Eine Langhornbiene und eine Schwebfliege fliegen Natternkopfblüten an (Quelle: blickwinkel/A. Hartl)
Video: Brandenburg Aktuelle | 14.02.2019 | Birgit Raddatz | Bild: blickwinkel

Insektensterben in Brandenburg - Nabu und BUND wollen Bienen per Volksbegehren retten

Pestizide setzen Insekten ebenso zu wie ein Mangel an Lebensräumen. Umweltverbände wollen das ändern. Fast eine Million Bayern haben innerhalb weniger Tage ein entsprechendes Volksbegehren unterstützt. Auch Brandenburger sollen bald abstimmen. Von Oliver Noffke

Brandenburger Umweltschützer wollen ein Volksbegehren zur Erhaltung der Artenvielfalt von Insekten nach bayerischem Vorbild auf den Weg bringen. "Wir sind schon seit Längerem in der Vorbereitung", sagte Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des Nabu Brandenburg, rbb|24 auf Anfrage. "Nach den Osterferien soll es losgehen."

In Bayern endet am Mittwoch das zweiwöchige Volksbegehren "Artenvielfalt - rettet die Bienen". Laut den Initiatoren haben weitaus mehr Menschen daran teilgenommen, als die geforderten 950.000. Innerhalb von sechs Monaten soll nun in einem Volksentscheid über ein Gesetz abgestimmt werden, das unter anderem den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft deutlich einschränkt und mehr Lebensräume für Insekten vorsieht - wie etwa Blühwiesen an Feldern.

Vorbild: Volksbegehren zur Massentierhaltung

"Wir wollen und können das jetzt nicht direkt abkupfern", so Schmitz-Jersch. "Bei uns sieht das Naturschutzgesetz etwas anders aus als in Bayern und wir wollen noch andere Bereiche aufnehmen, wie etwa den Wasserschutz." Im Vordergrund der Brandenburger Initiative solle aber ebenso der Schutz von Insekten stehen. Nabu und BUND wollen dazu ein Gesetz vorschlagen, das mehr natürliche Lebensräume für Insekten festlegt und den Einsatz von Pestiziden beschränken soll. Auch der Gewässerschutz werde bei der Brandenburger Initiative eine Rolle spielen, sagte Schmitz-Jersch.

Zugleich gab sich der Brandenburger Nabu-Vorsitzende zuversichtlich, was den Erfolg dieser Initiative angeht. "Wir haben ja sehr erfolgreich das Volksbegehren gegen Massentierhaltung umgesetzt und wir glauen, dass wir auch mit diesem Thema die Brandenburger erreichen werden", sagte er.

Krankheiten, Futtermangel, Umweltgifte

Im Januar 2016 hatten mehr als 100.000 Brandenburger das Volksbegehren für einen verbesserten Tierschutz in der Fleischproduktion unterschrieben. Notwendig waren 80.000 Stimmen. Der Landtag stimmte daraufhin dafür, die Forderungen weitestgehend umzusetzen [externer Link], womit ein Volksentscheid nicht mehr notwendig war.

In Deutschland, aber auch in anderen Ländern, beklagen Forscher und Imker seit Jahren ein Insektensterben. Laut dem BUND sind von den mehr als 550 Wildbienenarten, die es in Deutschland einmal gab, inzwischen die Hälfte bedroht oder bereits ausgestorben. Das Land Brandenburg veröffentlichte zuletzt im Jahr 2000 eine Rote Liste der Bienen [externer Link]. Damals galten 147 von 383 gezählten Arten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Neben Krankheiten und mangelndem Futterangebot durch Monokulturen in der Landwirtschaft gelten verschiedene Gifte als Ursache.

Redaktionshinweis: Da es vermehrt zu Fragen bezüglich der Anzahl gefährdeter Bienenarten kam, wurde die entsprechende Stelle im Text noch einmal präzisiert.

Sendung: Inforadio, 13.02.2019, 13.25 Uhr

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

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Antwort auf [GG] vom 14.02.2019 um 16:11
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27 Kommentare

  1. 27.

    @G.M. Sie werden doch wohl in der Lage sein, Ihre aus freien Stücken getane Behauptung zu belegen - oder?

  2. 26.

    Der Einwurf, der von den ominösen Imkern handelte und nicht belegbar ist, soll wohl gewichtig klingen. Naja.

  3. 25.

    Grüne Inseln inmitten unnatürlicher Umgebung helfen nicht.
    Der Feldrand bringt es nicht, Insekten fliegen auch weit, brauchen weite natürl. flächen.

  4. 23.

    Keine Sorge, in Japan wird schon seit längerem daran gearbeitet, Drohnen als Ersatz zu entwickeln. Der Mensch ist erfinderisch,

  5. 22.

    Wenn ich die Überschrift lese, steigt schon mein Blutdruck. Es geht doch nicht darum, ein paar Bienchen zu retten! Wenn die Insekten zugrunde, sind auch wir dran. Ganz einfach.

  6. 20.

    Nein. Und es gibt einen Gesetzesentwurf. Söder will ihn ergänzen. Bayern-Bashing klappt nicht immer. Tut mir leid für Sie. Da unten wird vieles pragmatischer gelöst als Sie denken.

  7. 19.

