Gebäude am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße am Abend in der Dämmerung (Quelle: dpa/Kalaene)
Video: Abendschau | 03.12.2018 | B. Hermel / F. Eckardt | Bild: dpa/Jena Kalaene

Streit über Bebauung des Checkpoint Charlie - Senat rückt von Investor Trockland ab

Der Checkpoint Charlie ist für Berlin historisch bedeutsam. Der Investor Trockland will dort bauen, darüber streitet aber der Senat. Stadtentwicklungssenatorin Lompscher glaubt, die Investoren hätten kein ausreichendes Verständnis für die Bedeutung des Ortes.

Im Streit um die Bebauung des Checkpoint Charlie will der Senat offenbar seinen Kurs offenbar ändern. Die "Berliner Zeitung" berichtet unter Berufung auf Senatskreise, die Landesregierung wolle nun doch nicht mit dem Investor Trockland zusammenarbeiten. Das wolle der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Senatssitzung am Dienstag deutlich machen. Zuvor hatten sich bereits Linke und Grüne kritisch über Trockland geäußert.

Land Berlin könnte Vorkaufsrecht nutzen

Trockland will am Checkpoint Charlie ein Hotel, Büros und Wohnungen errichten. Nachdem der Investor die Grundschuld mehrerer Flächen am ehemaligen Grenzübergang übernommen hatte, hatte der Senat eine Absichtserklärung mit Trockland unterzeichnet. Doch zuletzt kamen massive Zweifel auf, vor allem was die Hinterleute von Trockland und die Quelle des Investitionskapitals angeht. Die Spuren führten unter anderem nach Russland und in mehrere Steueroasen.

Das Land Berlin hat bei den Flächen rund um den Checkpoint Charlie Vorkaufsrecht. Es zu nutzen, könnte allerdings sehr teuer werden.

Lompscher: Investoren fehlt Verständnis für historische Ort

Die Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) reagierte im rbb zurückhaltend auf Medienberichte, wonach das Land bei der Bebauung des Checkpoint Charlie nicht mehr mit dem Investor Trockland zusammenarbeiten will. Lompscher betonte, ihre Aufgabe sei es, einen Bebauungsplan zu erstellen, bei dem die Interessen des Landes an diesem historisch wichtigen Ort gewahrt werden. Dazu gehöre, dass die Lücke, die durch die Teilung Berlins entstanden ist, auch künftig zu sehen sein sollte.

Die aktuelle Diskussion sei durch die Frage entstanden, ob "ein Hardrock Hotel an diesem Ort eine angemessene Nutzung" ist, so Lompscher. Das zeige, "dass es von Seiten der privaten Investoren hier offensichtlich noch kein ausreichendes Verständnis dafür gibt, an welchem besonderen Ort wir uns hier befinden".

FDP spricht sich gegen "teure Vorkaufsrechte" aus

Der Sprecher für Bauen und Wohnen der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Förster, teilte am Montag mit, die FDP-Fraktion halte "eine Bieterschlacht oder teure Vorkaufsrechte zulasten der Steuerzahler" für das falsche Mittel. "Die ungeschickte Art und Weise wie Trockland in den letzten Wochen öffentlich agiert, ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Transparenz bei der Gesellschafterstruktur hätte längst hergestellt werden können", hieß es weiter. Dennoch favorisiere die FDP-Fraktion eine Entwicklung der Grundstücke in privater Hand bei klaren städtebaulichen Vorgaben.

Einigung über künftige Bebauung erzielt

Im Sommer hatten sich Politik und der private Investor nach langem Hin und Her auf Eckpunkte einer künftigen Bebauung geeinigt. In einem der neuen Gebäude soll demnach auch ein "Bildungs- und Erinnerungsort" eingerichtet werden. Das Museum, das an die Geschichte des Ortes und den Kalten Krieg erinnern soll, ist unterirdisch geplant, Berlin soll eine jährliche Miete von etwa 800.000 Euro zahlen. Zudem wurden sieben Testentwürfe für die Gestaltung der Kreuzung Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße präsentiert. Nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung sollten daraus Empfehlungen für einen Architekturwettbewerb entwickelt werden.

Sieben Entwürfe, wie es am Checkpoint Charlie aussehen könnte

Sendung: Inforadio, 3.12.2018, 8:40 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    "Investoren können sich nicht auf Berlin verlassen."

    Investoren nennen sie so was? Illustre Gesllschaft würde ich das nennen und das auch nur damit sie diesen Beitrag hier lesen können.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/gedenkstaette-in-berlin-investor-fuer-checkpoint-charlie-hat-heikle-partner/23693394.html

  2. 2.

    Google Campus, Hypoport und jetzt Checkpoint Charlie: Investoren können sich nicht auf Berlin verlassen. Jetzt trifft es Trockland, einen eingesessenen Investor, der über 20 Jahre in Berlin baut. Berlin müsste einen völligen Neustart für die Nutzung der Grundstücke an der Friedrichstraße durchzusetzen: Berlin müsste diese Grundstücke im Gegenwert von bis zu 200 neuen Kindertagesstätten erwerben. Der Finanzsenator müsste bei einer Zwangsversteigerung unter Umgehung des Haushaltsrechts bis zuletzt in Konkurrenz mit internationalen "Heuschrecken" und seriösen Investoren das höchste Gebot abgeben. Und dann müsste das Land Berlin eine mehrjährige Planung auf den Weg bringen und weitere mehrstellige Millionenbeträge aufbringen, um alternative Konzepte auf diesen Grundstücken zu realisieren. Berlin hätte in Sumne die Verluste der gescheiterten Investoren erfolgreich sozialisiert und den derzeitigen höchst unbefriedigenden Zustand auf mindestens weitere 10 Jahre zementiert. Dit is Berlin!

  3. 1.

    Interessant, das der Checkpoint Charly, der nur ein alliierter Übergang war, so im Fokus steht, wo doch an der Bornholmer Straße, wo die Schranken zuerst fielen, das Gedenken so schön an den Rand gedrängt und das Areal nunmehr verhökert und zubetoniert wurde. Dort, wo sich die Menschen den Weg gebahnt haben, erinnern nur ein paar Tafeln, dort, wo die alte Mauer des Grenzobjekts waren, die an Gärten grenzen. Aber da, wo die Kontrollen stattfanden, wurde alles zerstört. Eine Schande, dass dem Senat dieser Ort so gar nichts wert ist. Da ist der CC doch völlig egal, aber nein, da ist ja der Tourismusterror zuhause, da darf nichts weiter geschehen......
    In diesem Sinne. Habt Spaß beim Veräppeln der Menschen.

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