Hochbahnzug in Eberswalder Straße 2018-09-25, Berlin, Deutschland (Quelle: Imago/ Heinrich)
Audio: Inforadio | 01.02.2019 | Thorsten Gabriel und Oliver Soos | Bild: Imago/ Heinrich

Faktencheck - So will sich die BVG für die Zukunft fit machen

Zu wenig Personal, verspätete und veraltete Züge: In dieser Woche hat der rbb über die Mängel bei den Berliner Verkehrsbetrieben berichtet. Ob die Pläne der BVG und Chefin Sigrid Nikutta diese Defizite ausbessern können, schätzen Thorsten Gabriel und Oliver Soos ein.

Mehr Zuverlässigkeit bei der U-Bahn durch Fahrplanausdünnung

BVG-Chefin Sigrid Nikutta hatte am Mittwoch angekündigt, dass auf den Linien U6, U7 und U9 künftig ein Fünf-Minuten-Takt gelten soll. Das sei eine geeignete Methode, um mehr Züge als Reserve bereithalten zu können. Die Fahrgäste müssen 30 bis 40 Sekunden länger auf die nächste planmäßige Bahn warten – die soll dann aber wenigstens auch wirklich kommen.

"Ob ich einen 4,5-Minutentakt oder ein 5-Minuten-Takt fahre hat natürlich Auswirkungen, aber Stabilität ist das höchste Gut", sagt Nikutta.

Das kann funktionieren, auch wenn die Bahnen voller sind. Der Praxistest folgt ab nächster Woche.

Neue Züge für die U-Bahn

Rund 1.320 U-Bahn-Wagen hat die BVG zurzeit. Innerhalb von 14 Jahren sollen 1.740 neue beschafft werden. Die ersten sind bestellt, tröpfeln aber erstmal nur nach und nach in den laufenden Betrieb. Erst ab 2023 sollen es dann jedes Jahr fast 140 neue Wagen sein.

Das schafft Entlastung – allerdings nur, wenn es bis dahin auch gelingt, die Werkstatt- und Abstellflächen auszuweiten.

Neue Busspuren und Ampel-Vorrangschaltungen

Busse auf eigener Spur und grüne Welle für die großen Gelben an den Ampeln – so könnte es klappen mit der Pünktlichkeit auf der Straße. Die BVG-Chefin argumentiert: "In einem Bus der BVG sitzen bis zu 120 Fahrgäste. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass es sehr legitim ist, dass ein Bus so schneller durch die Stadt kommt als ein Pkw, in dem nur zwischen einer und drei Personen sitzen."

Dafür allerdings müssen die Busspuren auch wirklich eingerichtet werden, was ein langwieriger Prozess ist – und dann müssen sie auch frei sein. Zu oft noch sind sie für die Busse ein Hindernisparcour: Parkende Autos, die dort nicht stehen dürfen; Radler und Taxis, die zwar auf den Busspuren fahren dürfen, aber trotzdem stören.

Mehr Fahrpersonal auf Straße und Schiene

Über 1.000 neue Leute will die BVG allein diesem Jahr einstellen: Fahrerinnen und Fahrer, aber auch Fachkräfte in den Werkstätten. Sigrid Nikutta bekräftigt immer wieder, dass die Bewerbersituation "durchaus gut ist".

Wie man aber von anderer Stelle aus dem Unternehmen hört, hat sich die Personallage trotzdem eher verschlechtert gegenüber früheren Jahren. Denn die Konkurrenz ist groß: Die Deutsche Bahn sucht auch, zahlt besser und wirbt gnadenlos ab. Das bedeutet: Bei den laufenden Tarifverhandlungen für die BVG-Beschäftigten muss kräftig draufgepackt werden, um dagegen halten zu können.

Neue Busse - Elektro statt Diesel

Rot-Rot-Grün hat vorgelegt: In elf Jahren sollen die Dieselbusse von der Straße verschwunden sein – schrittweise will die BVG das umsetzen. Und dabei immer wieder gucken, ob es funktioniert: "In dieser Zeit bewerten wir genau, wie teuer und zuverlässig die Busse sind und wie groß ihre Reichweite ist, um dann ab 2030 nur noch Elektrobusse zu beschaffen", so Nikutta.

Auch die Infrastruktur muss stehen – also ausreichend Ladestationen und Werkstätten für die E-Busse. Die sind zwar geplant und gewünscht, aber was das Bauen angeht, mahlen die Behördenmühlen bekanntlich langsam.

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Beitrag von Thorsten Gabriel und Oliver Soos

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10 Kommentare

  1. 10.

    5-Minuten-Takt bei der U-Bahn??? Ist das euer Ernst, liebe BVG?
    In Moskau war schon zu Sowjet-Zeiten 90 Sekunden-Takt auf allen Zentralstrecken. Und es waren keine Sekunde mehr: wenn der Countdown angefangen bei "90" in 1,5 Min. bei "00" endete, fuhr Metro aus dem Tunnel. Und dabei wurde nicht Mal über die Pünktlichkeit gesprochen. Das ist normal. So muss das sein.

    Bei uns wird nur ständig über die Pünktlichkeit geredet und was haben wir? 5-Min.-Takt und eine ständig zu spät kommende S-Bahn? Das einzige, was daran gut ist, dass diese Peinlichkeit bisher nur wenige im Ausland merken.

