Symbolbild: Kinder sitzen am Rande einer Halfpipe. (Bild: imago/Frank Sorge)
Audio: Inforadio | 29.01.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: imago-Symbolbild/Frank Sorge

Gesetzentwurf von Senatorin Scheeres - Berlin will für Jugendarbeit 25 Millionen Euro mehr ausgeben

Immer mehr Kinder in Berlin, immer weniger Geld für Jugendarbeit: Dieses Missverhältnis will Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ändern und das Budget kräftig erhöhen - die Bezirke müssen sich aber auch an Vorgaben halten. Von Kirsten Buchmann

Jugendzentren, Abenteuerspielplätze, Festivals oder Jugendreisen ins Ausland: Für die Jugendarbeit in Berlin will der Senat mehr Geld ausgeben. Gleichzeitig sollen die Bezirke aber auch mehr Vorgaben einhalten. 

Einen Gesetzentwurf dazu hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag in den Senat eingebracht. Das Budget für die Jugendarbeit soll laut Scheeres von derzeit 85 Millionen Euro auf insgesamt 110 Millionen Euro erhöht werden.

Bezirke sollen Wünsche der Kinder berücksichtigen

Zugleich sollen die Bezirke Standards einhalten, was sie anbieten müssen - orientiert an den Zahlen und Altersgruppen der dort lebenden Kinder. Welche Bezirke wie viel Geld für die Jugendarbeit ausgeben, ist laut der Bildungsverwaltung sehr unterschiedlich. Die Summen reichten demnach im vergangenen Jahr von 4,5 Millionen Euro in Reinickendorf bis 9,8 Millionen in Pankow.

Obwohl die Kinderzahlen in Berlin gestiegen sind, verwendeten die Bezirke laut Scheeres immer weniger Geld für ihre Jugendarbeit - vom Jugendclub über Skate-Bahnen bis zu Hiphop-Kursen. Zehn Prozent ihrer Jugendhilfemittel hätten sie für solche Orte und Projekte ausgeben sollen. Das sei aber nicht der Fall gewesen, kritisiert die Senatorin. Durch eine Gesetzesänderung will sie nun Standards festlegen, was die Bezirke anbieten müssen.

Berücksichtigen sollen die Bezirke in Zukunft bei ihren Angeboten ausdrücklich die Wünsche der Kinder und Jugendlichen. Rund 10.000 von ihnen waren dazu im Rahmen der U 18-Wahlen und online befragt worden. Ihnen geht es demnach vor allem um eine gute technische Ausstattung in Jugendräumen, etwa mit Computern, Tonstudios oder auch Möglichkeiten, Videos zu schneiden. "Ihnen war auch wichtig, dass es Möglichkeiten gibt, sich am Wochenende zu treffen. Sie wollen eben auch Dinge außerhalb der Schule unternehmen. In Räumlichkeiten, aber auch auf Plätzen. Das gehört ja auch dazu. Das sind die mobilen Angebote", nennt Scheeres weitere Aspekte.

Auch Reisen und internationale Begegnungen wünschten sich Kinder und Jugendliche der Befragung zufolge. Das soll ebenfalls berücksichtigt werden. So sollen alle im Alter zwischen sechs und 27 Jahren einmal eine Woche lang etwa an einer Erholungsreise oder internationalen Begegnung teilnehmen können.

Jugendhelfer begrüßen den Vorstoß

Solche Schritte weg vom bisherigen Sparkurs in der Jugendarbeit begrüßt Elvira Berndt, die Vorsitzende des Landesjugendhilfeausschusses. Sie habe in den vergangenen Jahren miterlebt, wie Angebote ausgedünnt wurden, etwa in der Gegend um den Hackeschen Markt. "Mein Gedanke ist, dass wir als Erwachsenengesellschaft hoch und runter diskutieren, wie problematisch wir das finden, wenn Kinder und Jugendliche zu wenig Bewegung haben, wenn sie zu viel vor dem Fernseher oder Computer sitzen – und sich nicht vergesellschaften", sagt Berndt. "Und dass es uns gleichzeitig so schwerfällt, die Orte bereitzustellen, wo Kinder und Jugendliche dies tun können." Künftig wieder mehr Treffpunkte und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen, hält sie für richtig.

Der Landesjugendring, ein Zusammenschluss der Berliner Jugendverbände, bewertet positiv, dass ehrenamtliches Engagement gewürdigt werden soll. So sollen sich Berufstätige etwa im Sommer freistellen lassen können, um eine Ferienfreizeit für Kinder zu betreuen. Bis zu zwölf Tage im Jahr soll das der Bildungssenatorin zufolge möglich sein.

Stellung nehmen zu Scheeres' Gesetzentwurf soll zunächst der Rat der Bürgermeister. Anschließend soll er im Parlament beraten werden.

Beitrag von Kirsten Buchmann

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wichtiger, notwendiger Schritt. Jetzt müssen nur noch die Sozialarbeiter*innen besser bezahlt werden, damit offenen Stellen in der Jugendhilfe auch besetzt werden.

  2. 2.

    Ein diffuser Bericht zu einem prekären Thema. Das laste ich nicht dem rbb an.
    25 Mille will Frau Scheeres MEHR ausgeben. Der Gesetzesvorschlag en Detail hätte mich schon interesseiert als ... normaler Bürger, Steuerzahler. Weil auch ich Alltagsdefizite benennen kann, mir mehr wünsche für Jugendliche. Das ist nicht in erster Linie "eine Woche lang etwa an einer Erholungsreise oder internationalen Begegnung". Die internationale Begegnung hat es in Berlin (vgl. andere Meldungen über Struktur, Zuzüglerstatistiken der Stadt), das sollte zusammen gebracht werden. Bringt es in vorhandene Begegungsstätten zusammen! Jugendsportförderung ist genauso ein Thema, separiert in anderen Berichten, angemerkt von unmittelbar Beteiligten.
    "Räumlichkeiten, aber auch auf Plätzen" gibt es zuhauf. Es fehlt an Energie, an Personal, an Sachmitteln zur Instandhaltung um diese bis 22 Uhr zu betreiben.
    Überfluss und Mangel, beides schlecht gehändelt. Eben Hiphop.

  3. 1.

    Das wäre toll, wenn aus diesem Gesetzesentwurf dann auch Realität wird. Eine Thematisierung der Jugendhilfe und all derer, die daran beteiligt sind, findet bislang zu wenig statt. Das würde die Jugendhilfe aus dem Schleier der Unsichtbarkeit u. der Selbstverständlichkeit hervorholen.

    Umso wichtiger bleibt zu betonen, dass in Zeiten des Rechtsrucks und u.a. AfD'ler*innen in den BVV und teils als Bezirksstadträt*innen, dass gerade die politische Arbeit, i.S.v. Demokratie- u. Menschenrechtsbildung, dadurch ebenso gefördert werden sollte. Einrichtungen wie z.B. das "JUP" dürfen nicht unkommentiert Agitationen bis Angriffen von rechts ausgesetzt bleiben. Auch sollen sich Mitarbeitende in Einrichtungen nicht Gedanken machen müssen, ob ihr politisches Engagement für Gleichwertigkeit und gegen Diskriminierungen von Entscheidungsträger*innen best. politischer Haltungen sanktioniert werden könnte und ob sie daher ihr Engagement vorab selbst reduzieren.

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