Hausfassade mit vielen Satelitenantennen, Pallasseum, in Berlin-Schöneberg (Quelle: imageBROKER/Thomas Born)
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Berlin kauft große Wohnanlage - Pallasseum in Schöneberg geht in landeseigenen Besitz über

Eine Wohnanlage mit mehr als 500 Wohnungen in Berlin-Schöneberg wurde überraschend von einer landeseigenen Wohngesellschaft gekauft. Die rot-rot-grüne Regierung will so gegen Immobilienspekulation vorgehen. Die FDP spricht von "bester sozialistischer Tradition".

Das Pallasseum, ein großer Wohnkomplex mit Hunderten Wohnungen in Berlin-Schöneberg, geht in öffentlichen Besitz über. Am Freitag war bekannt geworden, dass die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag die absolute Mehrheit am Immobilienfonds Pallasseum Wohnbauten KG erworben hatte. Der genaue Kaufpreis war zunächst nicht bekannt.

Sebastian Scheel, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (Die Linke), erklärte dazu: "Der 'Sozialpalast' ist über die Grenzen Berlins hinaus bekannt, sein Erwerb wird damit zum Symbol für die neue Politik Berlins." Diese sehe unter anderem vor, den landeseigenen Wohnungsbestand durch den "vorausschauenden Erwerb von Immobilien sukzessive zu erweitern" und "die Sozialwohnungsbestände zu sichern". Die Berliner Regierungskoalition spricht in diesem Zusammenhang gern von "Rekommunalisierung".

FDP kritisiert Rückkauf als "sozialistische Tradition"

Die Berliner FDP hat den Kauf des Gebäudekomplexes Pallasseum durch die Gewobag kritisiert. Der Sprecher für Bauen und Wohnen der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Förster, stellte am Samstag in einer Mitteilung fest: "Die Einkaufstour des Senats auf Kosten der Berliner Steuerzahler belegt wieder eindrucksvoll, dass die Prioritäten falsch gesetzt werden." Anstelle "in bester sozialistischer Tradition" Eigentum zu vergesellschaften, sollten endlich die Anstrengungen zum Neubau von Wohnungen erhöht werden, sagte Förster.

Nach der Wende bis hin zur Mitte der Nullerjahre wurden in Berlin fast 200.000 Wohnungen aus dem Besitz städtischer Gesellschaften verkauft. Von 482.000 Wohnungen in Ost- und West-Berlin waren im Jahr 2005 nur noch 273.000 Wohnungen übrig, schrieb der "Tagesspiegel" vor zwei Jahren. Auch unter der letzten Großen Koalition wurden in Berlin Zehntausende Wohnungen privatisiert.

Das Pallasseum in Berlin-Schöneberg an der Potsdamer Straße wurde den Angaben zufolge von 1973 bis 1976 unter der Leitung des Architekten Jürgen Sawade errichtet und steht seit 2018 unter Denkmalschutz. Insgesamt umfasst der als "Sozialpalast" bekannte Komplex mehr als 500 Wohnungen.

Kommentar

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30 Kommentare

  1. 28.

    Sie sagen es, Berlin WAR in der Hanse. Lang ist es her. "1518 trat Berlin formal aus der Hanse aus bzw. wurde von ihr ausgeschlossen."

  2. 27.

    Berlin war auch in der Hanse und Berliner dürfen Hanseaten sein.
    MIttelbare kommunale Wohnungsvermietung ist grundsätzlich - vielleicht mögen Einzelfälle mal anders zu beurteilen sein - zu begrüßen.

  3. 25.

    Deswegen muss der Staat aber nun nicht gerade solch ein mieses Teil kaufen. Die Geschichte des Pallaseums ist nicht gerade eine staatliche Bestleistung... Schauen Sie sich doch die Emgwicklung dazu mal an. Dann lieber neu bauen. Und nicht jeder private Eigentümer ist ein gieriger Spekulant, haben Sie es nicht eine Nummer sachlicher?

  4. 24.

    Meien sie? Es ist keine Übertreibung wenn ich ihnen sage wie wichtig es ist wenn der kommunale Wohnugsbestand erhöht wird.

    Die Mangelware bezahlbare Wohnung gehört ebenso wie Wasser und Strom in kommunale statt in gierige Spekulantenhände. Wie wichtig das ist zeigt London oder Paris.

    Das hat nichts mit Sozialismus oder aber dem FDP Motto "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren" zu tun. Die FDP ist doch die erste die nach Staatsknete schreit wenn es darum geht ihrer Klientel den Hals vollzustopfen, Mövenpick lässt grüßen.

