Manuel Ochsenreiter (Quelle: imago)
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Verdacht der Terrorfinanzierung - Vorwürfe gegen Ex-AfD-Mitarbeiter erhärten sich

Anklage in Polen, Ermittlungen in Berlin: Der frühere AfD-Mitarbeiter und rechtsgerichtete Journalist Manuel Ochsenreiter gerät weiter unter Druck. Er soll einen Brandanschlag in der Ukraine veranlasst haben. Chatprotokolle, die dem ARD-Magazin Kontraste vorliegen, belasten ihn.

Die Vorwürfen gegen den rechtsgerichteten Journalisten Manuel Ochsenreiter scheinen sich weiter zu erhärten. Ochsenreiter, bis vor kurzem noch Mitarbeiter eines AfD-Politikers im Deutschen Bundestag, soll einen Brandanschlag in der Ukraine veranlasst und die mutmaßlichen Attentäter finanziert haben. Dem ARD-Politikmagazin Kontraste und dem Nachrichtenportal t-online.de liegen jetzt erstmals belastende Dokumente der ermittelnden Behörden aus Polen vor.

Der Brandanschlag auf ein Kulturzentrum der ungarischen Minderheit in der ukrainischen Stadt Uschhorod fand im Februar 2018 statt und diente offenbar dem Ziel, einen ethnischen Konflikt in der Ukraine zu schüren. Im polnischen Krakau wird den mutmaßlichen Brandstiftern gegenwärtig der Prozess gemacht.

Geldübergabe am Flughafen Tegel

Einer der Angeklagten sagte im Gerichtssaal aus, Ochsenreiter habe ihm für die Tat 1.500 Euro gezahlt. Er sprach von einer persönlichen Geldübergabe auf dem Berliner Flughafen Tegel. Chatprotokolle in den Gerichtsakten, die Kontraste und t-online.de nun in Krakau einsehen konnten, erhärten den Verdacht, dass sich einer der Angeklagten tatsächlich mit Manuel Ochsenreiter im Berliner Flughafen Tegel zur Geldübergabe getroffen hat.

Bilder der Überwachungskamera vom Brandanschlag auf das Kulturzentrum (Quelle: ARD)

Auf die Frage seiner Frau: "Und um wieviel Uhr triffst Du Dich mit Manuel?" schreibt der Angeklagte zurück: "Um 11:30 Uhr. Um 19:30 Uhr geht mein Flug zurück, über Warschau. Ich werde dann ein Taxi nehmen, ich möchte nicht mit so viel Bargeld im Nahverkehr fahren." Die Anklage der polnischen Staatsanwaltschaft lautet daher auf "Terrorfinanzierung". Mittlerweile ermittelt auch die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Ochsenreiter. Dieser bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Ochsenreiter war bis vor wenigen Tagen im Büro des AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier beschäftigt. Das Mitarbeiterverhältnis beendeten beide nach Bekanntwerden der Vorwürfe „in gegenseitigem Einvernehmen." Ochsenreiter verfügt über enge Kontakte nach Russland und in rechtsextreme Kreise, ist Chefredakteur der rechtsgerichteten Monatszeitschrift "Zuerst!" und besuchte auch eine Konferenz von Holocaustleugnern in Iran.

Sendung: Kontraste, 31.01.2019, 21.45 Uhr

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    "...sonst nix"?

    "Manuel Ochsenreiter, Chefredakteur des rechtsradikalen Magazins "Zuerst!" und bis vor Kurzem Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier, wird im Rahmen eines Terrorprozesses in Polen durch sichergestellte Chatnachrichten schwer belastet."

    https://www.tagesschau.de/inland/ukraine-afd-ochsenreiter-101.html

  2. 10.

    " 1.500 Euro ist ja jetzt auch nicht so die riesige Summe die man nicht selber stemmen könnte."

    Stimmt. Das kann man auch von einem Gehalt als Fachreferent im Bundestagsbüro des AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier leisten.

  3. 9.

    Da ist gar nix "erhärtet". Behauptungen zweier Angeklagter stehen im Raum sonst nix

  4. 8.

    Zitat: "Anklage in Polen, Ermittlungen in Berlin ..." und ggf. die Haft in der Ukraine.

  5. 7.

