Archivbild vom 20.11.2018: Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, am Steuer eines BVG-Busses (Quelle: dpa/Carsten Koall)
Video: Abendschau | 22.01.2019 | F. Eckardt, N. Siegmund | Interview mit Ramona Pop | Bild: dpa/Carsten Koall

BVG-Chefin Nikutta bei SPD und Grünen - Engpässe bei der BVG werden wohl noch eine Weile dauern

Volle Züge, Busausfälle, Verspätungen: Viele Berliner sind sauer auf die BVG. Unterdessen streiten SPD und Grüne, wer schuld an der Misere ist. Die Verkehrsbetriebe sollen endlich liefern, doch BVG-Chefin Nikutta hatte am Dienstag keine guten Nachrichten.

Fahrgäste der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen im Berufsverkehr wohl noch eine Weile mit übervollen U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen rechnen. BVG-Vorstandschefin Sigrid Nikutta sagte am Dienstag bei Anhörungen im Abgeordnetenhaue, ein Mangel an Fahrzeugen und Personal sei der Grund für die Probleme auf manchen Linien - bei gleichzeitig steigenden Fahrgastzahlen und dichterem Straßenverkehr.

Neue Fahrzeuge kommen erst in einigen Jahren

Nikutta sollte am Dienstag im Abgeordnetenhaus vor den Fraktionen von SPD und Grünen Rede und Antwort stehen. Dabei verteidigte die BVG-Chefin ihr Unternehmen gegen zunehmende Kritik: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit seien nicht so schlecht, wie es manchmal dargestellt werde, sagte Nikutta.

Bei den Investitionen in neue Busse, Trams und U-Bahnen sei man auf einem guten Weg. Die meisten neuen Fahrzeuge würden aber erst in einigen Jahren geliefert. Im vergangenen Jahr waren nach BVG-Angaben 98,4 Prozent der U-Bahnen pünktlich, 0,4 Prozentpunkte weniger als 2017. Auch bei der Straßenbahn und beim Omnibus ging die Pünktlichkeitsquote zurück.

Pop fordert mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop reagierte mit Verständnis auf die Äußerungen Nikuttas. Die Grünen-Politikerin, die zugleich auch Aufsichtsratschefin der BVG ist, appellierte an die Koalitionspartner SPD und Linke, verstärkten Investitionen bei der BVG zuzustimmen.

Am Dienstagabend sagte Pop dem rbb, mit dem neuen Nahverkehrsplan müssten die Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr verdoppelt werden. Dies müssten alle Koalitionspartner mittragen, die jetzt sagten, was auf der Schiene sei, reiche nicht. Es dauere allerdings einige Zeit, bis die fehlenden Bestellungen neuer U-Bahn-Züge der vergangenen 20 Jahre aufgeholt seien, sagte Pop am Dienstagabend der rbb-Abendschau.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, Grüne (Quelle: imago/Steinert)
Ramona Pop, Wirtschaftssenatorin und BVG-Aufsichtsratschefin | Bild: imago stock&people/Steinert

Als kurzfristige Maßnahme kündigte Pop an, dass im Februar auf bestimmten Linien ein Fünf-Minuten-Takt eingeführt werde. Dadurch werde der Fahrplan für die U-Bahn-Nutzer verlässlicher und es würden Züge frei, die als Ersatz bei Ausfällen eingesetzt werden könnten. Zudem habe der Aufsichtsrat beschlossen, einen Vorstand neu einzustellen, der sich nur um den Betrieb kümmern werde.

Seit dem Wochenende streiten sich SPD und Grüne darüber, wer von beiden die größere Schuld an der desolaten Situation bei der BVG trägt. "Wir wollen wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um hier kurz- mittel- und langfristig einen sicheren Betrieb zu gewährleisten", sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Tino Schopf, dem rbb.

Vorwürfe gegen die Verkehrsverwaltung

Vorwürfe der Grünen, die BVG sei in den Jahren der SPD-Regierung "kaputtgespart" worden, wies Schopf zurück: Damals sei es dem Land finanziell nicht gut gegangen, deshalb seien "Entscheidungen getroffen" worden. Diese jetzt in Frage zu stellen, bringe heute niemanden weiter.

