Bildungssenatorin Sandrea Scheeres (SPD) (rechts) und die Schulleiterin der Reinickendorfer Hausotter-Grundschule am 28.02.2019 in Berlin (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 28.02.2019 | Boris Hermel | Bild: rbb

Bildungsausschuss zu Mobbing an Schulen - Scheeres wehrt sich bei Anhörung zu Mobbing gegen CDU-Kritik

Der Tod einer elfjährigen Berliner Schülerin hat eine Debatte über Mobbing ausgelöst. Bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus sagte Bildungssenatorin Scheeres, der Senat habe bereits Maßnahmen angeschoben. Auch die Leiterin der Schule des Mädchens äußerte sich.

Der Berliner Senat nimmt das Thema Mobbing an Schulen nach Aussage von Bildungssenatorin Sandrea Scheeres (SPD) sehr ernst. Mobbing müsse dauerhaft problematisiert werden, sagte Scheeres am Donnerstag bei einer Anhörung im Bildungssauschuss des Abgeordnetenhauses.

Scheeres will Anti-Mobbing-Beauftragten an Schulen

"Das Thema Gewalt an Berliner Schulen ist für uns ein sehr relevantes Thema", so die SPD-Politikerin. Mobbing sei eine schlimme Form von Gewalt, verbunden mit seelischen oder körperlichen Verletzungen. Dem müsse konsequent entgegengetreten werden, und der Senat habe dazu auch einiges angeschoben. Scheeres nannte Beratungsstellen und die Einstellung von 500 Schulsozialarbeitern.

Außerdem will Scheeres einen Schüler als Anti-Mobbing-Ansprechpartner in ihrer Behörde benennen. Verpflichtende Fortbildungen für Schulleitungen sollen eingeführt und das Meldeverfahrens für Gewalt- und Mobbingvorfälle überarbeitet werden. Auch soll es einen Ausbau der Anti-Mobbing-Kurse für Eltern und pädagogisches Personal geben, um alle Beteiligten für das Problem zu sensibilisieren.

Bentele wirft Scheeres Versäumnisse vor

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU im Abgeordnetenhaus, Hildegard Bentele, hatte Scheeres zuvor schwere Versäumnisse vorgeworfen. Bentele sagte im rbb, die Senatorin hätte längst konkrete Maßnahmen gegen Mobbing an Schulen ergreifen müssen, zumal das Abgeordnetenhaus bereits vor zweieinhalb Jahren einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Mobbing und Gewalt an Schulen vorgelegt habe.

Trotzdem fehlten an der Schulen noch immer oft Ansprechpartner, wenn es einen Mobbing-Verdachtsfall gebe. Nötig seien etwa ein jährlicher Gewalt-Präventionsbericht und eine Meldepflicht für Schulen, wenn Mobbing auftritt, sagte Bentele. Nur so könne ein höheres Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Mobbing eben keine Kleinigkeit ist.

Schulleiterin: Elfjährige war kein Mobbingopfer

Hintergrund der Debatte ist der bislang ungeklärte Tod einer elfjährigen Grundschülerin in Berlin-Reinickendorf vor einigen Wochen. Medien gingen danach der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen Mobbing an ihrer Schule und ihrem Tod geben könnte. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht, die genaue Todesursache ist nach wie vor nicht bekannt.

Die Schulleiterin der Reinickendorfer Hausotter-Grundschule geht davon aus, dass der Tod der Elfjährigen nicht auf Mobbing zurückgeht. "Die Schülerin, die verstorben ist, war kein Mobbing-Opfer", betonte Daniela Walter bei der Anhörung im Bildungsausschuss erneut. Dies hätten zahlreiche Gespräche etwa mit Mitschülern und Eltern aus der betroffenen Klasse bestätigt, ergänzte sie nach der Sitzung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Walter räumte ein, dass es während ihrer Zeit als Schulleiterin "vier, fünf Mobbing-Fälle" an der Hausotter-Grundschule gegeben habe. Die Schule sei in einem schwierigen Umfeld, es gebe täglich Konflikte. Die Schulleiterin sagte, es sei wichtig, dass die Systeme greifen. "Wir haben etwa alle sechs Wochen die Polizei präventiv im Haus." Alle sechs Wochen säßen Jugendamt, Schulpsychologie, Sonderpädagogen, Schulleitung und Pädagogen an einem Tisch, "um gerade auch diese Schüler aufzufangen, wo es einfach problematisch ist".

