07.12.2018, Berlin: Hubertus Knabe, bisheriger Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, kommt zur Verhandlung der Zivilkammer am Landgericht (Quelle: dpa/ von Jutrczenka)
Audio: Inforadio | 14.12.2018 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/ von Jutrczenka

Rechtsstreit beendet - Knabe und Stasiopfer-Gedenkstätte einigen sich auf Vergleich

Die Stasiopfer-Gedenkstätte in Hohenschönhausen soll ihre Arbeit störungsfrei fortsetzen können - daher haben sich die Gedenkstätte und ihr früherer Leiter Hubertus Knabe auf einen Vergleich geeinigt. Das teilte am Freitag die Senatskulturverwaltung mit.

Seit Wochen schwelte ein Rechtsstreit zwischen der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen und ihrem früheren Direktor Hubertus Knabe. Das Landgericht wollte nach eingehenden Beratungen erst in der kommenden Woche eine Entscheidung bekanntgeben, doch dies dürfte sich nun erledigt haben.

Gedenkstätte nicht durch Rechtsstreit belasten

Wie die Senatskulturverwaltung am Freitag mitteilte, haben sich Knabe und die Gedenkstätte auf ein dengültiges Ausscheiden Knabes und einen außergerichtlichen Vergleich verständigt. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen leiste für die SED/MfS-Aufarbeitungsarbeit einen wichtigen Beitrag. Der Vergleich sei notwendig, "um diese gute und erfolgreiche Arbeit der Gedenkstätte nicht durch langwierige juristische Auseinandersetzungen zu belasten".

Die Stasiopfer-Gedenkstätte wird vom Bund und dem Land Berlin gemeinsam finanziert. Über Details sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte der Sprecher der Kulturverwaltung, Daniel Bartsch, dem Evangelischen Pressedienst am Freitag.

Knabe wollte unbedingt zurück

Um Knabe hatte es zuletzt einen heftigen Rechtsstreit gegeben. Dem langjährigen Leiter der Gedenkstätte wurde vorgeworfen, nicht entschieden genug dagegen vorgegangen zu sein, dass sein Stellvertreter, Helmuth Frauendorfer, Frauen sexuell belästigt haben soll. Der Historiker hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. In den 17 Jahren seiner Tätigkeit habe er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "immer fair und respektvoll behandelt", sagte Knabe.

Der Stiftungsrat der Gedenkstätte hatte im September entschieden, Knabe zum Frühjahr 2019 zu kündigen und bis dahin freizustellen. Doch dieser setzte durch, an seinen Arbeitsplatz zurückkehren zu dürfen. Am 22. November entschied das Landgericht Berlin per einstweiliger Verfügung, Knabe mit sofortiger Wirkung wieder als Direktor der Gedenkstätte einzusetzen und die Geschäfte der Stiftung vorläufig weiterführen zu lassen. So kehrte Knabe, zwei Monate nach seiner Freistellung, am 26. November für wenige Stunden in die Gedenkstätte zurück.

Stiftungsrat wehrte sich - mit Erfolg

Doch der Stiftungsrat der Gedenkstätte wehrte sich und beantragte erfolgreich eine Eilentscheidung des Landgerichts. Zugleich hatte er Knabe nach dem Gerichtsentscheid mit sofortiger Wirkung als Vorstand und Direktor abberufen lassen - unter Verweis auf "diverse Rechtsverstöße", Pflichtverletzungen und ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis.

Als Interimsvorstand und -Direktor bestellte der Stiftungsrat den bisherigen Vize-Vorstand, Jörg Arndt. Mit der Rückkehr Knabes gab es damit am 26. November zeitweise zwei Direktoren in der Gedenkstätte. Endgültig wollte das Landgericht Mitte Dezember über den Fall entscheiden.

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18 Kommentare

  1. 18.

    Was bleibt? Viele Fragen. Kann man eine solche Einrichtung in einer Art führen, dass man "Erfolg" konstatiert? Warum kommen die betroffenen Frauen weder in der Erklärung von Frau Klier u.a. noch in der Erklärung von Herrn Biermann u.a. vor? Ist das Recht von Frauen und Männer, sich gegen sexuelle Übergriffe verwahren zu können, dazu zu unwichtig?
    Warum äußert sich der MDR nicht zum Wikipedia-Eintrag, Herr Helmut Frauendorfer sei dort noch Mitarbeiter? Wie gut ist tatsächlich diese Einrichtung, wenn die dort über Jahre gezeigte Wasserfolterzelle vor einigen Jahren heimlich, still und leise zurück gebaut wurde?

  2. 17.

