Kinder spielen Ball auf dem Schulhof einer Schule im Bezirk Kreuzberg in Berlin im März 2011 (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Beschluss von Rot-Rot-Grün in Berlin - Lehrer an Brennpunktschulen bekommen 300-Euro-Zulage

An Schulen mit vielen Kindern aus armen Familien oder mit Migrationshintergrund potenzieren sich die Probleme im Bildungssystem. Rot-Rot-Grün will die Beschäftigten dort nun besser bezahlen - mit der nun präsentierten Lösung sind jedoch nicht alle zufrieden.

An Brennpunktschulen in Berlin sollen Lehrer und Erzieher künftig mehr Geld bekommen. Lehrer erhalten rückwirkend zum Schuljahresbeginn monatlich 300 Euro Zulage, die Erzieher werden in eine höhere Tarifgruppe eingestuft, wie die Koalitionsfraktionen von SPD, Linken und Grünen am Donnerstag mitteilten. Eine entsprechende Gesetzesänderung werde das Abgeordnetenhaus in der kommenden Woche beschließen.

Zu Brennpunktschulen werden in Berlin diejenigen erklärt, die einen hohen Anteil von Kindern mit Lernmittelbefreiung haben - wo also die Eltern vermutlich wenig oder nichts verdienen. Meist haben diese Schulen einen hohen Anteil von Kindern aus Hartz-IV-Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund. Häufige Probleme sind Sprachdefizite, Schulschwänzen, Gewalt und schlechte Leistungen.

Mit dem Aufschlag will Rot-Rot-Grün die besonders schwierige Arbeit von Pädagogen und Erziehern an diesen Schulen würdigen. Im Doppelhaushalt 2018/2019 hatte die Koalition dafür gut 17 Millionen Euro reserviert.

Quereinsteiger gehen leer aus

Die Bildungsgewerkschaft GEW sprach von einem Schritt in die richtige Richtung - nicht zuletzt, weil entgegen ersten Überlegungen neben den Lehrern auch die Erzieher mehr Geld erhalten. Die Erzieher werden laut Mitteilung rückwirkend zum 1. August in die höhere Entgeltgruppe E9 eingestuft.

Allerdings blieben die Quereinsteiger im Lehrerberuf, von denen es gerade an Brennpunktschulen viele gebe, unberücksichtigt, sagte ein GEW-Sprecher. Auch für Erzieher in Brennpunkt-Kitas, die oft direkt neben der Schule liegen, seien Lösungen nötig. "Das wurde hier nicht mitgedacht."

Weitere Besserstellungen angekündigt

Nach den Worten der Grünen-Bildungsexpertin Marianne Burkert-Eulitz sollen in den Genuss der Höherstufung nicht nur beim Land angestellte Erzieher kommen, sondern auch deren Kollegen von freien Trägern, die an den fraglichen Schulen arbeiten. Sichergestellt werde das über eine Änderung der Rahmenverträge mit diesen Trägern.

Die Koalitionsfraktionen kündigten zudem an, in einem nächsten Schritt sogenannte koordinierende Erzieher - also solche mit Leitungsfunktion - sowie Integrationsfacherzieher an den Brennpunktschulen besser zu bezahlen. Diese fallen derzeit zumeist unter die Entgeltgruppe E9. Rot-Rot-Grün setze sich darüber hinaus für eine Besserstellung der Schulsozialarbeiter ein, hieß es.

Sendung: Inforadio, 06.12.2018, 17:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

20 Kommentare

  1. 20.

    Wenn der Quereinsteiger dann endlich seine Lehrbefähigung erlangt hat, sollte er natürlich auch, so es tatsächlich umgesetzt wird, von der Zulage (300,-€) profitieren. Alles andere macht keinen Sinn. Es streben immer mehr Quereinsteiger in die Lehrämter. Das ist politisch auch so gewollt, um den Lehrermangel zu kompensieren. Wenn Senatorin Scheeres (SPD)also den Quereinstieg ausdrücklich befördert, dann sind auch diese Lehrer selbstverständlich in den Genuss der Zulage zu bringen und nicht außen vor zu lassen, was wäre DAS ansonsten für ein politisches Signal der Berliner Landesregierung die sich nun diese Zulage ausgedacht hat ?

