Das Jüdische Museum in Berlin (Quelle: imago/ZUMA Press)
Audio: Kulturradio | 19.12.2018 | Interview mit rbb-Reporterin Sigrid Hoff | Bild: imago/ZUMA Press

Bund soll Finanzierung beenden - Bericht: Israels Regierung kritisiert Jüdisches Museum Berlin

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fordert vom Bund den Finanzierungsstopp für das Jüdische Museum in Berlin. Das Haus zeigt aktuell eine Schau über Jerusalem, die laut Netanjahu antiisraelisch sei. Er kritisiert auch die Berlinale.

Die israelische Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu hat die Bundesregierung aufgefordert, das Jüdische Museum in Berlin nicht mehr finanziell zu unterstützen. Das berichtet die Zeitung "taz" unter Berufung auf ein Schreiben, dass unter anderem an das Bundeskanzleramt und das Bundesentwicklungsministerium gegangen sein soll.

Anlass sei demnach die aktuelle Ausstellung "Welcome to Jerusalem", die aus Sicht der Netanjahu-Regierung" eine "palästinensisch-muslimische Sicht auf Jerusalem" zeige. Zudem werde gefordert, dass der Bund seine Zuwendungen an die Berlinale und ein Dutzend Nicht-Regierungsorganisationen einstellt, wegen ihrer Unterstützung für "antiisraelische" Aktivitäten.

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, sagte in einem ersten Statement, dass man natürlich kein Forum für besondere politische Agitationen bieten wolle. Aber kritische und provokante Haltungen würden durchaus zur Sprache kommen.

Noch bis zum Frühjahr 2019 thematisiert die Ausstellung "Welcome to Jerusalem" die Stadtgeschichte als Mix aus Religion, Politik und Alltag. Im Zentrum der Schau geht es um Jerusalem als heilige Stadt und Sehnsuchtsort der drei monotheistischen Religionen.

Umstrittene BDS-Kampagne

Betroffen von der Kritik aus Jerusalem sind laut "taz" auch das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt", das katholische Hilfswerk Misereor, die Hilfsorganisationen Medico International und Aktivitäten der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Quelle des Schreibens ist nicht endgültig geklärt. Israelische Medien berichten, Regierungschef Netanjahu habe dessen Existenz auf Nachfrage nicht dementiert. Man sei mit mehreren Regierungen der Welt im Gespräch über deren finazielle Unterstützung für israelkritische Organisationen. Diese würden laut einer Stellungnahme der Regierung das israelische Soldaten als Kriegsverbrecher bezeichnen, "palästinensischen Terror unterstützen" und zum Boykott des Staates Israel aufrufen.

Gemeint ist vor allem die sogenannte "BDS"-Kampagne, die zu Sanktionen und Desinvestitionen gegen Israel aufruft. Ziel der Kampagne ist es, Druck auf die israelische Regierung auszuüben, damit diese die Lebenssituation der Palästinenser verbessert und die Besetzung des Gazastreifens und des Westjordanlandes beendet. Kritiker werfen der BDS-Bewegung anti-israelische Hetze und Antisemitismus vor.

Sendung: Kulturradio, 19.12.2018, 6:00 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Netanjahu steht kurz vor der Eröffnung eines Gerichtsverfahrens wg. Korruption, die ermittelnden Beamten haben der Staatsanwaltschaft bereits die Ermittlungsergebnisse übergeben.
    Besonders süffisant: vor 10 Jahren hat Netanjahu selbst Ehud Olmert zum Rücktritt aufgefordert, weil gegen Olmert wg. Korruption ermittelt wurde. Aussage Netanjahu: Man können nicht ordentlich regieren, wenn man bis zum Hals in Vernehmungen stecke. Tja mein Lieber, so kann's gehen.
    Und das Herr Netanjahu sehr dünnhäutig ist, kennt man ja nun von ihm. Jeder der es wagt seinen Stil zu kritisieren, ist automatisch ein Feind Israels und Antisemit. Aber diese verschwurbelte Argumentation kennt man ja auch hinlänglich von hiesigen Verblendeten, die der Meinung sind man dürfe Israel nicht kritisieren.

    Davon abgesehen entscheidet kein Herr Netanjahu wer in Deutschland von wem finanziert wird und wer nicht.

