Collage rbb24: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (beide Grüne) (Quelle: Imago/ Ditsch/ Revierfoto)
Video: Abendshow | 06.12.2018 | Bild: Imago/ Ditsch/ Revierfoto

Debatte über Lebensqualität in Berlin - Palmer gegen Berlin gegen Pop

Die Berlin-Schelte des grünen Tübinger Bürgermeisters Boris Palmer polarisiert. Gegenwind kommt (natürlich) vor allem aus der Hauptstadt. Palmer blamiere sich als Hilfssheriff, twitterte Wirtschaftssenatorin Pop. Jetzt knöpft sich Palmer Berlins Wirtschaftspolitik vor.

Tübingens Bürgermeister Boris Palmer hat seine scharfe Kritik an den Lebensverhältnissen in Berlin verteidigt - auch gegen seine grüne Parteikollegin, Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. In einem Facebook-Post nannte Palmer am Donnerstag Pops Reaktion "herablassend" und kommentierte: "Metropolen, Vielfalt, Tempo und Lebenslust finde ich alles super. Aber wo steht bitte, dass das mit kaputten Schulen, Chaos im Nahverkehr, Kriminalität auf der Straße, Clanherrschaft und einem völlig überforderten öffentlichen Dienst erkauft werden muss? Kann man nicht das eine wollen und auf das andere verzichten?"

"Kannst Dich als Hilfssheriff woanders blamieren"

Pop hatte zuvor über Twitter auf Äußerungen von Palmer reagiert. Dieser hatte der Funke-Mediengruppe gesagt, er komme in Berlin "mit dieser Mischung aus Kriminalität, Drogenhandel und bitterer Armut auf der Straße" nicht klar. "Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: 'Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands'".

Für dieses Statement hatte Palmer vor allem aus der Hauptstadt viel Gegenwind bekommen. Pop reagierte: "Lieber Boris Palmer, niemand zwingt Dich, nach Berlin zu kommen. Wenn Du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst Du woanders die Kehrwoche zelebrieren und Dich als Hilfssheriff blamieren."

"Kehrwoche" und "Hilfssheriff" - mit diesen Begriffen zeige Pop nur, dass sie die Probleme nicht ernst nehme, kommentierte Palmer jetzt: "Die meisten Menschen akzeptieren die Nachteile des Staates nur, weil er ihnen Sicherheit und Ordnung bietet. Wer dieses Bedürfnis nicht ernst nimmt, sondern sich darüber lustig macht, zeigt leider nur, warum es nicht besser werden kann."

Im Detail nahm sich Palmer die Wirtschaftspolitik in Berlin vor und die geplatzte Ansiedlung von Google in Berlin-Kreuzberg. Das Unternehmen hatte geplant, dort einen Innovationscampus zu erreichten; nach Protesten gab Google aber seine Pläne auf. Ende Oktober wurde bekannt, dass in dem Gebäude ein "Haus für soziale Projekte" eingerichtet werden soll.

Palmer: Pop macht sich lustig, aber nichts besser

"Jetzt sollen stattdessen Non-Profit-Unternehmen kommen", kommentierte Palmer in Richtung der Wirtschaftssenatorin. "Du hast das begrüßt. Weißt du was? Das verstehe ich Spießer auch nicht." Berlin ziehe Deutschland wirtschaftlich runter - "und das mit dem Argument, ihr wollt der Gentrifizierung von Kreuzberg entgegenwirken, indem ihr verhindert, dass da zu viele gute bezahlte Arbeitsplätze entstehen? Und wer soll das bezahlen? Klar, wir Spießer in Baden-Württemberg über den Finanzausgleich."

Bezahlbarer Wohnraum könne jedoch nur dann von einer Stadt bezahlt werden, wenn es ihr wirtschaftlich gut gehe, stellte jetzt Palmer fest. "Nur Reiche können sich eine arme Stadt leisten. Arme brauchen die Stadt dringend."

Kommentar

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38 Kommentare

  1. 38.

    Können sie uns ihren Zweizeiler auch rtläutern oder wollten sie das einfach mal nur in den Raum werfen? :-D

    Aber immerhin ist ihr Zweizeiler auf dem gleichen Niveau wie die Blödeleien des Politkaspers Palmer.