Allerdings sehe er sehr wohl eine Mitverantwortung der Verkehrsverwaltung für die derzeitigen Personalengpässe bei der BVG, so Schopf - diese Probleme seien seit einem Dreivierteljahr bekannt, trotzdem werde erst jetzt reagiert: "Meines Wissens liefert die BVG der Senatsverwaltung eine monatliche Statistik, einen monatlichen Bericht, aus dem hervorgeht, wie die Lage der BVG ist. Da stellt sich für mich die Frage: Warum wurde auf diese Berichte nicht reagiert? Wer hat sich in der Verwaltung mit diesen Berichten beschäftigt? Oder sind diese Berichte einfach nur abgeheftet worden und fertig?"

Notfallfahrpläne denkbar

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Harald Moritz, betonte gegenüber dem rbb, man müsse die Situation gut analysieren. Die BVG unterliege auch äußeren Einflüssen - beispielsweise kämen Busse zum Teil auf der Straße nicht mehr durch.

Angesichts der vielen Zugausfälle bei der U-Bahn sei für ihn ein Notfallfahrplan denkbar, wie ihn der Berliner Fahrgastverband ins Spiel gebracht habe. "Ich würde nicht von Notfahrplan reden, aber wenn immer mehr alte Züge nicht mehr repariert werden können und neue noch nicht zur Verfügung stehen, dann muss man einen Fahrplan machen, der stabil und für die Kunden verlässlich ist", sagte Moritz. "Wenn dann ein zusätzlicher Zug kommt, wird sich niemand darüber beschweren."

Kritik an der grünen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, die gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende der BVG ist, wies Moritz zurück: "Ich denke schon, dass Ramona Pop als Aufsichtsratsvorsitzende ihren Job gemacht hat. Ich habe gelernt, dass der Aufsichtsrat die Aufsicht führen, aber nicht ins operative Geschäft reinfunken sollte. Wir haben gut bezahlte Führungskräfte dafür, und die müssen natürlich ihren Job tun."

Auch die Linke will informiert werden

Nach der Befragung durch die Fraktionen von SPD und Grünen am Dienstag hat BVG-Chefin Nikutta in der kommenden Woche noch einen Termin mit der dritten Regierungsfraktion: Dann soll sie auch der Linken Bericht erstatten über die Lage im öffentlichen Personennahverkehr Berlins.

Über Probleme mit vollen Wagen und Ausfällen hatten sich am Wochenende die Koalitionspartner SPD und Grüne heftig gestritten. Die SPD sieht Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für die Grünen), aber auch die BVG in der Pflicht. Die Grünen halten dagegen, dass die SPD für die Verkehrspolitik in der Vergangenheit zuständig gewesen war und der Zustand des Nahverkehrs eine Folge davon sei.

Kommentar

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51 Kommentare

  1. 50.

    Nun es ist nun mal aber erwiesen der Doppeldecker Omnibus kann 113 Fahrgäste aufnehmen der Gelenkbus nur 99! Fahrgäste aufnehmen kann. Die unmöglichen Gelenkbusse haben auf lange Strecken wie z.B. X34 oder M49 nix zu suchen.

  2. 48.

    So wie das bewachte Fahrradhaus vor dem Hauptbanhof in Münster. Oben kaum zu erkennen und unten jede Menge an Stellplätze parat.

  3. 47.

    "... die meisten lassen sich während d.Fahrt auch mal von den Schultern zu nehmen. Schafft mehr Platz und vermeidet Missverständnisse, wie anrempeln."

    Wie wahr.
    Menschen haben nun einmal nur ein Gefühl, wo ihr Körper anfängt und wo er aufhört, nicht aber zusätzlich für den Rucksack, den sie tragen. Zudem: Unten zwischen oder vor den Füßen hat der Mensch im Vergleich zu den Schultern immer noch Platz, gerade beim Stehen.

  4. 46.

    Also ich finde den Bahnradsport sehr sinnvoll, sie sollten nur auf die Trikots schreiben was sie eingenommen haben, damit man weiß welches das effektivste Dopingmittel ist. :-DDD Schaiz Autokorrektur! ;-)

    Okay, im Ernst. Der Bahntransport ist sogar sehr sinnvoll für Leute die damit ihren Arbeitsweg bestreiten*, wie weit das für die Freizeit unbedingt notwendig ist darüber kann man streiten. Stichwort Touristen. Könnte man m.E. im Winterfahrplan einschränken.

    Sie können ja nicht einmal eine "Bahnhofsschlörre" irgendwo stehenlassen, die nicht geklaut wird, Abhilfe wären bewachte Fahrradparkplätze/häuser. Überhaupt wird eine sinnvolle Vernetzung ALLER Verkehrsmittel immer noch nicht berücksichtigt.

    *Siehe # 44.

  5. 45.

