Touristen mit den Handkoffer in Berlin (Quelle: imago/Peter Sandbiller)
Bild: imago/Peter Sandbiller

Fakten und Zahlen - Wie funktioniert die Wohnungsplattform Airbnb?

Seit Jahren ringt die Politik darum, wie sie mit den Anbietern von Ferienwohnungen umgehen soll - vor allem mit der Plattform Airbnb. Doch was macht Airbnb eigentlich genau - und warum ist das Unternehmen so erfolgreich? Sieben Fakten von Dominik Wurnig und Götz Gringmuth-Dallmer

1. In zehn Jahren zum Global Player

Alles beginnt mit Luftmatratzen in einer Wohngemeinschaft und der Idee, schnelles Geld mit Touristen in San Francisco zu verdienen - so zumindest geht die Firmenlegende von Airbnb, das zu Beginn "Airbedandbreakfast" (also "Luftmatratze und Frühstück") heißt. Gegründet wird das Unternehmen 2008 in Kalifornien - heute wird der Wert auf 31 Milliarden Euro geschätzt.

Bei der Online-Vermittlungsplattform kann quasi jeder zum Hotelier werden und beispielsweise ein Zimmer seiner Wohnung an Touristen vermieten. Innerhalb von zehn Jahren ist das ehemalige Start-up zu einem der wichtigsten Player der Tourismusindustrie geworden: Airbnb vermittelt mehr Übernachtungen als die fünf größten Hotelketten weltweit zusammen.

Im Jahr 2017 haben Berliner Airbnb-Gastgeber 700.000 Touristen beherbergt. Doch Airbnb steht heftig in der Kritik. Durch Ferienwohnungen gehe Wohnraum verloren, so ein Vorwurf. Zudem würden Dauerbewohner durch die Touristen belästigt, außerdem würden sich Gastgeber nicht an Gesetze halten.

2. In den beliebtesten Wohnvierteln ist auch Airbnb groß

Zentral, hip und akutes Gentrifizierungsgebiet: So könnte man mit drei Worten die typische Lage einer Airbnb-Unterkunft beschreiben. Die meisten Inserate in Berlin gibt es im November 2018 mit 3.212 im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, davon haben nur 290 eine Registriernummer (9 Prozent). Eine vierstellige Zahl an Unterkünften gibt es auch in den Bezirken Mitte, Pankow, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die wenigsten Inserate gibt es in Spandau. Hier wurden 87 Unterkünfte angeboten, dafür hat Spandau mit 17 Prozent verhältnismäßig den höchsten Wert an registrierten Unterkünften (15).

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3. Fast jeder zweite vermietet häufig

Der rbb hat Daten untersucht, wie regelmäßig Gastgeber Bewertungen erhalten - daraus lässt sich darauf schließen, wie oft sie vermieten. Ein kleiner Teil - 10,6 Prozent der Inserate - bekommt weniger als 0,2 Bewertungen pro Monat. Oder in einfacheren Worten ausgedrückt: Seltener als alle fünf Monate wird das Inserat bewertet. Diese rund elf Prozent sind demnach also absolute Gelegenheitsvermieter.

43,7 Prozent werden 0,2 bis 1 Mal pro Monat bewertet - sie beherbergen also vermutlich bis zu elf Mal im Jahr Airbnb-Gäste. Hier könnte man von gelegentlichen bis häufigen Vermietungen sprechen.

45,7 Prozent - also, fast jedes zweite Inserat - bekommt mindestens eine Bewertung pro Monat. Diese Inserate sind sehr wahrscheinlich stark ausgelastet und kommen einem Gewerbe nahe.

4. Airbnb ist in Schnitt billiger als ein Hotelzimmer

Im Durchschnitt kostet eine Übernachtung bei inserierten Airbnb-Angeboten in Berlin 56 Euro. Wer ein ganze Wohnung für sich haben will, muss rund 75 Euro bezahlen. Das ist weit weniger als die durchschnittlich 91 Euro, die eine Berliner Hotelübernachtung laut dem Buchungsportal HRS [externer Link] kostet.  

5. In Neukölln gibt es vor allem Zimmer, in Pankow eher ganze Wohnungen

Berlinweit hält sich das Angebot an Zimmern im Vergleich zu ganzen Unterkünften (in Berlin sind das in der Regel Wohnungen und keine Häuser) ungefähr die Waage. Es werden nur wenig mehr Zimmer als ganze Unterkünfte angeboten.

In einzelnen Bezirken sieht es anders aus: In Neukölln sind 61 Prozent aller Inserate Zimmer - vermutlich viele in Studenten-WGs. In Pankow überwiegen dagegen die ganzen Unterkünfte mit 55 Prozent. Geteilte Zimmer - also, quasi Schlafsäle - gibt verstreut über ganze Berlin. Zumeist sind es reguläre Hostels, die die Seite als Buchungsplattform verwenden.

6. Auch bei Airbnb gibt es saisonale Schwankungen

Wie viel ein Airbnb-Gastgeber mit seiner Wohnung einnehmen kann, hängt von unzähligen Faktoren ab: Ausstattung, Lage, Größe und so weiter. Dennoch hat das Analyse-Unternehmen AirDNA berechnet, wie viel ein Gastgeber mit einer mittleren Wohnung pro Monat verdient. In der Hauptsaison, während der Sommermonate, sind es demnach bis zu 1.500 Euro pro Monat im Median. Im Januar ist es kalt und grau in Berlin - dann verdienen die Gastgeber auch nur rund 500 Euro. Top-Vermieter kommen aber auf weit höhere Einnahmen: Ein Viertel der Gastgeber hat beispielsweise im Oktober 2018 mit der Wohnungsvermietung über Airbnb 2.300 Euro oder mehr verdient.

7. Großteil der Inserate sehr aktiv

Für die Datenauswertung wurden alle Inserate herangezogen, die in den letzten zwölf Monaten zumindest einmal bewertet wurden. Der Großteil der Inserate hat aber ganz aktuelle Bewertungen - ein weiteres Zeichen dafür wie aktiv der Ferienwohnungsmarkt in Berlin ist. Zwei Drittel aller Berliner Inserate hatte Buchungen in den letzten drei Monaten.

Information zu den Daten

Bei den rbb-Datenrecherchen wurden nur Anbieter berücksichtigt, die in den zurückliegenden zwölf Monaten (8.November 2017 bis 7. November 2018) mindestens eine Gäste-Bewertung erhalten haben. Da die Buchungsdaten nicht veröffentlicht werden, nutzt das rbb|24-Datenteam die Bewertungen als sogenanntes Proxy, um daraus zu schließen, ob ein Gastgeber seine Wohnung/sein Zimmer aktiv anbietet. Proxy meint einen indirekten Anzeiger eines bestimmten Phänomens. Bewertungen von Gästen zeigen an, dass eine Vermietung stattgefunden hat. Dabei gilt: Nicht jeder Gast hinterlässt eine Bewertung, aber hinter jeder Bewertung steht mindestens ein Gast. Die Quellen: insideairbnb.com sowie AirDNA

Sendung: Abendschau, 03.12.2018, 19:30 Uhr

Beitrag von Dominik Wurnig und Götz Gringmuth-Dallmer

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