Auf einem Computerbildschirm ist ein Profil beim sozialen Netzwerk Twitter zu sehen, bei dem auf gestohlene Daten von Politikern verlinkt wird © dpa/Julian Stratenschulte
Audio: Inforadio | 04.01.2019 | Interview mit Michael Götschenberg | Bild: dpa/Julian Stratenschulte

Persönliche Daten veröffentlicht - Was wir bislang über den Hackerangriff wissen

Politiker, Prominente, Journalisten: Hunderte Menschen sind von dem Hackerangriff betroffen. Auch in Berlin und Brandenburg sind viele Personen Ziel des Hacks geworden. Was wir bislang wissen.

Was ist passiert?

Durch einen Hackerangriff sind Hunderte Daten und Dokumente von Politikern, Künstlern und Journalisten im Netz veröffentlicht worden. Verbreitet wurden die Informationen über einen anonymen Twitter-Account bereits im Dezember in einer Art Adventskalender. Jeden Tag posteten der oder die Täter einen Link, der zu einem Datensatz einer betroffenen Person führten. Handynummern, Login-Daten, Adressen, Personalausweis-Kopien, aber auch sehr persönliche Informationen wie private Fotos und Chats gelangten so ins Netz.

Am Freitag erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer, dass das IT-Netz des Bundestages nicht von der Attacke betroffen sei. 

Wer ist betroffen?

- Bislang alle großen Parteien im Bundestag außer der AfD

- 40 Politiker des Berliner Abgeordnetenhauses, darunter Mitglieder der SPD, CDU, Linken und Grünen

- Politiker des Brandenburger Landtags und der Landesregierung, darunter Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD)

- Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), FDP-Chef Christian Lindner, die Parteichefs der Grünen Annalena Baerbock und Robert Habeck

- Journalisten von ARD und ZDF, darunter Moderatoren wie Oliver Welke und Satiriker Jan Böhmermann

- Viele Bands und Künstler wie Rapper Marteria, K.I.Z., Casper, Sido

- Schauspieler wie Til Schweiger

- Youtuber wie LeFloid und Rayk Anders

Worum geht's?

Der oder die Täter haben intime Details veröffentlicht. Viele der Personen stehen in der Öffentlichkeit, einige engagieren sich gegen Rechts. Nach Einschätzung von Patrick Gensing vom ARD-Faktenfinder haben der oder die Hacker sehr umfangreiche Datensätze zusammengestellt, um Menschen, die sie als Gegner betrachten, zu schaden. Es gehe darum, einzuschüchtern und Angst zu schüren. Diese Form der Attacke nennen Experten Doxxing.

Wer steckt hinter dem Angriff?

Noch ist unklar, wer der oder die Täter sind. Constanze Kurz vom Chaos Computer Club vermutet, dass der oder die Täter aus dem rechten Milieu stammen. "Es fällt auch sehr auf, dass die Begrifflichkeiten, die benutzt werden in den großen Textdateien, schon eher auf rechtes Milieu hinweisen. Man kann damit die Herkunft der Daten relativ klar deuten."

Nach Einschätzung von Patrick Gensing von ARD-Faktenfinder könnte es sich um eine Gruppe jüngerer Täter handeln, da sie die Daten neben Twitter auch über Youtube veröffentlichten und unter anderem viele Youtuber unter den Opfern sind.

Nach Informationen des Tagesspiegel gehen die Sicherheitsbehörden dem Verdacht nach, dass der oder die Täter Verbindungen zu rechtsextremen oder rechtspopulistischen Gruppen haben könnten.

Warum ist der Hackerangriff nicht früher aufgefallen?

Zwar standen die Daten in Form des Adventskalenders bereits seit Anfang Dezember vergangenen Jahres im Netz, allerdings unbeachtet von der Öffentlichkeit. Der bekannte Youtuber Simon Unge machte am Donnerstag mit einem Video darauf aufmerksam, dass er gehackt wurde, das im Anschluss viral ging. Der rbb berichtete als erstes Medium über den Vorfall.

Wie gelangte der oder die Hacker an die sensiblen Informationen?

Offenbar wurden die Daten über einen längeren Zeitraum gesammelt. Es handelt sich um viele verschiedene Quellen. Die Datensätze sind wahrscheinlich auf einem Server im Ausland hinterlegt und zusätzlich gespiegelt worden, damit sie nicht einfach gelöscht werden können. 

Wie geht es weiter?

Das nationale Cyber-Abwehrzentrum kam am Freitagmorgen zu einer Krisensitzung zusammen. Auch der Generalbundesanwalt hat sich eingeschaltet. Einige der betroffenen Personen haben angekündigt, Strafanzeige zu erstatten.

Sendung: Inforadio, 04.01.2019, 13:50 Uhr

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Nein, sie haben offensichtlich nicht begriffen was ich meinte. Ich hoffe ihre sehr einseitige Schadenfreude (ihr Bohei hätte ich hören wollen wenn es die AfD getroffen hätte) bleibt ihnen im Halse stecken wenn es sie selbst mal erwischt.

    Ich kenne nicht nur die NSA, sondern auch Five eyes und die unrühmliche Rolle des BND.

