Symbolbild: Ein Teilnehmer stimmt ab bei der Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg. Fast alle im Landtag vertretenen Parteien in Brandenburg haben im vergangenen Jahr Mitglieder gewonnen - am meisten die Grünen. (Quelle: dpa/Soeder)
Bild: dpa/Soeder

Parteien in Berlin und Brandenburg - Grüne gewinnen besonders viele neue Mitglieder

Der Aufstieg der AfD und die Konflikte innerhalb der Großen Koalition scheinen die Menschen zu politisieren. Fast alle der größeren Parteien haben 2018 neue Mitglieder hinzugewonnen. Ganz vorne liegen die Grünen - auch in Berlin und Brandenburg.

Bei den absoluten Zahlen kann von Augenhöhe noch keine Rede sein, doch was den Zulauf neuer Mitglieder betrifft, liegen Bündnis90/Die Grünen im Vergleich mit den anderen Parteien ganz klar vorn - nicht nur bundesweit, sondern auch in Berlin und Brandenburg. Das geht aus den aktuellen Mitgliederzahlen hervor, die rbb|24 am Montag bei den Parteien in Erfahrung gebracht hat.

Fast 30 Prozent mehr Grüne in Brandenburg

Demnach haben die Grünen in Berlin im vergangenen Jahr fast ein Viertel an zahlenden Mitgliedern hinzugewonnen: Von Ende 2017 bis Ende 2018 stieg ihre Zahl von 5.909 um 1.429 auf 7.338 - ein sattes Plus von 24,18 Prozent. Noch stärker, jedenfalls prozentual betrachtet, fiel der Mitgliederzuwachs im brandenburgischen Landesverband aus: Ein Plus von 316 Parteimitgliedern auf nunmehr 1.435 bedeutet einen Anstieg von 28,24 Prozent.

Dabei liegen die Zahlen für Berlin und Brandenburg noch über dem bundesweiten Trend: Über alle 16 Bundesländer hinweg hatten die Grünen Ende des Jahres 75.311 Mitglieder, ein Plus von 15,75 Prozent. Dabei sind die größten Zuwächse in den neuen Ländern zu verzeichnen.
 

Auch AfD legt bei Mitgliederzahlen deutlich zu

Einen deutlichen Zuwachs konnte im vergangenen Jahr auch die AfD verzeichnen: In Berlin steigerte sie ihre Mitgliederzahl um 17 Prozent auf 1.504 Mitglieder, in Brandenburg fiel der Zuwachs mit sieben Prozent (von 1.500 auf 1.600 Mitglieder) geringer aus.

Auch die größeren Parteien, noch bis vor wenigen Jahren in der Regel als "Volksparteien" bezeichnet, konnten leichte Zuwächse verbuchen: So stieg die Zahl der "Genossen" bei der SPD in Berlin im Jahr 2018 um 4,2 Prozent auf 20.096. In Brandenburg hatten Ende des Jahres 6.362 Menschen ein SPD-Parteibuch, rund acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mit einem Plus von 0,75 Prozent konnte sich auch die Brandenburger CDU über mehr Mitglieder freuen (aktuell sind es 5.846). In Berlin war die Zahl der CDU-Mitglieder auf 12.238 leicht rückläufig (minus 0,1 Prozent).

Linke dagegen kämpfen mit rückläufigen Zahlen

Weiterhin Probleme hat die Linke: Als einzige der großen Parteien hatte sie sowohl in Brandenburg als auch in Berlin Ende 2018 weniger Mitglieder als ein Jahr zuvor: In der Mark ging ihre Zahl auf 5.802 zurück (minus vier Prozent), in Berlin auf 7.861 (minus 1,3 Prozent).

Einen leichten Anstieg verzeichneten dagegen die Liberalen, jedenfalls in der Hauptstadt: Dort stieg die FDP-Mitgliederzahl auf 3.344 (plus vier Prozent); die FDP Brandenburg legte bei den Mitgliedern um 3,8 Prozent zu. Einen deutlichen Anstieg meldeten auch die Freien Wähler, die nur in Brandenburg vertreten sind: ihre Mitgliederzahl liegt aktuell bei 780, elf Prozent mehr als Ende 2017.

