Symbolbild: Mitarbeiter verfolgen im Cyber Defense Center der Telekom während einer Pressekonferenz zur Cyber-Sicherheit anlässlich der Messe "Security Essen" mögliche Cyber-Bedrohungslagen. (Quelle: dpa/Henning Kaiser)
Audio: Inforadio | 07.01.2019 | Interview mit Michael Götschenberg | Bild: dpa-Symbolbild/Henning Kaiser

Interview | ARD-Sicherheitsexperte zu Hackerangriff - "Dieser Hacker ist offenbar ziemlich gut in dem, was er tut"

Nach dem großen Hackerangriff beginnt nun die politische Aufarbeitung. Nach wie vor ist offen, wer für den Datenklau verantwortlich ist. Der ARD-Sicherheitsexperte Michael Götschenberg sieht allerdings Fortschritte bei den Ermittlungen.

rbb: Warum ist es so schwierig, den Verantwortlichen für diesen groß angelegten Datenklau zu ermitteln?

Michael Götschenberg: Dieser Hacker "Orbit" ist offenbar ziemlich gut in dem, was er tut. Es haben sich eine ganze Reihe von Leuten zu Wort gemeldet, die gesagt haben, dass sie seit Jahren sein Treiben beobachten und auch Kontakt zu ihm gehabt haben. Im Einzelfall kann man nicht immer ganz genau sagen, ob das glaubwürdig ist oder ob sich da nur jemand wichtig tut. Aber Tatsache ist, dass er offenbar sehr professionell vorgeht und das, was er tut, so gut macht, dass man ihm bisher nicht auf die Schliche gekommen ist.

Michael Götschenberg (Quelle: rbb/Martin Nejezchleba)
rbb-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg | Bild: rbb/Martin Nejezchleba

Sprechen wir über die politische Aufarbeitung dieser ganzen Angelegenheit: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich in den vergangenen Tagen viel Kritik anhören müssen. Wie geht er nun weiter vor?

Horst Seehofer hat bis Mitte der Woche eine Aufklärung angekündigt. Er will sich umfassend informieren, was die Sicherheitsbehörden bisher in Erfahrung gebracht haben. Mein Eindruck ist, dass die Ermittlungen in dieser ganzen Geschichte deutliche Fortschritte gemacht haben. Diese erste Durchsuchung in der Wohnung des 19-Jährigen in Heilbronn ist ein Hinweis darauf, dass es hier konkrete Spuren gibt, denen man nachgeht.

Letztlich ist natürlich auch das Bundesamt für Sicherheit der Informationstechnik (BSI) unter Beschuss geraten - vor allem aufgrund einer unglücklichen Äußerung des Präsidenten Arne Schönbohm. Er hatte den Eindruck erweckt, dass das BSI bereits seit Anfang Dezember über den Datenklau im Bilde war. Das ist offenbar nicht der Fall gewesen. Es gab Fälle, bei denen man jetzt in der Rückschau feststellt, das sie sich in den Gesamtzusammenhang einordnen.

Wie gerechtfertigt ist der Vorwurf, die Sicherheitsbehörden hätten nicht angemessen auf diese Angelegenheit reagiert?

Das kann man noch nicht ganz abschließend beurteilen. Tatsache ist, dass die Internet-Plattform, auf der die Daten veröffentlicht worden sind und heruntergeladen werden konnten, durchaus im Visier der Sicherheitsbehörden ist. Es wird immer wieder geschaut, was es zu entdecken gibt. Aber eben auch nicht täglich. Dann kamen sicherlich die Feiertage dazu.

Im Ergebnis hat man nicht mitbekommen, dass das alles dort gelandet ist. Die entscheidende Frage ist, ob es im Vorfeld Hinweise gegeben hat, die man hätte sehen müssen. Dann könnte man sicherlich einen Vorwurf erheben. Ansonsten ist es nicht möglich, das ganze Treiben auf Twitter oder im Internet zu beobachten und solche Dinge immer vorherzusehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch mit Michael Götschenberg führte Alexander Schmidt-Hirschfelder für Inforadio. Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Beitrag im Player hören.

rbb|24-Thema

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13 Kommentare

  1. 13.

    Es liegen seit Jahren Millionen geklauter Daten im Internet, da kümmert sich im allgemeinen keiner groß darum.
    Der Täter war längst gefasst, bevor es die Öffentlichkeit und Presse erfuhr. Und das ist auch gut so, um die Ermittlungen nicht zu stören.
    Dass die meisten einfach aus Bequemlichkeit simple Passwörter verwendeten, ist ihre eigene Schuld.
    Bei einer Total Überwachung wäre man sicherlich fündig geworden. Das wäre genau das Gegenteil von dem was man sich in einer freien Gesellschaft wünscht.
    Kurz gesagt: das BSI ist nicht für die Dummheit der Leute verantwortlich, wenn sie keine sicheren Passwörter verwenden.
    Da können die noch so berühmt sein.

  2. 12.

    " Die Mehrzahl der Betroffenen hat Anzeige erstattet und sich damit an die Sicherheitsbehörden gewandt, so wie es jedem Privatbürger auch zusteht."
    so weit, so gut. In der Regel werden diese Anzeigen früher oder später eingestellt, nicht weiter verfolgt. Es bleibt bei einer ergebnislosen Anzeige , leider. Der Unterschied zwischen Theorie u. Praxis . Wenn aber mal ein Politiker betroffen ist , werden alle Hebel in Bewegung versetzt wie im aktuellen Fall zu sehen ist.