    Das meinen Sie ironisch, oder?
    Von alleine macht Söder gar nichts. Er ist jetzt extrem in der Zwickmühle und muss rasch einen eigenen Gesetzentwurf vorlegen, den der Bauernverband akzeptiert; der wird aber natürlich weit hinter die Forderungen des Volksbegehrens zurückfallen. Und zwischen diesen beiden Gesetzentwürfen dürfen die Bürger dann wahrscheinlich im Herbst entscheiden. Das gute an der Sache ist, dass bis dahin intensiv und im Detail diskutiert werden wird und dass der Bauernverband seine Blockadehaltung aufgeben muss.

  8. 18.

    @ Thomas: "Nicht nur Unterschreiben sondern selber Handeln. Blühwiesen anlegen und nicht nur Rasen und Ziersträucher anpflanzen." - Das mache ich seit zwei Jahren (Samenmischungen gab's beim Lebensmittel-Filialisten). Es blüht schön und mit Gießen lange - vermehrte aber die Insekten nicht. Dazu muss auf "höherer Ebene" unbedingt eine Änderung in Gang gesetzt werden.

  9. 17.

    @ G.M. "... dass ein dt. Grüner als Abgeordneter letztes Jahr in der EU ..." Bitte nennen Sie "Ross und Reiter", damit frau/man wissen kann, wovon Sie genau schreiben. Dankeschön.

  10. 16.

    @G.M. "Da sagen die Imker etwas anderes, schon jahrelang." Bitte genauer und am besten mit Beleg/Quelle: WAS sagen "die Imker" anderes? Dankeschön.

  11. 15.

    Zunächst war ich verwundert, warum hier im Winter vergleichsweise wenige Vögel an der Futterstelle zu sehen waren und die Nistkästen nur vereinzelt benutzt werden. Später fiel mir auf, dass auf der Windschutzscheibe des Autos viel, viel weniger Insektenleichen zu entfernen waren - Insektensterben war schon! Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs bei uns. An Stellen auf dem Land, wo ich früh morgens dem Fuchs, Rebhühnern und Fasanen begegnete, finde ich seit ein paar Jahren nichts dergleichen mehr!

    Einen großer Mangel verursachen mMn die riesigen Flächen mit Monokulturen mit zu geringer Abwechslung, Vielfalt und ohne große naturwüchsige Wiesen.

    Es wird Zeit, dass die Landwirtschaftspolitik ihre Subventionen, mit deren Hilfe sie u.a. Lebensmittelproduktion in anderen Ländern sabotiert und Menschengenerationen das Fliehen nahelegt, zweck- und erfolgsabhängig im Sinne der Förderung der hiesigen Vielfalt und Fülle neu gewichtet! Viel Erfolg dem brandenburgischen Volksbegehren!

  12. 13.

    Wie konnte es passieren, dass ein dt. Grüner als Abgeordneter letztes Jahr in der EU pro Glyphosatanwendung gestimmt hat? Sollte das das Bienensterben befördern?

  13. 12.

    Nicht nur Unterschreiben sondern selber Handeln. Blühwiesen anlegen und nicht nur Rasen und Ziersträucher anpflanzen.

  14. 11.

    Mir war der Verlust der Artenvielfalt gar nicht so bewusst, dabei war ich seit Kindesbeinen immer sehr viel in der Natur. Der Prozess war einfach zu schleichend.
    Den Sommer verbringe ich teilweise ihn Lettland, dortige Insektenvielfalt auf den aus Kostengründen unbehandelten Wiesen, Feldrainen und Feldern hatten wir früher in der ehemaligen DDR auch.

  15. 10.

    Danke Frau Oberlehrer. Für Trump gibt es auch keinen Klimawandel und für Frau Glöckner tut Schweine kastrieren ohne Betäubung nicht weh.

  16. 9.

    Danke für den Link, informative 8 Seiten. "Gegenwärtig wird in Bayern ein dramatischer Artenverlust verschiedenster Gruppen von Tieren und Pflanzen festgestellt. Gerade der drastische Rückgang der Artenvielfalt bei den Insekten, insbesondere den Bienen und Schmetterlingen, den Amphibien, den Reptilien, den Fischen, den Vögeln und den Wildkräutern ist durch einschlägige Untersuchungen eindeutig nachgewiesen. Ursächlich hierfür sind der übermäßige Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie die strukturelle Verarmung der Landschaft. Jede verlorene Art und jeder gestörte Lebensraum ist nicht nur ein Verlust an Stabilität des natürlichen Lebensgefüges, sondern auch ein Verlust an Schönheit der bayerischen Heimat und eine Beeinträchtigung der Lebensqualität der Menschen. ... Dabei stehen die Bienen stellvertretend für tausende von bedrohten Arten. In einer Landschaft, in der Wildbienen zu Hause sind, fühlen sich auch Rebhuhn, Feldhase und Ameisenbläuling wohl, Kammmolch, Ringelnatter..."

  17. 8.

    Sie machen es sich zu einfach. Einmal schreiben sie von Honigbienen und einmal von Wildbienen. Das ist ein großer Unterschied. Der Bestand der Wildbienen und Insekten, wie z.B. Hummeln, ist stark gefährdet. Der Bestand der Honigbienen kann durch Züchtung noch stabil gehalten werden. Aber auch die Honigbienen sind durch die Varroamilbe und durch Pestizide in der Landwirtschaft gefährdet. Wenn wir die negative Entwicklung verleugnen und nicht gegensteuern, vernichten wir den Lebensraum zukünftiger Generationen.

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