etwas Gravierendes geschehen sein. Das täte mir sehr leid. Trotzdem sollten Sie akzeptieren, dass es Menschen gibt, die andere Erfahrungen machten. So wie ich. Und das nicht nur privat, sondern auch beruflich. Ich stimme Ihnen zu, dass es vorkommt, dass Mütter versuchen ihre Kinder um jeden Preis bei sich wohnen lassen zu wollen, Kinder dem Vater vorenthalten oder eine Entfremdung forcieren. Aber es passiert genauso, dass Väter ihrer Sorgepflicht nicht nachkommen, sich nach einer Trennung wenig oder gar nicht mehr kümmern oder den Kontakt gänzlich abbrechen. Beide Varianten sind unschön, dabei auf der Strecke bleiben immer die Kinder. Deswegen halte ich das Wechselmodell für eine sehr gute Sache, beide Elternteile haben das Sorgerecht und die Sorgepflicht, sind in den Alltag eingebunden und können sich verbindlich kümmern. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

  10. 13.

    Ich weiß nicht, in welchem Elfenbeinturm Sie leben, aber in meinem Umfeld verdienen Frauen traditionell genau so wie Männer - nicht selten mehr. Meine Ex z.B. zahlte keinen Unterhalt für unsere Tochter, obwohl sie damals mehr verdiente. In meinem Umfeld haben Frauen auch die besseren Karten, wenn sie es darauf anlegen, den Umgang zu vereiteln. Und sie tun es regelmäßig - trotz gemeinsamen Sorgerechts. Ich habe Fälle in meinem Umfeld erlebt, wo die Familiengerichte dies NICHT abstellen wollten. Außer bestenfalls einem richterlichen "Du Du!" gab's da genau: gar nichts. Also erzählen Sie hier bitte nichts vom Pferd.
    Nein, es sind nicht "nur" die bösen Frauen. Aber sehr sehr oft. 9 von 10 Trennungskindern leben bei der Mutter. Wer da häufiger den Umgang verweigert oder PAS verursacht, liegt ja wohl auf der Hand. Daß Eltern - expressis verbis Väter - nichts mit ihren Kindern zu tun haben wollen, ist eine böswillige Unterstellung.

  11. 12.

    Dass Kinder wesentlich häufiger bei den Müttern verbleiben, hat aber vielfältigere Gründe, als nur „ausgeprägten Egoismus“ von Müttern. Z.b. auch, weil die Familienmodelle meist immer noch so aussehen, dass Männer die Hauptverdiener in Vollzeit sind und ungerne darauf verzichten möchten. Das können Sie, ohne die Mütter als Betreuerin im Haushalt, nicht einfach so leisten. Das automatische 50:50 Sorgerecht nach einer Trennung gäbe auch Vätern die Möglichkeit, die Kinder zu sich zu nehmen. Dazu gehört aber eine gehörige Portion Flexibilität und Verzicht auf das berufliche Fortkommen. Dazu sind viele nicht unbedingt bereit. Die Medaille hat immer zwei Seiten, auch diese. Es sind nicht nur die bösen Frauen, die die Kinder an sich reißen. Dazu gehören immer zwei. Und sollte man sich diesbezüglich nicht einigen können-Antrag beim Familiengericht. Dort wird das geklärt. Die Zeiten sind schon längst vorbei, wo es selbstverständlich ist, dass die Mütter immer die Kinder bekommen. Es ist halt meist auch immer noch der bequemere Weg.

  12. 11.

    Tja, sehen Sie - und ich habe in meinem Umfeld diametral entgegengesetzte Erfahrungen gemacht. Die persönlichen Erfahrungen von uns beiden sind aber nicht relevant - sondern die Statistik. Sie können sich ja bei Gelegenheit mal informieren, wo Kinder laut statistischen Erhebungen öfter aufwachsen - bei der Mutter oder beim Vater. Ist eigentlich nicht schwer, das herauszufinden.

  13. 10.

    Ich stimme Ihnen in soweit zu, dass es meiner Erkenntnis nach eher positive empirische Studien zum Wechselmodell gibt. Sollte dem nicht so sein, wäre ich interessiert und offen für anderweitige Informationen. Ihre Äußerungen über die massenweise egoistischen Mütter, sehe ich aber auch skeptisch. In meinem Umfeld gibt es mehrere Trennungskinder, deren Mütter sind lebenserfahrene und gebildete Frauen, die wissen, wie wichtig der Kontakt zum Vater ist und fördern diesen auch. Ich hingegen habe leider zwei männliche Negativbeispiele im Bekanntenkreis, Väter, die ihre Vaterpflichten nicht erfüllen, weil sie neue Leben mit neuen Partnerinnen begannen und keinen Platz mehr darin für ihre Kinder einräumen.

