Eine Pflegekraft misste einer ältere Dame den Blutdruck (Quelle: dpa/Schmidt).
Audio: Antenne Brandenburg | 20.12.2018 | O-Ton Sozialministerin Susanna Karawanskij (Linke) | Bild: dpa/Christoph Schmidt

Umfrage der Landesregierung - Pflegekräfte in Brandenburg wollen Pflegekammer

Die Pflegekräfte in Brandenburg haben sich in einer Umfrage der Landesregierung mehrheitlich für die Schaffung einer Pflegekammer ausgesprochen. 56 Prozent der 1.700 telefonisch und online befragten Pflegekräfte votierten dafür. "Pflegekräfte wollen und brauchen eine starke Interessenvertretung", sagte Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) am Donnerstag in Potsdam.

Pflegekammer ja, Pflichtbeitrag nein

"Sie wollen nicht länger hinnehmen, dass im anstrengenden Pflegealltag ihre Interessen hintanstehen." Das Land werde nun prüfen, wie die Ergebnisse des Dialogprozesses umgesetzt werden könnten. "In der Befragung ist zum Beispiel deutlich geworden, dass sich viele Pflegekräfte - auch solche mit kleinem Einkommen - die Einrichtung einer Pflegekammer etwas kosten lassen würden", so Karawanskij. Gleichzeitig spreche sich aber eine Mehrheit von 53 Prozent gegen einen Pflichtbeitrag aus.

Eine Landespflegekammer würde nach Angaben des Ministeriums als Körperschaft des öffentlichen Rechts bestimmte staatliche Aufgaben übernehmen. Per Gesetz wären alle in Brandenburg tätigen Angehörigen der Pflegefachberufe Pflichtmitglieder. Die Kammer würde eine Berufsordnung für Pflegekräfte erlassen und die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, beispielsweise bei Gesetzgebungsverfahren. Sie wäre auch für die Qualitätssicherung der Pflegeberufe verantwortlich und könnte unter anderem Fortbildungsstandards festlegen. Dagegen sollen Tarifverhandlungen und die Arbeitsbedingungen keine Aufgabe einer Pflegekammer sein.

Studien zu Pflegekammern in elf Bundesländern

Der Landtag hatte 2015 diese Befragung gefordert, bevor er möglicherweise entsprechende Gesetze erlässt. Die Bildung einer Kammer, wie es sie etwa schon für Rechtsanwälte oder Architekten gibt, ist in der Branche umstritten. Allerdings ist Brandenburg mit der Debatte nicht allein: Seit 2010 hat es in elf Bundesländern Studien über die Gründung einer Pflegekammer gegeben. Entsprechende Einrichtungen sind in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in den Jahren 2016 und 2018 gegründet worden. In Bayern ist ein "Pflegering" in Gründung. In Hamburg und Hessen hat es Voten gegen die Gründung einer entsprechenden Kammer gegeben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.12.2018, 11 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Also keine Ahnung wo diese Zahlen hergeholt werden, ich habe noch keine Pflegefachkraft in BRB getroffen die eine Kammer befürwortet und ich gehe soweit das 80 Prozent der Kollegen die ich dazu befragt habe wissen das so eine Gründung zur Debatte steht. Der pure Witz ist das die einzige Person die ich kenne die dazu befragt wurde auf der Arbeitgeber steht und der einzige Befürworter jemand ist der eine Firma leitet die ihr Geld mit Weiterbildungen verdient. Also die Kammer in ihrer aktuellen Form stinkt bis zum Himmel, bringt keinerlei Verbesserung für die Pflegekräfte sondern könnte eher noch zusätzlichen Druck schaffen und abgesehen von geplanten zwangsweisen Beiträgen besteht noch die Möglichkeit das durch die Kammer Pflegekräfte genötigt werden könnten private Mittel und Zeit aufzuwenden für Fortbildungen. Welche Pflegekraft sollte dazu wirklich mit JA stimmen..also ich kenne keine

  2. 2.

    Ihr wollt also die Pflegekammer??? Wir in Niedersachsen nicht! Zwangsbeiträge bis 280 Euro im Jahr, keine Mitbestimmung,Zwangsmitgliedschaft, kein Mitsprache Recht. Androhung von Vollzugsbeamten wenn man nicht zahlt u.s.w. Wollt Ihr das wirklich? Es hat sich bei Facebook innerhalb von 48 Stunden eine Gruppe von mehr als 11ooo Menschen zusammen gefunden die das alles nicht wollen! Liebe Pflegekräfte in Brandenburg überlegt genau was ihr wirklich wollt!!!

  3. 1.

    Als zwangsweises Mitglied einer Kammer kann ich nur DRINGEND davon abraten, eine Kammer zu forcieren. Eine Kammer bringt nur ZWANGSMITGLIEDSCHAFt bis ans Lebensende, selbst wenn man nicht berufstätig ist, hinzu kommen Zwangsmitgliedsbeiträge usw. Wer die Vorstellung hat, dass Kammern sich für den Berufsstand einsetzen, der irrt, denn Kammern bekommen mit oder ohne Einsatz ihr Geld aus den Zwangsbeiträgen. Hände weg von neuen Kammern.

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