Jörg Schönbohm (CDU) sitzt als Ehrenvorsitzender der CDU Brandenburg am 23.11.2018 dem 33. Landesparteitag der Brandenburger CDU bei. (Bild: dpa/Ralf Hirschberger)
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Video: rbb | 08.02.2019 | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

CDU-Politiker im Alter von 81 Jahren gestorben - Brandenburgs Ex-Innenminister Jörg Schönbohm ist tot

Jörg Schönbohm machte erst bei der Bundeswehr Karriere, bevor er in die Politik wechselte. Das prägte ihn. Und er prägte lange Jahre die Politik - nicht nur in Berlin und Brandenburg. Nun ist er im Alter von 81 Jahren gestorben.

Der CDU-Politiker und frühere Innenminister von Brandenburg, Jörg Schönbohm, ist tot. Er sei in der vergangenen Nacht im Alter von 81 Jahren gestorben, teilte die Brandenburger CDU mit und bestätigte einen Bericht von radio B2.

Schönbohm war von 1996 bis 1998 Berliner Innensenator, erst zwei Jahre zuvor war er in die CDU eingetreten. Danach wurde er CDU-Landeschef in Brandenburg und war von 1999 bis 2009 Innenminister Brandenburgs. Der Politiker lebte in Kleinmachnow (Kreis Potsdam-Mittelmark). Im Jahr 2012 hatte Schönbohm einen Schlaganfall und litt später an den Folgen.

Schönbohm war gegen die Aufgabe der Wehrpflicht

In der CDU gehörte Schönbohm zu den Kritikern der Kanzlerin und früheren Parteichefin Angela Merkel. So kritisierte er Merkels Führungsstil und dass sie ihren eigenen Weg als "alternativlos" kennzeichnete. "Das Verkünden von alternativlosen Entscheidungen kann eine Partei höchstens in Not- oder Krisenfällen akzeptieren", sagte Schönbohm. Für ihn war die Aufgabe der Wehrpflicht eine unüberlegte Entscheidung. Für manche blieb Jörg Schönbohm auch aufgrund solcher Positionen immer "der General".

Zu seinen Erfolgen in Brandenburg zählt eine Gemeindereform in Brandenburg, durch die sich die Zahl der Gemeinden im Land von 1.479 auf 420, und die Zahl der Ämter von 152 auf 54 verringerten. Auch die Polizei stärkte Schönbohm - was Beamte noch Jahre später wohlwollend bemerken. Die CDU in Brandenburg würdigte Schönbohm mit dem Ehrenvorsitz der Partei. Verheiratet war Schönbohm seit 1959, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Archivbild: General Jörg Schönbohm (links, Befehlshaber Bundeswehrkommando Ost) spricht am 02.04.1991 mit Bundeswehrsoldaten in der Heeresunteroffizierschule Delitzsch. (Bild: imago/Werner Schulze)
| Bild: imago-Archivbild/Werner Schulze

Auflösung der NVA und Abzug der russischen Streitkräfte

Schönbohm wurde 1937 in Neu-Golm (Landkreis Oder-Spree geboren), verließ Brandenburg aber noch als Kind. Er machte 1957 das Abitur in Kassel und legte vor seinem Einstieg in die Politik eine steile Karriere beim Militär hin. In den 1980er Jahren arbeitete Schönbohm unter anderem als Leiter des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium in Bonn. 1991 wurde er zum Inspekteur des Heeres ernannt, 1992 wechselte er als Staatssektretär ins Verteidigungsmininsterium. Dort blieb er bis 1996.

1990 wurde er zum Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost in Strausberg ernannt. Dort war er verantwortlich für die Auflösung der 90.000 Mann starken Nationalen Volksarmee (NVA) der früheren DDR, der Eingliederung von rund 3.000 ehemaligen NVA-Offizieren in die Bundeswehr sowie der (teilweisen) Verschrottung des NVA-Kriegsgeräts. Außerdem war Schönbohm nach der Wende für den Abzug der russischen Streitkräfte zuständig. 

Sondersendung: Ab 22 Uhr sendet das rbb-Fernsehen den 15-minütigen Nachruf "Jörg Schönbohm - Ein General in der Politik"

  • Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD)

  • Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben

  • Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD)

  • Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD)

  • Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD)

  • Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD)

  • Brandenburgs Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD)

  • Berlins CDU-Vorsitzender Burkard Dregger

  • Linken-Geschäftsführer im Brandenburger Landtag Thomas Domres

  • Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische-Oberlausitz

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Das ist doch Ihr gutes Recht, deshalb verstehe ich Ihre Bemerkung mit dem Aufschrei nicht.
    Verordnete Staatstrauer und abverlangte Beileidsbekundungen sind mehr in "anders" ausgerichteten Staaten zu beobachten. Was hier passiert sind Bemerkungen über Nähe und Distanz zur Person Jörg Schöhbohm, angesichts der Tatsache, dass an dessen Verhalten nichts mehr dazukommen kann.



  2. 9.

    Auch wenn ich jetzt einen Empörungsschrei auslösen werde, meine Betroffenheit hält sich in recht engen Grenzen!

  3. 6.

    Regine Hildebrandt mit Jörg Schönbohm in einen Atemzug zu nennen ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die wie Regine mit Leib und Leben für soziale Gerchtigkeit gekämpft haben. Schämen Sie sich denn gar nicht?!

  4. 5.

    Genau,seine Worte waren :" Ich bin für Recht und Ordnung .....nicht für Unrecht und Unordnung.....
    Er war wirklich ein fähiger und resoluter Innensenator .

  5. 4.

    Ein eigener Charakterkopf war er gewiss und authentisch auf ganz eigene Weise. Als seine Partei, die CDU, Lothar Bisky nicht als Bundestags-Vizepräsidenten akzeptieren wollte, weil der behaupteterweise als IM gelte, verteidigte Schönbohm ihn und das völlig zu recht. Fast mit als einziger in der CDU. Bisky hatte er im brandenburgischen Landtag kennen- und schätzengelernt.

    Allerdings hielt ihn das nicht ganz von eigener Verstocktheit ab: Als in Cottbus eine Zählgemeinschaft zwischen CDU und Partei Die Linke aus der Taufe gehoben wurde, rieb er sich verwundert die Augen und versuchte völlig irreal, im ganzen Land genau solches zu verhindern. Entgegen seiner eigener Erfahrungen mit Bisky, die ihm eigentlich anderes hätte nahelegen können. Kommunalpolitisch sind alle Konstellationen möglich. Gleich von dem, was "diejenigen im Land" sagen. Weil es eben keine Koalitionen gibt ...

  6. 3.

    Der letzte fähige Innensenator in Berlin.

  7. 2.

    Solche Politiker mit Format fehlen uns heute. Was hatte Brandenburg doch Glück mit Regine Hildebrandt und Jörg Schönbohm! Ruhe in Frieden.

  8. 1.

    Mein aufrichtiges Mitgefühl. Ein Minister der wusste was er wollte. Leider haben wir heute zu wenig von solchen Menschen, gerade in diesen Positionen.

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