Archivbild: Ermittler stehen am 20.12.2016 am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin neben dem LKW (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
Video: Abendschau | 22.02.2019 | J. Goll / S. Opalka | Bild: dpa/Michael Kappeler

"Focus"-Bericht zu Breitscheidplatz-Anschlag - Regierung soll Verwicklung von Amri-Vertrautem vertuscht haben

Ein Agent des marokkanischen Geheimdienstes soll angeblich in den Anschlag Anis Amris auf den Berliner Breitscheidplatz verwickelt sein. Nach einem "Focus"-Bericht könnte er am Tatort gewesen sein - und wurde dann abgeschoben. Nun soll der Mann befragt werden.

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben angeblich einen engen Vertrauten des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri abschieben lassen, um dessen Verwicklung in den Anschlag mit zwölf Toten und mehr als 60 Verletzten im Dezember 2016 zu vertuschen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf mehrere der Redaktion nach eigenen Angaben vorliegende geheime Ermittlungsdokumente.

Angebliches Beweis-Video unter Verschluss gehalten

Bei dem Mann soll es sich laut "Focus" um den radikalen Islamisten Bilel A. handeln – angeblich ein Agent des marokkanischen Geheimdienstes, der durch seine Abschiebung vor einer Strafverfolgung in Deutschland geschützt werden sollte.

Den Informationen des "Focus" zufolge hatte sich Bilel A. noch am Abend vor dem Attentat mit Amri getroffen. Außerdem soll es Videoaufnahmen von der Terrorfahrt geben, die bislang unter Verschluss gehalten worden sein sollen. Demnach soll eine auf einem Hochhaus am Breitscheidplatz montierte Kamera gefilmt haben, wie Amri nach dem Anschlag aus dem Lkw ausstieg und flüchtete.

Zu sehen sei auch, wie in dem Moment eine Person mit dem Aussehen von A. einem Mann mit einem Kantholz gegen den Kopf schlägt, um Amri den Weg für seine Flucht freizumachen. Der attackierte Mann soll bis heute im Koma liegen.

Neun Tage nach dem Anschlag sei dann entschieden worden, Amris mutmaßlichen Helfer abzuschieben, schreibt das Nachrichtenmagazin. Am 1. Februar 2017 sei er dann nach Tunesien ausgeflogen worden.

Untersuchungsausschuss will Bilel A. vernehmen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte am Freitag an, die umstrittene Abschiebung von Bilel A. untersuchen zu lassen. "Heute Morgen hat Bundesminister Seehofer von dem Vorgang Kenntnis erlangt", sagte eine Sprecherin am Freitag in Berlin. Er wolle die Sache prüfen lassen. Sie verwies darauf, dass es um einen Vorgang aus dem Jahr 2017 gehe, also noch vor dem Amtsantritt Seehofers im Frühjahr 2018. "Fest steht, dass die Strafverfolgungsbehörden der Abschiebung damals auch vorab zugestimmt haben", sagte sie.

Aus dem Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestags verlautet indes, man wolle Bilel A. als Zeugen vernehmen. Eine Mehrheit der Mitglieder sei für einen entsprechenden Beweisbeschluss. Offen ist aber noch, ob A. in Berlin oder im Ausland vernommen wird.

Gegen den Mann sei bei seiner Abschiebung eine Wiedereinreisesperre für den Schengen-Raum verhängt worden, berichtete der Ausschuss-Vorsitzende Armin Schuster (CDU). Er halte deshalb eine Befragung im Ausland für sinnvoll.

"Zeuge, Beihelfer oder Mittäter?"

Abgeordneten der Opposition erscheint das Tempo verdächtig, mit dem die deutschen Behörden damals auf die Abschiebung drangen. Sie fragen sich, ob da möglicherweise
etwas vertuscht werden soll - etwa, dass man die Gefährder Amri und A. nicht von der Straße holte, weil man sich von ihnen interessante Informationen über andere gewaltbereite Islamisten im In- und Ausland erhoffte. "Die Abschiebung eines Gefährders, die bei Anis Amri im Jahr 2016 monatelang nicht geklappt hat, war nach dem Anschlag bei Bilel A. eine Sache von Tagen", sagte der FDP-Obmann im Untersuchungsausschuss, Benjamin Strasser.