    Erlebe ich immer wieder, viele Fahrgäste mögen den Mittelgang nicht, weil zu schmal u.nur oben Haltegriffig. Wenn die Waggons voll sind, hat man im Mittelgang die schlechtesten Plätze. Noch ein Tipp für all die Rucksackträger, die meisten lassen sich während d.Fahrt auch mal von den Schultern zu nehmen. Schafft mehr Platz und vermeidet Missverständnisse, wie anrempeln.

  6. 44.

    Dann bestrafen sie aber die, die ihre Blechkiste stehenlassen und (noch) nicht die notwendige Kondition und/oder Fahrrad besitzen ("echte" Fahrräder gibt es erst ab 600 €!)oder die, die schlechte Verbindungen haben.

    Die fahren halt bis zur U/S-Bahn und danach weiter. Beides entlastet den ÖPNV und erst recht die Stadt, eine Blechkiste weniger im Dauerstau.

    Es hilft nichts, wir brauchen mehr Bahnen und Busse und rigorose Fahrverbote in der Innenstadt, damit die Busse und Straßenbahnen wieder durchkommen. Fahrverbote für Diesel wären ein guter Anfang.

    Wie wäre es mit einer Tür nur für Räder? Alle könnten sich darauf einstellen und das gab es, zumindest bei der S-Bahn auch schon mal (Gepäckabteil). Die letzten die sowas hatten, die anwesenden S-Bahner mögen mir helfen, waren m.E. die "Coladosen", sprich BR 485 (270). Oder war es der olle ET 166?

    (Gibbet denn keen "Rotkäppchen" mit "Blutblase" hier? :-D )

  7. 43.

    Inwieweit derbBahnradsport sinnvoll ist, sei in der Tat dahingestellt.

    Doppeldecker sind aber nur begrenzt sinnvoll, da in denen deutlich weniger Menschen transportiert werden können als in einem Schlenki. Eine pauschale Forderung nach mehr DD ist falsch. Zudem haben die zu wenig Stellplätze für Rollstühle und Kinderwagen im Vergleich zu neueren Schubgelenkbussen.

  8. 42.

    Ich halte die Erfahrungen in den Beiträgen 35, 36 (,37) und 39, die ich gleichfalls täglich mache, durch eine immense Getriebenheit verursacht. Selbst wenn zu lesen steht, dass die nächste U-Bahn in drei Minuten kommt, springt doch da noch mindestens einer rein, soweit die Warnsignale aufleuchten und die akustischen Signale ertönen. Und so manch einer auch bei einem recht brutalen Wiederaufdrücken der Türen. Deshalb sind in meinen Augen und Ohren diese Signale weit mehr Animations- als Warnsignale.

  9. 41.

    Ich finde schon, dass auch aktuelle Akteure nicht ganz unschuldig sind.
    Warum hat man in den letzten Jahren vollmundig Angebotserweiterungen durchgeführt, wenn Fuhrpark und Personal Mangelware sind? Da ist man sehenden Auges auf die Wand zu gefahren und statt zu bremsen hat man noch beschleunigt.

    Oder hat man bei der BVG ganz bewusst die Fallhöhe vergrößert, damit die Politik mehr unter Drick gerät?

    Kann mir keiner erzählen, dass vor 3-4 Jahren nicht absehbar war, dass die 30 Jahre "jungen" Bahnen Probleme machen können und Taktverdichtungen mehr Verschleiß am Fuhrpark bedeuten.

  10. 40.

    Ich wäre ja dafür, die Erlaubnis zur Fahrradmitnahme in den Zügen so lange auszusetzen, bis wieder genügend Waggons und Bahnen zur Verfügung stehen, um die Passagiere zu befördern. Es kann nicht sein, dass sich Leute mit Fahrrädern mitten im Berufsverkehr in die eh schon überfüllten Wagen quetschen, zum einen reicht der Platz nicht und zum anderen ist der Fluchtweg auch mal schnell blockiert, falls etwas passieren sollte. Entweder man entscheidet sich dafür, das Rad zu benutzen und fährt dann auch konsequent damit, oder man lässt es bleiben und nimmt die U-Bahn. Im Moment sollte die Personenbeförderung Vorrang haben.

  11. 39.

    ...oder es bleiben alle dirket an der Tür stehen und diejenigen, die aussteigen wollen, kommen kaum aus der Bahn heraus. Wenn alle mal mitdenken würden und sich besser im Waggon verteilen würden, als immer nur im Türbereich rumzustehen, ginge manche Abfertigung schneller.

  12. 38.

