Eine Frau schaut sich einen Text zur Digitalisierungsstrategie auf dem Smartphone an (Bild: rbb-Fernsehen/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 11.12.2018 | Michael Schon | Bild: rbb-Fernsehen/Brandenburg aktuell

200 Maßnahmen für 450 Millionen Euro geplant - Brandenburgs Regierung verabschiedet Digitalisierungsstrategie

Online-Anträge für Kfz-Kennzeichen, Schulen per Cloud verbinden, Wolfsmanagement übers Netz: Die Brandenburger Landesregierung hat eine Strategie zur Digitalisierung beschlossen. Doch um sie in die Tat umzusetzen, braucht es etwas, das der Mark bisher fehlt.

Brandenburg will in den kommenden Jahren rund 450 Millionen Euro für die Digitalisierung einsetzen. Es gehe um konkrete Erleichterungen für Bürger, aber auch für Unternehmen, sagte Staatssekretär Thomas Kralinski  (SPD), Digitalkoordinator der Landesregierung, am Dienstag.

Nach der Kabinettssitzung wurde die verabschiedete Agenda mit rund 200 konkreten Maßnahmen vorgestellt. Dabei gehe es insbesondere um die Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen bis 2022. Kfz-Kennzeichen oder Elterngeld können dann online beantragt werden. Damit werde es gelingen, dass im Flächenland Brandenburg Distanzen schrumpfen, meinte Kralinski. Wege zu Behörden könnten wegfallen. 

Digitalisiertes Wolfs-Management

Außerdem wolle Brandenburg in der digitalen Bildung Maßstäbe für zeitgemäße Pädagogik setzen, etwa mit einer mit der Schul-Cloud. 2019 sollen die ersten 20 Schulen darüber ans Netz gehen. 

Als weiteren Schwerpunkt nannte Kralinski die digitale Gesundheit. Im Bereich der digitalen Land- und Forstwirtschaft sei Brandenburg bereits bundesweit führend: So wird von der Landesforstverwaltung etwa bereits eine Flugdrohne eingesetzt, um Waldschäden zu erkennen. Außerdem steht bei Chorin eine Kiefer, die täglich darüber twittert, wieviel Sauerstoff sie produziert und wie es um ihren Durst bestellt ist. Und die Forscher des Eberswalder Thünen-Instituts für Waldökologie haben ein Versuchsfeld mit einem Sensornetz für den Waldboden entwickelt. Das soll dem Brandschutz dienen. Auch das Wolfs-Management soll künftig digitaler werden.

WLAN-Hotspots und autonome Busse

Zu den vorgestellten Maßnahmen gehören auch kostenlose WLAN-Hotspots, von denen 2019 die ersten bereitstehen sollen. Zudem soll es einmal autonom fahrende Busse in Brandenburg geben.  

Dem Thema Digitalisierung könne sich niemand entziehen. Doch ohne Infrastruktur gebe es keine Digitalisierung, betonte Kralinski. Deshalb setze sich die Landesregierung in den kommenden Jahren massiv für den digitalen Infrastrukturausbau ein. Dazu gehörten schnelle Breitbandanbindungen, aber auch schnelles mobiles Internet ohne "weiße Flecken".

Strategie soll im Landtag diskutiert werden

Ein neunköpfiger Digitalbeirat berät die Landesregierung bei der Umsetzung. Zudem werde zur Umsetzung von Digitalprojekten und zur Beratung von Kommunen derzeit die Digitalagentur aufgebaut, hieß es von der Staatskanzlei. Die Digitalisierungsstrategie geht nun zur Diskussion an den Brandenburger Landtag.

Online-Umfrage bis November

Bis Anfang November konnten Brandenburger Bürger an einer Online-Umfrage zur Digitalisierungsstrategie des Landes teilnehmen. Bewertet werden konnte die Wichtigkeit der vom Digitalbeirat aufgestellten Thesen zur Digitalisierung und die Relevanz der Handlungsfelder des Digitalbeirats. [externer Link] Auf einer Skala von "1 - sehr wichtig" bis "6 - sehr unwichtig" konnten Aussagen wie "Digitalisierung wird das menschliche Miteinander fördern" oder "Die Demokratie in Brandenburg wird lebendiger, transparenter und partizipativer" bewertet werden. 

