Eine junge Frau läuft durch den Park am Gleisdreieck in Berlin
Audio: Inforadio | 24.01.2019 | Ute Schuhmacher | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Beschluss im Abgeordnetenhaus - Berlin erklärt Frauentag zum gesetzlichen Feiertag

Als erstes Bundesland hat Berlin den Internationalen Frauentag am 8. März zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Das Abgeordnetenhaus beschloss am Donnerstag eine entsprechende Gesetzesnovelle - obwohl die Opposition einen anderen Tag bevorzugt hätte.

Berlin hat als erstes Bundesland den Internationalen Frauentag am 8. März zum gesetzlichen Feiertag gemacht. Das Abgeordnetenhaus billigte die Pläne der Koalition am Donnerstag mit 87 zu 60 Stimmen. Damit kann der Feiertag bereits in diesem Jahr in Kraft treten.

Berliner hatten bisher neun arbeitsfreie Feiertage pro Jahr - so wenige wie kein anderes Bundesland. Nun sind es zehn. Zum Vergleich: In Bayern ruht die Arbeit an 13, regional sogar an 14 Feiertagen, in Baden-Württemberg an zwölf Feiertagen. 

Opposition hätte den Reformationstag gewählt

Der 8. März ist seit mehr als 100 Jahren ein Kampftag für mehr Frauenrechte und wurde in der DDR groß gefeiert. "Der heutige Tag ist ein ganz großes Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg der Gleichstellung von Frau und Mann weiterkommen", erklärte die gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Derya Caglar, mit Blick auf den Beschluss zum 8. März. Linke und Grüne äußerten sich ähnlich.  

CDU, FDP und AfD kritisierten, dass die Wahl auf den Frauentag fiel und nicht etwa auf den Reformationstag am 31. Oktober. Dieser ist bereits in den anderen Ost- sowie seit vergangenem Jahr auch in den Nordländern Feiertag. CDU-Generalsekretär Stefan Evers sieht im 8. März einen Feiertag mit "rein sozialistischer Tradition". "Die Mehrheit der Bürger kann damit nichts anfangen", sagte er.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Anja Kofbinger, erklärte, die Koalitionsfraktionen hätten sich gegen den Reformationstag entschieden, weil es ein religionsunabhängiger Feiertag für alle Berliner sein sollte. Mit dem 8. März würden zumindest einmal im Jahr alle Menschen daran erinnert, dass Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind. 

75. Jahrestag der Befreiung wird einmalig zum Feiertag

Den Anstoß für den neuen Feiertag in Berlin gaben wohl Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Deren Regierungschefs hatten vor einem Jahr verkündet, den Reformationstag zum Feiertag machen zu wollen, der zum 500. Reformationsgeburtstag einmalig bundesweit begangen worden war. In Berlin begann daraufhin eine längere Debatte über ein geeignetes Datum. Im Gespräch waren auch der Tag der Befreiung am 8. Mai, der 9. November als Tag des Mauerfalls oder der 18. März in Erinnerung an die Märzrevolution 1848.

Berlins Wirtschaft zeigte sich wenig begeistert über den neuen Feiertag. "Die Politik macht hier ein kostspieliges Wählergeschenk, das das Berliner Bruttosozialprodukt um rund 160 Millionen Euro schmälert", sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder. Das entspreche einem Minus von 0,3 Prozent. Entsprechend äußerte sich Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg: "Den zusätzlichen Feiertag kann sich Berlin überhaupt nicht leisten."

Ganz konkret müssen Firmen müssen nun ihre Lieferketten, Arbeitsprozesse und Dienstpläne kurzfristig ändern und anpassen. Das betrifft auch Kliniken oder die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die an Sonn- und Feiertagen andere Fahrpläne haben. Für Berliner, die nach Brandenburg pendeln und am 8. März nicht frei haben, könnte der "Inseltermin" auch schwierig werden: Kitas und Schulen in Berlin sind zu, viele müssen also Kinderbetreuung organisieren.

2020 fällt der 8. März aber ohnehin auf einen Sonntag. Allerdings wird in dem Jahr der 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 2020 - ein Freitag - in der Hauptstadt einmalig als arbeitsfreier Feiertag begangen - auch das beschloss das Abgeordnetenhaus am Donnerstag.

