Hubertus Knabe bei seiner Rückkehr zur Gedenkstätte Hohenschönhausen (Quelle: dpa/Zinken))
Audio: Inforadio | 5.12.2018 | Jan Menzel | Bild: dpa/Paul Zinken

Stellungnahme aus Hohenschönhausen - Gedenkstätten-Mitarbeiter kritisieren Knabe

In der Debatte um Hubertus Knabe, den früheren Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, haben sich am Mittwoch mehrere Mitarbeiter der Gedenkstätte zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme bezeichnen Zeitzeugen, Historiker und freiberufliche Mitarbeiter die Abberufung von Knabe als "notwendig". Der Brief und die Namen der Unterzeichner liegen dem rbb vor.

Betroffenheit über Knabes kurze Rückkehr

Die Mitarbeiter zeigten sich betroffen angesichts des jüngsten Auftretens des ehemaligen Gedenkstättenleiters. Knabe war nach einer Gerichtsentscheidung in der vergangenen Woche kurzfristig an seinen bisherigen Arbeitsplatz zurückgekehrt, bis das Landgericht ihm dies untersagte.

Knabes Unterstützer hatten seinen Rauswurf den Versuch genannt, einen politisch unbequemen DDR-Kritiker mundtot zu machen. Dagegen stellen sich nun die Mitarbeiter in ihrem Schreiben: Der Gedenkstätte sei schwerer Schaden zugefügt worden, schreiben sie in ihrer Stellungnahme. Ausdrücklich zollen sie den Frauen Respekt, die sexuelle Übergriffe in der Gedenkstätte öffentlich gemacht hatten.

Zudem weisen sie den Eindruck zurück, unter den festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herrsche eine starke "Rechtslastigkeit" vor. "Vielmehr bildet sich das gesamte politische Meinungsspektrum dieses Landes in ähnlicher prozentualer Verteilung auch unter den MitarbeiterInnen ab", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Brief. Es bestehe Einigkeit darüber, "dass die persönliche parteipolitische Meinung in der Referententätigkeit keine Rolle zu spielen hat".

Frühere Bürgerrechtler kritisieren Knabe-Unterstützer

In der Debatte um den abgesetzten Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte meldete sich am Mittwochnachmittag auch eine Gruppe von früherern DDR-Bürgerrechtlern, Künstlern und Wissenschaftlern zu Wort. Unter der Überschrift "Es reicht!" kritisierten sie die Unterstützer Knabes und werfen ihnen rechtspopulistische Methoden vor. Zu den Unterzeichnern gehören auch der Liedermacher Wolf Biermann und Maria Nooke, die Brandenburger Diktaturbeauftragte.

Streit um sexuelle Belästigung

Knabe war am 25. September im Zuge von Vorwürfen gegen den Vize-Gedenkstättendirektor Helmuth Frauendorfer vom Stiftungsrat der Gedenkstätte einstimmig von seinen Aufgaben entbunden worden. Frauendorfer soll Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben, hatte die Vorwürfe zum Teil eingeräumt und wurde beurlaubt.

Der Stiftungsrat warf Knabe vor, nicht entschieden genug gegen sexuelle Belästigung von Frauen durch seinen Vize vorgegangen zu sein und stellte ihn ebenfalls frei. Knabe hat die Vorwürfe gegen sich immer zurückgewiesen und erklärt, er habe in den 17 Jahren seiner Tätigkeit seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "immer fair und respektvoll behandelt".

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14 Kommentare

  1. 14.
    Antwort auf [Helmut Heisig] vom 06.12.2018 um 12:46

    Sie besitzen die Frechheit hier weiter ihre rechte Propaganda zu betreiben obwohl sie aufgeflogen sind?

    Warum sind denn die beiden Kommentare von ihnen absolut wortgleich? Wollen sie etwa allen Ernstes behaupten beide Kommentare wären nicht von ihnen?

    Und dass sie hier Gift und Galle spucken macht mir keine Angst, ich finde das höchst belustigend und entlarvend. Ganz besonders das mit der "Roten Sockentruppe", das war nämlich schon von einem Hr. Hintze unübertroffen dämlich.

    "...einige denken selbständig nach und das macht Ihnen und ihresgleichen Angst." *tränenlach* :-D

  2. 13.

    Danke für die Info. Mir ging es darum zu verdeutlichen, dass man gerade von den betroffenen Mitarbeiterinnen nicht verlangen kann, öffentlich über die persönlichen Übergriffe zu informieren. Solche Forderungen gab es von Knabe-Fans leider schon.

  3. 9.

    Ok, kam aber auch so aus dem bisherigen Text heraus. Und offene Briefe gibts auch zb behördenintern. Wenn Mitarbeiter ohne Einhaltung des Dienstweges direkt an die Hausleitung schreiben zb. Der Begriff muss immer im Kontext gesehen werden.

  4. 8.

    von Interna kann man nicht sprechen , denn die wurden medial in den letzten Wochen zu Schlagzeilen und hatten die Gedenkstätte und deren Mitarbeitern /Referenten schwer geschädigt. Ich bin dort Referent, und habe diese Stellungnahme mit unterzeichnet. Herr Knabe hat dafür die volle Verantwortung. Erstaunt haben mich aber Stellungnahmen von Unterstützern von Herr Knabe. Die "Welt" hat sogar die Unabhängigkeit der Justiz angezweifelt und sieht den Rechtsstaat auf den Weg zur stalinistischer Diktatur. Einige CDU Abgeordnete in Berlin und im Bundestag führen sich auf, als ob die Gedenkstätte ihr Eigentum ist , tolerieren aber das an diesen Ort schon wieder Frauen in Abhängigkeit gedemütigt wurden. Deswegen haben wir das Recht unsere Meinung offen zu verkünden.

  5. 7.

    Guten Abend,
    es handelt sich nicht um einen offenen Brief, sondern um eine Stellungnahme der Mitarbeiter, welche uns vorliegt. Wir haben die begriffliche Ungenauigkeit im Text korrigiert. Besten Dank für den Hinweis!

  6. 6.

    Es ist kein "Offener Brief", wie RBB schreibt. Für einen Offenen Brief reicht es nicht aus, wenn er dem RBB bekannt ist.

  7. 5.

    Das sind dennoch Interna. Personalangelegenheiten gehen Dritte nichts an. Oder möchten Sie, dass etwas über ihr Verhältnis zu Chef/Mitarbeiter nach Außen dringt?

  8. 4.

    Dinge ärgern mich bei dieser Sache besonders: 1. Dass die CDU so tut, als seien diese Gedenkstätte und die Stiftung ihre Erbhöfe. und 2. dass für einige Leute die Frage nach Recht und Unrecht eine Frage des politischen Standortes ist.

  9. 3.

    Kann man das Unterlassen von Schutzhandlungen als fair und respektvoll bezeichnen?

  10. 2.

    Das hat sehr gute Gründe warum die Frauen das so handhaben.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/stasi-gedenkstaette-hohenschoenhausen-anklaegerinnen-weisen-vorwuerfe-zurueck-a-1232419.html

    Wenn man überlegt wie hier schon Kritiker des Hr. Knabe angegangen worden sind möchte ich nicht wissen wie man mit den Betroffenen umspringt.

  11. 1.

    Wenn es ein "Offener Brief" ist, kann man ihn sicherlich irgendwo nachlesen.
    Die Diskussion bisher war etwas durch den Umstand behindert, dass wohl irgendwelche Beschwerdebriefe, von wem auch immer, an Lederer und Grütters gegangen sein sollen, man aber nirgends etwas Originäres dazu lesen konnte.

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