Videoaufnahme vom Ausbruch (Quelle: rbb)
Video: rbb|24 | 05.12.2018 | Jochen Kienbaum | Bild: rbb

Nach mehreren Ausbrüchen - Wie Berlins Häftlinge in den Gefängnissen bleiben sollen

Vier Gefangene der JVA Plötzensee kamen durch ein Loch in der Wand ins Freie, in Tegel fuhr ein Häftling am Unterboden eines Lasters nach draußen. Jetzt hat Justizsenator Dirk Behrendt Neuerungen vorgestellt, welche die Gefängnisse ausbruchsicher machen sollen.

Knapp ein Jahr nach den spektakulären Ausbrüchen aus den Berliner Gefängnissen Tegel und Plötzensee hat Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Mittwoch neue Sicherheitsvorkehrungen für die Berliner Haftanstalten präsentiert. Dazu gehörten etwa Herzschlagsensoren, so der Senator im rbb. "Damit kann man Personen, die sich in Pkws oder Lkws verstecken, aufspüren." 

Außerdem dürfen die Insassen in Zukunft nur noch weniger Habseligkeiten in ihre Zellen mitnehmen. Neue Schließanlagen, höhere Zäune, Umbauten in den Gebäuden und mehr Personal sollen Berlins Gefängnisse ausbruchsicher machen. 

Bereits im Februar hatte Behrendt seine Pläne in einem Sofortprogramm präsentiert. 

Test mit Puppen unter Fahrzeugen

"Ich habe das Amt übernommen, als wir in Gefängnissen 200 unbesetzte Stellen hatten", sagte Behrend dem rbb am Mittwoch. Derzeit beschäftigen die Haftanstalten laut Behrendt 300 Azubis, die bis Ende 2020 die offenen Stellen vollständig besetzen sollen.

Entscheidend sei die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter. Deshalb sollen immer wieder Alltagsroutinen durchbrochen werden. Es seien auch Test in den Haftanstalten gemacht worden, erklärte Susanne Gerlach, Abteilungsleiterin für den Justizvollzug. So wurde etwa eine Puppe unter einem Fahrzeug versteckt, um zu schauen, ob sie bei der Kontrolle entdeckt wird.

Erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt

Kurz nach Weihnachten 2017 waren vier Gefangene durch einen Heizungsraum aus der Justizvollzugsanstalt Plötzensee geflohen. Sie entkamen mit Hilfe eines Vorschlaghammers, zwei Flexgeräten und einer Hydraulikpresse. Kurz danach entkamen weitere fünf Gefangene aus dem offenen Vollzug.

Ein weiterer spektakulärer Ausbruch ereignete sich im Februar in der JVA Tegel: Dort entkam ein Insasse, indem er sich am Unterboden eines Lkw versteckte und so unkontrolliert die Pforte passieren konnte. Insgesamt entkamen damit zehn Häftlinge innerhalb von sechs Wochen aus Berliner Gefängnissen.

Behrendt geriet durch die Vorfälle stark unter Druck. "Die Aufgabe, die Gefangenen sicher zu verwahren, haben wir an der Stelle nicht erfüllt, da müssen wir besser werden", räumte er ein. Der Justizsenator beauftragte einen externen Fachmann nach Sicherheitslücken zu suchen. Ein anschließender Untersuchungsbericht deckte erhebliche Sicherheitsmängel auf. In Plötzensee gebe es besonders in der Kfz-Werkstatt des Gefängnisses und in Nebenräumen Lücken, in Tegel machten die Sachverständigen vor allem fahrlässiges Verhalten der Angestellten für die Flucht verantwortlich.

Sendung: Abendschau, 5.12.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

4 Kommentare

  1. 4.

    Das würde mich auch wundern, hätte ich keinen Sinn für Humor. Ich finde, dass man der Thematik als normaler Staatsbürger gelassener entgegen sehen kann, nach vom Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) engagierte Maßnahmen eingeleitet wurden.

  2. 3.

    Als Mensch, der seit über 30 Jahren mit Fragen des Strafvollzugs befasst ist, staune ich immer wieder über die undifferenzierte Berichterstattung des rbb zu diesem Thema. Von den im Bericht genannten 10 entkommenen Inhaftierten waren die Hälfte im Offenen Vollzug, in dem der Missbrauch von Lockerungen im unteren Promillebereich liegt! Und da machen die genannten Maßnahmen wie höhere Mauern überhaupt keinen Sinn!

  3. 1.

    Fußkette und rot-lackierte 20kg-Betonkugel?

Das könnte Sie auch interessieren