Begegnungszone in der Kreuzberger Bergmannstraße (Quelle: imago/Kleist-Heinrich)
Bild: imago stock&people/Kleist-Heinrich

Beschluss der BVV - Vorzeitiges Aus für "Begegnungszone" Bergmannstraße

Das Projekt "Begegnungszone" mit seinen hölzernen Parklets in der Kreuzberger Bergmannstraße war von Beginn an umstritten. Jetzt haben die Bezirksverordneten den Stecker gezogen: Im Sommer ist vorzeitig Schluss mit der Testphase.

Die umstrittene "Begegnungszone" in der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg wird vorzeitig wieder abgebaut. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschloss am Mittwochabend auf Antrag der Linken, die Testphase bereits Ende Juli zu beenden. Ursprünglich sollte das Projekt bis Herbst 2019 erprobt werden. Damit könne auch das Jazzfest in der Bergmannstraße im September stattfinden, teilte die Linke per Twitter mit.

Melonengelber großer Käse

An der Begegnungszone in der belebten Bergmannstraße hatte es von Anfang an viel Kritik gegeben - allein schon, weil ein vorangegangenes Projekt in der Schöneberger Maaßenstraße allgemein als gescheitert gilt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller nannte es "großen Käse", Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek erklärte: "Pilotprojekte dienen auch dazu, dass sie mal scheitern."

Dennoch wurden in der Bergmannstraße "melonengelbe Aufenthaltsmodule" aufgestellt, "um das verträgliche Miteinander Aller im Straßenverkehr zu fördern", so die Senatsverwaltung.

Doch bald beklagten sich Radfahrer, statt verträglichem Miteinander nun auf einer Fahrspur von Lastwagen bedrängt zu werden. Autofahrer beschwerten sich über fehlende Parkplätze, Anwohner zeigten sich von Trinkgelagen in den Parklets genervt. Das Bergmannstraßenfest musste schließlich eingestellt werden - unter anderem, weil keine Parkhäfen mehr an Händler vermietet werden konnten.

Der Bund der Steuerzahler mokierte, hier sei eine Begegnungszone entstanden, wo sich niemand begegne, weil die Anwohner lieber in Parks säßen als im Straßenverkehr. Fast 119.000 Euro habe das den Steuerzahler gekostet.  

"Zerstörung des Straßenbildes"

Die Senatsverwaltung hatte das Pilotprojekt mit einer Online-Beteiligung begleitet. Dort konnten Anwohner und Besucher der Bergmannstraße über ihre Wahrnehmung der Begegnungszone berichten. Auch hier fielen die Reaktionen überwiegend verheerend aus: Eine Anwohnerin sprach von einer "Zerstörung des Straßenbildes", eine "Ureinwohnerin" verfasste gleich einen "Nachruf auf die Bergmannstraße". Ein weiterer Kreuzberger berichtete, dass die Parklets bereits beschmiert wurden. Eine Aufschrift lautete: "Na, dit jeht aba schöna, wa?"

Sendung:  Abendschau, 31.01.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    War doch vorher schon klar, dass da keiner sitzen will.

  2. 3.

    Der Witz war ja noch, das die ersten „Inseln“ beinahe netter aussahen als nun die aktuellen gelben Inseln. Und letztlich finde ich, sollte man aus der Bergmannstr einfach eine Fußgängerzone machen mit Begrünung in der Mitte. Um die Bäume dann Bänke... fertig. Dann währe auch noch Platz für das Straßenfest.
    Nur die Autofahrer währen abgegessen.

  3. 2.

    So werden Steuergelder zum Fenster rausgeschmissen. Es muss ja mal etwas ausprobiert werden. Für das Geld hätte man lieber einen Spielplatz sanieren sollen.

  4. 1.

    Man kann so etwas natürlich mal testen. Aber es waen von Anfang an störende Elemente im Straßenbild. Und wer will schon zwischen fahrenden Autos seinen Kaffee trinken? Also weg damit.

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