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz kritisierte den Umgang mit dem mutmaßlichen Amri-Vertrauten scharf. Angesichts der wichtigen Rolle, die der Tunesier für Amri gespielt habe, stelle sich die Frage, ob er "nur Zeuge, Beihelfer oder Mittäter" gewesen sei. Dem und der Dimension des Anschlags sei aber die Vernehmung des Mannes nicht gerecht geworden. Zudem sei A. innerhalb weniger Tage abgeschoben worden, "ohne dass man in dem Fall ausermittelt hat".

Videoaufnahmen Thema im Ausschuss

Im Untersuchungsausschuss war am Donnerstagabend auch über Aufnahmen vom Tatort an der Gedächtniskirche gesprochen worden, auf denen laut "Focus" Bilel A. zu sehen sein soll. Mehrere Mitglieder des Ausschusses erklärten allerdings, ihnen lägen keine entsprechenden Aufnahmen vor.

Das Bundeskriminalamt lehnte eine Stellungnahme mit Verweis auf die Zuständigkeit des Generalbundesanwalts ab. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte, es habe am Breitscheidplatz zum Zeitpunkt des Anschlags nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen "keinen weiteren Tatverdächtigen vor Ort" gegeben. Die Ermittlungen gegen Bilel A. sei damals "mangels eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden".

Der abgelehnte Asylbewerber Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert, war damit in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gerast und hatte so zwölf Menschen getötet. Nach dem Anschlag konnte er nach Italien fliehen, wo er von der Polizei erschossen wurde.

Sendung: Inforadio, 22.02.2019, 12:05 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

26 Kommentare

  1. 26.

    Ich behaupte dass sie keine Fakten nennen und unbewiesene Behauptungen aufstellen.

    "Wer ist denn für das Versagen bei Amri zur Verantwortung gezogen worden, wie Sie hier behaupten" haben sie z.B. frei erfunden, wo habe ich das behauptet?

    "Sie reden nur negativ in die Breite und lesen offensichtlich keine Nachrichten.
    Unterschied VMann und "Mitarbeiter" kennen die anderen, Ihnen müsste das erst jemand erklären "

    Na klar, nur sie sind im Alleinbesitz der einzigen Wahrheit, passen sie auf sonst schickt man ihnen Männer mit Hab-mich-lieb-Jacken. *augenroll*



  2. 25.

    Finde in Ihren Posts keine Fakten, Sie reden nur negativ in die Breite und lesen offensichtlich keine Nachrichten.
    Unterschied VMann und "Mitarbeiter" kennen die anderen, Ihnen müsste das erst jemand erklären
    Wer ist denn für das Versagen bei Amri zur Verantwortung gezogen worden, wie Sie hier behaupten?

  3. 24.

    Den Parallelartikel zu dem kriminellen Freund von Amri soll ich gleich mit "erfunden" haben?
    Und wer wird denn hier für Amri zur Verantwortung gezogen, nennen Sie mal einen einzigen Namen: ....
    Groteskes Verhalten von Ihnen, irgendwas von der Realität Abweichendes suggerieren zu wollen.

  4. 23.

    Welche Fakten in welcher Presse? Sie stellen hier Behauptungen auf die frei erfunden sind.

    "Der hier mehrfach kriminell auffällige tunesische Freund Amis [...] kann gar kein „Geheimdienstmitarbeiter" Marokkos gewesen sein, hatte als Sicherheitsrisiko höchstens V-Mann-Niveau."

    "Hier werden keine Verantwortlichen mehr zur Rechenschaft gezogen und Punkt. Wenn das jemals ein Ziel gewesen wäre, hätte man das längst getan."

    Klassische Fake News.