    Antwort eines Fünfjährigen auf die Frage warum er nicht mehr in die KiTa will: "Alles doof!" ;-)

  2. 37.

    "Palmer blamiere sich als Hilfssheriff"
    sehe ich nicht so.
    Berlin ist einfach grauenhaft geworden.

  3. 34.

    Wo soll sich denn Fr. Pop getroffen fühlen? Dieser Politkasper hat nicht einen Grund aufgeführt der sich nicht widerlegen, bzw. begründen lässt. Zudem der RRG Senat an den Kritikpunkten, die den Vorgängern anzulasten sind, arbeitet.

    Wie wollen sie jahrzehntelanges Mißmanagement aufgrund des erzwungenen Spardiktats innerhalb von knapp 2 Jahren rückgängig machen?

    10 Minuten eine Suchmaschine seiner Wahl und auch ein Schaumschläger aus der Provinz hätte sich seine Aufplusterei sparen können.

    Und noch eines, Fr. Pop hat nicht gebellt, sondern gezwitschert. :-P

  4. 33.

    Getroffene Hunde bellen, Frau Pop.

  5. 32.

    Sie als Sympathisant einer rechtsextremen "Partei" frohlocken zu früh. RRG hatte eine satte Mehrheit.


    https://www.wahlen-berlin.de/wahlen/BE2016/afspraes/index.html

  6. 31.

    @ Marianne 19.30
    Einspruch !!! " Wir wollen es so" Wer sind wir??
    Dieser Senat wurde aus drei Parteien zusammengeschustert....der Bürgermeister gehört zu einer Partei,mit derzeit 16 Prozent..... lächerlich. Herr Palmer hat natürlich Recht.
    Warten sie mal die nächsten Wahlen ab,ich freue mich darauf.

  7. 30.

    Ich möchte Herrn Palmer gerne zustimmen. Nur übersieht er eines: Wir Berliner wollen es genau so. Denn wir haben kürzlich genau diesen Senat gewählt.

  8. 29.

    Wenn sie Berlinerin sind gibt es zwei Möglichkeiten, entweder sind sie in Ostberlin aufgewachsen und kennen dort die staatlich verordnete Grabesruhe die mit unzähligen ABVler, Helfern der VopO,VoPos und Stasi Mitarbeitern aufrecht erhalten wurde oder sie sind in Westberlin aufgewachsen.

    Dann aber belügen sie sich selbst. "kriminelle Clans, offener Drogenhandel," gab es hier schon immer. Wer hat denn die kriminellen Clans erst großwerden lassen? Ausgerechnet die Hardliner der cDU haben dieses heiße Eisen nicht angefasst, stattdessen hat man sie gewähren lassen.

    Das Verkehrschaos zu beseitigen scheitert an vielen Dingen, der sPD, der übermächtigen Autolobby und nicht zuletzt an den Berlinern die sich von den Autobesitzern terrorisieren lassen obwohl die eine Minderheit sind.

  9. 28.

    Mit Verlaub, was für ein Blödsinn, siehe Siemens Campus. Der Google Campus hätte außer Gentrifizierung und ein paar zweifelhafte Start-up Unternehmen keinen Gewinn gebracht aber einen kompletten Kiez zerstört.

    Hätte es die Proteste nicht gegeben hätte es die sozialen Projekte niemas gegeben.

    Ihr letzter Satz ist einfach nur eine sehr dumme Unterstellung, wozu?

  10. 26.

    Leider finden viele (auch grüne) Politiker*innen, die überwiegend mit dem Dienstwagen, gelegentlich zur PR mit dem Rad und ansonsten oft mit dem Flieger unterwegs sind Raucherbahnhöfe, wie den Kotti oder Herrmannplatz völlig o.k. (auch Pop im Aufsichtsrat der BVG). Sie haben auch kein Problem mit dem Drogenhandel im ÖPNV. Nur, wenn die Gefährdung der eigenen Lebensrealität zu nahe kommt - dann wird der öffentliche Raum zunehmend privatisiert, Wachdienste angeheuert und eine geeignete "soziale Hilfsinfrastruktur" errichtet, wie z.B. noch zu West-Berliner Zeiten schon am Bahnhof Zoo - oder neuerdings am Alex.

  11. 25.