Korrektur: Das Berliner Abgeordnetenhaus stimmte am Donnerstag nach zweiter Lesung mit 87 zu 60 Stimmen für den Gesetzentwurf der rot-rot-grünen Landesregierung - nicht 80 zu 67, wie hier zuerst berichtet.

Sendung: Abendschau, 24.01.2019, 19:30 Uhr

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103 Kommentare

  1. 103.

    Männer können keine Kinder kriegen und auch kein Mutter sein! Dieser Feiertag steht ganz im Lichte des Frauendaseins, was die Grundrechte von Frauen hervorhebt. https://www.frauenrechtskonvention.de/ Spätestens an diesem Tag sollten sich mMn alle Frauen in Berlin fragen, ob sie sich als solche fühlen und wahrgenommen werden. Es gibt also bei dem heuten Stand der sozialen Entwicklung hierzulande diverse Anlässe für Demonstrationen, Informationsveranstaltungen und auch Handlungsbedarfe im näheren persönlichen Umfeld. Im internationalen Kontext: "Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden." http://www.unis.unvienna.org/unis/de/pressrels/2003/note237.html

  2. 102.

    Ernst gemeinte Antwort: Es gibt Menschen die müssen an Feiertagen arbeiten egal welchen Geschlechts.

    Auch Bürohengste und -stuten. Was für eine blöde Formulierung!

  3. 101.

    Frage: müssen die Männer an diesem Feiertag arbeiten? Werden die Frauen von der Arbeit im ÖD befreit? Oder ist das ein weiterer Rumlunger-Tag für Bürohengste? Ernstgemeinte Frage!

  4. 100.

    Es geht überhaupt nicht um Ablehnung. Sondern um die unumstößliche Tatsache, dass sich unsere Gesellschaft verändert. Dass z.b. mehr als eine Religion existiert und wir maximal noch christlich-traditionell orientiert leben. Die meisten Menschen können sich weder mit der Bibel, noch mit praktiziertem Glauben identifizieren, geschweige denn, dass sie die Ursprünge der christlichen Feiertage noch kennen. Umso wichtiger ist es, neue Feiertage in unserem säkularen Land anders zu belegen. Geschichtlich, gesellschaftlich und zeitgemäß. Da gibt es unzählige Möhglichkeiten. Das hat nichts mit Ablehnung zu tun. Ich bin auch nicht gläubig, schätze aber unsere Traditionen schon und erklärte meinen Kindern auch deren Bedeutung. Aber noch mehr kirchliche Feiertage braucht es nicht. Man kann auch anders motivierte Feiertage schätzen und sinnvoll begehen.

  5. 99.

    So ein Quatsch! Die Kirchen der DDR waren sowas von regimetreu. Es war die Kirche von unten, die Opposition war.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_von_Unten_(DDR)

  6. 98.

    Es geht um eine Ablehnung bestimmter kultureller und religiöser Belange von links. Denken Sie doch mal an den Kampf der Sowjets gegen die Kirchen usw.
    In der DDR waren Kirchenleute beim Widerstand gegen das Regime dabei.
    Die Bedeutung z. B. der Aufklärung für Europa zählt dabei nicht.
    Das wird alles unter "Gegenrevolution" gefasst und abgelehnt.

  7. 96.

    Danke für die Antwort, Helmut, aber ich wiederspreche auch noch einmal.

    Die Männer "drücken" sich nicht um die Pflegeberufe. Genauso, wie die Frauen sich sicherlich nicht darum "drücken" Bauberufe zu. Es ist eine Frage der Qualifikation, und allem voran, der Wunsch nach Erfüllung. Niemand dückt sich, aber alle wählen.

    Wir lieben unterschiedlich: Menschen, oder Dinge. Das alles ist mehrfach belegt, und nicht wiederlegt worden. Und wo sich Mann oder Frau wenig bewirbt, ist die Konsequenz daraus. Quoten diskriminieren beide Geschlechter. Sowohl im Fürspruch, als im Ausscheiden, beim Bewerber.

  8. 95.

