Archiv - Sicherheitspersonal steht am 04.01.2017 auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin Spandau. In der Nacht hatte die Polizei Zimmer in der Unterkunft durchsucht. Der Polizeieinsatz stand möglicherweise in Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. (Bild: dpa/Michael Kappeler)
Bild: dpa/Michael Kappeler

Bericht über Videoaufnahme aus Flüchtlingsheim - Amri-Vertrauter soll in Berlin IS-Hinrichtungen inszeniert haben

Rauschgiftdelikte, Diebstähle und zwölf Identitäten: Der abgeschobene Freund des Attentäters Anis Amri soll in Deutschland zahlreiche Straftaten begangen haben. In einem Berliner Flüchtlingsheim soll er zudem mit Kindern IS-Hinrichtungen nachgestellt haben.

Der abgeschobene Freund des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri, Bilel A., soll in Deutschland verschiedene Straftaten begangen haben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll er unter anderem in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft mit Kindern Hinrichtungen durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nachgestellt haben. Das geht aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, berichtet die dpa.

Folterspiele mit Kindern

Der Tunesier A. drehte davon demnach am 13. September 2016 in der Unterkunft in der Berliner Motardstraße ein Video. Es zeigt den Angaben zufolge einen syrischen Jugendlichen, der an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boden liegt und von einem Kleinkind mit einem Plastikschwert geschlagen wird. A. verglich dies mit der Folterung von Muslimen in Burma und forderte das Kleinkind auf, zuzuschlagen.

Die Ermittler notierten: "Danach forderte A. das Kind auf, angsteinflößend zu brüllen und zeigte, wie man einen 'gefangenen Kriminellen des Assad-Regimes' befragt, bis dieser seine Verbrechen gesteht." Zuletzt habe er an dem Jugendlichen eine Enthauptung imitiert.

Frühere Bewohner der Unterkunft sagten dem Vermerk zufolge aus, A. habe sich als Islamist zu erkennen gegeben. Im Kontakt mit der Heimleitung und den Sozialarbeitern habe er sich aber "kooperativ verhalten" und sei nicht aufgefallen.

Zwölf Identitäten in Deutschland

Laut dpa geht aus dem Schreiben eines Beamten des Bundesinnenministeriums an eine Kollegin vom 16. Januar 2017 zudem hervor, dass A. sich in Deutschland unter verschiedenen Namen als Asylbewerber registrieren ließ. Die Rede ist von zwölf Alias-Identitäten. Der Tunesier soll sich zudem mal als Marokkaner, mal als Ägypter und dann wieder als Libyer ausgegeben haben.

A. war nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 2014 zusammen mit anderen Tunesiern per Boot nach Italien und dann über die Schweiz nach Deutschland gekommen. Er stellte unter anderem in Chemnitz einen Asylantrag. A. traf seinen Bekannten Anis Amri am 18. Dezember 2016, einen Tag bevor Amri in Berlin einen Lastwagen kaperte, damit über den Breitscheidplatz raste und zwölf Menschen tötete. Amri floh nach dem Attentat nach Italien, wo er vier Tage später von der Polizei erschossen wurde.

A. wurde am 1. Februar nach Tunesien abgeschoben, wo seine Ehefrau mit den beiden gemeinsamen Kindern lebte. In Deutschland war er durch Diebstähle, Rauschgiftdelikte und Sozialhilfebetrug aufgefallen. Außerdem stuften ihn die Behörden als islamistischen Gefährder ein.

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages, der mögliche Fehler der Behörden rund um den Anschlag aufklären soll, will A. wahrscheinlich demnächst als Zeugen vernehmen - ob in Berlin oder in Tunesien ist noch nicht entschieden.

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ja und nu ?
    Simulierte Hinrichtungen soll es sogar in der BW gegeben haben.

  2. 4.

    Guten Tag - das war an einer Stelle tatsächlich etwas durcheinander geraten, die haben wir korrigiert. Am besten fasst es dieser Satz zusammen: "Die Rede ist von zwölf Alias-Identitäten. Der Tunesier soll sich zudem mal als Marokkaner, mal als Ägypter und dann wieder als Libyer ausgegeben haben." Beste Grüße

  3. 3.

    Ich weiss nicht was das alles soll was da jetzt als Berichterstattung durch die Medien geistert. Das hilft jedenfalls den Hinterbliebenden nicht. Die Regierung hat nicht nur in diesen Fall grobe Fehler gemacht, sondern macht sie immer noch wie die jüngsten Nachrichten es beweisen der Rückholung Deutscher die zum IS ausgereist waren. Wer kann bloss so naiv sein?! das die alle hier brav und artig sind. Diese ganze Aufarbeitung des o.g. Falles ist doch völlig sinnlos , man fragt sich doch wirklich haben die denn nichts anderes zu tun, wem hilft das denn wenn man nun Hintermänner und was weiss ich kennt, das man anderen auf die Spur kommt? keine Sorge die haben wir schon längst im Lande.

  4. 2.

    Gibt's in dem ganzen Fall auch irgendetwas das sich tatsächlich beweisen lässt oder nur hätte, sollte, könnte?

  5. 1.

    Lieber RBB, ist der Typ jetzt Tunesier oder Marrokaner? Ihr schreibt beides. Da er nach Tunesien abgeschoben wurde, wahrscheinlich Tunesier, oder?

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