Sendung: Abendschau, 25.02.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Die FDP hatte eher Probleme damit, dass Grüne und CSU sich nicht einigen konnten, die CDU nicht mit der CSU klarkam und somit jegliche Koalitionsvereinbarung so weich gewesen wäre, dass damit ein souveränes Regieren erschwert worden wäre. Die CDU/CSU haben erst nach Abgang Merkels und Seehofers wieder eine gute Basis. Wobei Grüne und CSU immer Probleme miteinander haben werden.

  2. 19.

    Sehe ich gerade bei den geplatzten Verhandlungen zu Jamaika anders, denn die FDP ist doch gerade deshalb ausgestiegen, was ich denen hoch anrechne, obwohl es danach reichlich Schelte von vielen Seiten gab. Die Grünen schaffen es allerdings sehr gut, Kompromissbereitschaft zu zeigen, sie gleichzeitig aber nicht zu leben. Meine persönliche Meinung.

  3. 18.

    Linder hat bekanntlich vor den ständigen neuen Forderungen der Grünen, die sie nach seinen Aussagen untereinander auch nicht gut abgestimmt hatten, am Ende einfach resigniert. Merkel fiel durch passive Moderation auf. Wer hier Lindner als Schuldigen hinstellt, möchte "Haltet den Dieb" probieren bzw. einen Schuldenbock für eine Chaostruppe konstruieren.
    Sie haben wahrscheinlich auch vergessen, wie qualvoll langsam/stagnierend diese "Verhandlungen" abgelaufen sind?

  4. 17.

    Das sehe ich aber ganz anders! Wenn man sich mal an die Jamaika-Verhandlungen erinnert, die auch noch gar nicht so lange her sind, dann war ich doch recht erstaunt, wie kompromissfähig die Grünen geworden sind. Natürlich hat man Ziele, die man umsetzen will und bei den Grünen habe ich eine konsensgerichtete Verhandlung wahrgenommen. Woran dieses Verhandlungen gescheitert sind (man erinnere sich an einen Christian L. von der FDP) ist ja wohl allen bekannt.

    An den Grünen und der von Ihnen unterstellten Nichtabweichung von Maximalforderungen hat das nicht gelegen!

  5. 16.

    Die Grünen werden vor allem medial großgeschrieben, der künftige GroKo-Partner wg. SPD-Abflug, hat AKK ja gerade verkündet. Dafür würde sie heftig kritisiert. Grüne stellen hier mit u. a. totalitären Tendenzen ein Politikrisiko dar. Der Osten springt darauf zum Glück nicht an. Für eine echte ökol. Partei mit sinnvollen Konzepten wäre ich aufgeschlossen.

  6. 15.

    Ich würde persönlich die Grünen nicht wirklich als links bezeichnen. Zumindest nicht nach gängiger Definition. Die Grünen nehme ich nicht mal im Ansatz als Arbeiterpartei wahr, ganz im Gegenteil, werden gerade die kleinen Leute durch die unnachgiebige Politik der Grünen über Gebühr belastet. Die Grünen sind eine Wohlstandspartei. Leider lassen sich die großen Parteien von dieser Kleinpartei seit Jahren vor denen her treiben, sei es Kohleausstieg, Atomausstieg, undifferenzierte Asylpolitik, Deindustialisierung etc. pp. Echte Kompromisse sind mit den Grünen selten zu machen, die bestehen quasi immer auf der Maximalforderung und rücken keinen Millimeter davon ab. Bestes Beispiel ist hier die Nichtakzeptanz der demokratisch gefundenen Vorschläge der Kohlekommission. Wir wissen nicht, wie die betroffenen Regionen sich entwickeln sollen, wir wissen nicht woher der erforderliche Strom kommen soll, aber es wird gefordert um jeden Preis.

  7. 14.

    Steht doch alles im Text. Sie haben eine alte Zahl. Insgesamt sind die Grünen natürlich eine kleine Partei. Es geht jedoch um den Trend. Und die Entwicklung hin zur Volkspartei. Grün wird für immer mehr Menschen eine Wahlmöglichkeit.

  8. 13.

