BerlinEine Erzieherin geht mit Kindern aus einer Kita auf einem Bürgersteig (Quelle: dpa/Steinberg)
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Serie | Kitajagd - Berlin, der Platzkampf und ich | Teil 17 - "Wir haben letzte Woche ausgelost. Sie sind leider nicht dabei."

Zäh ist die Suche nach einem Kitaplatz in Berlin - Tina Handel kann ein Lied davon singen und berichtet seit April bei rbb|24, was sie erlebt. Klinken putzen, abgewimmelt werden und sich wieder aufrappeln: Ihre Jahresbilanz fällt nüchtern aus.  

Diesen Moment habe ich mir oft im abgelaufenen Jahr vorgestellt: Eine unbekannte Berliner Festnetznummer ruft an. Eigentlich würde ich dann nicht rangehen - meine Lust auf spontane Plaudereien mit Rentenberatern, Bankmenschen oder Umfrageinstituten hält sich in Grenzen. Aber wer in Berlin einen Kitaplatz sucht, der geht ran. Es könnte schließlich eine Leiterin sein, die am Telefon sagt: "Wir haben Sie gerade ausgelost!"

Einige Eltern haben mir schon beschrieben, wie sich dieser Moment bei ihnen anfühlte. "Ich war ganz verdutzt", schreibt eine Freundin per Whatsapp. Man erwartet ja schon nicht mehr viel. Gefolgt von den ersten Gedanken, ob der Kitagutschein rechtzeitig da ist oder der Vertrag auch wirklich in trockenen Tüchern. Die am meisten genutzten Emojis bei der Verkündung der erfolgreichen Kitaplatzsuche sind nach meiner Erfahrung: die Konfettitüte, der Power-Bizeps und das Männchen, das tanzt wie in "Saturday Night Fever". Schön, wenn man solche Nachrichten bekommt, während das eigene Baby gerade ein echtes Samstag-Nacht-Fieber durchlebt. Ich schreibe zurück: Smiley, Sternschnuppe, Thumbs up.

Überall ist es Zeit für Jahresrückblicke. Ich hätte gern echte Kitablog-Besinnlichkeit und gute Nachrichten am Ende des Jahres verbreitet. Stattdessen fällt mein Rückblick eher verärgert aus, auch etwas verunsichert, kopfschüttelnd.

Immer wieder Mails, Telefonate - und Absagen

Vor einem Jahr und zwei Monaten haben wir angefangen, einen Kitaplatz zu suchen. Am Anfang noch voll motiviert und optimistisch. In unserer Liste lese ich E-Mails, die ich hochschwanger im Januar 2018 geschrieben habe: "Unser Sohn wird voraussichtlich im März 2018 geboren." Im Februar dann mehrere Gespräche, die mein Mann alleine macht, weil ich mit dem dicken Bauch nicht mehr ewig durch Kitaflure laufen kann. Im März schon kurz nach der Geburt von Junior* wieder Telefonate, Termine, Mails.

Im April ein netter Plausch mit einer Kitaleiterin, die die Osterferien im Büro verbringt, weil sie so viele Anfragen abzuarbeiten hat. Im Mai erste ausführliche Besichtigungen, meist mit drei Dutzend anderen Eltern. Im Juni, Juli, August heißt es, wir sollen nach den Ferien im September wieder kommen. Dann ist September – und schwupps sind die ersten Plätze bei uns um die Ecke vergeben, bevor wir nachfragen können.

Im Oktober spricht eine Kitaleiterin mit mir nur noch über die Gegensprechanlage und wimmelt mich mehr oder weniger ab. Im November wechseln die Zettel in den Kitafenstern von "Keine Plätze 2018/2019" auf "Keine Plätze 2019/2020". Alle paar Tage gibt es in diesem Jahr einen neuen Eintrag in unserer Liste. So verläuft unsere Elternzeit bis jetzt.

"Viel Erfolg bei der Suche"

Vom Dezember hatten wir uns die Bescherung erhofft. Wir wussten, dass mehrere Kitas Ende dieses Jahres ihre Plätze vergeben oder auslosen wollten. "Wenn Sie den Platz bekommen, dann melden wir uns", hieß es immer. "Wenn Sie den Platz nicht bekommen, schaffen wir es wahrscheinlich nicht, allen abzusagen. Dann müssen Sie noch einmal nachhaken."

Die erste Dezember-Runde mit Nachfragen haben wir gerade hinter uns und müssen zwei weitere Kitas von der Liste streichen. Eine Leiterin, Frau S., sagt: "Ich hatte nur vier Plätze in der Krippe und die sind jetzt voll mit Geschwisterkindern. Aber noch viel Erfolg bei der Suche!" In einer anderen Kita, die mein Mann im Februar erstmals besucht hatte, ist die Antwort: "Wir haben letzte Woche ausgelost. Sie sind leider nicht dabei." Aber wir könnten gern auf der Warteliste bleiben, falls doch noch was passiere. Und zum Abschied: "Viel Erfolg bei der Suche!"

Eine Freundin und erfahrene Kitakindmutter schreibt per Whatsapp: "Ich glaube ganz fest: Da geht noch was!" Der Wunsch fürs neue Jahr steht also fest – und der erste gute Vorsatz: nicht aufgeben!

Kitajagd – Berlin, der Platzkampf und ich. Tagebuch einer Suche

Tina Handel hat Monate vor der Geburt ihres Kindes begonnen, einen Kitaplatz zu suchen. Mittlerweile ist ihr Kind seit dem Frühjahr auf der Welt, und die Suche geht weiter. Über den Stand der Dinge berichtet sie regelmäßig in einem Tagebuch bei rbb|24.

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Beitrag von Tina Handel

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5 Kommentare

  1. 5.

    Das alles kann nicht mehr wahr sein. Nicht genug Kita-Plätze, das Bildungssystem runtergewirtschaftet und Wohnungen unkriegbar oder unbezahlbar. Ihr Kommentar ist zwar doof, wird aber wahrscheinlich zukünftig so sein. Wer mag da noch Kinder bekommen? Kein Platz mehr für Familien mit Kindern in dieser Stadt. Sieht immer mehr danach aus! Ich hoffe nur, dass sich die jungen Leute trauen, sich zukünftig trotzdem für ein Familienleben zu entscheiden. Berlin ohne (oder mit viel weniger) Kinder(n)-was für eine furchtbare Vorstellung!

  2. 4.

    Man muss ja auch keine Kinder bekommen!

  3. 3.

    Ich dachte, RRG garantiert jedem Kind einen Kitaplatz?!

  4. 2.

    Spieglein, Spiegel an der Wand, wer hat die beste Kita im ganzen Land?

  5. 1.

    Es bedrückt mich auch immer etwas wenn ich Eltern am Telefon habe, die nach einem Kitaplatz in unserer Einrichtung fragen und ich nur sagen kann... Wir sind ausgebucht. Nächstes Jahr nur zwei freie Plätze und die kriegen zwei Geschwisterkinder. Vor 2020 wird also nichts frei und das wissen wir seit Juni 2018.

    Bald wird es auch mich treffen. Ende Januar kommt das Kind und dann beginnt der Horror nach der Suche nach einem Kitaplatz oder Tagespflege. Ich will aber nicht das meine wertvolle Elternzeit dafür drauf geht, einen Platz zu finden. Wenn alle Stricke reißen, kriegt mein Arbeitgeber aber halt den schwarzen Peter, denn ohne Betreuungsplatz kann ich nicht arbeiten und auf die Kinder anderer Eltern aufpassen. Ironie des Schicksaals.

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