Archivbild: Ein Straßenschild mit den Namen "Nachtigalplatz" und "Afrikanische Straße" steht an einer Kreuzung im afrikanischen Viertel in Berlin (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Audio: radioBerlin 88,8 | 09.01.2019 | Matthias Bartsch | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Afrikanisches Viertel im Wedding - 200 Geschäftsleute wollen Straßenumbenennungen verhindern

Seit langem regt sich Widerspruch gegen die Änderung von Straßennamen im Afrikanischen Viertel. Rund 200 Geschäftsleute aus dem Kiez haben nun beim Bezirksamt Mitte Widerspruch eingelegt - aber gleichzeitig einen Kompromiss vorgeschlagen.

Im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding regt sich Widerstand: Rund 200 Geschäftsleute haben beim Bezirksamt Mitte Widerspruch gegen die Umbenennung einiger Straßennamen eingelegt. Nach einem Beschluss vom 30. Oktober 2018 sollen der Nachtigalplatz, die Petersallee und die Lüderitzstraße, die mit ihren Namen an die Kolonialzeit erinnern, umbenannt werden.

Historische Aufnahme: Gustav Nachtigal in orientalischem Festgewand in Kairo, 1875 (Quelle: dpa)
Bisher ist der Afrikaforscher und kaiserliche Kolonialkommissar für Westafrika, Gustav Nachtigal (1834-1885) Namensgeber des Nachtigalplatzes. | Bild: dpa

"Nachtigalplatz nach dem Dichter benennen"

Für die Gewerbetreibenden bedeutet dies allerdings, dass Visitenkarten, Briefbögen geändert und Kunden informiert werden müssen. Deshalb hat Magdalena Sokolowska, die im Kiez ein Büro hat, Unterschriften gesammelt und einen neuen Vorschlag gemacht: Die Straßennamen bleiben, sollen aber nach anderen Menschen benannt werden, wie beispielsweise der Nachtigalplatz. Dieser wäre dann nicht mehr nach dem Kolonialbeamten Gustav Nachtigal, sondern nach dem Schriftsteller Johann Karl Christoph Nachtigal benannt. "Der Name bleibt doch und beide Ziele sind erfüllt", sagte Magdalena Sokolowska am Mittwoch im rbb. Sie finde es seltsam, dass die Politiker nicht bereit sind, mit ihnen über diesen Kompromiss zu diskutieren.

Leichtes Chaos in der Lüderitzstraße

Im April hatte die Bezirksverordnetenversammlung den Weg für die Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel frei gemacht. Die Petersallee soll künftig zwischen Müllerstraße und Nachtigalplatz in Anna-Mungunda-Allee und zwischen Nachtigalplatz und Windhuker Straße in Maji-Maji-Allee umbenannt werden. Laut "Tagesspiegel" (Dienstag) soll die Umbenennung zum 1. April 2019 wirksam werden.

Der Nachtigalplatz soll Bell-Platz heißen.

Seit dem 28. Dezember ist die Lüderitzstraße laut Amtsblatt bereits in die Cornelius-Fredericks-Straße umbenannt worden. Doch diese Umbennung hat bereits zu leicht chaotischen Zuständen geführt. Denn die Straßenschilder sind nach wie vor die alten. So hat ein Anwohner dem rbb erzählt, dass er im Internet nach der Lüderitzstraße gesucht habe, weil Freunde nicht zu ihm gefunden hatten. Bei seiner Suche sei herausgekommen, dass bereits der neue Straßenname angezeigt wurde.

Der Widerspruch der Geschäftsleute läuft so lange bis entschieden ist, dass die Straßen tatsächlich umbenannt werden. Wie der "Tagesspiegel" weiter berichtet, endete die Widerspruchsfrist für die Petersallee bereits am Dienstag. Bis zum 11. Februar kann noch gegen die Umbenennung der Lüderitzstraße Widerspruch eingelegt werden. Die Änderung des Nachtigalplatzes wurde demnach noch nicht veröffentlicht.

Bisherige Namen verherrlichen deutschen Kolonialismus

Die bisherigen Namensträger Adolf Lüderitz (1834-1886), Gustav Nachtigal (1834-1885) und Carl Peters (1856-1918) gelten als Vertreter und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus mit zum Teil massiven rassistischen Einstellungen.

Kommentar

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39 Kommentare

  1. 39.

    "ideologisch begründet" ist eher ihr themenfremder Kommentar. Natürlich war Bersarin Stalinist oder meinen sie nach der "Säuberung", auch der Große Terror genannt, gab es noch einen höheren Armeeangehörigen der das nicht war oder zumindest vorgab?

    Zehntausende von Berlinern verdanken Bersarin ihr Leben.*

    Und dann noch einen uralten cDU wahlspruch, die "Einigkeit in Freiheit" werden ihnen diejenigen danken, die Janis Joplins "Freedom's just another word for nothin' left to lose" mitsingen können. Außerm, da bin ich mir fast sicher, wird an anderer Kohl schon genug gedacht, bei allen Firmen nämlich die er gegen Schmiergeldzahlungen großzügig bei der Einheit bedacht hat.

