Das sorbisch-wendische Christkind (2.v.r.), auch Bescherkind genannt, und seine beiden Begleiterinnen gehen über den Weihnachtsmarkt im Freilandmuseum in Lehde in Brandenburg am 08.12.2018 (Foto: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

1.000 Teilnehmer in Brandenburg und Sachsen befragt - Sprache und Brauchtum wichtig für Sorben und Wenden

Die Sprachvermittlung und die Brauchtumspflege sind für Sorben und Wenden bis heute wesentliche Grundlagen ihrer Identität. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Befragung von mehr als 1.000 Mitgliedern sorbischer Vereine und Verbände, die am Dienstag in Bautzen vorgestellt wurde. Demnach ist für rund 93 Prozent der Mitglieder die sorbische Sprache wichtig, die Brauchtumspflege sogar für rund 95 Prozent. Die Literatur sei für rund 80 Prozent wichtig, die Religion für 58 Prozent.

Befragt wurden den Angaben zufolge im September und Oktober Mitglieder aller sorbischen Vereine und Verbände in Sachsen und Brandenburg. An der empirischen Studie durch ein Leipziger Institut beteiligten sich 1.160 Sorben und Wenden.

Fast alle Befragten können Sorbisch

Eine große Mehrheit sehe die Domowina, den Bund Lausitzer Sorben und Dachverband der sorbischen Vereine und Verbände, als wesentliche Vertretung ihrer Minderheit, hieß es. Politisch vertreten durch die Institution fühlen sich 75 Prozent der Befragten. 91 Prozent sagen, dass sie eine wichtige Aufgabe bei der Wahrung und Vermittlung der Sprache einnimmt sowie bei der Traditionspflege (89 Prozent). Fast alle der Befragten können nach eigenen Angaben Sorbisch sprechen. Nur zwölf Prozent hätten angegeben, sie würden nicht gut Sorbisch sprechen.

Die Domowina werde überwiegend als aktiv, offen und unterstützend gesehen, hieß es. "Grundsätzlich sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden", erklärte der Vorsitzende der Domowina, David Statnik. Sie seien eine gute Grundlage, die bisherige Arbeit weiter zu verbessern. Mit den Ergebnissen der Befragung wolle sich auch die nächste Hauptversammlung der Domowina Ende März 2019 beschäftigen.

Erstmals eigene Volksvertretung gewählt

Nach Schätzungen bilden heute etwa 60.000 Menschen das sorbische Volk in der brandenburgischen Niederlausitz und der sächsischen Oberlausitz. Demnach leben in Brandenburg rund 20.000 überwiegend evangelische Wenden und in Sachsen rund 40.000 überwiegend katholische Sorben. Der Dachverband sorbischer Vereine und Verbände zählt offiziell knapp 7.400 Mitglieder. 

Anfang November wählten die Wenden und Sorben in Brandenburg und Sachsen erstmals eine eigene sorbische Volksvertretung, das "Serbski Sejm". Ende November konstituierte sich das Parlament. Die 24 gewählten Mitglieder wollen nach eigenen Angaben die Rahmenbedingungen in Brandenburg und Sachsen so mitgestalten, dass Sorben und Wenden ihr Recht auf Selbstbestimmung voll in Anspruch nehmen können.

Dazu hieß es nach der Konstituierung: Zwar gebe es die Stiftung für das sorbische Volk, sorbische Institutionen, den Vereinsdachverband Domowina und andere Initiativen. Jedoch habe es bisher keine Institution gegeben, die alle zusammenführe und Partizipation ermögliche. Zum "Serbski Sejm" der slawischen Minderheit gehören je zwölf Vertreter der Wenden und der Sorben. Für die Wahl des ersten Sorben-Parlaments hatten sich 1.282 Wähler registrieren lassen.

Sendung: Radioeins, 11.12.2018, 15:30 Uhr

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