Eine Familie mit zwei Kindern bei einem Spaziergang (Bild: imago/Tack)
Bild: imago stock&people

ePetition zum Wechselmodell gestartet - Petition für gemeinsame Elternverantwortung nach Trennung

Die geteilte Betreuung von gemeinsamen Kindern nach Trennung und Scheidung ist bislang nicht im deutschen Familienrecht verankert. Das will eine Initative ändern und hat eine Petition gestartet. Nachdem das Bündnis "Doppelresidenz.org" bereits mehr als 13.000 schriftliche Unterschriften gesammelt hat, hat am Mittwoch die Zeichnungsfrist für die ePetition beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages [bundestag.de] begonnen.

Am ersten Tag sind online bereits mehr als 500 Unterschriften abgegeben worden (Stand Donnerstag, 31. Januar 14:45 Uhr). Mit den insgesamt rund 13.500 Unterschriften ist bereits zu Beginn der ePetition mehr als ein Fünftel des Quorums von 50.000 Stimmen erreicht. Ist das Quorum erreicht, wird das Anliegen der Petition mit den Abgeordneten in einer Öffentlichen Situng des Petitionsausschusses diskutiert. Ohne Berücksichtung der erreichten Stimmen wird eine Petition immer auch parlamentarisch geprüft, in dem Zusammenhang werden zuständige Bundesministerien oder Behörden um Stellungnahme gebeten.

Wechselmodell als vorrangige Option

Im Text der Petition heißt es, die Doppelresidenz – bzw. das Wechselmodell - , damit ist die geteilte Betreuung von Trennungskindern gemeint, solle als gesetzliches Leitbild eingeführt werden und als vorrangig zu prüfende Option dem Familienrecht zugrundegelegt werden. Das heute einzig geregelte Betreuungsmodell nach einer Trennung ist das sogenannte Residenzmodell, danach betreut ein Elternteil nach der Trennung das Kind, der andere ist zum Umgang berechtigt und zahlt Unterhalt.

Zwei Drittel der Trennungskinder werden heute nach dem Modell betreut und leben meist bei der Mutter. In der Realität beteiligen sich aber immer mehr Väter an der Betreuung, auch die meisten Trennungskinder wünschen sich häufigere oder längere Kontakte zum anderen Elternteil.

Im Vorfeld hatten die Initiatoren der Petition betont, es gehe nicht nur um ein Betreuungsmodell, sondern auch um einen Sinneswandel in der Gesellschaft. "Getrennt gemeinsam erziehen, das ist aus unserer Sicht das, was unseren Kindern zusteht, weil sie ein Anrecht auf beide Elternteile haben", dieser Ansatz sei auch förderlich in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sagte Cornelia Spachtholz von der Initiative dem rbb.

Auch FDP setzt sich für Wechselmodell ein

Im März vergangenen Jahres wurde in erster Lesung ein ähnlicher Ansatz in Form eines Antrags der FDP-Fraktion im Bundestag debattiert. Die Abgeordnete Katrin Helling-Plahr (FDP), Mitglied im Rechtsausschuss des Bundestages erklärte: "Wir wollen, dass das Wechselmodell, wenn die Eltern keine andere einvernehmliche Regelung finden, zum Regelfall wird."

In der Debatte wurde deutlich, dass die Festlegung des Wechselmodells als Regelfall  und nicht nur als vorranggig zu prüfende Option, wie nun von der Initiative Doppelresidenz vorgeschlagen, einzuführen bei allen anderen Fraktionen auf Ablehnung stieß. Grundsätzlich waren sich aber alle Fraktionen einig, dass es für Kinder das Beste sei, wenn die Eltern nach einer Trennung gemeinsam Eltern blieben und dass es hierzu in einigen Bereichen gesetzliche Regelungen brauche. Das ist auch Konsens bei Familienrechtsexperten.

Mitte Februar wird der Antrag der FDP zum ersten Mal in einer Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages debattiert.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Es geht nicht um Zwang bei dieser Petition! Grundsätzlich soll und muss die Entscheidungshoheit, wie die Kinder nach Trennung und Scheidung durch die Eltern betreut werden, bei den Eltern bleiben. Wenn diese sich auf das tradierte Einzelresidenzmodell verständigen ist das okay. Wenn diese sich auf „erweiterten Umgang“ einigen ist das auch okay.
    Nur wenn keine Einigung erzielt werden kann muss das Gericht die Doppelresidenz als die dem Kindesbedürfnis am ehesten entsprechende Praxis annehmen und entsprechend urteilen. Es geht darum, dass die Kinder beide Eltern behalten dürfen.
    Auch für bereits praktizierte Doppelresidenz muss in diversen Rechtsgebieten für Behörden Entscheidungssicherheit durch Änderung geschaffen werden (u.a. im Jugendhilfe-, Sozial-, Melde- und Steuerrecht).

  2. 7.