    Und die in ihre Kreisen so beliebte Masche anderen vorzuwerfen sie hätten nicht kapiert, nicht verstanden oder würden leugnen, nur weil man ihre Meinung, ihre Gesinnung nicht teilt, ist billig, plump und langweilig. Lassen sie sich etwas Besseres einfallen, wie wäre es zur Abwechslung mal mit Fakten, Belegen und Argumenten?

  5. 22.

    Wo habe ich geschrieben dass dieser Anschlag "von den Geheimdiensten ausgeführt" wurde?

    Sie interpretieren mit ihrer überbordenden Fantasie Dinge in Aussagen hinein die so nachweislich nie getätigt worden sind.

    2,1 Millionen, ach kommen sie, ihre Zahlen kann man sofort als Fälschung erkennen, sie rechnen ALLE Einwanderer zusammen. Wir haben 1989 17 Millionen überwiegend reine Wirtschaftsflüchtlige, die wir überwiegend bis heute alimentieren müssen, aufgenommen, das sind selbst ihre Fake News Peanuts gegen.

    Und zu guter Letzt, es gab nie ein "Zusammenbruch" des Grenzregime, also kann es erst nicht angeordnet worde sein. Aber ihre Fälschungen und ihre Sprache verrät sie, das ist die Sprache der Rechtspopulisten und Rechtsextremen.

  6. 21.

    Die Fakten steht genauso in der Presse und Leute wie Sie, die die Nachrichten nicht verstehen oder einfach nur auf niedrigem Niveau verleugnen wollen, müssen andere nicht derart unsinnig anpöstern. Hier ermitteln auch nicht irgendwie die "Ermittlungsbehörden", sondern der Untersuchungsausschuss muss die nach etlichen Fehlern und bereits frisierten Akten überprüfen. = Nichts verstanden.

  7. 20.

    Wer eine Flüchtlingswelle von 2,1 Millionen Menschen als "angeblich" bezeichnet, erkennt natürlich auch nicht den Zusammenhang zwischen dieser Flüchtlingswelle, dem deshalb angeordneten Zusammenbruch des Grenzregimes und der unkontrollierten Einreise Hochkrimineller. Ist halt nicht für jeden so einfach, die Sache mit der Wahrnehmung.

    Es mag Verschwörungstheoretikern schwerfallen, das zu verstehen, aber nicht jeder Anschlag, der unter den Augen der Geheimdienste stattfindet, wird auch von den Geheimdiensten ausgeführt. Informieren Sie sich einfach über die Rolle der CIA, dann begreifen Sie's.

  8. 19.

    Falls sie neue Erkenntnisse haben teilen sie diese doch den Ermittlungsbehörden und der Öffentlichkeit mit.

    Ansonsten behalten sie ihre Räuberpistolen für sich, danke.

  9. 18.

    Was hat ein hochgradig Krimineller mit der angeblichen "Flüchtlingswelle" zu tun? Und vor allen Dingen was hat das mit dem massiven Versagen unserer Sicherheitskräfte zu tun?

    Oder noch viel schlimmer, was ist wenn das gar kein Versagen unserer "Sicherheitskräfte" war? Das Celler Loch lässt grüßen!

  10. 17.

    Mich auch. So richtig demonstriert wird bei Normalos eigentlich nur mal kurzzeitig bei der Mietenexplosion.
    Die Masse ist sehr träge. Ich führe das auf eine Art Fettlebe in der Gesellschaft der alten BL zurück, die ist nach dem Wirtschaftswunder über mehrere Generationen weich geworden. Die jüngeren sind heute auffällig unpolitisch. Man kennt auch gar keine richtig engagierte Politik mehr. Die Anzahl der +50jährigen, die die DDR noch bewusst erlebt hat, geht immer weiter zurück. Sind vielleicht noch 15% der Dt.? Daher leben ja auch bei jüngeren solche merkwürdigen idealisierenden Sozialismusfantasien wieder auf, finde ich angesichts von 1989 völlig ahistorisch.
    Journalisten sind lt. internationaler Studie überwiegend wie Grüne orientientiert, 1/7 auch kommunistisch.

