Eine Informationstafel erinnert vor der Synagoge am Fraenkelufer an die Zerstörung der Synagoge in der Pogromnacht (Bild: imago/Thilo Rückeis)
Audio: Radioeins | 18.02.2019 | 9.20 Uhr | Bild: dpa/Maurizio Gambarini | Bild: imago/Thilo Rückeis

Bau am Fraenkelufer soll 2023 starten - Saleh nennt Zeitplan für Wiederaufbau der Synagoge

Die von den Nazis zerstörte und später abgerissene Synagoge am Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg soll in fünf Jahren wieder aufgebaut werden. Das hat Berlins SPD-Fraktionschef Raed Saleh im rbb angekündigt.  

Der geplante Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg soll in fünf Jahren starten. Er hoffe, dass sich in dem Jahr, in dem sich die Reichspogromnacht von 1938 zum 85. Mal jährt, also 2023, der Grundstein gelegt werden kann, sagte der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh am Montag im rbb.

Die veranschlagten Gesamtkosten von 30 Millionen Euro sollen nach den Vorstellungen von Saleh durch Spenden eingeworben werden. Zudem erhofft sich Saleh vom Land Berlin zwei Millionen Euro Starthilfe für die Planungskosten. Es wäre in Deutschland der erste komplette Wiederaufbau einer von den Nazis zerstörten und später abgerissenen Synagoge.

Archiv - Gideon Joffe (l-r), Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, und Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus in Berlin, zeigen am 15.03.2019 auf dem Hof der Synagoge am Fraenkelufer im Bezirk Kreuzberg in Berlin eine Bildtafel mit einem Entwurf zum Wiederaufbau der Synagoge. (Bild: dpa/Gregor Fischer)
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Gideon Joffe (li.) und Raed Saleh (SPD) zeigen den Entwurf für den Neubau | Bild: dpa/Gregor Fischer

Prominent besetztes Gremium soll das Projekt konzeptionell voranbringen

Saleh ist Initiator des Wiederaufbaus des einstmals größten jüdisch-orthodoxen Gotteshauses in Berlin. Im Sommer 2018 hatte sich dafür der Förderverein "Jüdisches Zentrum Synagoge Berlin e.V." gegründet. Am Montag traf sich das Kuratorium zur ersten Sitzung. Dem 20-köpfigen Gremium gehören unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), Linken-Politiker Gregor Gysi, Verlegerin Friede Springer, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, die ehemalige Piraten- und heutige Grünen-Politikerin Marina Weisband sowie der Chef der Alba Group, Eric Schweitzer, an. Die nächste Sitzung ist nach Angaben der SPD-Fraktion für Oktober geplant, danach soll das Kuratorium einmal pro Jahr zusammenkommen.

Das Kuratorium soll den Wiederaufbauprozess begleiten und unterstützen, sagte Saleh dem rbb. In einer Zeit, wo überall neue Schlösser aufgebaut würden und an Orte erinnert werde, die irgendwann mal in Deutschland relevant waren, müsse man auch an das jüdische Leben in Deutschland erinnern, das zwischen 1933 und 1945 einen Bruch durch die Nazis erlebt hat, sagte der SPD-Politiker auf Radioeins: "Jüdisches Leben ist Teil unserer Leitkultur. Wer Schlösser wiederaufbaut, muss auch Synagogen wiederaufbauen."

Auch in den Moscheen wird Geld gesammelt

Gerade die Synagoge am Fraenkelufer an der Grenze zwischen den Multikulti-Stadtteilen Kreuzberg und Neukölln sei als Ort des Dialoges zwischen den Religionen geeignet. Viele Moscheegemeinden hätten bereits angekündigt, nach den Freitagsgebeten dafür zu spenden, so Saleh.

Die zwischen 1913 und 1916 von dem Baumeister der Jüdischen Gemeinde, Alexander Beer, errichtete orthodoxe Synagoge wurde bei den Novemberpogromen vom 9. auf den 10. November 1938 schwer beschädigt. Nach weiteren Zerstörungen bis 1944 wurde der Sakralbau im Jahr 1958/59 abgerissen. Heute existiert nur noch ein Nebengebäude, das als konservative Synagoge genutzt wird.

Sendung: Radioeins, 18.02.2019, 9.20 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Hallo,

    das hoffe ich auch. Aber im Artikel steht leider auch, Zitat: "Zudem erhofft sich Saleh vom Land Berlin zwei Millionen Euro Starthilfe für die Planungskosten."
    Also ist doch der Steuerzahler, also wir Berliner, betroffen.
    Und außerdem wird es so wie immer werden: es kommen nicht genug Spenden zusammen und von der jüdischen Gemeinde ist auch nichts zu holen. Somit wird die Stadt den kompletten Bau aus Steuergeldern finanzieren.

    Warum muss man in der heutigen Zeit eigentlich alte Gebäude wieder aufbauen (Kirchen, Schlösser, etc.). Kann man das Geld und den vorhandenen Raum nicht sinnvoller nutzen?

  2. 4.

    Lieber Stephan, auch für einen Wiederaufbau braucht es einen Entwurf. Die aktuellen gesetzlichen Bau-Bestimmungen müssen ja auch berücksichtigt werden.

  3. 3.

    Auch die Synagoge in der Oranienburger Strasse wäre einem Wiederaufbau würdig.

  4. 2.

    Lieber RBB,
    eine kleine Verständnisfrage: unter dem Foto von den Herren Joffe und Saleh steht etwas von einem "Entwurf für den Neubau" - wie ich aber im Netz gesehen habe, existieren die Baupläne von Alexander Beer noch. Bedarf es denn für einen Wiederaufbau einen Entwurf?
    Viele Grüße!

  5. 1.

    Ich hoffe es geht mit einem reinen Spendenpool.
    Denn Staat und Kirche sind zu trennen.
    Das gleiche gilt natürlich auch für eine gewisse Potsdamer Kirche.

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