Hubertus Knabe, der Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen (Quelle: imago/Christian Schroth)
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Audio: Inforadio | 05.12.2018 | Alexander von Uleniecki | Bild: imago/Christian Schroth

Erklärung zu Gedenkstätten-Direktor - Bürgerrechtler üben scharfe Kritik an Knabe-Unterstützern

Wenige Tage vor der Gerichtsverhandlung im Fall Hubertus Knabe haben sich jetzt auch Ex-DDR-Bürgerrechtler zu Wort gemeldet: In einer Erklärung werfen sie den Unterstützern des Gedenkstätten-Direktors rechtspopulistische Methoden vor.

In der Debatte um den abgesetzten Leiter der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, erhält der Stiftungsrat prominenten Zuspruch. Unter der Überschrift "Es reicht!" kritisieren mehr als 40 Ex-DDR-Bürgerrechtler, Historiker, Musiker und Zeitzeugen in einer gemeinsamen Erklärung die Unterstützer Knabes.

Diese hatten hinter seiner Absetzung eine politische Intrige der Linkspartei vermutet. Ihre Kritik richtet sich auch gegen den Vorsitzenden des Stiftungsrats der Gedenkstätte, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke).

Von Wolf Biermann über Maria Nooke bis Richard Schröder

Unterzeichner der Erklärung sind unter anderem der Liedermacher Wolf Biermann, Mauer-Stiftungsdirektor Axel Klausmeier, die Geschäftsführerin der Stiftung Aufarbeitung, Anna Kaminsky, die Brandenburger Diktaturbeauftragte Maria Nooke, der Schriftsteller Jan Faktor, der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe sowie der Theologe und frühere SPD-Politiker Richard Schröder.

Kritik an "rechtspopulistischen Argumentationsfiguren"

Wer Gerichte umstandslos als politisch beeinflussbar und Teil einer linken Verschwörung des Stiftungsrats darstelle, bediene sich schlicht rechtspopulistischer Argumentationsfiguren, heißt es in der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Erklärung, die dem rbb vorliegt [Download]. Die Unterstützer Knabes würden mit ihrer Kritik die Realität des Rechtsstaats in Frage stellen. Weiter heißt es:

"Wer den Entscheidungsprozess des Stiftungsrates als 'puren Stalinismus' bezeichnet, verharmlost die totalitäre Diktatur, die zu bekämpfen sich der ehemalige Direktor der Gedenkstätte auf die Fahnen geschrieben hat."

Knabe erwirkt einstweilige Verfügung - Lederer hält dagegen

Knabe wird vorgeworfen, nicht gegen sexuelle Belästigung durch seinen Stellvertreter eingeschritten zu sein - und dies durch seinen Führungsstil sogar befördert zu haben. Am Freitag verhandelt das Landgericht Berlin die einstweilige Verfügung von Knabe gegen seine Freistellung als Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Der Streit um die Personalie hatte sich weiter zugespitzt, als Knabe Ende November wieder in der Gedenkstätte Hohenschönhausen erschien, nachdem das Gericht die von ihm beantragte Verfügung erlassen hatte. Allerdings hatte die Senatskulturverwaltung ihrerseits eine gerichtliche Eilentscheidung beantragt. Diesem Eilantrag hatte das Gericht entsprochen. Nach Abwägung der beiderseitigen Interessen erscheine es zumutbar, dass Knabe bis zur Entscheidung über den Widerspruch der Stiftung nicht wieder tätig wird. Über den Widerspruch an sich werde zeitnah entschieden, hieß es.

Lederer wirft Knabe schwere Versäumnisse vor

Knabe setze alles daran, den Konflikt als eine Auseinandersetzung mit ihm als dem Vorsitzenden des Stiftungsrats darzustellen, sagte Senator Lederer damals. Das sei aber "definitiv" nicht richtig. Es habe schwere Versäumnisse der Gedenkstätten-Leitung gegeben. Inzwischen sei das Verhältnis zwischen dem gesamten Stiftungsrat und dem Direktor zerrüttet, sagte der Linken-Politiker der rbb-Abendschau. "Und insofern ist das, was wir jetzt entschieden habe, folgerichtig", so der Senator.