    Nach dem Bericht und hier geschriebenen Text scheint ja die Schuldfrage (wieder einmal) eine immens wichtige zu sein. Bei einer früheren Arbeitsstelle schlug ich mal vor, die Institution eines "Tagesschuldigen" einzuführen, der für einen Tag sämtliche Schuld auf sich nimmt. Aller Streit um die Schuld würde so aus dem Weg gegangen. Ich gab bekannt, dass ich der erste Tagesschuldige sein wolle, allerdings haben sich für die nächsten Tage keine weiteren Tagesschuldigen gefunden ...

    Die Frage nach der Schuld verstellt m. E. den Blick auf die Verantwortung. Verantwortlich für die aktuelle Misere waren v. a. die politisch Entscheidenden der vergangenen Jahrzehnte, denn mit deren "Nachhang" hat es jeder zu tun, wer denn weiß, dass von der allerersten Planung über die Bestellung bis zur Auslieferung bis zu 10 Jahre vergehen. Dies gilt auch für Umorganisationen.

    Und Verantwortung tragen auch die Fahrgäste, wie gerade in den Beiträgen 35 und 36 bemerkt.

  13. 37.

    Bei der U-Bahn nutzen die Fahrgäste immer nur eine Tür obwohl die meisten Wagen drei Türen auf jeder Seite haben. Radfahrer blockieren zusätzlich die Türen da sie nicht den richtigen Stellplatz fürs Fahrrad nutzen. Beim Bus wollen sie alle drei Türen zum Einsteigen nutzen obwohl eigentlich nur vorn beim Busfahrer/in der Einstieg ist. Außerdem gibt es viel zu wenige Doppeldecker Busse in Berlin. Einst fuhren ca 1200 Doppeldecker Busse durch Berlin und heute nur noch knapp eine Handvoll davon, die Gelenkbusse sind kein Ersatz für den Doppeldecker Bus. Der Gelenkbus kann nur 99 Fahrgäste aufnehmen der Doppeldeckerbus dagegen 113 Fahrgäste. im Gelenkbus steht man dicht gedrängt bekommt kaum Luft,

  14. 36.

    Ich kenne noch einen Klassiker, immer wieder. Fahrgäste wollen aussteigen aber die Fahrgäste die einsteigen wollen stellen sich denen in den Weg.

    Es wird bei vollen Bahnen auch nicht durchgetreten, man bleibt an der Tür stehen. Ich möchte nicht wissen auf was sich diese Verzögerungen summieren.

  15. 35.

    Leider haben wir immer wieder Probleme mit den Zugtüren, Fahrgäste halten unnötig die Türen auf weil ja erst in 5 Minuten! der nächste Zug kommt. So gehen natürlich die Zugtüren kaputt. Durch erkrankte Fahrgäste oder andere Störungen am Zug hat man auch wieder Verspätung und dann staut es sich natürlich. bei 4 Minuten Kehrzeit ist keine Kaffeepause oder ein Gang zum WC möglich. Wie jeder weiß, kann ein Schienenfahrzeug nicht überholt werden wie ein Bus auf der Straße.

  16. 34.

    Bei dem Management hat niemand, der sich noch halbwegs an der (politischen) Realität orientiert, etwas anderes erwartet. Man nennt das auch "Leben aus dem Bestand". Vorbild DDR, wo von den Sozialisten auch alles heruntergewirtschaftet wurde.

  17. 33.

    Ach kommen Sie, so schwer ist das nicht: Wenn auf dem Gleis gegenüber die Züge im Minutentakt fahren, in die andere Richtung aber lange nichts kommt, dann stellen Sie sich eine U-Bahnlinie doch einfach wie eine lange Kette mit regelmäßig verteilten Perlen vor. Durch irgendeine Störung waren alle Perlen plötzlich nur noch auf einer Seite. Und das geht schnell (Türstörung, Signalstörung, Zugausfall und durch dann erhöhtes Fahrgastaufkommen weitere Verspätungen). Plötzlich staut sich alles hinter einem Zug und dieser muss erst einmal bis zum Ende der Linie fahren, um überhaupt wieder eine Fahrt in die Gegenrichtung anzutreten. Und überholen können die anderen Züge auch ganz schlecht. Es ist also ganz logisch, dass Sie lange warten mussten, wenn in die Gegenrichtung ständig neue Züge kamen.

  18. 32.

    Klar, wegen 10 Radfahrern steckt Berlin im Verkehrsinfarkt. Nicht etwa wegen den Tausenden von PKWs wo jeweils eine einzelne Person drinnen sitzt.

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