Grossdemonstration von Berliner Lehrern 2010
Audio: Inforadio | 20.12.2018 | Kirsten Buchmann | Bild: Eventpress Mueller-Stauffenberg

Lehrkräftemangel an Berliner Schulen - Rot-Rot-Grün uneins über Verbeamtung von Lehrern

Berlins Bildungssenatorin Scheeres hat die Verbeamtung von Lehrern ins Gespräch gebracht. Den Lehrkräftemangel könne man damit zwar nicht aufheben, aber entschärfen. Grüne und Linke sehen das allerdings anders - genauso wie der SPD-Finanzsenator. Von Kirsten Buchmann  

Ist die Aussicht auf eine Stelle als Beamter ein wirksames Mittel, um neue Lehrkräfte für Berliner Schulen zu gewinnen? Innerhalb der Regierungskoalition ist dazu eine Diskussion ausgebrochen.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Maja Lasic, sieht eine Verbeamtung als eine von zwei Möglichkeiten. Berlin ist derzeit das einzige Bundesland, dass Lehrer ausschließlich als Angestellte einstellt, sagt sie. Gegenüber älteren Kollegen mit Beamtenstatus seien diese in vielen Punkten deutlich schlechter gestellt. Das betreffe nicht nur ihr geringeres Einkommen im Laufe ihres Berufslebens: "Wir sprechen über Fortsetzung der Bezahlung im Krankheitsfall, Verluste bei der Altersversorgung, Ungleichheit bei der familiären Sicherung", so Lasic im rbb.

Scheeres für Verbeamtung, Kollatz dagegen

Zwei Wege seien möglich, so Lasic: Angestellten Lehrern vergleichbare Bedingungen zu bieten oder sie zu verbeamten. Nun gehe es darum, die Kosten zu vergleichen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte in einem Interview mit der "taz", dass die Verbeamtung nicht teurer werde. Anders rechnet ihr Parteigenosse und Finanzsenator Matthias Kollatz: "Kurzfristig ist es nicht teurer. Langfristig ist es deutlich teurer. Die Pensionsregelung für Beamte ist ein deutlich teureres System, das zeigen auch alle Rechnungen." Es gehe um rund 15 bis 20 Prozent, die die öffentliche Hand mehr aufwenden müsse. Das, sagt Kollatz, sei auch einer der Gründe, warum die Verbeamtung in Berlin einst beendet wurde.

Koalition gespalten

Auch die Koalitionspartner der SPD reagieren zurückhaltend auf die Verbeamtungsdiskussionen der Sozialdemokraten. Die Bildungsexpertin der Grünen, Marianne Burkert-Eulitz, findet Beamte sinnvoll für hoheitliche Aufgaben wie bei der Polizei und der Justiz. Die Verbeamtung habe in anderen Bundesländern keine zusätzlichen Lehrer gebracht.

"Wir lehnen die Verbeamtung auch weiterhin ab", sagt auch die Bildungsexpertin der Linken, Regina Kittler. "Weil wir nicht glauben, das sich dadurch irgendwas verbessert." Auch andere Bundesländer, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, hätten wie Berlin zum Schulanfang etliche unbesetzte Lehrerstellen gehabt. "Obwohl die verbeamten."

Stattdessen müsse das Land Berlin angestellte Lehrer mit verbeamteten Lehrern gleichstellen, sagt Kittler, etwa bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder der besseren Rente.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, die bildungspolitische Sprecherin Lasic spreche sich für eine Verbeamtung aus. Dabei hat sie die Verbeamtung explizit als eine von zwei Alternativen genannt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    So ist das nun auch wieder nicht. Da müssten Sie sich mal mit der Versorgumgsrücklage in Berlin beschäftigen. Der Bund und andere Länder haben noch Versorgungsfonds. Es geht also auch so, dass die Last in der Zukunft gedämpft wird. Aber das muss alles politisch gewollt werden.

  2. 16.

    Und da politisch ja gerne mal Lasten in die Zukunft verschoben werden kann man sich ausrechnen, wer denn der Verbeamtung das Wort redet.

  3. 15.

    Das können Sie rechnen, wie Sie wollen. Tarifbeschäftigte kosten SV und bekommen später VBL. Der Beaamte kostet im aktiven Dienst weniger, dafür kommt die Pensionslast. Es gibt für beides Rechnungen, die je nach Auftraggeber das eine oder das andere als "besser" ergeben. Letztendlich ist es eine politische Sache.

  4. 14.

    Meiner Meinung nach sollten nur noch Leute verbeamtete werden, von denen der Staat absolute Treue verlangen muss, also Polizisten oder Finanzbeamte. Lehrer gehören definitiv nicht dazu. Sie sollen gut bezahlt werden, allerdings auch gut ausgebildet sein. Wie viele der verbeamteten unfähigen Lehrer werden von Schule zu Schule als Wanderpokal weitergereicht, weil sie unkündbar sind.

  5. 13.

    Außerdem bin ich der Meinung das Lehrer nicht Beamte sein müssen. Jeder von uns kennt Beispiele von Lehrern die besser etwas anderes gemacht hätten. Große Teile des jeweiligen Kollegiums geben den Eltern hinter vorgehaltener Hand sogar noch Recht wenn man sich beschwert.

