Schüler protestiren vor dem Reichstagsgebäude in Berlin für Klimaschutz (Quelle: imago/Christian Mang)
Audio: rbb|24, 24.01.2019, O-Ton Klimaschützer Karl | Bild: imago/Christian Mang

Interview | 15-jähriger Schüler aus Berlin - Karl kämpft fürs Klima

Er hat Angst davor, dass der Meeresspiegel ansteigt und viele Menschen von Überschwemmungen vertrieben werden. Deshalb engagiert sich Karl, 15, aus Berlin für den Klimaschutz - auf der Schüler- und Studenten-Demo am Freitag in Berlin.

rbb|24: Karl, auf welche Schule gehst Du und welche Schulstunde hast Du freitags um 12 Uhr?

Karl Rupak-Klingeberg: Ich gehe in die 9. Klasse der Annie-Heuser-Waldorfschule in Berlin-Wilmersdorf. Freitags um zwölf habe ich normalerweise Französisch, danach Musik und Englisch.

An diesem Freitag wirst Du diese Fächer verpassen. Denn Du bist unterwegs und engagierst Dich fürs Klima. Inwiefern?

Ich gehe am Freitag zu dem Schüler- und Studenten-Streik vor dem Bundeswirtschaftsministerium. Denn dort tagt die Kohlemission und entscheidet über unsere Zukunft. Also ob wir aus der Kohle aussteigen oder nicht. Da kommen deutschlandweit Demonstranten extra nach Berlin. Und ich werde mitmachen. Ich werde eine Rede halten. Da erzähle ich, was mich so bewegt.

Und was sagen Deine Lehrer dazu?

Meine Lehrerin ist eigentlich schon angetan von der Streik-Idee. Es ist ja schon der dritte Streik, bei dem ich mitmache. Sie hat mir schon einmal erlaubt, zu fehlen. Letzte aber Woche nicht, da bin ich dann einfach so streiken gegangen. Diesen Freitag hat sie es mir wieder erlaubt. Ich brauche nur die Entschuldigung meiner Eltern.

Was halten die denn von deinem Engagement?

Meine Eltern finden es gut, dass ich mich politisch engagiere und stehen hinter mir. Sie finden es auch okay, dass ich ab und zu unentschuldigt in der Schule fehle. Aber nur erfreulich finden sie es natürlich nicht.

Was ist dein größter Vorwurf an die Politik, beziehungsweise die ältere Generation?

Es gibt ganz viele Punkte: Ein konkreter ist das Thema Kohle. Denn sie ist ja Klimakiller Nummer eins. Es stört mich, dass die Elterngeneration oder speziell die Politiker behaupten, dass man die Klimaziele 2020 nicht einhalten könnte, aber trotzdem den Tagebau immer noch fördern. Sie machen mit den Kohlekraftwerken weiter, obwohl man weiß, dass die schädlich für die Gesundheit und das Klima sind. Das macht mich wütend.

Was sollte Deiner Meinung nach passieren? Also was würdest Du ändern, wenn Du mitbestimmen könntest?

Ich würde erstmal versuchen, Deutschland klimaneutral zu gestalten. Ich würde damit anfangen, die Kohlekraftwerke abzustellen und mehr erneuerbare Energien einsetzen.

Was tust du in Deinem Berliner Alltag für Deine Ziele?

Da auch die Tierindustrie schädlich ist, bin ich Vegetarier. Ich war auch auf der "Wir haben es satt"-Demonstration. In unserer Familie versuchen wir, weitgehend auf Plastik zu verzichten. Was natürlich sehr schwer ist. Wir kaufen auch nur Bio. Und wir haben ökologischen Strom.

Was unterscheidet dich als 15-Jährigen denn von älteren Klimaaktivisten?

Ich glaube, ich habe eine andere Art, auf die Dinge zu schauen. Es gibt natürlich auch tolle erwachsene Aktivisten. Aber es ist doch was anderes, wenn deine Kinder und deine Enkel den Klimawandel in vollem Ausmaß miterleben und die Konsequenzen tragen werden - oder ob nur du selbst es erleben wirst.

Was ist in Sachen Klimawandel Dein schlimmster Alptraum?

Dass der Meeresspiegel extrem ansteigt, die Pole komplett abschmelzen und es kaum noch Artenvielfalt gibt. Dass im Meer extrem viel Plastik schwimmt. Und dass die Überschwemmungen zu riesigen Flüchtlingswellen führen. Ich habe nichts gegen Flüchtlinge. Ich habe nur Sorgen, dass es zu solchen Katastrophen kommt, dass ganz viele Menschen aus ihren Ländern getrieben werden. In meinem Alptraum wäre die Luft total verpestet, sodass man nur noch mit Atemgerät rausgehen kann. Es gibt überall Smog und kaum noch Grünflächen. Wälder, wie der Hambacher Forst, sind alle bebaut.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Sabine Priess