    So verschieden sind selbst die lebenden Menschen:
    Sie verorten die AfD weit rechts und die Grünen in der Mitte - ich sehe die AfD als konservativ und die Grünen als weit links an.

  9. 11.

    Aber der Zuwachs bei den Grünen zeigt doch das es eine Mitte gibt bzw. die Grünen sind der Beleg dafür dass man sich nicht an den Rändern sammeln muss.

    Und als Nicht-AfD-Wählern: Die AfD ist extrem rechts bzw. gewiss keine Heimat für die Mehrheit der Konservativen. Vielleicht was für Erzkonservative.

  10. 10.

    Müssen Sie hier unbedingt Wahlwerbung für die AfD betreiben? Sie können ja Ihre Meinung haben und äußern, aber Wahlwerbung muss nicht sein.

  11. 9.

    Eigentlich ist die Rechnung doch eine ganz simple:
    Wenn es keine Mitte mehr gibt, sammelt sich umso mehr an den Rändern.
    Kritische CDU-Wähler sollten sich daher ab und zu mal fragen, auf welcher Seite ihre Partei momentan eher zu finden ist.
    Allen anderen Nicht-AfD-Wählern empfehle ich gründliches Nachdenken darüber, ob es für sie überhaupt noch Konservatismus gibt und ob alles Nichtlinke tatsächlich unbedingt extrem rechts sein muss.
    Ein Aufstieg linker Parteien ist gerade für Berlin ziemlich absehbar.
    Leider.

  12. 8.

    Das ist zu kleinteilig gedacht. Die Landesregierungen haben es in der Hand, die Wirtschaft zu fördern. Unternehmen siedeln sich dort an, wo sie unterstützt werden. Sachsen zb ist weiter als andere neue Bundeslönder. Eine wirtschaftlichsfreundliche Landespolitik ist wichtig. Nur die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze.

  13. 7.

    Erinnert ein wenig an vergangene Zeiten. Viele woll(t)en mit dem Strom schwimmen und mittels Parteieintritt zu den vermeintlichen und von den Medien hochgespuschten Siegern gehören, ganz egal welche katastrophalen Folgen deren Politik hat(te). Man denke nur mal an die "glorreiche" Idee, Atom- und Kohlekraftwerke abschalten zu wollen.

  14. 6.

    Gibt dazu einen Wikipediaeintrag.
    https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen_Brandenburg

    Grüne 1300
    SPD 6700
    CDU 5792
    AFD 1333
    Linke 6212

  15. 5.

    Die DAX-Firmen sind dafür verantwortlich ? Soll Thyssen-Krupp von der Ruhr in die Mark Brandenburg umziehen ?

  16. 4.

    Es ist richtig, dass es viele Probleme gibt. Aber man muss auch mal sehen, dass wirtschaftlich gesehen ausser Berlin (und dem Speckgürtel) hunderte Kilometer erstmal gar nichts ist. Die nächste wirtschaftsstarke Region ist im Westen Wolfsburg und im Osten Warschau.

    Die unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Ost und West sind nicht zufällig zustande gekommen. Aber dafür sind die Bundesregierung und die DAX-Firmen verantwortlich. Die Landesregierungen können Hilfestellungen geben, aber die grosse Politik wird beim Bund und am Aktienmarkt entschieden.

  17. 2.

    Grüne/Linke u. Spdler machen nicht nur Berlin zur schönsten Stadt Deutschlands sondern auch Brandenburg. Berlin ist aktuell das beste Beispiel dafür. Brandenburg wählt Rot/Rot (Linke) und die Armut (Mindestlohn) sowie Perspektivlosigkeit setzen sich fort.

  18. 1.

    Die Grünen haben immernoch kaum Mitglieder in den neuen BL. Da kann von "kräftigem Zulegen" gar nicht die Rede sein, sondenr das sieht prozentual genau dann so aus, wenn bei geringen Zahlen noch ein paar Neumitglieder dazukommen. Bei 100 sind ganze 10 Neumitglieder schon 10% usw. Finde leider den Link mit aktuellen Mitgliederzahlen (nicht Prozentwerte) gerade nicht mehr, hat den jemand zur Hand?

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