    Natürlich wäre mein Vorschlag, Takte zu reduzieren, Züge zu verlängern (mehr Waggons), schnellere Türöffnungen (automatisch). Und all das natürlich nur auf den Strecken, wo es wirklich notwendig ist.

  2. 9.

    Alles nur Theorie,solange innerbetrieblich und personell (mehr Geld)nicht grundsätzlich was passiert,nützen die neuen Fahrzeuge nix....wer soll sie denn fahren,wenn das Personal wegläuft...

  3. 8.

    Es hat sich in den letzten Jahren doch nicht wirklich was geändert. Oder eben doch, zum Schlechteren. Frau Nikutta hat diesen Laden nicht im Griff. Unabhängig von allen Themen, die noch von außen einwirken.
    Früher habe ich mal Beschwerden geschrieben, aber augenscheinlich sind die immer im Sande verlaufen - i-wann resigniert man.
    Aber eine meiner uralten Aussagen hat weiter Bestand. Als vornehmlicher Busfahrgast büße ich, zumal wenn ich mehrfach unterwegs bin, jeden Tag zwischen 30 und 50 Minuten durch zu spät fahrende, dann vor allem auch durch VOR PLAN verkehrende Busse oder eben Komplettausfälle ein. Das ist im Jahr ein Arbeitsmonat! BVG, Ihr minimiert Lebensqualität! Und das nicht zu knapp!

  4. 7.

    Und das Personal sollte mal in Sachen Kundenservice geschult werden ;-)Nicht alles darf man mit der Berliner Schnauze rechtfertigen ...

  5. 6.

    Abschleppen wäre schön, wenn es konsequent durchgesetzt würde. 2018 wurden durchschnittlich in GANZ Berlin 15 PKW pro TAG umgesetzt ;) In Kreuzberg habe ich das noch NIE erlebt, obwohl ich regelmäßig mit dem Bus fahre, der immer - bei jeder Fahrt - durch Zweitereiheparker und Bushaltestellenparker behindert wird. Wer mir nicht glaubt kann gerne mal vom Kottbusser Tor zur Oranienstraße und diese hoch und runter laufen, um das mit eigenen Augen zu sehen: zugeparkte Bushaltestellen und Zweitereiheparker auf einspurigen Fahrbahnen (neben der durch Dauerparker blockierten - als Ladezone gekennzeichneten Fahrbahn in der Oranienstraße). Hier wären Busspuren besser mit kurzen Freigaben zum Be-/Entladen vor und nach dem Berufsverkehr (z.B. 6-7 und 18-19 Uhr).

  6. 5.

    Ich bin ein BVG-Busfahrer und ich sage es, die Lage bei der BVG ist katastrophal, die Busse sind alle schrott, jeder Bus hat mindestens eine Bemängelung, kein Personal, die Nikutta hat alles kaputt gemacht, wozu bist du Chefin ? um fast 400.000 Euro im Jahr zu verdienen?? was hast du für die BVg gemacht?, nix, alles ist viel schlimmer geworden, dich soll man sogar wegen untreue verklagen.Ich bin für eine sofortige Entlassung von Nikutta, gestern habe ich einen Bus wegen defekter Innenbeleuchtung gewechselt, der Rangierer gibt mir nen anderen Bus, nach 10 Min stelle ich fest, dass die Heizung defekt ist, und das bei diesem einskalten Wetter,also du wechselst einen defekten Bus mit einem defkten.Ist das nicht traurig??

  7. 4.

    Lächelin wenn kein fahrer da ist wozu braucht mann fahrzeuge

  8. 3.

    Busspuren sind ja schön...aber wenn sich darauf die Radfahrer gemütlich einen abstrampeln und der Bus im Schrittempo hinterher schleichen muss...bringts auch nix....und die Ampelschaltungen...da wird schon seit JAHREN drüber diskutiert.....funktioniert aber auch nicht so richtig....es geht ein paar Tage,dann brichts wieder zusammen,und man steht wieder an jeder Ampel..(Tram)...die unendliche Geschichte

  9. 2.

    Busspuren: Parkende Autos -> abschleppen; Radler und Taxis kann man, muss man aber nicht auf Busspuren zulassen. Jedenfalls da wo mehrere Buslinien sind oder eine dichte Taktfolge (etwa all 5 Minuten) besteht, sollte man darauf achten, dass der Busverkehr nicht behindert wird. Es sind einfach mehr Leute drin. Der wirtschaftliche Schaden bzw die Verschwendung von Zeit ist größer, wenn so ein Bus behindert wird. Etwa vom Amazon Lieferanten. Das ist dann wohl Sache des Ordnungsamtes, das hinreichend ausgestattet sein muss.

  10. 1.

    @rbb Warum ist das flächendeckende Einrichten von Busspuren "ein langwieriger Prozess"? Seit Jahren wird das immer wieder angekündigt. Ist der Vorrang für den ÖPNV nicht wirklich ernstgemeint? Keine Priorität? Zu wenig Planer?
    Wenn der Plan fertig ist, müssen nur Schilder aufgestellt und die Straßen markiert werden; das dauert nach Beauftragung maximal 3 Monate. Die BVG wäre gut beraten ihre Fahrer besser zu bezahlen und über den eigenen Bedarf (ggf. gegen Bezahlung!) auch für andere Betriebe Fahrerinnen auszubilden (oder vertraglich besser an sich zu binden).

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