    "von wem er wohl das Geld/den Auftrag hatte, den Anschlag zu veranlassen?!" ~~~ Da Herr Ochsenreiter wohl im Näheren Kontakt zu Alexander Dugin steht, kann ich mir vorstellen - sofern die Beschuldigungen stimmen sollten - dass das Geld aus dieser Ecke stammt. (Wenn er es nicht einfach selbst finanziert hat - 1.500 Euro ist ja jetzt auch nicht so die riesige Summe die man nicht selber stemmen könnte.) Siehe hierzu auch den Artikel "Separatisten in der Ostukraine – die Geister, die wir riefen" von Jens Berger.

  6. 6.

    Und jetzt stelle man sich vor, er hätte islamistischen Terror unterstützt: Wäre der Herr Abgeordnete dann nicht ganz schön in Bedrängnis? Ist ein solcher Bundestagsabgeordneter überhaupt haltbar, der einen mutmaßlichen Terrorfinancier (von wem er wohl das Geld/den Auftrag hatte, den Anschlag zu veranlassen?!) beschäftigt hat? Er sollte zurück treten. Wird er aber nicht, in dem Punkt unterscheidet sich die AfD nämlich nicht von anderen Parteien/Politikern: Die Diäten sind einfach zu verlockend, das schöne Geld lass ich doch nicht liegen.
    Ich hoffe er wird in Polen inhaftiert!

  7. 5.

    Meine Diagnose lautet "ADHS" ;-)

    Ansonsten schließe ich mich Ihrem Kommantar an - dem ist nix weiter hinzuzufügen.

  8. 4.

    Hört sich 'n bissel nach 'ner Räuberpistole an. Aber während Herr Ochsenreiter nur beschuldigt wird einen eher harmlosen Brandanschlag in Auftrag gegeben zu haben (keine Toten, keine Verletzten), haben die Kräfte, die den gewaltätigen Putsch in der Ukraine veranlassten und ihre medialen Helfershelfer den Tod und Elend von Tausenden - gar Hunderthunderttausenden zu verantworten: denn es sind dieselben Kräfte, die schon den Krieg in Jugoslawien zu verantworten hatten, den Überfall auf Afghanistan, die Kriege im Irak, Libyen und natürlich das Schlachten in Syrien und die ganzen Umtriebe der Dschihadisten. Und aktuell zündeln diese Leute (und ihre Helfershelfer in den unterwürfigen Medien) in Venuzela. Lustigerweise diesmal Hand in Hand mit Trump und Bolsonaro - und zu Gunsten eines Rechtspopulisten. (Also die gleichen Medien, die in Deutschland wegen der AfD sctändig rumplärren, die ganz entsetzt ob Trumps Wahlsieg waren, ebenso sonst auch über den Wahlsieg Bolsonaros.)

  9. 3.

    Und das ist erst der Anfang, auch hier wird der Terror über die gleichen Kanäle finanziert. Immer mitten drin, die rechtsextreme "Partei", die ja angeblich demokratisch sei. Die AfD kann man m.E. getrost als parlamentarischen Arm dieser "Bewegung" bezeichnen.

    Sie beschäftigt Rechtsextremisten die zu diesem Terrornetzwerk gehören und steckt selbst mittendrin in einer Spur der illegalen Finanzierung, wer weiß wohin diese Gelder wirklich fließen.

    Es ist eine Frage der Zeit dass solche Terroranschläge auch hier wahrscheinlich werden und deshalb finde ich es stark verwunderlich warum die AfD nicht schon längst von BfV beobachtet wird.

  10. 2.

    Vielen Dank für dieses schöne Kommentar. Um ein Filmzitat zu verwenden: "Manche Menschen wollen die Welt einfach brennen sehen."

  11. 1.

    Unabhängig vom Ausgang: Sie, diese Männer und Frauen, brauchen Unfrieden für ihre Existenz. Pegida, AfD, „weiße alte Männer“: Sie können keinen Frieden halten, ihr Lebenselixier. „Der Brandanschlag auf ein Kulturzentrum der ungarischen Minderheit in der ukrainischen Stadt Uschhorod fand im Februar 2018 statt und diente offenbar dem Ziel, einen ethnischen Konflikt in der Ukraine zu schüren.“

    Deswegen zeigt mir das Wohl von Minderheiten in einer Gesellschaft deren Zustand an. Frieden geht nur miteinander und nicht gegeneinander.

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