  11. 16.

    Das was mich jedoch immer wieder verwundert, ist die Gleichgültigkeit mit dem Umgang der Ermittlungen. Koalition ok., aber Opposition, Journalisten, keiner scheint hier bis ins Detail recherchieren zu wollen. Und die Bevölkerung fragt nicht, isst artig wieder die Bratwurst und schlürft den Glühwein, an der Stelle dieses Attentats. Diese Gleichgültigkeit und das Hinnehmen von allem, was geschieht oder das so tun, als würde man nichts merken, von dem, was in diesem Land so vor sich geht, erinnert mich immer an frühere Zeiten.

  12. 14.

    Der hier mehrfach kriminell auffällige tunesische Freund Amis (als Gefährder eingestuft, auch noch Sozialhilfebetrug etc.) kann gar kein „Geheimdienstmitarbeiter" Marokkos gewesen sein, hatte als Sicherheitsrisiko höchstens V-Mann-Niveau.
    Diese Sache ist meiner Meinung nach schon "gelaufen", auch daran erkennbar, dass die Akten frisiert wurden, bevor sie mit Verspätung an den Untersuchungsausschuss gingen. Der von der Bundesregierung lange Zeit abgewehrt wurde, die wollte den nicht.
    Hier werden keine Verantwortlichen mehr zur Rechenschaft gezogen und Punkt. Wenn das jemals ein Ziel gewesen wäre, hätte man das längst getan. Das o. g. Opfer wurde uns offenbar auch noch unterschlagen. Dass Marokko in den Vormonaten immer wieder konkret vor dem islamistisch radikalisierten Amri gewarnt hatte, wird kaum mal erwähnt.

  13. 13.

    Die Attentäter vom 09.September waren auch nie als besonders religiös auffällig. Ganz im Gegenteil. Und sie waren in der Mehrheit bestens gebildet. Trotzdem haben sie Flugzeuge entführt und im Namen ihrer Religion damit tausende Menschen ermordet.

  14. 12.

    Die Entwicklung eines jungen Mannes, der, nach Aussage seiner Schwester, nie besonders religiös war, gern getrunken, gefeiert und Popmusik gehört hat, also ein ganz normaler Junge war, bzw. "rauchte, trank und kiffte" (Zeit, 22.12.16)zu einem fanatischen Islamisten und brutalen Massenmörder, unter "Aufsicht" des Verfassungsschutzes.

  15. 11.

    Wenn man nicht hinschaut oder wegschaut, kann nichts "Hinreichendes" entdeckt werden.

  16. 10.

    Mich wundert bei diesem Senat nichts mehr.
    Nur Mist bauen die Herrschaft.

  17. 8.

    Na endlich traut sich noch jemand zu recherchieren.
    Politiker hatten überhaupt kein Problem damit, "Pannen" einzugestehen, um sich gleich wieder hinter dem Rechtsstaat zu verstecken, nach dem Motto "Wir können in einem Rechtsstaat Gefährder nicht einfach vorsorglich wegsperrren" (R. Jäger). Es wird Zeit, dass das Unaussprechliche ausgesprochen wird. Auch die Flucht und der Tod Amris sollten überprüft werden. Erschossen, natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in einer trostlosen Gegend, auf einem geschlossenen Bahnhof. Details gab es nie. Bei Toten auch kein Verfahren, kein Rechtsanwalt, Nichts. Wer jetzt nachfragt ist mir ganz egal. Links, Rechts, Oben, Unten, Mitte, Journalisten, ... bitte bleibt da dran.

  18. 7.

    Amri kam mit der "Flüchtlingswelle" aus dem sicheren Italien. Er hatte zahlreiche Identitäten. Die von Ihnen Genannten haben gejubelt, geklatscht und tun es immer noch.

Das könnte Sie auch interessieren