Ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann in der Flüchtlingsunterkunft Tempelhof
Video: Abendschau | 20.12.2018 | Beitrag von S. Wendling und Interview mit Elke Breitenbach | Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Bewohner sollen nach Spandau umziehen - Flüchtlingszentrum im Flughafen Tempelhof wird aufgelöst

Menschenunwürdig, ghettomäßig, katastrophal: So wurde die Flüchtlingsunterkunft in den Tempelhofer Hangars in den letzten Jahren oft beschrieben. Nun soll die einst größte Unterkunft Berlins geschlossen werden - und zwar noch vor Weihnachten.

Die umstrittene Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Berliner Flughafen Tempelhof wird schrittweise aufgelöst. Das bestätigte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Donnerstag, zuvor hatte die Zeitung "Neues Deutschland" darüber berichtet. Breitenbach will die Unterbringung in den ehemaligen Hangars beenden: "Die rund 250 Menschen, die jetzt schon da sind, kommen in die Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne."

Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik wird neues Aufnahmezentrum

Neue Asylsuchende, die über Weihnachten und Neujahr nach Berlin kommen, müssen dann nur noch kurzzeitig in den Hangars bleiben, zur Registrierung und medizinischen Erstuntersuchung. Danach sollen sie ebenfalls in die ehemalige Knobelsdorf-Kaserne in Spandau umziehen. Bis Ende März 2019 soll das Zentrum im früheren Flughafen ganz schließen. Dann wird es für einige Monate provisorisch in Gebäuden der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf betrieben, ehe auf dem dortigen Gelände ein 20 Millionen Euro teurer Neubau mit 400 Plätzen öffnet. Das soll Ende 2019 sein.

Zwar sei diese Zwischenlösung nicht ideal, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Aber man wolle die Menschen nicht noch das ganze nächste Jahr in dem Hangar haben. Die Flüchtlingsunterbringung in den ehemaligen Flugzeughallen sei von allen die teureste Variante, so der Finanzsenator: "Die Zahl der Personen, die Sie brauchen, allein um diese Hangars sicher zu betreiben: Da gehen Ihnen die Augen über. Nichts ist teurer als die Hangars."

Massive Kritik an Unterbringung in Hangars

Aber auch die Kritik an der Unterbringung der Menschen in den Hangars dürfte das schnelle Handeln vor den Feiertagen erklären. Der Berliner Flüchtlingsrat nannte die Zustände im Ankunftszentrum zuletzt "unmenschlich" und "katastrophal".

Zuletzt kamen in Berlin durchschnittlich 800 Flüchtlinge pro Monat an. Eigentlich sollen sie für das Aufnahmeverfahren drei bis fünf Werktage im Ankunftszentrum bleiben, was in der Praxis allerdings seit längerem nicht funktioniert.

Auch der Betreiber der Unterkunft hatte immer wieder kritisiert, dass die Hallen mit nach oben offenen Schlafkabinen für eine langfristige Unterbringung der Geflüchteten nicht ideal seien. Die harsche Kritik vom Flüchtlingsrat ging Geschäftsführer Michael Elias aber zu weit: Seine Mitarbeiter würden täglich ihr Bestes geben, um unter den gegebenen Umständen das Beste für die Geflüchteten rauszuholen. 

Die Flüchtlingszahlen gingen zuletzt deutlich zurück. 2015 hatten noch 55.000 Menschen in Berlin Asyl beantragt, im vorigen Jahr waren es knapp 17.000, in diesem bis Ende November rund 8.300.

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Alles was sie aufgeführt haben kenne ich auch von unseren Landsleuten, also haben sich diese Flüchtlinge doch erfolgreich sozialisiert oder? :-P

  2. 5.

    Ich bin Spandauer und störe mich nur an diejenigen Flüchtlingspersonen, deren Sozialisierung noch nicht soweit entwickelt ist zu erkennen, dass man nicht mit Telefon-Gesprächen in der Heimatsprache die öffentlichen Verkehrsmittel beschallen muss. Das nervt nämlich ungemein! Ebenso, diejenigen Banausen, die ihre Schuhe auf der Sitzbank ablegen oder deren Kinder mit Straßenschuhen auf den Sitzen stehen. Mit anderen Worten, wer sich sozialverträglich in Spandau benimmt, ist von mir aus gern willkommen.

  3. 4.

    Sehr gut. Das war so etwas von teuer in den Hangers. Zumal die Flüchtlingszahlen rückläufig sind. Das muss man nicht diese teuere Unterkunft unnötig lange offen halten. Sie war eh nicht geeignet. Notlösungen sind eben Notlösungen. Will keiner.

  4. 2.

    Eine hoffentlich menschenwürdige Unterkunft wird ihnen nun garantiert.

  5. 1.

    Warum Spandau, haben wir nicht schon genug. Ich denke, die Bundespolizei zieht in die Schmidt - Knobelsdorf -Kaserne?

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