    Helmut, es werden nicht "Männer" für Pflegejobs gesucht, sondern ganz allgemein Pfleger. Berufswahl reguliert sich selbst. Der Mensch hat eigene Ziele. Männer "drücken" sich um Pflegeberufe genauso wenig, wie die Frauen sich um Top-Manager Jobs "drücken". Nochmal also: zu wenig Bewerber! Qualifikation ist wichtiger!

    Es viele Frauen, welche sich auf untypische Berufe konzentrieren. Qualifikation, und ja, der Wettbewerb mit den Mitmenschen gehört dazu. Dieser diskriminiert nicht; viele scheiden aus. Bevorzugung ist leider gängig geworden, ebenso wie Quoten, und dort finden wir die normalisierte Diskriminierung heute. Gegen alle, wohlgemerkt. Frauen wollen ihren Job genauso verdient haben wie Männer.

    Chancengleichheit gibt es für alle. Aber - *welche* Chance in Anspruch genommen wird, müssen wir alle selbst wählen. Es hilft nichts, 10 mal am Tag bedrängt zu werden, sich was anderes zu suchen, als das, was man sich wünscht! So kommt man als Frau sicher nicht ernstgenommen vor.

  9. 94.

    Ich meine mit christlichen Traditionen auch die Erinnerung an die Reformation vor 500 Jahren. Als "Linker" kann man eben damit nichts anfangen. Und deutsche Waffen werden nach wie vor von den Pfaffen gesegnet und geweiht. Und, warum Sie gerade die Bankenkrise ansprechen, erschließt sich mir und bestimmt auch Anderen hier nicht. Zumal Berlin keinen Schaden daran nahm. Zu mindestens nach Aussagen des Berliner Finanzsenators Kolatz. Da sollten Sie mal bei Wikipedia recherchieren. Nun aber war auch die SPD mit der CDU in Regierungsverantwortung und seit ca.12 Jahren, erst mit der SED-PDS/SED-PDS-Die Linke und den Grünen, politisch verbandelt(Sie werden es wissen) und nichts ist besser, eher noch schlimmer geworden. Nun eben,um der Linken zu gefallen, der "Frauentag". Mal sehen, was man den Grünen schenkt.
    Letztlich nur Wahlrummel, weil ihnen "die Felle" wegschwimmen.

  10. 93.

    Na, dann feiert mal schön den Internationalen Kampftag der Frauen. Gleiche Rechte und gleiche Bezahlung für Frauen bringt ein Feiertag ohnehin nicht. Am Reformationstag hätte das weibliche Geschlecht wenigstens dafür beten können.
    Wie aber das die Stadt finanzieren will, hat sie nicht noch an dem von der CDU verursachten Bankenskandal zu knabbern?
    Ich glaube, dass was bisher der dümmste Einfall des von der SPD geführten Senat. 2021 wird hoffendlich dieser Alptraum ein Ende haben.

  11. 92.

    Das ist doch Quatsch. Dienstpläne hätten ohnehin umgeschrieben werden und Eltern hätten sich auch Pflaumenpfingsten gegebenenfalls frei nehmen müssen. Feiertage wurden bisher übrigens immer von den Landesregierungen bestimmt, außer der 3. Oktober. Es gibt keine Volksentscheide dafür. Haben wir denn keine anderen Probleme, als uns über einen Feiertag zu ärgern? Und auf einmal.ist es diskriminierend, dass es diesen Frauentag gibt? Männer haben doch auch frei, oder etwa nicht? Schafft den verlogenen, heuchlerischen Muttertag dafür ab und gebt doch jetzt Ruhe. Und wenn es denn so schlimm ist, dass das möglicherweise ein Überbleibsel aus der DDR ist, schafft auch gleich den Herrentag-Blödsinn ab. Vor dem Mauerfall war dieser Tag Christi Himmelfahrt und Vatertag, jetzt gilt dieses Datum schlichtweg als Kampfsauf-Tag. Also bitte nicht mit zweierlei Maß messen. Trotz des BIP haben die Berliner einen weiteren Feiertag verdient.

  12. 91.