    Erhard Neubert; Vielleicht nehmen Sie folgende Tatsachen zur Kenntnis: Nicht Herr Lederer hat H. Knabe gekündigt, sondern der Stiftungsrat einstimmig. So Frau Grütters - Kulturstaatss. Im Bundeskanzleramt und Vorsitzende der Berliner CDU; Herr Dombrowski - Mitgl. des BB Landtages und ehemaliger Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag sowie Vorsitzender aller Opferverbände in der UOAG. Ein Mann , der in Cottbus inhaftiert war. Alles keine Freunde der "Linken",
    nebenbei auch nicht mein Freund. ich bin Referent an dieser Gedenkstätte, und zwar weil ich in dieser DDR 2 mal inhaftiert und insgesamt 2 1/2 Jahre meine besten Jahre in den Gefängnissen zubrachte. Nehmen sie bitte zur Kenntnis, dass 41 Referenten sich gegen die weitere Tätigkeit von H. Knabe ausgesprochen haben, dabei seine Verdienste gewürdigt, aber seinen autoritären Führungsstil ablehnen. Menschen wurden damals gedemütigt, dass darf nie wieder in dieser Gedenkstätte passieren. Das nehmen sie endlich zur Kenntnis.

  3. 16.

    Falsch, Hr. Lederer gehört der Partei DIE LINKEN an, eine Fusion der Parteien WASG und der PDS, die wiederum aus der SED hervorgegangen ist.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Linke

  4. 15.

    Fehlerkorrektur:

    Es muß natürlich Gedenkstätte und nicht Stiftung heißen, der Satz lautet also korrekt:

    Von daher ist die Arbeit dieser Gedenkstätte so wichtig und wertvoll und deswegen war es gut dass Hr. Knabe gehen muß, weil er u.a. die Gedenkstätte für seinen persönlichen Egotrip mißbraucht hat.

  5. 14.

    Es ist gut, dass diese Schmierenkomödie ein Ende hat. Nun kann die Gedenkstätte hoffentlich wieder ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen und alle Mitarbeiter/innen in Ruhe arbeiten.
    Ein geschlossener Vergleich dessen Inhalt nicht veröffentlicht wird, macht mich aber sehr skeptisch.
    Da fließt doch wieder ne Menge Geld zu Lasten der Steuerzahler, statt den Verursacher zur Verantwortung zu ziehen. Ansonsten müsste man ja nicht so ein Geheimnis darum machen.

  6. 13.

    Sie haben recht wenn sie behaupten NS Täter haben eine "zweite Chance" bekommen, manchmal sogar mehr als das. Es waren nicht nur die Kiesingers, die die Politik in der jungen BRD mitbestimmt haben. Nicht die Naumanns, die noch mit Hilfe der britischen Besatzungsmacht (da waren sie noch keine "Beschützer") aufgeflogen sind.

    Es waren auch die "Arisierungskönige" von deren Vermögen heute eine rechtsextreme "Partei" profitiert oder eine FDP. Oder suchen sie mal nach einem Förderer des jungen Hr. Dr. Kohl, einen "Herrn" Fritz Ries, seines Zeichens Besitzer der damaligen Pegulan Werke.

    Ich finde diese Aufrechnung dennoch nicht legitim, nur weil eine Aufarbeitung verschlampt und verhindert wurde müssen wir den Fehler nicht ein zweites Mal begehen.

    Von daher ist die Arbeit dieser Gedenkstätte so wichtig und wertvoll und deswegen war es gut dass Hr. Knabe gehen muß, weil er u.a. die Stiftung für seinen persönlichen Egotrip mißbraucht hat.

  7. 12.

    Nur zum Verständnis: Herr Lederer gehört nicht der "Nachfolgepartei der SED" an, sondern der umbenannten SED.
    Eine Nachfolgepartei wäre es; wenn die SED sich auf ihrem Sonderparteitag im Dezember 1989, aufgelöst hätte.
    Anträge dazu wurden allerdings abgelehnt. Die Neugründung einer Partei gab es somit nicht, welche man als Nachfolgepartei bezeichnen könnte.

  8. 11.

    Einmal Stasi - immer Stasi?

    Weil ein junger Mensch eine Verpflichtungserklärung für die Stasi zu "arbeiten" unterschrieben hat, ist für einige Stasi-Opfer bis heute ein Unding. Ein Blick in die Geschichte zeigt uns jedoch, das ehemalige NSDAP-Mitglieder, die auch Mitglied in der SS waren, (oft weit älter als Andrej Holm)wurde in der jungen Bundesrepublik eine "ZWEITE CHANCE" gegeben.
    Ich habe mich sehr oft gefragt, ob ich als 16,17,18jähriger, von der Stasi angeworben,(was zum Glück nicht geschehen ist)nach der Wende damit hausieren gegangen wäre. Einigen Westunternehmern war es sogar egal , wo ihre aus dem Osten stammenden Mitarbeitern nach der Wende vorher gearbeitet haben. (Siehe: Was wurde aus der Stasi 04.12.2018,22:05 Uhr, mdr). Doch wenn die Stasi sooo flächendeckend überwacht hat, wie behauptet, würde mich meine Stasiakte interessieren, was drin steht und wie "dick" diese ist.

