Trauernde legen im Juli 2016 Blumen an der Strandpromenade von nizza nieder (Quelle: Patrice Lapoirie/MAXPPP)
Audio: Inforadio | 26.02.2019 | Jo Goll | Bild: MAXPPP

Tunesier Bilel Ben Ammar - Amri-Vertrauter könnte bei Anschlag in Nizza gewesen sein

War der Freund des Attentäters Anis Amri bei dem Anschlag in Nizza im Juli 2016 vor Ort? Flugtickets weisen darauf hin, dass Bilel Ben Ammar dort gewesen sein könnte. Ammar war trotz des Verdachts, Amri unterstützt zu haben, von Berlin aus abgeschoben worden.

Der Tunesier Bilel Ben Ammar könnte nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste, des Rundfunks Berlin-Brandenburg und der "Berliner Morgenpost" am Terror-Anschlag von Nizza beteiligt gewesen sein.

Neue Dokumente legen nahe, dass der Freund des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri zum Zeitpunkt des Terroranschlags von Nizza am 14. Juli 2016 vor Ort gewesen sein könnte. Dem rbb liegt der Screenshot einer Boardingkarte für einen Flug von Berlin-Schönefeld nach Nizza vor, der auf den 7. Juli 2016 datiert ist.

Das Flugticket fanden Ermittler auf Ben Ammars beschlagnahmtem Handy, nachdem er bereits in sein Heimatland Tunesien abgeschoben worden war. Es ist nicht auf den Namen Ben Ammar ausgestellt, sondern auf einen mutmaßlichen Alias-Namen.

Trotz Verdacht von Berlin aus abgeschoben

Das gefundene Flugticket legt den Verdacht nahe, dass Ben Ammar wenige Tage vor dem Nizza-Attentat in die französische Hafenstadt geflogen ist. Bei dem Attentat in Nizza war ein radikaler Islamist mit einem Lkw auf einen Strandboulevard gerast und hatte dabei 86 Menschen getötet. Zuvor hatte der Attentäter, der wie Ben Ammar und Amri Tunesier war, die Promenade mit Handyfotos ausgespäht. Inwieweit Ben Ammar Kontakte zu dem Attentäter von Nizza hatte, der bei dem Attentat von der französischen Polizei erschossen wurde, ist bislang unbekannt.

Knapp ein halbes Jahr später raste der Tunesier Anis Amri nach exakt dem gleichen Muster auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Zwölf Menschen starben.

Die Person Ben Ammar war zuletzt erneut in die Schlagzeilen geraten, weil er unmittelbar am 19. Dezember 2016 Anis Amri bei seinem Anschlag unterstützt haben soll. Die deutschen Behörden hatten Ben Ammar trotz dieses Verdachts bereits wenige Wochen nach dem Attentat von Berlin in sein Heimatland abgeschoben.

Grüne: Abschiebung im Schnelldurchgang verhinderte Aufklärung

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Irene Mihalic, sagte: "Die Bezüge zum Anschlag von Nizza sind mehr als auffällig und waren den Behörden auch bekannt." Es sei auffällig, wie wenig Energie von Bundesregierung und Sicherheitsbehörden aufgewandt worden sei, um die Beteiligung Ben Ammars am Anschlag vom Breitscheidplatz zu analysieren. Stattdessen habe man ihn "im Schnelldurchgang abgeschoben und damit die Aufklärung gefährdet". Nun müsse der Untersuchungsausschuss sich "mit diesem für die Aufklärung zentralen Komplex befassen", forderte Mihalic.

Sendung: Abendschau, 26.02.2019, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Danke an die Politiker, die sich gegen den Willen der GroKo FÜR den Untersuchungsauschuss eingesetzt haben.
    Man muss sich das mal vergegenwärtigen, was das heißt, wenn solche Sachen trotz der vielen Toten in Nizza, Berlin usw. ungeklärt bleiben und Gefahren andauern. In Bayern werden monatlich 100 Leute festgestellt, die als Ausgewiesene wieder in das Land kommen, die Dunkelziffer dürfte höher sein. Was ist, wenn hier bereits auffällig geworden Leute wieder auftauchen und die nicht festgesetzt werden, die als Gefährder bekannt sind.

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