Sendung:  Inforadio, 25.01.2019, 07:45 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    Ich habe nichts über Meeresspiegelanstieg geschrieben, wieso glauben Sie also mich mit etwas widerlegen zu können was ich überhaupt nicht thematisiert habe? Meine Frage zu dem Thema ist höchstens, worüber ihr euch eigentlich aufregt. Der Meeresspiegel steigt an und alles ist schön. Fragen Sie mal Ihre Oma, was für sie die wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts waren. Der 1. Weltkrieg? Der 2. Weltkrieg? Der Mauerfall? Sowas in der Art wird sie vielleicht antworten. Ganz sicher wird sie nicht sagen "Das Meer ist um 30 cm gestiegen" - ist es nämlich. Das wird sie gar nicht wissen, ganz sicher wird sie keinen Schaden davon verspürt haben, nichtmal wenn sie auf Hallig Hooge wohnt. Also ruhig Blut. Und auch ganz sicher ist, dass Deutschlands Abschaltung von Kraftwerken den Anstieg nicht stoppen wird. Das ist dem Meer völlig egal.

  2. 15.

    Mit diesem Kommentar bestätigen sie doch nur was rbb-24-nutzer über Klimawandelleugner geschrieben hat.

    Ich habe den Eindruck mit Klimawandelleugner zu diskutieren ist so ähnlich wie mit Kreationisten oder Sektenanhänger über anerkannte Wissenschaften zu streiten. Es ist sinnlos.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Meeresspiegelanstieg_seit_1850

    Ich wette selbst dafür haben sie irgendeine Ausrede, die sie pseudowissenschaftlich zu begründen versuchen.

  3. 14.

    Das einzige was ich geschrieben habe ist, dass es bei dem sog. "Klimaschutz" nicht um Vermeidung von Luftverschmutzung geht. Die Vermischung mit Smog ist daher Anzeichen dafür, dass das Thema nicht verstanden wurde. CO2 ist definitiv natürlich, für das Leben auf der Erde unverzichtbar, kommt in gigantischen Mengen in der Natur vor - viel größere Mengen als der Mensch je hoffen kann zu produzieren - und ist in den relevanten Konzentration unschädlich.

    Über Klima hab ich gar nichts geschrieben, das ist mir im Prinzip egal. Ich möchte aber anmerken dass - wenn wir unüberprüft alle Behauptungen des Klimawandelismus als wahr annehmen, sämtliche Polemik hierüber also das Thema verfehlt -, das Ziel der deutschen "Energiewende" darin besteht, dass es 1/100 Grad Celsius kühler wird. Wieso das irgendjemand für ein erstrebenswertes Ziel hält, ist mir gelinde gesagt unverständlich. :)

  4. 13.

    Sandra, sie haben die Ironie nicht verstanden! Trump hatte sich in den USA lustig gemacht über den Klimawandel, weil es im Winter kalt ist. Hier wird aber wieder Wetter mit Klima verwechselt. Das es im Winter schneit ist Wetter. Die Temperaturerhöhung über eine größere Zeitperiode ist Klima.

  5. 12.

    Ihr Zitat: "Es fehlt eigentlich nur noch, dass Sie angesichts des in Berlin gefallenen Schnees trumpesk behaupten, Klimawandel sei Quatsch."

    Schnee in Berlin??? im Winter??? Das ist natürlich ein ganz eindeutiger Beweis für den Klimawandel. Und wenn jetzt noch im Sommer in Berlin die Sonne scheint, gar nicht auszudenken. Ich hoffe Sie schalten sofort ihren PC aus, verzichten auf überflüssige Beleuchtung und Stromfresser und nutzen zukünftig keine Verkehrsmittel mehr.

  6. 11.

    Der Adultismus mit all seinen belehrenden, verächtlichen, herabwürdigenden, bevormundenden Auwüchsen hat bei so manch Kommentierenden ja tiefe Wurzeln geschlagen. Würden speziell Sie genauso argumentieren, wenn es direkt um Arbeitnehmer*innenrechte ginge? Würden Sie den Leuten dann sagen "Geht mal arbeiten"? Irgendwo habe ich mal gehört, die Methode des Streiks beinhate die Arbeitsniederlegung, hier eben bzgl. der Schule.

    Und wo Sie sich so emphatisch um die verlorene Schulzeit sorgen: Hört man Sie auch pöbeln, wenn es um die nicht stattfindenden Schultage bei Straftäter*innen gem. JGG geht?

    Was wenn nicht das selbstständige kritische Denken und Handeln soll die Schule denn sonst befördern? Wissensakkumulation braucht es heute weniger denn je. Den kritischen Umgang mit Wissen und politischen Entscheidungen zeigen eben jeden jungen Menschen, während Sie (u.a.) die Gelegenheit instrumentalisieren, um sich selbst als höherwertig als andere darzustellen.

  7. 10.

    Streiken bedeutet "die Arbeit niederlegen". Am Sonntag oder in den Ferien macht sowas keinen Sinn, oder haben sie schonmal gehört, dass die IG Metall oder Verdi an solchen Tagen gestreikt hat?

  8. 9.