  9. 10.

    Es war ja zu erwarten dass hier wieder einer aufschlägt und FakeNews verbreitet. Der Stiftungsrat hat Hr. Knabe freigestellt, dessen Vorsitzender qua Amt Hr. Lederer ist.

    Hr. Lederer war 1989 15 Jahre alt, welche Verbrechen soll er denn begangen haben,außer das er einer Partei angehört die sie eine Nachfolgepartei nennen? Welche Partei ist denn keine Nachfolgepartei?

    Na dann suchen sie mal in anderen Parteien welche, die früher tatsächlich der SED angehört haben, da finden sie sogar welche die heute einer rechtsextremen "Partei" angehören.

  10. 9.

    Frauendorfer und Knabe (die Namen sprechen für sich..) meinten, sie könnten sich alles erlauben. Schnöselig, Überwertigkeitskomplex, und echt oldschool - sowas geht in der BRD seit etlichen Jahren nicht mehr. Gar nicht. Ging eigentlich noch nie, aber seit gefühlt 20 Jahren wird dem auch unerbittlich nachgegangen. Sollten ausgerechnet die beiden Selbstgefälligen das nicht bemerkt haben??

    Schlimm ist, dass man sich "geeinigt" hat, also eine fette Abfindung und bezahlte Restlaufzeit. Macht ja nix, wir ziehen ja auch schon den Mörder von Georgine nebst der darauf angesetzten Beamten durch, und die Ermittler im Fall Anis Amri, Und den BER, den Lüttge-Daldrupp, und und und...

  11. 8.

    "In dem Brief erhoben" wurden "Vorwürfe.

    Welcher Brief, was wurde konkret von wem vorgeworfen? Es ist nichts Greifbares.
    Aber Knabe kann ich verstehen. Er hat keine Lust mehr, und wenn er das Direktorengehalt bis zur Rente sich zusichern konnte, die SED-Erben bezahlen es nicht und so ist es eine WinWin Situation für Jedermann. Nur nicht für den Steuerzahler, aber das interessiert im Müller-Senat sowieso niemand.

  12. 7.

    Ich war in den vergangenen Jahren sehr oft Besucher von VERANSTALTUNGEN der Gedenkstätte (Die auch AUSSERHALB der Gedenkstätte stattfanden). Herr Knabe kann ja in Zukunft, so wie ich, als Besucher an diesen VERANSTALTUNGEN teilnehmen. Sind ja schließlich ein FREIES LAND. Bin schon heute gespannt, ob ich Herrn Knabe dort wiedertreffe.

  13. 6.

    Herr Naumann, nehmen Sie die Wirklichkeit, die Tatsachen, die Fakten zur Kenntnis: Herr Knabe hat auf Beschluss des Stiftungsrates der Einrichtung, nicht aufgrund eines einzelnen Entscheiders und schon gar nicht aufgrund der einsamen Entscheidung des Kultursenators Klaus Lederer seinen Posten zu räumen. Aus meiner Sicht hätte Herr Knabe schon entlassen werden müssen, als er die "Stasiakte" eines damals 19-Jährigen veröffentlichte. Weil der sich für 6 Monate dem MfS verpflichtete im Glauben er müsse und dies nicht zuletzt um studieren zu können. Der Name dieses damals Jugendlichen lautet: Andrej Holm. Es ist nicht die Aufgabe eines Gedenkstätten- und Museumsleiters Politik und Kampagnen auf diesem Niveau zu betreiben. Es zeugt neben der charakterlichen Nicht-Eignung vielmehr auch von der wissenschaftlichen Nicht-Eignung als Leiter einer Einrichtung, die auch der Forschung zu dienen hat. Die Einrichtung ist viel zu wichtig, um sie Propagandisten wie Herrn Knabe zu überlassen.

  14. 5.

    Ist denn Herr Knabe Opfer oder Täter? Hat er einen Deckname oder saß er in Hsh ein?
    Was sucht Herr Knabe überhaupt in der Gedenkstätte? Lösung: Eus für die eigene Tasche.

  15. 4.

    Es wird Herrn Lederer sicherlich freuen, dass einer der schärfsten Kritiker seiner Partei entmachtet worden ist.

    Kann sich eine solche Gedenkstätte überhaupt glaubwürdig mit der SED-Geschichte befassen, wenn deren oberster Ausseher deren Nachfolgepartei angehört?

  16. 3.

    Alles hat seinen Preis - selbst der Verrät.

  17. 2.

    Im wurde unter anderem vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen sexuelle Belästigung vorgegangen zu sein. Tatsächlich war das nur einer von mehreren Vorwürfen, die in dem Brief seinerzeit erhoben wurden. Schade, dass die anderen Sachen mittlerweile samt und sonders von allen Medien ignoriert werden. "Sex sells", schätze ich.

  18. 1.

    Zitat: "Einzelheiten des Vergleichs wurden nicht genannt." - So, so.

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