Obdachlose haben am 10.10.2017 in Berlin im Tiergarten ein Lager errichtet (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: radioBerlin 88,8 | 26.12.2018 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Paul Zinken

Ankündigung der Sozialsenatorin - Berlin will Obdachlose zählen und befragen

Eher 4.000? Oder doch 10.000? Wie viele Obdachlose in Berlin leben, weiß keiner so genau. Erst recht nicht, wer sind und was sie brauchen. Das erschwert es der Stadt, Hilfe anzubieten. Sozialsenatorin Breitenbach will nun eine Zählung durchführen.

Obdachlose in Berlin sollen künftig statistisch erfasst werden. Das berichtet die Zeitung "Neues Deutschland" (Donnerstag) unter Berufung auf Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). "Es wird einen Stichtag geben, an dem die Menschen gezählt oder befragt werden", zitierte die Zeitung die Politikerin. Breitenbach hatte bereits zum Start der diesjährigen Kältehilfe eine Wohnungslosenstatistik angekündigt.

Die ersten Befragungen sollen demnach im kommenden Jahr stattfinden. Geklärt werden müssten aber noch datenschutzrechtliche Fragen. "Je nachdem, was wir fragen können, wissen wir dann: Mann oder Frau? Wo kommen sie her? Wie ist ihr Aufenthaltsstatus? Wie lange leben sie auf der Straße?", sagte Breitenbach der Zeitung.

Schätzungen zwischen 4.000 bis 10.000 Obdachlosen

Auf der Grundlage der Zahlen solle das Angebot für die Obdachlosen verbessert werden. "Noch weiß niemand, wie viele Menschen wirklich auf der Straße leben, woher sie kommen und welche Ansprüche auf Hilfen sie haben", so Breitenbach. "Wir haben ein breites Netz von Hilfsangeboten, aber nicht immer kommen sie dort an, wo sie nötig sind."

Schätzungen zufolge leben in der Hauptstadt zwischen 4.000 und 10.000 Menschen auf der Straße. Anhaltspunkte, wie viele Obdachlose sich in Berlin aufhalten, liefern teils auch Statistiken über medizinische Behandlungen: Nach Zahlen, die kürzlich die Caritas veröffentlicht hat, wurden im vergangenen Jahr fast 8.700 Menschen außerhalb des sogenannten Regelsystems behandelt.

Zuschnitt von Hilfsangeboten schwierig

Dass genaue Zahlen fehlen, erschwert den Zuschnitt von Hilfsangeboten wie beispielsweise Schlafplätzen im Winter. Derzeit hat in Berlin 1.200 Notschlafplätze für Obdachlose eingerichtet, will diese aber bei Bedarf weiter ausbauen.

Dass bislang noch keine genauen Zahlen erhoben wurden, moniert auch die FDP-Fraktion. "Es wird Zeit, dass sich der Senat eindlich einen Überblick verschafft, was Obdachlosigkeit in Berlin wirklich bedeutet", sagte der sozialpolitische Sprecher, Thomas Seerig, laut einer Mitteilung vom Mittwoch. Ohne die Ausgangslage zu kennen könne man keie funktionierenden Lösungen finden.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

9 Kommentare

  1. 9.

    Was steht unter Jetzt nicht ich will weiterlesen*? Ich bezahle später, versprochen. Doch! Ehrlich!
    Ich habe nicht groß ausgeholt, sondern gemäß meiner Situation und meinen Erfahrungen entsprechend gehandelt. Ihr sogenanntes "Einfaches Fragen" zeugt von mMn von erheblicher Unsensibilität, weil Sie nicht die geistigen und psychischen Anstrengungen eines behinderten Menschen für jede Lebenslage einschätzen oder nachvollziehen können. Ich habe nicht gleich Diskriminierung vermutet sondern für mich festgestellt, da das barrierefreie Lesen des nd-Artikels nicht gegeben war. Was Sie vom rbb24 glauben, ist für mich als ungleich mehr belasteten schwerbehinderten Menschen hierfür in keiner Weise hilfreich.

  2. 8.

    Besser die tun was für die Beseitigung dieses schlimmes Zustands. So was darf nicht geduldet werden.

  3. 7.

    ja, was brauchen Obdachlose denn nur? ... rätsel ... was hieß nochmal obdachlos???
    Das Dummstellen ist seit jeher eine der wichtigsten Tugenden des privilegierten Bürgertums.
    Schließlich kann so eine Studie mal eben aus Steuergeldern finanziert werden und ist viel billiger als Wohnungen, und so hat auch die Politik ihren Beitrag zum Klassenkampf von oben geleistet.

  4. 6.

    Einfach runterscrollen und auf "jetzt nicht" klicken, dann wird der Artikel kostenlos lesbar. Warum holen Sie gleich so groß aus? Einfach fragen, der Hinweis auf Ihre Bedürftigkeit und auf Teilhabe war hier überflüssig. Bitte nicht immer gleich Diskrimierung vermuten. Ich glaube nicht, dass der rbb etwas verlinken würde, wenn es mit Kosten verbunden wäre.

  5. 3.

    Man kann den Artikel kostenlos lesen. Einfach mal weiter runter scrollen.

  6. 2.

    Barrierefreiheit ist nicht gleichbedeutend mit kostenlos.
    Wenn Sie diesen Artikel aufgrund ihrer Behinderung barrierefrei brauchen, dann in einer für sie wahrnehmbaren Form. Also z.B. als hochgradig Sehbehinderter oder Blinder indem sie sich den Artikel auf der Seite vorlesen lassen können oder er Ihnen in Blindenschrift übersandt wird.
    Es gibt div. onlinezeitungen, die nicht mehr alle Artikel kostenlis zur Verfügung stelken. Egal ob für Menschen mit Behinderung oder nicht.

  7. 1.

    Ich bin schwerbehinderter HartzIV-Empfänger und kann den verlinkten Artikel beim nd nicht lesen, weil es Geld kostet. https://www.neues-deutschland.de/artikel/1108736.obdachlosigkeit-jeder-mensch-muss-untergebracht-werden.html - Soviel zur barrierefreien Teilhabe von behinderten Menschen!

Das könnte Sie auch interessieren