  14. 9.

    Ich weiß nicht, in welcher Welt Sie leben, aber die meisten Eltern bekommen ihr Geld nicht geschenkt sondern müssen es sich hart erarbeiten. Das Wechselmodell ist schon kostenintensiv, da ein Extra-Zimmer vorgehalten und ausgestattet werden muß. Wie Sie sich aber die Finanzierung einer zusätzlichen Wohnung vorstellen, ist mir - erst recht hier in Berlin - völlig schleierhaft.

    Ich bin übrigens auch Scheidungskind - auch wenn das schon 40 Jahre her ist. Aber ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung versichern, daß ein Eltern-Kind-Entfremdungssyndrom für das Kind deutlich unangenehmer ist als das Wechselmodell. Und ich bin auch nicht so unangemessen verwöhnt worden, daß ich auf die absurde Idee käme, Ansprüche nach einer zusätzlichen Wohnung zu stellen.

  15. 8.

    "Professionelle Langzeitbeobachtungen"? Das glaube ich Ihnen nicht. Für diese zweifelhafte Behauptung hätte ich gern valide Belege. Offensichtlich verbreiten Sie hier lediglich die Meinung interessierter Seite. Es gibt bekanntlich massenweise Mütter, die in ihrem ausgeprägten Egoismus das Kind allein für sich wollen. Dieser Dunstkreis betreibt allerdings keine professionellen Beobachtungen sondern höchstens Propaganda.

  16. 7.

    Das Wechselmodell fordert vor allem den Kindern eine sehr hohe Anpassungsleistung ab. In der professionellen Langzeitbeobachtung hat es sich mehrheitlich nicht bewährt. Es nützt den Eltern das Kind in gleiche Teile zu teilen. Für das Kind geht die Wurzel verloren. Es hat kein echtes zu Hause mehr. Ein Kind ist keine Pizza, die man teilen kann wie es Erwachsenen gerade passt.

  17. 6.

    ...oder die getrennten Eltern bleiben in einer Wohnung zusammen wohnen?! Ich glaube nicht, dass das viele dauerhaft durchhalten können. Ein Neuanfang nach einer Trennung bedarf auch einer gewissen Distanz samt neugewonnener Privatspäre. Wie gesagt, wäre optimal, aber halte ich für fast undurchführbar.

  18. 5.

    Dieses Konzept wäre natürlich optimal. Das bräuchte aber noch mehr Voraussetzungen, als die andere Variante. Wenn es denn beruflich vereinbar ist (z.b. Arbeitsweg) und beide Elternteile weiter in derselben Stadt wohnen bleiben können, eine gute Lösung. Genauso müsste es atmosphärisch zwischen den Eltern trotz Trennung so gut harmonieren, dass ein „gemeinsamer“ Haushalt weiter machbar ist. Finanziell wäre das auch eine für viele nicht zu erbringende Herausforderung. Es bräuchte ja drei Wohnungen für das Konzept. Meiner Ansicht nach bei den Meisten leider nicht zu realisieren.

  19. 4.

    Also wir leben jetzt auch schon knapp vier Jahre mit dem Wechselmodel. Damals war mein Sohn 4 Jahre und die Trennung ging ohne viel Streit vonstatten. Eine Lösung für uns war das Wechselmodel. Denn ich wollte kein Wochenendpapa sein, sondern mich gleichermaßen an die Erziehung und Betreuung beteiligen. Nun ist mein Sohn 8 und er kommt von Anfang an super damit klar. Größere Kosten teilen wir uns, so das das finanzielle nie ein Thema war. Lediglich das Kindergeld verbleibt bei der Mama, das ist aber auch OK für mich. Mein Sohn ist glückliche mit dieser gewählten Variante und möchte es nicht missen, denn so hat er jeden von uns eine ganze Woche lang und man kann sich auf die Abläufe und Rituale einspielen. Und falls doch mal was dazwischen kommt, dann reden wir alle miteinander. Alles ließ sich bislang schnell lösen. Aber es wird nicht überall funktionieren, denn das wichtigste ist, dass die Eltern miteinander kommunizieren können. Das ist bei vielen Trennungen meist nicht der Fall.

  20. 3.

    Als ehem. Wechselkind möchte ich zu Bedenken geben, dass auch dieses Modell noch eine enorme Belastung des Kindes ist, für die es keine Schuld trägt.
    Deutlich fairer ist das "Nestmodell", bei dem das Kind in der gemeinsamen Wohnung bleibt und die Eltern sich abwechseln. Das ist unbequemer für die Eltern, aber so tragen sie Konsequenzen ihrer Trennungsentscheidung selbst.

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