"Mobbing ist ein tagtägliches Phänomen"

In der Anhörung machten mehrere Fachleute aus Wissenschaft und Beratungsstellen deutlich, dass Mobbing an Schulen oft vorkommt. Die Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Eileen Hager, sagte: "Mobbing ist an den Schulen ein tagtägliches Phänomen." Die Hemmschwelle sei unter anderem aufgrund der sozialen Medien gesunken. Vielfach werde das Problem nicht offen angesprochen.

Vor dem Ausschuss sollte auch der Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl sprechen, auf Wunsch der CDU. Nach eigener Aussage hatte er die Medien über den Fall der elfjährigen Grundschülerin informiert.

Sendung: Radioeins, 28.02.2019, 7.10 Uhr

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Mobbing gibt es an jeder Schule in fast jeder Klasse. Auch in Schulen, die sozial kein "problematisches Umfeld" haben. Mobbing macht vor keiner Gesellschaftsschicht, Religion oder Nationalität halt. Deswegen darf auf keinen Fall wieder so eine "Brennpunkt-Sache" daraus gemacht werden. Wenn überhaupt richtig was draus wird. Bleibt abzuwarten. Bin sehr skeptisch.

  2. 26.

    Zitat: "vier, fünf Mobbing-Fälle" - Keine Dunkelziffer möglich?

  3. 25.

    Ich möchte Ihnen mit meiner Reaktion auf Ihren Kommentar keinesfalls zu nahe treten. Aber Ihre Äußerung, dass Ihnen die Gewalt Ihrer Mutter nicht geschadet hätte, kann ich so nicht stehen lassen. Wenn Sie damit meinen, dass Sie ein anständiger Charakter geworden sind, der sein Leben im Griff hat, dann ist das definitiv nicht der Gewalt, die sie erleiden mussten, geschuldet. Eher andersrum sollten Sie das sehen, Sie haben die Stärke und Kraft aufgebracht, TROTZ der Schläge zu einem guten Menschen zu werden. Gewalt in der Erziehung, egal ob physischer oder psychischer Natur, ist immer schädigend. Es zerstört das Vertrauen un die Eltern und macht Kinder klein und schwach. Später äußern sich die Folgen davon sehr verschieden. Aber schaden tut das immer!!! Ihre Äußerung ist eine Schutzbehauptung, die viele Opfer elterlicher Gewalt tätigen. Ich möchte nur verhindern, dass sich schlagende und manipulierende Eltern dadurch bestätigt fühlen könnten. Lieber Gruß mit Bitte um Verständnis!

  4. 24.

    Auch hier gebe ich Ihnen vollkommen recht. Da ich aber kinderlos und jetzt im Rentenalter bin, kann ich mich zu diesem Thema nur dahingehend äußern, dass ich noch die Prügelstrafe kenne und diese oft an der Schule durch die männliche Lehrerschaft hart durchgesetzt wurde. Auch meine Mutter konnte recht gut mit Prügel umgehen. Geschadet hat es mir nicht. Auch wuchs ich nach dem Tod meiner Mutter in Heimen auf, wo auch Nonnen sehr rabiat zur Sache gingen. Will damit aber keineswegs unterstellen, dass Gewalt an Kindern richtig und zutreffend ist. Aus besagtem Grund wurde ja auch schon zu Beginn der 60er Jahre die Prügelstrafe abgeschafft. Danke für den Hinweis auf diesen sehr gut gemachten Film. Hat mich persönlich damals sehr berührt.

  5. 23.

    "Im Gegenteil, unsere Erfahrungen zeigen eher, dass Mobber oft sehr gedeckelte Kinder waren, die das harten Regiment zu Hause dahingehend kanalisierten, dass sie die autoritären Machtstrukturen durch Mobbing an schwächere Kinder weitergaben."

    Nicht nur Ihre Rtfahrungen, so ist es. Und es ist vor allen Dingen keine Erscheinung unserer heutigen Zeit, ganz im Gegenteil.
    Wem Bücher über das Thema zu trocken sind empfehle ich z.B. den Film "Nordsee ist Mordsee" von 1976 (!).

    https://de.wikipedia.org/wiki/Nordsee_ist_Mordsee



  6. 22.

    Ich setze als Erwachsener meine Autorität gegenüber Kindern ein, diese Autorität habe ich mir aber nicht mit Gewalt "verdient".