    Wer gerne im Chaos lebt, merkt das Chaos nicht. Der Blick von Außen ist äußerst realistisch. Frau Pop sollte diesen Blick auf Berlin auch einmal wagen. Vielleicht hilfts.

  12. 24.

    Boris Palmer hat völlig recht, man kann sich nur dies leisten, was man größtenteils selbst auch erwirtschaftet. Während träumen kann man von allem, sowohl in Berlin als auch in Tübingen, aber man kann eben nicht jeden Traum realisieren.
    Die ganzen kriminellen Clans besonders aus dem arabischen Raum, die sich in Berlin als auch in NRW breitgemacht haben, gehören strengstens bestraft, damit ihnen endlich mal die Lust an weiteren Verbrechen vergeht.
    Wenn ich noch an die irre Beerdigung vor einiger Zeit mit 3000 Teilnehmern (und zusätzlichem Polizeiaufgebot, natürlich wieder bezahlt vom deutschen Steuerzahler) denke, wird es mir im Nachhinein noch richtig schlecht.

  13. 23.

    Ich wäre sehr dafür wenn alle Geberländer den Zahlungsausgleich für Berlin mal für ein Jahr einstellen würden. Mal sehen was dann für Töne aus den Mündern von RRG, besonders den Grünen kommen. Es sind letztendlich die Steuerzahler die Berlin am Laufen halten, auch wenn der Finanzsenator versucht zu sparen und die Schulden abzubauen, was sehr ehrenwert ist. Aber das dämliche und abqualifizierende Gequatsche von Pop und Co. geht mir gegen den Strich, denn Herr Palmer nur das ausgesprochen und angeprangert was hier so abläuft.

  14. 22.

    So ist es, es würde ja schon reichen wenn man die halblegalen Verflechtungen zwischen Kapital und Politik auflösen würde die die Firmen im Ländle genießen.

    Mal sehen ob dann ein Herr Palmer immer noch große Töne spucken würde.

  15. 21.

    Würde Herr Palmer seine polarisierenden Provokationen dazu nutzen, seine politische Tätigkeit nach Berlin zu verlegen, d.h. er würde von ganzem Herzen diese Stadt unterstützen und sich produktiv einbringen wollen, wäre ich ja noch dezent verständnisvoll ob seines poltrigen Auftretens. Ärmel hochkrempeln und Berlin auf die Art in die Spur bringen zu wollen-das könnte man noch hinnehmen. Aber er macht hier eine riesen Welle und zieht sich dann-unverrichteter Dinge-zurück in sein Tübinger Idyll. Was soll das? Und dann wundert er sich, dass man empört ist? Wer den Mund so weit aufreißt, muss Taten folgen lassen. Sonst liegt der Verdacht sehr, sehr nahe, dass er grad auf der Woge der Aufmerksamkeit reitet und uns alle eigentlich nur für seine PR-Zwecke ausnutzt.

  16. 20.

    Herr Palmer ist Bürgermeister einer Kleinstadt die zu einer der reichsten Regionen Deutschlands gehört.
    Frau Popp ist Wirtschaftssenatorin einer hochverschuldete Großstadt mit entsprechenden Problemen.

    Einfach mal für 2 Jahre einen "Politikertausch" durchführen. Mal gucken ob er Palmer sich dann immer noch den Mund so voll nimmt.

  17. 19.

    Als alter, eingeborener Berliner kann ich nur sagen: Palmer hat recht. Wobei er auf viele Dinge hinweist (z.B. Dauerkrise und Chaos im öffentlichen Personennahverkehr), die in den auf Dufte-dufte-Meldungen und irrelevanten Wohlfühl-Tralala (hier noch ein veganes Katzencafé, dort paust eine Frau Hundehäufchen auf der Straße ab, hier fordert ein drollig gestylter junger Herr im großen Abendschau-Interview, daß irgendwie alles besser werden sollte) kaum mehr auftauchen.

    Darüberhinaus diagnostiziert Palmer ein altes Grundleiden aller Linken: Sie haben immer viele, viele ganz tolle Ideen, wie Geld ausgegeben werden kann - dafür, wo es herkommen soll, interessieren sie sich weit weniger (Hauptidee: "Zahlen alles die Reichen"). An diesem Problem sind bekanntlich schon ganze Staaten gescheitert.

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