  6. 12.

    Lehrer gehören ordentlich bezahlt, verbeamten muss man sie dafür aber nicht. Das wäre ein teurer Spaß für die künftigen Generationen.

  7. 11.

    Wenn mman als Beamter sein ganzes Arbeitsleben auf höhere Gehälter verzichtet hat, dann ist die Pension mehr als verdient und ein Ausgleich. Übrigens werden nicht 48% Rentenniveau versteuert, sondern der Teil, der darüber hinaus (private Vorsorge) geht und steuerfrei vorher gefördert wurde. Das betrifft alle.

  8. 10.

    Klingt ein wenig nach Mimimi.
    Wer Beamter wird, der weiß, daß der Dienstherr das Weisungrecht hat, man kann ein paar mal ablehnen, aber dann muss man, oder es gibt ein Disziplinarverfahren oder eine Abstufung der Besoldung. Dafür genießt der Beamte Vorzüge der Unkündbarkeit, kann krankfeiern bis zum Sanktnimmerleinstag und zahlt keine Sozialabgaben. Meine Abgaben vom Gehalt sind vielfach höher, verbunden mit der Sicherheit, das mein Arbeitgeber mich kündigen kann, wie er es sozialvertraglich abgesichert hat und mit der Aussicht, bei 48 Prozent Rente, die versteuert und mit anderen Abgaben belastet wird, abgespeist zu werden. BTW: ich habe großen Respekt vor Beamten bei Polizei und Feuerwehr. Bei den heutigen Lehrern bin ich mir nicht so sicher. Das ist aber eine andere politische Spielwiese.

  9. 9.

    Als Angestellter zahlt man ca. 20% des Einkommens in die Rentenversicherung (Arbeitgeber und Arbeitnehmer Anteil) davon erhält man als Regelrentner nach 45! Jahren in Zukunft 48% Rente die auch noch besteuert wird. Wie hoch sind die Abzüge bei Beamten wenn diese früher in Rente gehen und wie hoch ist die Pension? Ich finde unsere teuren Staatsdiener jammern auf sehr hohem Niveau! Unkündbar zu sein läßt sich kaum in eine Besoldung einrechnen.

  10. 8.

    In Berlin läuft so unglaublich viel verkehrt, dass es völlig wurscht ist, ob Lehrer Tarifbeschäftigte oder Beamte sind.
    Interessant ist der Umstand aber schon, dass gerade dieses Bundesland mit seinen tarifbeschäftigten Lehrkräften von der Norm im Bundesstaat abweicht, obwohl es traditionell die schlechtesten Bewertungen für sein Bildungssystem oder somit für die Bildungschancen der Lernenden von verschiedenen Beurteilern erhält.
    Rot-Rot-Grün ist halt beratungsresistent und prügelt die verquere eigene Ideologie durch. Wie in allen anderen Politikfeldern auch! Weiter so!

  11. 7.

    Glaubt einer tatsächlich, daß verbeamtete Lehrer auf einmal die besseren Lehrer als die angestellten Lehrer werden?

  12. 6.

    Ist denn bekannt, das Beamte schlechter bezahlt werden als in der Wirtschaft und gefühlt wie „Leibeigene“ behandelt werden? Ist denn bekannt, das bei der Verbeamtung ca. 7% dauerhaft vom Gehalt abgezogen/gekürzt wird, nur damit Netto kein Cent mehr gezahlt wird und der Vorteil keiner Rentenbeiträge nur beim Land und damit beim Steuerzahler liegt? Die Pension ist ein Vorteil - wenn man sie dann erreicht.

  13. 5.

    Meiner Meinung nach müssen Lehrer nicht verbeamtet werden. Sie müssen nur vernünftig bezahlt werden. Beamte sollen hohheitliche Aufgaben wahrnehmen, z.B. Polizei und Justiz.

  14. 4.

    Bitte nicht verbeamten, da teurer und weniger Geld für den BER da!

  15. 3.

    Die Verbeamtung ist ziemlich überflüssig, weil sie dem aktuellen Geist nicht mehr entspricht.

  16. 2.

    Also meine Schwester hat mir erzählt das junge Kolleginnen jetzt ihre Schule verlassen und im Umland verbeamtete Lehrerinnen zu werden.

  17. 1.

    Nüscht gegen Verbeamtung - dann bitte aber bei einer dringend benötigten Reform der Rentengesetzgebung: jeder muss in die Rentenkasse einzahlen, damit es ein gerechte System bleibt bzw. wird.
    Woher sollen die Gelder denn kommen, die die zukünftigen Pensionen fressen werden? Die zahlen nämlich über die illegale Zwangsversteuerung der Renten (Einkünfte, die bereits durch die Lohnabzüge versteuert wurden) auch Rentner, die in Altersarmut fallen, damit die Pensionäre fein mit 70% des letzten Einkommens alimentiert werden, während Rentner mit weniger als der Hälfte des letzten Netto darben dürfen......

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