    Bitte unterstützen Sie diese Petition mit einem einfachen Klick. Sie ist sooooooo wichtig für Trennungskinder. Tausende Kinder in Deutschland verlieren jedes Jahr den Kontakt zu einem Elternteil - und dann auch zu Oma, Opa, Tante, Onkel, Cousinen etc. Mama ist wichtig, aber Papa auch. Ganz Westeuropa hat ein neues, zeitgemäßes Familienrecht mit dem Leitbild der Doppelresidenz (Wechselmodell / Anteil 30 zu 70 bis 50 zu 50), einem modernen Melde- und Unterhaltsrecht, nur Deutschland nicht. Das Familienrecht in Deutschland stammt aus den 1950er Jahren und ist nicht mehr vereinbar mit der Lebensrealität in Deutschland. Es geht auch nicht darum, dass das Wechselmodell vorgeschrieben wird. Wenn Mama und Papa sich einigen, ist alles okay so wie sie es wollen. Es darf nicht sein, dass Kinder um ein Elternteil betrogen werden. Das muss die Politik und Gesellschaft verhindern. Allen Kindern beide Eltern!

  3. 6.

    Das Wechselmodell ist als Regelmodell ungeeignet. Der Umgang muss dem Kind und der Situation individuell angepasst sein.

  4. 5.

    #Doppelresidenz ist gesellschaftliche & menschliche Lebensnotwendigkeit ! Das Grundrecht der Kinder!
    Jegliche Asymmetrie bei Rechten und Pflichten der Eltern bedeutet Streit und verbietet sich in einem Gesetzgebungsverfahren im Familienrecht konsequent.

    Nicht nur die FDP sagt: Das Prinzip „Einer betreut, einer bezahlt“ ist überholt. Weltweit wissenschaftliche Erkenntnis: Alleinerziehung, Vaterlosigkeit schadet den Kindern. Kinder brauchen ihren anwesenden Papa im Alltag als Vorbild, männliches Elternteil und Erzieher, nicht als Zahlknecht, Besucher, Bettler oder Bittsteller!

    Deshalb leben nicht nur in Schweden über 60-75% aller Kinder je nach Alter bei BEIDEN Eltern. Es ist bereits in der Welt selbstverständliche Normalität und gesetzliches Leitbild in 19 Staaten.
    Der Europarat fordert dies seit 2015 in Resolution 2079 auf wissenschaftlicher Basis für alle Staaten in Europa ein.
    #Wechselmodell #Regelfall

  5. 4.

    Ich glaube nicht, dass die Lega Nord die richtige Partei dafür ist, Kinderrechte zu definieren.

  6. 3.

    In welcher Diktatur sind Sie eigentlich zur Welt gekommen?
    Haben Sie vielleicht schon einmal gehört, das Kinder auch Rechte haben?
    Ist Ihnen entgangen, das Kinder auch das Recht auf Umgang haben?
    Haben Sie sich überhaupt schon einmal intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt?

    https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Was-Trennungen-fuer-Kinder-bedeuten,trennungskinder110.html

  7. 2.

    Die Betreuungsituation nach der Trennung sollte in etwa der vor der Trennung entsprechen. Alles andere ist absolut Katastrophal für die Kinder, die bis zu einem bestimmten Alter genau eine Hauptbezugsperson (meist die Mutter) haben und den Vater als in der Bindungs-Hierachie untergeordnet empfinden.
    Es werden heute schon viele Kleinkinder durch Gerichte in Wechselmodelle gezwungen, die darauf regelmäßig mit Bindungsstörungen reagieren (so auch mein Kind).
    Es sollte niemals um eine "Fairness" zwischen den Eltern gehen sondern allein um die beste Lösung für die Kinder!
    Nicht zu vergessen die vielen Trennungen, die wegen körperlicher und emotionaler Gewalt beendet werden! Aktuell werden Kinder zum Umgang mit Gewalttätern gezwungen! Für die Beendigung dieser Mißstände sollte ihr Petitionen unterstützen, nicht diesen Väterlobby-Blödsinn.

  8. 1.

    Sowohl Petition als auch Antrag gehen auf das Wirken international vernetzter Väterrechtslobbyplattformen zurück. 2013 nahm Frau Spachthholz an einer Kick-Off-Konferenz von Väterrechtelobbyisten teil. Ein Teilnehmer dieser Konferenz war Vittorio Vezzetti, der zusammen mit Simone Pillon für die rechtspopulistische Lega Nord und Salvini den jüngsten Gesetzentwurf für die Abwertung von Frauen und Müttern geschrieben hat.
    Auf diese Weise hält der europaweit vernetzte Rechtspopulismus und dessen Frauenfeidlichkeit nun auch im Deutschen Bundestag und in der Familiengesetzgebung Einzug. Die italienischen Kollegen der "Projektgruppe Doppelresidenz", Vezzetti und Pillon, sind über ihre Mitgliedschaft im ICSP mit der Initiatorin der Petition verbunden. Das Ergebnis dieser Arbeit finden Sie hier: https://www.nzz.ch/international/die-lega-will-die-maenner-staerken-reaktionaere-tendenzen-in-italien-ld.1435950

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