    Ihre Häme es hätte hier "die Richtigen erwischt" und "Wer in der Migrationspolitik die Interessen der Konzernwirtschaft vertritt, hat kein Mitleid verdient." und das in ihren Kreisen so beliebte Häring Zitat beweist nur wer hier lacht.

  2. 14.

    Sie haben offensichtlich nicht begriffen, daß wir alle längst gläsern sind. Und von NSA haben Sie auch noch nicht gehört. Hätte mich auch gewundet.

    Jedenfalls hat es hier die Richtigen erwischt. Wer in der Migrationspolitik die Interessen der Konzernwirtschaft vertritt, hat kein Mitleid verdient. "Linke Parteien, die so etwas mittragen, sind dem Untergang geweiht und haben ihn verdient." (Norbert Häring). Das gilt natürlich auch für einzelne Protargonisten und Opportunisten.

  3. 13.

    Die alte Leier... *gähn*

    Ihre Platte hat nen Sprung, und zwar einen gewaltigen!

    Dass der/die Täter aus dem rechten Milieu stammen scheint mit bei den Angegriffenen und der Formulierung der "Adventstürchen" doch mehr als wahrscheinlich.

    Und aus welchem Milieu sie stammen ist bei ihrer Wortwahl auch nicht schwer zu erraten. Zumal sie das gleiche machen was sie mir vorwerfen aber auch das ist ja nichts Neues bei ihnen und ihresgleichen.

  4. 11.

    Da hat es ja mal die Richtigen getroffen.

  5. 10.

    Rechtsradikale, die vor nichts zurück schrecken? Sie scheinen ja den/die Täter schon ausgemacht zu haben. Was mich aber wundert, dass Sie diesen Personenkreis so eine komplexe Tat zutrauen. Nun, aus Ihrer Filterblase und ihren linksromantischen Sicht auf die Dinge, scheinen Sie vor nichts zurück zu schrecken. Nun aber stellt sich heraus(NDR), dass es sich aller Wahrscheinlichkeit um einen Einzeltäter(Orbit) zu handeln. Warten wir also die Ermittlungen ab und zeigen nicht gleich mit den Fingerchen in eine antrainierte Ecke. Nun scheint eine Vorverurteilung, die Sie gerne der AfD zuschreiben, auch zu Ihrem Umgang mit dem politischen Gegner zu Ihrem Umgang mit einem politischen Gegner zu gehören. Da sollten Sie einmal Ihr Demokratieverständnis überprüfen.

  6. 9.

    Sorry, aber als ich die Namen der "Betroffenen" las, mußte ich laut loslachen. Mitleid? Nee - eher nicht.

  7. 8.

    .. bin vor drei Wochen zur Ummeldung beim Einwohnermeldeamt gewesen, gefühlt hat sich die GEZ schon vor 4 Wochen gemeldet, wem soll das Theater nun Leid tun?..

  8. 7.

    Es zeigt aber auch dass jeder selbst für seine Sicherheit im Netz sorgen muß.

    Wobei nicht wenige damit überfordert sind wie der aktuelle Fall zeigt.

  9. 6.

    Der aktuelle Fall zeigt sehr deutlich, dass die Datensicherheit überall ein Leck hat und haben wird. Hier sind es "nur" private Mails , aber das Vorantreiben des e-Rezeptes, welches dann noch über Landesgrenzen hinaus wandert, oder der el. Geundheitskarte durch Jens Spahn ist daher v e r a n t w o r t u n g s l o s und dient nur den Interessen der Großkonzerne und nicht dem Schutz der Privatsphäre. Digitalisierung ist sicher notwendig, aber wo es um private oder vielleicht Gesundheitsdaten geht, dann auf keinen Fall!!!

  10. 4.

    Ich bin entsetzt dass diese Aktion erst jetzt bemerkt wurde. Wie qualifiziert sind die Mitarbeiter der Abteilung Cyberkriminalität? Ich erhoffe mir Aufklärung wie das überhaupt passieren konnte und dann noch lange Zeit unbemerkt.

  11. 3.

    Wer so eine Meinung vertritt versteht nicht dass es ein großes Gut ist, dass diese Daten wirklich nur privat sind. Es geht niemanden etwas an was diese Leute mit ihrem Geld machen, wo sie sich wann aufhalten und schon gar nicht das Bekanntwerden der Privatadressen. Solche Aktionen verstärken das Misstrauen in die Erfassung elektronischer Daten, z.B. für die Krankenkassen.

  12. 2.

    Falsch, es geht hier um Straftaten von Hacker(n) und darum dass Rechtsextreme vor nichts zurückschrecken.

    Hier waren es noch relativ harmlose Sachen wie nicks "kapern" oder mit täuschend ähnlichen nicks "arbeiten".

    Und welches "Volk" wird denn ein Gefallen getan? Die 12 % die sich dafür halten? Ihre Sprache verrät sie.

  13. 1.

    @rbb: Lieber rbb, es geht hier nicht um "Hacker", sondern zum Whistleblower. Wer eine solch massive private Nutzung von Dienstrechnern, Mobiltelefonen etc. durch Politiker und Prominente veröffentlicht, tut dem Volk einen Gefallen und schadet lediglich ein paar Individuen, die es vermutlich als Kavaliersdelikt sehen, wenn sie auf Kosten von Steuergeldern ihr Privatleben führen.

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