Die Bürgerrechtler, Künstler und Wissenschaftler, die sich am Mittwoch gemeinsam erklärten, sind der Meinung, dass der Streit zwischen Lederer und Knabe die Arbeit der Gedenkstätte beschädigt. Sie sähen "mit Sorge, dass das Anliegen der Aufarbeitung hinter der Debatte um eine Person verschwindet - zur Freude all jener, die die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur als störend empfinden."

In Zeiten, in denen es wieder mehr Menschen gebe, die die autoritäre und obrigkeitsstaatliche Führung eines Gemeinwesens begrüßen, sollte jeder Ort wichtig sein, der daran erinnere, wohin es führen kann, wenn man leichtfertig Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie zur Disposition stellt. Die Unterzeichner fordern zudem, die Amtszeit der künftigen Leitung der Gedenkstätte zu begrenzen.

Mitarbeiter begrüßen Abberufung von Knabe

Auch Mitarbeiter der Gedenkstätte haben sich am Mittwoch zu Wort gemeldet und in einer Stellungnahme ebenfalls hinter den Beschluss des Stiftungsrates gestellt, den bisherigen Direktor und Vorstand Hubertus Knabe abzuberufen. "Wir halten diesen Schritt angesichts der Sachlage für notwendig" steht in dem dem Schreiben von 41 Mitarbeitern, Zeitzeugen und Historikern, das  an die Gremien der von Berlin und vom Bund getragenen Stiftung sowie an das Abgeordnetenhaus und den Bundestag gesendet wurde und dem rbb vorliegt.  

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Es ist bizarr. Hier geht es um eine Gedenkstätte, die sich um Opfer eines totalitären Regimes kümmert - und die hat einen Gedenkstättenleiter, der angeblich mit Macht und Druck 18 Jahre lang mehr herrschte als führte? Wenn Stasithemen grau in grau sind, dann darf man sich einen Farbtupfer wünschen. Wenn ein kleines Kompliment zum Sexismus wird, dann ist letztendlich jedes unbedachte Wort unter Sexismusverdacht.
    Es geht nicht um die Debatte um eine Person, wie es in der von 40 Bürgerrechtlern und Historikern unterschriebenen Erklärung heißt. Es geht darum, wer die Deutungshoheit über die Aufarbeitung der kommunistischen Verbrechen künftig hat - pluralistisch oder Opferzentriert.

  2. 12.

    Diese Stiftung ist kein Erbhof der CDU oder Eigentum derjenigen, die sich DDR-Bürgerrechtler nennen und nennen lassen. Sie wird aus Steuermitteln finanziert und da kann der Steuerzahler schon mal fragen, was man dort so treibt. Mich empört die Erklärung auch, aber aus anderen Gründen, als von Seiten der Knabeanhänger. Oder haben SIe in dieser Erklärung etwas über die betroffenen Frauen gelesen ? Die Formulierung, die Person habe hinter der Sache zurückzustehen, kann man durchaus so lesen, dass diese Frauen sich mal nicht so haben sollen. Ich bin selbst Vater von selbst zwei Töchter. Die Unterzeichner dieser Erklärung, die selbst Töchter haben ( z.B. Wolf Biermann) würde ich gern einmal fragen, ob sie die in eine Einrichtung schicken, in der es solche Leute wie den Herrn Frauendorfer gibt. Zur zweiten Bemerkung: Lesen Sie die Auflistung der Änderungsvorschläge. Zweifel an der so tollen Arbeit von Dr.Knabe sind mehr als angebracht, wenn das geändert werden muss.

  3. 11.

    Sie verdrehen hier Tatsachen, bzw. ignorieren sie, ich nehme an mit Absicht. Sie benutzen also gezielt die Methoden die sich auch die Stasi der DDR zu eigen gemacht hat, nämlich gezielte Desinformation.