    Soweit zu ihrem "whataboutism". Aber zurück zu "Hänge-Peters" und Lüderitz. Was haben sie dagegen wenn solche Namen im Straßenbild getilgt werden?

    *https://www.berliner-zeitung.de/berlin/erste-friedenstage-in-berlin-nikolai-bersarin--der-unbequeme-ehrenbuerger-berlins-1141904

  2. 38.

    Ich will es nicht lang machen, weil es ja hier um etwas anderes geht.

    Ein Musterbeispiel in dieser Hinsicht war die Liquidierung von Bischofferode durch die Kali + Salz AG, die damals MIT ALLER GEWALT an die Börse strebte. Nicht, dass Bischofferode (so) marode war, dass es nicht mit überschaubaren Mitteln hätte gehalten und ausgebaut werden können. Es stand eben allein der Höhe des Aktienkurses entgegen.

  3. 37.

    ND und Taz? Sorry, nee, da krieg ich Pickel. Im Übrigen haben historische Fakten nichts mit "Meinung" zu tun sondern vor allem mit Geschichtswissenschaft. Aber ich nehme zur Kenntnis, daß Sie nichts Substanzielles beitragen wollen. Na müssen Sie ja auch nicht.

  4. 36.

    Hallo Müller (11:22), Sie erwähnten "Welche Interesssen Kohl als Vorsitzender einer Unternehmerpartei vertrat, ..." Ich fuhr im Wahlkampf 1990 als Tourist in der DDR herum und genierte mich ob der von mir allenthalben so eingeordneten "Kohl-Gläubigkeit" der Bewohner. Gleichwohl: Die Wählerschaft (eben die Mehrheit) hat den Kohl zum Kanzler gewählt, auch im Osten. Pathos, Versprechen, Wunschdenken und Leichtgläubigkeit haben sich mMn gesucht und gefunden. Ähnlich heute in Sachen AfD - "die Leute wollen betrogen werden" heißt es im Sprichwort und betrügen nur sich selbst, da ist bei manchen sicher was d'ran.



  5. 35.

    Ich denke mal, ein Helmut-Kohl-Platz wird hier nicht zur Debatte stehen. Weder hier und vermutlich auch in der Gesamtstadt nicht. Beim Erstgenannten, weil Kohl weder etwas mit der seinerzeitige afrik. Kolonialisierung zu tun hatte, noch mit der Befreiung davon. Gesamtstädtisch, weil das beharrliche Nichtnennen der Namen der anonymen Spender die Institutionen dieses Staates dermaßen gravierend unterminiert hat, dass eine Ehrung schlichtweg ausscheidet. Dagegen sind die Verfehlungen anderer, die deshalb keine "Straßenehrung" bekommen haben, vglw. harmlos.

  6. 34.

    Tja,so ist das...die einen lesen Bild und Focus ,die anderen ND und TAZ. Das ist halt Meinungsfreiheit.

  7. 33.

    Was an den bevorstehenden Straßennamen unaussprechlich sein soll, wird mir nie ganz einleuchten. Polnisch bspw. ist gewiss mit all seinen Beugungen schwierig, doch keinesfalls unaussprechlich. Szczecin klingt zwar für Deutsche schwierig, umgekehrt nehmen sich die vier Konsonanten gegen die sieben hintereinander folgenden Konsonanten von "Schiffsschraube", die andere beim Deutschen lernen müssen, noch bescheiden aus.

    So ist es auch bei der Gegenüberstellung von den ungewohnten Straßennamen im Südwesten Afrikas, was die Eingeborenensprachen angeht und was das Deutsche u. Englische anbetrifft. Nicht die Eingeborenensprachen sind gewöhnungsbedürftig, das Deutsche und das Englische ist es auch.

    Lautmalerisch spricht nichts gegen eine Anna-Mungunda-Allee u. eine Maji-Maji-Allee. Wer die Recherchen gegenüber dem "eigenen" Straßennamen nur tief und weit genug treibt, dem kommt Ungeheuerliches zu tage. Es ist dann eine gesamtstädtische Einschätzung, was dabei überwiegt.

  8. 32.

    Hallo Müller (10:53), danke für Ihre Erläuterung. Mir ging es darum ggf. etwas Spezielles, Neues zu erfahren, vielleicht außerhalb mir bisher bekannter Fakten.

    Beispiel: "...das Treiben der Treuhand, das auf De-Industrialisierung ausgerichtet war, ... Fachlich und politisch verantwortlich gewesen zu sein, scheinen der jeweilige Leiter und ggf. die übergeordneten Gremien der Treuhand (gab es die? Ich weiß es gerade nicht - das wäre nun auch nicht mein Punkt.) und die Wirtschaftsministerin, Frau Breuel, glaube ich. Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik, da weiß ich nicht ob man der Person Kohl die Qualität "zielgerichtet" anlasten kann. Ich weiß auch nicht zu sagen, welche Rolle das ggf. einflussreiche Bundeskanzleramt hier hatte. Ich fragte für den Fall, dass vielleicht etwas Neues, bisher Unbekanntes genannt würde. Danke nochmals.