    Wie wichtig das ist zeigt London oder Paris.

  5. 23.

    Doch, sicher.... hamwa ! Manchmal muss man aber das Stilmittel der Übertreibung wählen, um sich Gehör zu verschaffen. Ist Ihnen ja auch nicht fremd ;) Frohe Weihnachten !

  6. 22.

    "Ansonsten könnten wir ja gleich die DDR wieder einführen."

    Das können sie als Hanseat nicht wissen aber in Berlin gibt es einen Spruch wenn jemand völlig übertreibt und zu dick aufträgt:

    "Hamwa ditt nich nen bißken kleena?"

  7. 21.

    Na, dann wünsche ich weiter viel Spaß in der sozialistischen Weiterbildung. Jedenfalls kann man von Glück sagen, dass noch solche "krummen Dinger" gedreht werden. Ansonsten könnten wir ja gleich die DDR wieder einführen.

  8. 20.

    Sie müssen ja nicht so tun, als wüssten Sie es nicht. Es wurden die Freibeträge erhöht. Es gibt jetzt eine Steuerbefreiung für Betriebsvermögen, Betriebe der Land- und Forstwirtschaft und Anteile an Kapitalgesellschaften. Und das sind nur die krummen Dinger von denen ich weiss.

    PS.:
    Unternehmen waren auch vor der "Reform" nie durch Erbschaft- und Schenkungsteuer bedroht.
    https://www.boeckler.de/43284_43305.htm

  9. 18.

    Bei Ihrem Link sucht man übrigens vergeblich nach der Vermögenssteuer und der Finanz-Transaktions-Steuer (Spekulations-Steuer), die bis heute von den Einflussreichen verhindert werden. Ausserdem wird die Erbschafts- und Schenkungssteuer immer wieder aus nur vorgespiegelten Motiven gesenkt.

    Ihr Link: https://www.bpb.de/wissen/TQ0PLW,0,0,Steuereinnahmen_nach_Steuerarten.html

  10. 17.

    Möchte nicht wissen, wie viel Mietrückstände da mitgekämpft wurden. Und Hartz IVer, bei denen den Staat die Miete trägt. Ein schlechtes Geschäft für Berlin und den Steuerzahler. Dieses Pallasseum hätte doch eh kein anderer gekauft.

  11. 15.

    Die Wohlhabenden brauchen eher unser Sozialsystem um sich auf Kosten vieler zu bereichern.

    https://www.tagesschau.de/inland/soziale-ungleichheit-101.html

    Nicht die Milliardäre stützen unser Sozialsytem, sondern Millionen die ehrlich ihre Steuern entrichten.

  12. 13.

    "Ralf, wer erarbeitet die vielen Millionen an Steuergelder, die dafür ausgegeben werden ? Die " FDP " ist eine Partei, die überwiegend von Wohlhabende unterstützt wird. Diese Wohlhabende brauchen wir, um unser Sozialsystem am Leben zu halten. "

    Und nun zu den Fakten: Wer erarbeitet die vielen Milliarden an Steuergeldern, mit denen die "Champagnertrinkereinkommen" und "Finanzjongleursbankguthaben" nach 2008 bis heute gerettet wurden?
    Hier die Antwort der Bundeszentrale für politische Bildung:
    http://www.bpb.de/wissen/TQ0PLW,0,0,Steuereinnahmen_nach_Steuerarten.html

    Und die Arbeitslosen wurden durch die Maschinen arbeitslos, die ihre Eltern und Großeltern im Auftrag der Kapitaleigner gebaut haben mit der Maßgabe, nur nicht zu viel Lohn zu verlangen, damit die Kinder und Enkel weniger wöchentliche Arbeit zu leisten hätten - und Papa und Großpapa haben gespurt. Die Antwort? Tatsächlich sehr geringe Arbeitszeit für ganz ganz viele Menschen: ca 10 Millionen arbeitslos und arm.

  13. 12.

    Wenn die Wohnungen nun vom derzeitigen Senat verwaltet werden, kann man den Mietern nur viel Glück wünschen. Die FDP hat insofern recht, dass mehr gebaut werden müsste. Auf jeden Fall müsste auch anders gebaut werden als beim "Sozialpalast".

  14. 11.

    Ralf, wer erarbeitet die vielen Millionen an Steuergelder, die dafür ausgegeben werden ? Die " FDP " ist eine Partei, die überwiegend von Wohlhabende unterstützt wird. Diese Wohlhabende brauchen wir, um unser Sozialsystem am Leben zu halten.


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