    Das ist das Problem mit Klimawandelleugner*innen: Sie denken nur bis zur eigenen Haustür. Es fehlt eigentlich nur noch, dass Sie angesichts des in Berlin gefallenen Schnees trumpesk behaupten, Klimawandel sei Quatsch.

    Dass Klima - eigentlich ja selbstredend, aber gut - global wirkt und entsprechend z.B. unsere Lebensverhältnisse in Deutschland sich auf die Natur oder auch Einwohner*innen z.B. in Teilen Chinas auswirken, geht an Ihnen vollends vorbei wie auch die Tatsache, dass unter den über 60 Mio. Geflüchteten mehr Menschen aufgrund klimatischer Bedingungen flüchten statt vor Kriegen etc.

    Der Irrglauben, die CO2-Erhöhung seit der Industrialisierung hätte nicht stattgefunden oder sei ein natürlicher, vom Menschen unabhängiger Vorgang, ist dogmatisch und antiintellektuell. Die von Menschen hervorgerufene erhöhte Konzentration diverser Treibhausgase lässt bereits einige Kreise der Klimaforschung von einem eigenen Erdzeitalter reden - dem Anthropozän.

  9. 8.

    Würden alle streikenden Schüler auch an einem Sonnabend/Sonntag oder in den Ferien "streiken/demonstrieren"? Wenn ja, dann bitte dann- und die Überzeugung ist glaubwürdiger.

  10. 7.

    Die Frage ist: wo und wann ist die Grenze zwischen politischem Engagement und Verstoß gegen die Schulpflicht?

  11. 6.

    Unterstütze die Proteste, aber in der Form schwach. Wenn Die Kids wirklich was bewirken wollen, dann bestreiken Sie bitte alle Flugreisen und Autofahrten ihrer Familien und heizen bitte vor allem die Schulen nicht auf Stufe 5 und öffnen dann permanent die Fenster.

    Fangt an, aber selbst und richtig.

  12. 5.

    Das der Treibhauseffekt nötig ist, damit wir hier nicht erfrieren, ist klar. Nur wenn zuviel CO2 in die Atmosphäre kommt, heizt sie sich mehr auf, als nötig. Das sollten Sie wissen!

  13. 4.

    Dafür regnet es in der Sahel-Zone nun öfters. Diese Welt lebt von der Veränderung. Das Klima auch. Fette und magere Jahre. aber....
    Wir müssen auch nicht das Tiefbrunnentrinkwasser nach einmal Spülen nur vorgereinigt in die Spree entlassen, die da auch noch zurück fließt.

  14. 3.

    Hallo Karl,
    mach weiter so und lass dich dabei nicht von Krawallmachern provozieren. Gewallt war noch nie ein adäquates Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele.
    Zum Schutz unserer Umwelt gehört das Engagement vieler Menschen. Die nicht nur (alt-)klug reden, sondern auch handeln. Leider fehlt es bei vielen Verantwortlichen an notwendigem Rückgrat für wichtige Entscheidungen. Gewählte Entscheidungsträger kleben an Posten und machen es den Umweltschützern schwer.

    Dass du nicht nur das Thema Kohle auf der Agenda hast, lässt sich im Interview nachlesen. Aber natürlich ist das ein großer Umweltverschmutzer. Vor 30 Jahren hatten wir ein Drittel weniger Bevölkerungsdichte. Die Emissionen sind nicht weniger geworden. Leider wird mit Filtervorrichtungen getrickst, Behörden erst aufmerksam und aktiv (wenn überhaupt), wenn örtl. überdimensional Gesundheitsschäden bekannt werden.

    Prima, dass du dich für den Klimaschutz einsetzt und ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

  15. 2.

    Lieber Karl, "Klimaschutz" hat nichts mit sauberer Luft zu tun. Smog hatten wir schonmal , zuletzt vor 30 Jahren. Seitdem ist die Luft dank vielfältiger Filtermaßnahmen sehr sauber geworden, aber ohne dass wir deswegen Kohlekraftwerke abschalten mussten. Das CO2 um das du dich sorgst, ist ein harmloser natürlicher und lebensnotwendiger Allerweltsstoff wie Wasser. Das macht keinen Smog, und mit Atemschutzmaske muss deswegen niemand rumlaufen - auch nicht wenn es ein winziges bisschen mehr werden sollte.

  16. 1.

    Der Klimawandel ist kein Problem der Zukunft, sondern er richtet bereits heftigen Schaden an. Insektensterben, Vögelsterben, das Vieh verdurstet der verhungert (Australien, Indien, Afrika) die Menschen sterben zu tausenden an Hitzeschlag oder Kreislaufproblemen. Das Wasser geht den Menschen aus, etwa in Südafrika, Iran, Irak.

    Flüsse führen Niedrigwasser (Rhein, Oder) bis sie eines Tages versiegen oder aber das Meer nicht mehr erreichen.

    In Indien etwa bringen sich die Bauern zu tausenden selbst um, weil die Ernte wieder oder wieder von Hitze und Dürre vernichtet wird.

    Wenn die Menschen nicht mehr wegschauen würden, würden sie sehen wie katastrophal es jetzt bereits ist.

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