    So ignorieren sie z.B. dass hier kein "Politiker der SED-Nachfolgepartei" diesen Herrn entmachtet hat der die Gedenkstätte in seinem "Kampf" gegen den Kommunismus wie sein persönliches Eigentum mißbraucht hat.

    Zum Schluß greifen sie die betroffenen Frauen in einer widerlichen Art an, die ich hier nicht kommentieren möchte.

  4. 10.

    Wie bitte?" Ihm werden bisher eigentlich nur Managementfehler vorgeworfen. Nehmen wir mal an, diese lagen wirklich vor: Dann hätte man ihm einen verantwortlichen Personalchef oder Geschäftsführer zur Seite stellen müssen". DAS war Herr Knabe. Was denken Sie denn, welche Aufgabe er dort hatte? Er hat als Personalverantwortlicher versagt.

  5. 9.

    Selbst wenn...!
    Vorab: Die Vorwürfe gegen Hubertus Knabe sind bisher absurd unkonkret. Ihm werden bisher eigentlich nur Managementfehler vorgeworfen. Nehmen wir mal an, diese lagen wirklich vor: Dann hätte man ihm einen verantwortlichen Personalchef oder Geschäftsführer zur Seite stellen müssen. Ihn aber als renommierten Streiter für die Gedenkstätte zu demontieren ist vollkommen unangemessen. Es gibt ein katastrophales Bild ab, dass ein Politiker der SED-Nachfolgepartei einen für die alten DDR-Eliten besonders unangenehmen Kritiker entmachtet. Das hätte man vorher politisch breiter abstimmen müssen - so bleibt ein mehr als schaler Beigeschmack. Dieses Bild wird dadurch verstärkt, dass die vermeintlichen Opfer in der Anonymität bleiben - aus Angst... wovor? Die bisher bekannt gemachten Vorwürfe sind wie beschrieben eher strukturell - zotige Geschichten in der Teeküche, eine nächtliche SMS. Angst der Opfer vor Stigmatisierung ist für mich da eher fernliegend.

  6. 8.

    Nun schlagen sich auch noch die Ex-Bürgerrechtler auf die Seite der Senatsverwaltung. Was kommt als Nächstes? Der geistige Kniefall vor Marx und Engels? Oder ist der schon längst vollzogen?

  7. 7.

    Die Hoffnung.... ;-) Aber auf deren Meinungen und Kommentare gehe ich meistens schon nicht mehr ein. Mit manchen Menschen kann man nicht diskutieren. Zumindest macht es keinen Spaß.

  8. 6.

    Darauf würde ich nicht hoffen, die sind genauso verbohrt wie Stalinisten alter und neuer Prägung, nur anders herum.

  9. 5.

    "Wäre ja schön, wenn man mal uns als Steuerzahler fragen würde, die das Ganze bezahlen müssen."

    HÄ? Wer bezahlt bestimmt wie Geschichte aufgearbeitet wird oder wie? Und den letzten Satz müssen sie uns mal erläutern.

  10. 3.

    Die Selbstbeweihräucherungsexperten haben sich mal wieder aus der Versenkung gemeldet. Wäre ja schön, wenn man mal uns als Steuerzahler fragen würde, die das Ganze bezahlen müssen. Was die so gute Arbeit der Gedenkstätte betrifft, ist der Brief der Mitarbeiter einfach nur entlarvend.

  11. 2.

    Das Verhalten des Hr. Knabe beweist das Gegenteil von dem was er behauptet. Es geht ihm offensichtlich nicht um das was er vorgibt aufzuklären, sondern um sein eigenes Ego.
    Deshalb halte ich die Vorwürfe der Frauen und des Stiftungsrat für plausibel. Hr. Knabe macht sich mehr und mehr unglaubwürdig.

  12. 1.

    Herr Knabe hätte es gut sein lassen sollen. Jetzt, wo alle fordern, sein Fehlverhalten zu belegen, kommen auch die Beweise und Aussagen. Das schadet ihm nun noch mehr. Manchmal sollte man sich gütlich trennen, bevor es eine Schlammschlacht wird. Wer weiß, was nun noch alles ans Tageslicht kommt.

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