    PS: Bei "Bild und Focus" kriegte ich eher Pickel

  9. 31.

    Gerne. 1. Siehe meine Antwort auf User "Beobachter".
    2. Die Treuhandanstalt war ab dem Einigungsvertrag ein Instrument der Kohl-Regierung und stand unter deren Aufsicht. Welche Interesssen Kohl als Vorsitzender einer Unternehmerpartei vertrat, ist selbsterklärend. Anstatt behutsam zu sanieren, hat die Treuhand flächendeckend ostdeutsche Billigkonurrenz abgewickelt. Mit einem Bruchteil der Mittel, die die späteren Transferleistungen ausmachten, hätte man viele Betriebe sanieren können. Aber das war nicht gewollt. Man vernichtete bzw. verschleuderte die Betriebe an die westdeutsche Konkurrenz, welche sie dann ausschlachtete und und dichtmachte.

    - https://www.sueddeutsche.de/politik/ddr-treuhand-anstalt-ausverkauf-der-republik-1.137266-2
    - Frontal 21: "Beutezug Ost – Die Treuhand und die Abwicklung der DDR“

    3. Nö. :-)

  10. 30.

    Es tut mir Leid, daß Sie so wenig Informationen haben. Aber vielleicht sollten Sie mal was anderes lesen als Bild und Focus. Die massive Einmischung in die Volkskammerwahlen von 1990 zum Zwecke der vorschnellen Einheit mit 40 Millionen DM und dem gesamten Wahlkampfapparat der CDU (West) ist z.B. im gleichnamigen Wikipediaartikel dokumentiert. Daß die überhastete Währungsunion der DDR-Wirtschaft das Genick gebrochen hat, sowie das Treiben der Treuhand, das auf De-Industrialisierung ausgerichtet war, sollte man als gebildeter Mensch nach 30 Jahren eigentlich mal mitbekommen haben. Ich kann Ihnen da gerne Lesestoff raussuchen. Ich muß Sie allerdings warnen: das Ist dann nicht Bild und Focus, und die Sätze sind auch länger.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Volkskammerwahl_1990#Wahlkampf

  11. 28.

    Hallo Müller (06:25), 1. Sie schreiben, Helmut Kohl stehe für die "massive antidemokratische Einmischung in die Volkskammerwaheln 1990". Was meinen Sie genau damit?
    2. Sie schreiben, Helmut Kohl "steht weiterhin für die zielgerichtete De-Industrialisierung der NBL." Würden Sie mir zu meinem Verständnis sagen, was genau Sie Kohl zurechnen, wenn Sie von "zielgerichtet" sprechen und worin die "zielgerichtete De-Industrialisierung der NBL" durch ihn, Kohl, zum Ausdruck kommt?
    3. Oder wollten Sie nur Ihre Abneigung gegen Kohl ausdrücken (was ich gut verstehen könnte, aber aus eigenen Gründen, die hier nichts zur Sache tun)?

    Danke im voraus!

  12. 26.

    Warum werden nicht bei der nächsten grösseren Wahl die Anlieger befragt? Da dürfte doch im basisdemokratischen Sinn von RRG sein. Oder gilt der nur, wenn man sich einer Mehrheit sicher ist?

  13. 25.

    http://www.spiegel.de/reise/fernweh/streit-um-moegliche-umbenennung-von-luederitz-a-1021202.html

    weitere Artikel hierzu oder Wikipedia können Sie aber selber googeln....

  14. 24.

    Kohl steht für massive antidemokratische Einmischung in die Volkskammerwaheln 1990 und für eine katastrophal überstürzte und deshalb gescheiterte Einheit. Er steht weiterhin für die zielgerichtete De-Industrialisierung der NBL. Der Mann hat Deutschland weitaus mehr geschadet, als es Bersarin je vermocht hätte.

  15. 23.

    Okay, dann nennen Sie bitte Ross und Reiter. Nicht aussprechbar und umstritten ist Ihre ganz persönliche Variante.

  16. 21.

    Was soll ich denn noch mehr machen, als meinen Post mit einem Ironietag zu versehen?!
    Davon ab, war Astrid Lindgren auch alles andere als eine Rassistin. Was glauben Sie, warum sie Pippi genau den Charakter gegeben hat, den diese Figur eben so liebenswürdig macht?

  17. 20.

    In Bremen hatte man genau dieselbe Situation- und der Kompromiss der im August 2017 gefunden wurde?
    Die Strassen heißen heute auch weiterhin Lüderitzstr. und Vogelsangstrasse- mit kleinen Zusatzschildern, die das warum und wie im geschichtlichen Zusammenhang erklären- prima ! Man kann Geschichte nicht "umschreiben " oder nach heutigem Stand schönschreiben. Man muß aufklären , aber Geschichte nicht verkären !!!

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