    Um bei ihrem Beispiel zu bleiben, was hätten denn die Eltern machen sollen, Backpfeifen verteilen? Dann muß ich das Kind eben ein zweites Mal darauf hinweisen WARUM sein Verhalten nicht in Ordnung ist.

  7. 21.

    Es geht ja hier primär darum, wie man zukünftig mit mobbenden Kindern verfährt. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Mobbing empirisch mit antiautoritärer Erziehung in Verbindung gebracht werden kann. Im Gegenteil, unsere Erfahrungen zeigen eher, dass Mobber oft sehr gedeckelte Kinder waren, die das harten Regiment zu Hause dahingehend kanalisierten, dass sie die autoritären Machtstrukturen durch Mobbing an schwächere Kinder weitergaben. Kinder brauchen Erziehung, es sprechen aber alle Erfahrungswerte dafür, dass Regeln und Strukturen in Kombination mit Liebe und Fürsorge die beste Erziehung ist.

  8. 20.

    Ich stimme Ihnen ja zu, doch diese antiautoritäre Erziehung führt oftmals sehr seltsame Blüten. Und was der User Tremor sicherlich meint, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit kein“ Drill“ in der Erziehung von Kindern, sondern eine von Hand gut geführte und wenn es sein muß auch strenge Erziehung. Denn nicht alles darf man bei Kindern so einfach durchgehen lassen. Beispiel erst gestern gesehen bei Rogacki in der Wilmerdorfer Str. Da hampelt ein kl.Junge doch tatsächlich auf einem Stehtisch stehend herum. Und was tun die Eltern, sie reden beschwichtigend auf den Jungen ein. Nachdem sie ihn heruntergesetzt hatten steigt er wieder vom Kinderstuhl auf die Tischplatte und findet es unsagbar toll. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu erklären, wie die Blicke, besonders älterer Personen umliegend waren.

  9. 19.

    Die "unmittelbaren Nachteile" hätten aber auch der Lehrer und die Mitschüler der neuen Schule. Denn ein verhaltensgestörtes Kind, das so massiv andere gemobbt hat, dass es der Schule verwiesen wird, hat psychische Probleme. Sie denken nur an die Bestrafung, die wäre aber auch auf Kosten anderer. Deswegen sage auch ich, dass nur ein Schulverweis nichts bringt. Das Problem wird lediglich verschoben. Menschen, die massiv mobben, brauchen psychologische Hilfe.

  10. 18.

    Menschen wie sie sind das beste Beispiel dafür dass es Menschen gibt, die seit 100 Jahren nichts dazugelernt haben.

    Diese Art von "Erziehung" führt zu Kadavergehorsam, der Militarismus und Faschismus möglich machte.

    Drill, unbedingter Gehorsam und Bestrafung haben in der Erziehung nichts zu suchen.

  11. 17.

    Wer redet denn von antiautoritärer Erziehung? Wer behauptet, dass Kinder keine Grenzen haben sollen? @Doro Hansen schrieb lediglich, auch völlig schlüssig wie ich finde, dass der Schulverweis ohne andere Maßnahmen wenig Sinn macht. Und eine Schlußfolgerung, dass Kinder die mobben keine Erziehung erfahren hätten, ist völlig unhaltbar. Natürlich soll ein Mobber die Folgen des Fehlverhaltens spüren. Altersgemäß und sinnvoll sollten die aber schon sein. Und weg damit und alles wird gut ist doch keine Lösung. Wenns so einfach wäre, hätten wir keine Probleme ;-)

  12. 16.

    Und ich bin der Meinung, dass ein Kind Erziehung braucht und dass diese ohne Bestrafungen nicht funktionieren kann.
    Nicht jedes Problem (und vor allem: nicht jedes Fehlverhalten) lässt sich durch Gespräche beheben.
    Auch was zu eigenen, unmittelbaren Nachteilen führt, hat einen erzieherischen Effekt.
    Ich halte antiautoritäre Erziehung für eine zuverlässige Methode, rücksichtslose, empathielose Menschen heranzuzüchten, die sich für den Nabel der Welt halten.
    Anders als die momentane Bundesregierung halte ich Grenzen für etwas Vernünftiges - wenn das Überschreiten derselben Konsequenzen hat.

  13. 15.