    Mich ärgert in erster Linie, dass RRG das mit dem Feiertag übers Knie gebrochen und erzwungen haben. Wenn man liest, dass der Tag-das Datum- nur erpresst wurde, damit man mal zeigt: hey, wir haben etwas für euch getan, dann zeigt es, dass keine sachliche Debatten mehr möglich sind und die Schnelligkeit zeigt übrignes auch, dass kein Durchdenken der Folgen vorhanden ist.
    Dienstpläne müssen umgeschrieben werden, Feiertagszulagen hätten letztes Jahr mit einkalkuliert werden müssen, Termine müssen nach Brandenburg verlegt werden oder gestrichen(Facharzttermine finde ich übrigens besonsers spannend- wer weiß wann die Leute,die sie brauchen, ihre neuen Termine bekommen- im Herbst?, Eltern müssen sich ggf frei nehmen oder Krankmelden, wenn sie in BB arbeiten und in Berlin den KITA-Platz haben usw. usw.
    Es ist dumm deratige Sachen übers Knie zu brechen. Und aus welchen Grund? Damit man sich auf die Schulter Klopfen kann und sagen kann man hat etwas erreicht........

  13. 90.

    Diese Form der Diskrinminierung ist leider nicht neu. Ich erlebe sie seit den 2000ern. Erschreckend ist nur, dass sie sich weiter ausbreitet und verstärkt. In meinem direkten Umfeld, ist schon erkannt worden, dass es Quatsch ist mit Quoten Gleichberechtigung zu erzwingen zu wollen, da dies zu neuer Diskriminierung führt und nicht zielführend, wenn es darum geht eine Firma, Partei oder was auch immer leiten zu wollen.

  14. 89.

    Warum sollten wir Berliner auch nicht "unter uns" bleiben? Wir werden geschmäht und verrissen, unsere Stadt wird madig gemacht und beleidigt-dann können wir getrost auch nicht mainstream Feiertage begehen. Und die Mütter mit ihren erwachsenen Kindern...sollte auch so hinzubekommen sein, sich zu sehen und Zeit miteinander zu verbringen. Das hängt wohl nicht von einem Tag im Jahr ab. Wär ja sonst eher schade ;-) @Madame von Wegen: Richtig. Dieses unreflektierte Beharren auf Herrn Luther und diesen Tag wird wenigstens bei uns ausgebremst.

  15. 88.

    DAS ist doch mal eine gute Idee! Wieviele Feiertage hat Berlin weniger als andere? Sofort zu Feiertagen machen!

    Aber halt! Wie wollen doch Kinder und Mütter aus anderen Ländern nicht benachteiligen oder gar diskriminieren!

    Also sofort in Berlin ALLE Feiertage die es weltweit gibt einführen! Ich freue mich schon auf den Welttag der Feuchtgebiete am 2. Februar.

    Wo darf ich unterschreiben? Meine Stimme haben sie! :-D

  16. 86.

    Selbständig denken ist wohl gerade nicht so en vogue .... dazu würde gehören, Feiertage mit "christlicher Tradition" kritisch zu hinterfragen. Der Reformationstag ist auf Luthers Ideen und Taten gewachsen, dieser Mann hatte auch eine dunkle Seite, er war ein ausgewiesener Antijudaist. Sein diesbezügliches Gedankengut hat Generationen beeinflusst und aufgewiegelt. Deswegen ist es gut, dass Berlin diesen Tag als Feiertag verschmäht und stattdessen daran erinnert, dass Frauen leider immer noch benachteiligt werden und zwar weltweit (es handelt sich um einen internationalen Gedenktag).

  17. 85.

    Weil den dann z. B. Angehörige aus verschiedenen Bundesländern, z. B. auch Mütter mit ihren erwachsenen Kindern, zusammen verbringen könnten. So bleiben Berliner herrlich symbolpolitisch unter sich, hat mit "sozial" nix zu tun.

  18. 84.

    Welche "christliche Tradition" meinen sie denn? Hexenverbrennungen? Ausrotten der indigenen Bevölkerung in Südamerika oder die Weihe deutscher Waffen in zwei Weltkriegen?

    Und Berlin ist u.a. dank zweier cDU Politiker pleite, schon vergessen wer den Bankenskandal verursacht hat?

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