  2. 19.

    Bei den Quereinsteigern darf man allerdings nicht vergessen, dass diese die Lehrbefähigung erst erwerben müssen und zwar innerhalb des berufsbegleitenden Vorbereitungsdienstes in mindestens 18 Monaten ( ohne Fachstudium). Damit ist eine Prüfung verbunden und die muss erst einmal bestanden werden, vorher ist der Quereinsteiger noch kein fertiger Lehrer. Von daher ist es vielleicht verständlich, dass die Zulage erst später gezahlt wird.

  3. 18.

    Hat da jemand im Vorbeigehen die Schlagzeile auf dem Aufsteller einer Tageszeitung mit zwei großen Buchstaben gelesen?Was hat die Sprache mit der Intelligenz der Kinder zu tun? Anders gefragt: Was soll uns eine solch unnötige Schlagzeile vermitteln? Rassismus vielleicht? Wie viele Kinder können denn vernünftiges Deutsch in einer Klasse in der nur ein Schüler gar kein Deutsch spricht? Sprechen die Kinder in besagter Klasse wirklich kein Deutsch oder haben sie einfach nur einen Migrationshintergrund? Ich möchte behaupten, dass ein Kind aus dem tiefsten Bayern oder Sachsen hierzulande auch schwer verstanden wird, ist es deshalb dümmer als andere? Würde sich eine Berliner Lehrerin im Schwabenland auch an eine Klatschzeitung wenden und sich beschweren, dass sie nur ein Kind in der 1. Klasse versteht? Ist eine doppelte Interpunktion am Satzende ein Indiz für die Brisanz der zuvor getroffenen Aussage? Was erzählen Sie uns denn hier?

  4. 17.

    Kinder, die in Armut aufwachsen, bekommen eben häufig auch die Sorgen und Nöte ihrer Eltern mit. Wenn Lehrkräfte dann neben Wissensvermittlung auch zusätzliche soziale Probleme mitlösen müssen, ist es sinnvoll diese Arbeit wertzuschätzen und auch den Anreiz zu erhöhen, nicht lieber an einer Schule mit "einfacheren" Kindern zu unterrichten. Ich habe großen Respekt vor Lehrer*innen und Erzieher*innen!

  5. 16.

    Soll eben motivieren und die Leute anziehen bzw. halten. Wenn irgendwann Burn out wie bei Langzeitlehrern vorliegt, hören die Leute eh auf zu arbeiten. Mehr "Brenntpunktzulage" könnte die Polizei auch gebrauchen, aber die verdient ja ausgerechnet in B hier weniger.

  6. 15.

    Quereinsteiger gehen leer aus - schlechter Scherz.
    Dann könnte man die ja mehr entlasten, wenn die angeblich an Brennpunktschulen weniger belastet sein sollen.

  7. 14.

    Hm, vielleicht war der Ausdruck zu drastisch. Ich habe 12 Jahre in privaten Schulen verschiedenster Eigentümer gearbeitet. Dort gab es kaum ausgebildetes Personal. Die Bezahlung war lausig. Die Eltern haben das Personal behandelt wie ihre eigenen Angestellten. Die Motivation der Mitarbeiter war im Keller. Die Fluktuation groß. Das alles ging zu Lasten der Unterrichtsqualität und der Kinder.
    An privaten Schulen gibts den schönen äußeren Schein, die vorgegaukelte Welt, kaum fachliche Kontrolle, viel Blendwerk und - wie in Ihrem Beispiel - von den eigenen Eltern ins Internat abgeschobene Kinder. Eine scheinbar „elitäre“ aber eigentlich menschlich ziemlich verarmte Welt.
    Im Übrigen gibts seit langem mit der Hattie Studie den Beleg, dass weder Klassenstärke, Stühle, Wandanstriche, Anzahl der IPads,...noch sonstige strukturelle Merkmale Bildungsqualität beeinflussen. Einzig und alleiniger Faktor für gelingende Bildung ist der motivierte Lehrer.

  8. 13.