    Harte Konsequenzen, das wünschen sich sicherlich alle Mobbingopfer und deren Eltern. Aber die neue Schule wird sich freuen, ein Kind mit so einer Vita in eine ihrer Klassen setzen zu müssen, ohne dass es pädagogische Ansätze gab, um diesem Kind klar zu machen, was es anderen angetan hat. Leider halte ich den Wirbel, der jetzt um das Thema gemacht wird, für wirksame Ablenkungsmanöver, die keine verbindlichen Maßnahmen zur Folge haben werden. Dafür ist kein Geld und kein Personal da. Wer soll diese Arbeit abdecken? Ich denke da realistisch: der beste Schutz vor Mobbing wird weiterhin ein liebevolles Zuhause sein, wo sich Kinder zu seelisch stabilen Menschen entwickeln können, um möglichst kein Opfer zu werden.

  14. 14.

    Bringt nichts. Verschiebt das Problem nur. Mag zunächst eine Befriedigung darstellen, macht aber wenig Sinn. Das mobbende Kind braucht Hilfe, damit es nicht wieder so handelt. Natürlich sollte eher der Mobber die Klasse oder Schule wechseln, nicht wie bis jetzt fast immer das Opfer, aber das sollte auf keinen Fall die einzige Maßnahme bleiben und sollte auch möglichst eine Ausnahme bleiben. Menschen die mobben haben Probleme, die angegangen werden müssen.

  15. 13.

    Was für eine Desaster für die CDU und Frau Bentele! Der Versuch, schnell politisches Kapital aus einem aktuellen, sehr traurigen Ereignis zu schlagen, geht voll nach hinten los und die CDU entpuppt sich als das, was sie ist: eine um Aufmerksamkeit und Wählerstimmen verzweifelt buhlende Partei!

  16. 12.

    Mobbing/Bullying ist leider seit jeher Bestandteil so ziemlich aller Gruppen.
    Und ich bezweifle sehr, dass sich das auch nur vorübergehend ändern lässt, wenn die einzig erlaubte Reaktion daraus aus Gesprächen besteht.
    Der Mensch ansich ist kein verirrtes Schaf, das nur auf den richtigen Weg geführt werden muss.
    Taten erfordern Konsequenzen.
    Und schlimme Taten erfordern harte Konsequenzen.
    Wer also diesbezüglich (nach EINEM entsprechenden Gespräch) keine Besserung zeigt: Schulrauswurf!

  17. 11.

    "Dies hätten zahlreiche Gespräche ..." - Würde auch nur ein Fiesling seine Schuld zugeben?

  18. 10.

    Ich bin für eine anonyme Studie bei Schülern und Lehrern parallel. Außerdem wüsste ich gern, welchen Handlungsrahmen Lehrer heute noch zur Verfügung haben, da mir Fälle bekannt sind, zu denen die Lehrer sich nicht mal äußern durften, nur die Schulleitung.

  19. 9.

    Die Frau wird es nie schnallen: Problemverwaltung hilft schon seit Jahren nicht. Die Schüler müssten vor Ort vom Schulpersonal in Schutz genommen werden, passiert nicht. "Gesprächsrunden" Erwachsener nutzen da einem Kind gar nichts, reine Problemverwaltung. An Sozialarbeiter oder die Polizei kann man das auch nicht delegieren. Beim nächsten Fall heißt es dann, leider waren gerade weder Polizei und kein Sozialarbeiter vor Ort, wenn die Schulleitung nichts macht. Die Polizei ist überhaupt nicht handlungsbefugt ggü. Kindern in der Schule, das ist das Schulpersonal.

  20. 8.

    Das Grundproblem bei den Meisten geht zu Hause los, das sehe ich auch so. Leider ist der Trend, immer mehr den Institutionen die Bildung und Erziehung der eigenen Kinder zu überlassen, immer deutlicher erkennbar. Kinder werden schon unter 1 Jahr in Krippen gesteckt, oft auch von Eltern, die nicht arbeiten gehen. Und sind teilweise jahrelang nur kurz abends und an den Wochenenden bei ihren Eltern. Das muss schief gehen. Darauf sind weder Kitas noch Schulen ausgelegt. Der Erziehungs- und Bildungsauftrag obliegt immer noch den Eltern. Und dann wundern wir uns, dass immer weniger Kinder Sozialkompetenz entwickeln und immer mehr am Rad drehen. Dazu gehört dann häufig auch Mobbing und Gewalt.

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