Ein abgehängtes Schild, dass eigentlich auf die Parkraumbewirtschaft im Bergmannkiez aufmerksam machen soll (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Falsche Schilder geordert - Start des Parkraumkonzepts in Kreuzberg erneut geplatzt

Die Einführung von Parkgebühren im Bergmannkiez und im Viktoriapark in Kreuzberg ist erneut geplatzt und zieht sich noch bis mindestens 4. Januar hin. Das hat die Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg am Dienstag in einem Brief mitgeteilt, den Anwohner zum Wochenbeginn an ihren Haustüren fanden.  

Der Start der Parkraumbewirtschaftung war eigentlich für den 1. Oktober geplant. Doch der Termin wurde mehrmals verschoben - zuletzt war als Starttermin der 1. Dezember vorgesehen. Der Grund für die Verzögerungen: Die Verwaltung hatte Schilder bestellt, die seit Jahresbeginn gar nicht mehr aufgestellt werden dürfen. 

Wenn "Herrschaftswissen" verloren geht

Die Schilder sind nämlich mit den Nummern der Parkzonen bedruckt: 60 steht für den Bereich um den Viktoriapark, 61 für den Bergmannkiez. Die Nummern sind laut Verkehrszeichen-Katalog seit 2018 unzulässig, deshalb hatte die oberste Straßenverkehrsbehörde den Antrag des Bezirks für die Schilder abgelehnt.

Das hatte zur Folge, dass Mitarbeiter der Verwaltung die Schilder alle mit grauer Plane einhüllen und die Nummern darauf händisch abkleben mussten. Unter den präparierten Schildern sollten dann kleinere Schilder montiert werden, auf denen die Nummern stehen dürfen.

Auf die Frage, warum die Verwaltung falsche Schilder geordert hatte, erklärte das zuständige Straßenamt dem rbb, dass der Beschluss für die beiden Parkraumzonen Anfang 2017 gefasst wurde. Im Laufe des Jahres seien aber zwei verantwortliche Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen. Und mit ihnen offenkundig "Herrschaftswissen".

Patrouille bereits unterwegs

In dem Brief an die Anwohner erklärt das Bezirksamt, man habe "die Komplexität und Dauer dieses Prozesses unterschätzt" - für die Beschilderung seien "umfangreiche behördeninterne Abstimmungen" nötig. Und: "Aufgrund der hohen Anzahl von Schildern" sei es dann bei den beauftragten Firmen zu Lieferproblemen gekommen.

Bereits im Einsatz sind dagegen die 20 Parkraumwächter, die pünktlich zum geplanten Start am 1. Oktober eingestellt wurden. Sie gehen seit seitdem auf Verkehrspatrouille – um alle anderen Verkehrsverstöße zu ahnden, die ihnen zu Gesicht kommen.

Mittlerweile, so heißt es vom Bezirksamt, seien "einige Fragen zur Parkraumbewirtschaftung aufgetaucht". Deshalb habe die Verwaltung die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema auf seiner Internetseite zusammengestellt.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Es ist so typisch für Kreuzberg das es genau an solchen Dingen scheitert.
    Ich erinnere mich noch gut an die Infoveranstaltung wo man uns den Honig um den Mund schmieren wollte, wie schön dich alles wird wenn die Parkraumbewirtschaftung beginnt und was man zuvor alles analysiert hat usw. Und am Ende scheitert alles angeblich an falscher Beschilderung und schuld sind Angestellte die in Rente gegangen sind? Respekt, liebes Kreuzberg. Immerhin hat das abkassieren super funktioniert. Hatte eine Gästevignette für meinen Besuch gekauft Mitte Nov. Da wusste man doch schon längst das die Bewirtschaftung nicht funktioniert. Über eine Stunde Verwaltungsakt im Bürgeramt hat mich das auch noch gekostet. Doch einenautomatische Rückzahlung erfolgt hier selbstredent nicht. Sowas nennt man abzocke!

  2. 6.

    Schon spannend, wenn man das hier liest und dann die Reaktion auf das Gesagte des Thübinger OP Palmen schaut.
    Berlin ist genau das, was er sagte: provinziell.
    Hier werden die falschen Schilder montiert, da gibt es eckige markierte Fahrradwege und in Pankow werden auf 700 Meter 48 Verkehrsschilder angebracht.
    Nur, Schuld war mal wieder keiner.

  3. 5.

    Berlin ist schon schlimm, aber die Verwaltung von Friedrichshain-Kreuzberg kann es immer noch etwas besser. Bei jeder Einführung von Parkraumbewirtschaftung kam es bisher zu Problemen, bis hin zum abkassieren, obwohl noch gar keine Anwohner Parkvignetten beantragt werden konnten.

  4. 4.

    Das ist wirklich begrüßenswert, dass nun "20 Parkraumwächter... seitdem auf Verkehrspatrouille ... alle anderen Verkehrsverstöße ... ahnden". Diese Aufgabe bleibt nämlich unerledigt, sobald die Parkscheine kontrolliert werden. Zumindest in Zweifelsfällen unterlassen die Wächter das Ausstellen von Knöllchen wegen Parkens in Einfahrten u.ä., spätestens am Sonntag herrscht totale Anarchie. Mir ist das einfach zu wenig für den ganzen Aufwand.

  5. 3.

    Die Schilder werden von Schildermachern hergestellt, die nach Kundenvorgaben arbeiten. Da können Sie sich auch ein Schild bestellen "Hier parkt nur Mutti".

  6. 2.

    Berlin wie es leibt und lebt. Da fällt eibem nichts mehr ein.
    Ersraunlich, dass die Verkäufer der Schilder nicht selber wissen, dass die Schilder nicht mehr aktuell sind.

  7. 1.

    Unfassbar, was für unfähige Köpfe da in der Verwaltung sitzen und Steuergelder verballern. Und Übergaben bzw. Absprachen zwischen Mitarbeitern finden anscheinend auch nicht statt. Würde ich auf meiner Arbeit solche Fehler machen, hätte ich schon längst mindestens eine Abmahnung kassiert.

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