    @Lotte Lustig, also wenn man sein Kind auf eine Privatschule oder Internat schickt verblödet es. Mein kleiner Neffe ist auf einem Internat in Norddeutschland. Keine Stundenausfälle, Kinder mit Migrationshintergrund haben hervorragende Deutschkenntnisse, technische Ausstattung ist sehr gut und die Schülerzahlen in den einzelnen Klassen sind sehr überschaubar. Was ist jetzt daran schlechter als sein Kind auf eine staatliche Schule oder gar eine Brennpunktschule zu schicken? Vertehe ich nicht, tut mir leid.

  9. 12.

    @ Marike Potsdam......an Berliner Brennpunktschulen sind bis zu 96 Prozent der Schüler/innen Migrationskinder !! Kürzlich berichtete eine Schulleiterin,dass NUR ein Kind der ersten Klassen,deutsch spricht.
    Also was erzählen sie uns hier??

  10. 11.

    Veränderung beginnt bei Jeder/Jedem selbst. Der eine erkauft den Schulabschluss seines Kindes durch Schulgeld bei einer privaten Schule - und ist stolz drauf, sich abzuheben und sein Kind blöde zu lassen. Die anderen meckern über die jeweilige politische Konstellation. Aber nur wenige schauen auf sich selbst und beginnen sich, ihre Haltung, ihren Lebensstil zu verändern. Schuld sind immer die anderen.
    Als Lehrerin einer Brennpunktschule fühle ich mich mit dem Vorhaben von RRG wahrgenommen und gewertschätzt. Natürlich kann das nur ein Anfang sein. Aber jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Danke RRG.

  11. 10.

    Tut mir leid, aber ich gebe meine Tochter lieber auf eine sehr teure Privatschule. Die läpischen 300 Euro werden die Verhältnisse an den staatlichen Schulen nicht verändern. Die Zustände werden nicht besser sondern eher schlechter werden. Ist zum Glück nur meine Meinung als Vater. Ich kann es mir leisten, viele leider nicht! Traurige Zustände im Bildungssystem.

  12. 9.

    Verschwendung von Steuergeldern. Die Allgemeinheit zahlt für die Unfähigkeit der Eltern.

  13. 8.

    Würdigen würde man die Kinder, wenn man mal die Klassen sehr viel kleiner macht, mehr Deutschunterricht anbietet und durch die Ausbidung spezialisierte und entsprechend MOTIVIERTE Lehrerinnen einstellt.

  14. 7.

    Guten Abend Marike,

    das steht auch nicht im Text: "Zu Brennpunktschulen werden in Berlin diejenigen erklärt, die einen hohen Anteil von Kindern mit Lernmittelbefreiung haben - wo also die Eltern vermutlich wenig oder nichts verdienen."

    Dass es an diesen Schulen meistens einen hohen Anteil von Kindern aus Hartz-IV-Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund gibt, ist ein Fakt, kein Kriterium für eine Brennpunktschule.

    Beste Grüße

  15. 6.

    Typisch Rot-Rot-Grün, Probleme nicht lösen sondern neue schaffen. Wie SB schon richtig bemerkt hat, die Brennpunktschulen werden davon nicht besser. Das Geld wäre für eine spezielle Ausbildung von "Krisenlehrern" besser angelegt. Aber es sind bald Wavlen ...

  16. 5.

    Was für eine tolle Idee von RRG.
    Und wer seinen Dienst in sozialen Brennpunkten versieht bekommt auch eine Zulage ?

    Oh man, ich dachte tiefer geht es nicht mehr, aber RRG zeigt mir jedesmal es geht doch tiefer.

  17. 4.

    @rbb Migration ist nicht der Faktor sondern ausschließlich Armut. Schon nach den ersten Zeilen ist mir die Lust auf diesen Beitrag vergangen. Diese Stigmatisierung ist ekelhaft.

  18. 3.

    Ist es dann jetzt toll eine Brennpunktschule zu werden?

  19. 2.

    Hat ja was von SEK Zulage

  20. 1.

    Die Besserbezahlung wird an den schlimmen Verhältnissen in den Brennpunktschulen und -Kitas kein Deut verändern. Sie ist nichts anderes als eine Art Schmerzensgeld sowie Stimmenkauf für die nächste Wahl.

Das könnte Sie auch interessieren