  3. 11.

    ARD-Sicherheitsexperte Michael Götschenberg : "Dieser Hacker ist offenbar ziemlich gut

    in dem man den Gegner ( Hacker ) lobt , lenkt man vom eigenen Versagen ab u. versucht zu relativieren. Ist ja auch sehr peinlich . ein 20jähriger sorgt mit einem " Hack" für einen polit.-medialen , die Schlagzeilen beherrschenden Rummel.
    Das BSI wurde kalt erwischt, Betroffene sind empört . Wenn nun ein professioneller Cyberangriff , zB auf die Stromversorgung erfolgen würde, was dann ? die Datensicherheit ist wohl nur eine Chimäre

  4. 10.

    "Dieser Hacker ist offenbar ziemlich gut in dem, was er tut"
    im Umkehrschluß könnte man auch sagen , das BSI ist ziemlich schlecht in dem, was es ( nicht ) tut

  5. 9.

    Obama hat Merkels Handy hacken lassen. Trump hat sich 2017 dafür entschuldigt.
    Sie wollen Obama in die USA "ausweisen" lassen? Der lebt dort.

  6. 8.

    Hier in Deutschland werden Hacker als Freunde bezeichnet,anstatt Konsequenzen zu ziehen,siehe Hack von Merkels Handy,mit ihrer Aussage, sowas macht man nicht als Freunde,fördert man solche kriminellen Vorgänge .Die Ausweisung dieser Kriminellen,hätte Nachahmer abgeschreckt,jetzt hat man den Salat !

  7. 7.

    Man kann nicht das ganze Internet überwachen? Es wäre ja schon ein Anfang, wenn man eindeutig illegalen Umtrieben nachgeht. Die passieren täglich für jeden öffentlich sichtbar quasi überall im Internet! Das ist nicht die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Im Gegenteil. Journalisten wie Jan Böhmermann oder Rayk Anders, die Opfer dieser Attacke wurden, haben schließlich mit Aktionen wie "Reconquista Internet" und "Lösch dich!" gezeigt, wie Einschüchterung und Bedrohung im Internet durch Rechtsextreme funktioniert. Genau für diese Aktionen wurden sie jetzt zur Zielscheibe, wie aus den Kommentaren dieses kriminellen Datendiebs eindeutig hervorgeht! Wenn Journalisten solche Umtriebe aufdecken können, erwarte ich, dass die Sicherheitsbehörden das auch können und entsprechend handeln!

  8. 6.

    Nur weil ich mich freue, dass es einen selbstherrlichen Grünen erwischt hat, wähle ich ihrer Meinung nach die die AfD? Na ja, wenn es so weiter geht, wird es dazwischen bald nicht mehr viel geben .

  9. 5.

    Na klar, und wenn nur Politiker der AfD betroffen gewesen wären und sonst überhaupt keine Parteien, dann hätten Sie das ganz bestimmt auch nur als Petitesse abgetan und ebenfalls gesagt: Was wundern sie sich, wurde ihr Leichtsinn bei privaten Daten halt bestraft, hat ja nur jemand Daten gesammelt, was soll's.

    Rein zufällig freut es sie aber, dass Grünen-Politiker betroffen waren. Weil Sie die halt nicht ausstehen können. Und deswegen trifft es halt immer die Richtigen, solange es die sind, die Sie politisch blöd finden. Also quasi alle außer der AfD. Gratulation zu soviel Scharfsinn.

  10. 4.

    "Habeck hätte es aber gern gesehen, wenn es nicht so bekannt geworden wäre...wohl aus gutem Grund." - Gut, hat halt trotzdem nichts mit dem Thema zu tun.

    Die Mehrzahl der Betroffenen hat Anzeige erstattet und sich damit an die Sicherheitsbehörden gewandt, so wie es jedem Privatbürger auch zusteht.

  11. 3.

    Habeck hätte es aber gern gesehen, wenn es nicht so bekannt geworden wäre...wohl aus gutem Grund.
    Die ganze Sache mit den veröffentlichten Daten als großen Hackerangriff auszulegen ist doch wohl arg übertrieben. Fleißiger Datensammler kommt wohl eher hin. Wenn Leute bei ihrem Leichtsinn im Umgang mit ihren Daten ertappt werden, nach staatlichem Schutz und schärferen Gesetzen rufen, ist das schon fast lächerlich.

  12. 2.

    Wovon reden Sie? Dieser Tweet ist doch eben veröffentlicht worden und somit Teil der öffentlichen Debatte, es wurde ja auch darüber breit berichtet.

    Er war nicht Inhalt der gestohlenen, privaten Informationen um die es bei diesem Hackerangriff einzig und alleine geht.

  13. 1.

    Wenn solche Twitteräußerungen, wie die von Habeck ..."alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land." bekannt werden, dann hat es doch etwas Gutes, wenn man erfährt, wie die Grünen ticken in ihrer Selbstherrlichkeit. Für mich ist dieser Tweed kein Versehen, sondern ein Grund, die Grünen nicht zu wählen und andere Menschen auch davon zu überzeugen.

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