Die SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz sitzt am 14.11.2018 im Potsdamer Landtag (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Radioeins | 07.01.2019 | Interview mit Klara Geywitz (SPD) | Bild: dpa/Britta Pedersen

Interview | Landtagsabgeordnete Geywitz über Hackerangriff - "Es läuft nicht wie am Schnürchen"

Über mehrere Wochen wurden sensible Daten von Politikern und Künstlern auf Twitter veröffentlicht. Auch die Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz (SPD) ist betroffen - und wundert sich über den Umgang der Behörden mit dem Thema.   

rbb: Inwieweit sind Sie von dem Hacker-Angriff betroffen?

Klara Geywitz: Zum einen wurde meine Handynummer veröffentlicht und zum anderen, was das wesentlich dramatischere ist, wurden einige Gespräche, die ich über den Facebook-Messenger geführt habe, auch veröffentlicht.

Wann haben Sie von dem Hackerangriff erfahren?

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat sich das bei Twitter schon so ein bisschen angedeutet. Der rbb ja auch berichtet. Dass auch Facebook-Accounts betroffen sind, habe ich erst durch die "Potsdamer Neueste Nachrichten" erfahren.

Gab es in irgendeiner Form auch negative Konsequenzen für Sie – mal abgesehen davon, dass natürlich jede Veröffentlichung von etwas Privatem unangenehm ist?

Es hat mich natürlich sehr betroffen gemacht. Ich habe recherchiert, mit welchen Gesprächspartnern ich Kontakt hatte und habe sie darüber informiert. Das ist mir natürlich sehr unangenehm gewesen, weil die Menschen natürlich darauf vertrauen, dass Gespräche mit mir auch vertraulich sind und bleiben.

Hat sich bis jetzt schon jemand bei Ihnen gemeldet?

Wir wurden morgens recht frühzeitig von unseren Fraktionen - von der SPD – informiert. Am Wochenende habe ich  auch Kontakt mit dem BKA gehabt. Das wars.

Machen Sie dem Bundesamt für IT-Sicherheit (BSI) Vorwürfe?

Meiner Meinung nach hat die Problematik zwei Aspekte: Das eine ist, wie es dazu kommen konnte. Da spielt der Faktor Mensch eine wesentliche Rolle: Haben wir Abgeordneten alle Sicherheitsoptionen gezogen, die man vornehmen kann? Viele sind jetzt auch noch einmal deutlich sensibilisiert. Die zweite Frage ist: Wie gehen das BKA und das BSI mit diesem Punkt um? Da habe ich nicht den Eindruck, dass das wie am Schnürchen läuft.

Der CSU-Bundesinnenminister Horst Seehofer steht in der Kritik, sich zu viel Zeit zu lassen. Er will erst Mitte der Woche die Öffentlichkeit informieren. Zeigt Ihnen das, dass man auch offiziell relativ ratlos vor dem Problem steht?

Ich weiß natürlich nicht, ob irgendwelche Informationen vielleicht die laufenden Ermittlungen behindern würden. Das ist häufig der Grund, warum die Polizei auch nicht immer alles sagt, was sie weiß. Ich persönlich bin schon etwas verwundert, dass ich bei Lokaljournalisten anrufen muss, um zu fragen, was im Netz über mich veröffentlicht wurde und das nicht von staatlicher Seite mitgeteilt bekomme.

Was für Konsequenzen fordern Sie aus diesem Hackerangriff?

Das eine ist, dass die Betroffenen selbst - die Abgeordneten - ihr Nutzerverhalten nochmal analysieren müssen. Ich habe jetzt alle Sicherheitsoptionen hochgezogen. Das ist nicht sehr praktisch, aber - wie der Angriff zeigt - dringend notwendig. Außerdem muss man schauen, wo die Datenlecks waren und ob man in den Behörden-Netzwerken oder bei den Parteien noch etwas anderes und Besseres machen muss.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch mit Klara Geywitz führten Christoph Azone und Stefan Rupp für Radioeins. Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Beitrag im Player hören.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Die Politiker, die sich jetzt beschweren - waren das nicht die gleichen Leute, die uns bei neuen Überwachungsgesetzen immer beschwichtigt haben: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten?

  2. 1.

    Soweit ich verstanden habe, sind von dem betreffenden Hacker "nur" private Accounts (Facebook usw.)gehackt worden. Das geschieht täglich in Deutschland tausende mal und interessiert gelinde gesagt kein Schwein außer den Betroffenen. Jetzt sind mehr oder minder bekannte Politiker und Künstler betroffen und die beschweren sich über die unterlassene Hilfe vom BSI und BKA. Mit welchem Recht stellen sich diese Herrschaften über das normale Volk? In entsprechenden Situationen wird der normale Bürger auch nicht vom BSI und BKA unterstütz; da muss sich jeder selber darum kümmern.

    Selber die Probleme bereiten (keine ausreichende Absicherung der Accounts) und dann die Schuld - wie üblich bei der genannten Klientel - bei Anderen suchen. Es gilt - wie im Beitrag geschrieben -: "Was für Konsequenzen fordern Sie aus diesem Hackerangriff? ->Das eine ist, dass die Betroffenen selbst - die Abgeordneten - ihr Nutzerverhalten nochmal analysieren müssen." = 100% Schuld eigene!!!

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