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Digitalisierung – Aufbruch ins Neuland?
    Ich denk, ich lese nicht richtig, als ich mir den Satz „Koordiniert werden soll der Aufbruch ins Neuland von einer Digitalagentur“ in der MAZ vom 12.12.2018 (vierte Kolumne unten im Artikel) zu Gemüte führte. Einmal davon abgesehen, dass wieder neben zig Kommissionen und Kompetenzzentren zusätzlich eine Agentur geschaffen bzw. installiert werden soll, haben die Brandenburger Landesregierung (und darüber hinaus auch die Bundesregierung/die Bundesrepublik) die Potenzen, das Potenzial und die Kompetenzen der Digitalisierung absolut unterschätzt und nahezu 20 Jahre verschlafen! Was da alles im Artikel aufgeführt wurde, ist „Schnee von gestern“ und hätte bereits um die 2000 möglich gemacht werden sollen (Digitalisierung der Ämter, Bürgerkonto, Gratis-WLAN,….).

  2. 3.

    Und wenn man dann noch liest „ 5 G an jeder Milchkanne“, dann kann einem einfach nur spei übel werden, weil sich hinter diesem Schlagwort bare Inkompetenz verbirgt. Mit anderen Worten: man hört nur noch Sprechblasen und Schlagwörter von den Politikern ohne jeglichen fundmentalen und substantiellen Inhalt und Realitätsbezüge! Dies nimmt ja kein Wunder, wenn man bedenkt, dass mach ein Politiker nicht einmal weiß, wie ein Computer eingeschaltet wird, geschweige denn wie dieses technische Gerät und das Internet funktioniert. Ja, manchmal gewinnt man den Eindruck, dass sie teilweise selbst nicht wissen, wovon sie reden. Die Schulen ans Netz zu bringen, hätte ebenfalls bereits vor 20 Jahren realisiert werden können und lange Realität sein können und müssen! Was soll es da bringen, 20 Schulen in Brandenburg ans Netz zu bringen? Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass die Politiker aufgrund ihrer Inkompetenz die Zukunft des Landes fahrlässig aufs Spiel setzen.

  3. 2.

    Ich habe kein Problem mit Digitalisierung als solcher, aber ich finde Kostenfragen, bzw. Kosten-Nutz-Faktor, sehr relevant.
    Dabei sind allgemein Sachen wie z.B. Lizenzkosten, also wie viele von den Millionen z.B. für Windowslizenz/en welche wohl aller paar Jahre erneuert während viel der weiteren bestellten Software nur auf Windows läuft (was in Kosten wohl locker viel mehr als wenn eigenes OS auf welchem weitere Software, wobei so eine OS für amtlichen Bedarf kaum Supergrafikverarbeitung usw. braucht). Oder Sachen wie z.B. Hardwarekauf, wo manches wohl lokal-produzierbar.
    Aber auch spezifisches, wie z.B. wo das genannte Sensornetz in Kosten steht wenn von derzeit ca. einem Drittel der Brandenburger in Teilzeit arbeitend manche in Vollzeit als Förster angestellt wären. Oder ob es bei "Schul-cloud" die Lehrerschaft eigentlich ok findet wenn vielleicht bald das einzige zulässige Lehr- und Lernmaterial nur was Regierung vielleicht sogar ohne Landtagabstimmung auf Zentralserver stellt.

  4. 1.

    Ich hoffe nur das bei all der Digitalisierungswut auch die Menschen nicht vergessen werden die keinen PC haben oder mit ihm aus gesundheitlichen bzw. Altersgründen nicht oder nicht mehr umgehen können?? Ich stelle mir einen älteren, vielleicht sogar leicht an Demenz erkrankten Menschen am PC vor.

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