  2. 8.

    Weder das Jüdische Museum Berlin noch "Brot für die Welt", noch eine andere der genannten Organisationen sind Unterstüzer der antiisraelischen BDS-Kampagne. Hier werden lange Asoziationsketten gebildet, nach dem Muster "dort wid eine Organisation unterstützt bei der vor Jahren jemand arbeitete der BDS unterstützte" oder "dort wurde ein Dokumentarfilm gezeigt, in dem Unterstützer von BDS vorkamen". Seit Jahren werden diese Behauptungen kampagnenartig wiederholt, ich habe den Eindruck: am liebsten am rechten Rand, wo man glaubt Patriotismus und Linientreue seien ein Ersatz für Meinungsfreiheit und Demokratie. Als Folge greift man dann Organisationen an, die GEGEN Antisemitismus arbeiten... Denken ist eben nicht die große Stärke der Rechten.

  3. 7.

    @ Helmut Krüger
    >Es ist jammerschade, dass d. gegenwärtige israel. Regierung nicht über d. Satz hinauszugelangen wagt: "Wer nicht unter allen Umständen für mich ist, der muss eben gegen mich sein."<

    .
    Und ich finde es irritierend, dass Palästinenser anscheinend exklusiv weltweit das Recht zusteht noch in der x-ten Generation als Flüchtlinge bezeichnet zu werden.

    Nach dem Schema hätte Deutschland schon bereits Millionen Flüchtlinge bevor die erste, oder der erste Schutzsuchende-Geflüchtete in Deutschland gemäß Art. 16a GG angekommen ist bereits Millionen Flüchtlinge im Land. Also die Hunderttausenden aus Ostpommern, ... und sämtlichen Nachkommen von ihnen.
    Ebenso wären die U.S.A., Kanada und Australien fast ausschließlich von Flüchtlingen seit >ewigen< Zeiten bewohnt.

  4. 6.

    @ Brockschmidt
    >Was Hr.Netanjahu fordert oder nicht ist irrelevant. Nicht er bestimmt wie man zum Palästina Konflikt steht. Vor allem geht es ihn einen feuchten Kehricht an, wer hier wen finanziert.<

    Ich persönlich sehe es als absolut relevant an, was dieser israelische Politiker fordert.
    Ebenso auch, wenn kritisiert wird, dass in Schulbüchern, die mit zig Millionen Euro von Deutschland mit finanziert werden, nach dem angeblich neu überarbeiteten Lehrplan für palästinensische Schüler das Attentat in München weiterhin als ein Akt des Freiheitskampfes bezeichnet wird.
    Also jenes Attentat, beim dem männlichen israelischen Sportlern die Geschlechtsorgane, bevor sie getötet wurden, abgeschnitten wurden.

    .
    >D. Hr. gehört in einen Gerichtssaal. D. ist nämlich Nachweislich Korrupt! Er soll mal weiter v. Groß Israel Träumen.<

    Sie bezeichnen jemanden als >nachweislich korrupt<, noch bevor es überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung gekommen ist? Sehr >mutig< von Ihnen.

  5. 5.

    Es ist jammerschade, dass die gegenwärtige israelische Regierung nicht über den Satz hinauszugelangen wagt: "Wer nicht unter allen Umständen für mich ist, der muss eben gegen mich sein."

    Dass es sehr wohl Kritik geben kann, die nichts mit erklärter Gegnerschaft zu tun haben muss, scheint Benjamin Netanjahu und vielen anderen, gleich wo, nicht recht einzuleuchten.

  6. 4.

    Netanjahu hat in allen Punkten absolut Recht. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Ob es linken Weltverbesserern passt oder nicht.

    M.f.G
    Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

  7. 2.

    Was Hr.Netanjahu fordert oder nicht ist irrelevant. Nicht er bestimmt wie man zum Palästina Konflikt steht. Vor allem geht es ihn einen feuchten Kehricht an, wer hier wen finanziert. Der Hr. gehört in einen Gerichtssaal. Der ist nämlich Nachweislich Korrupt! Er soll mal weiter von Groß Israel Träumen.

  8. 1.

    Benjamin Netanjahu ist kein Staatspräsident, sondern Premierminister

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