Archivbild: Polizeieinsatz im Stadion FC Energie Cottbus vs. TSV 1860 Muenchen im Februar 2019. (Quelle: dpa/Weiland)
Audio: Inforadio | 26.02.2019 | Sebastian Schiller | Bild: dpa/Weiland

Rechtsradikale und Hooligans - Verfassungsschutz soll Wachschützer von Energie Cottbus prüfen

Rechtsradikale, Hooligans, Kampfsportler, dubiose Wachschützer: Im Umfeld von Energie Cottbus sei ein "toxisches Gebilde" entstanden, dem der Verfassungsschutz etwa 170 Personen zuordnet. Vor allem Verbindungen zu radikalen Fans sollen nun in den Fokus rücken.

Das Land Brandenburg will Cottbus im Kampf gegen eine rechtsextreme Mischszene im Umfeld von Energie Cottbus unterstützen. Dazu wurden am Dienstag Einzelheiten bei einem Gespräch vereinbart, an dem neben Vertretern von Innenministerium und Stadtverwaltung auch der Verfassungsschutz teilgenommen hat.

Verfassungsschutz bietet Unterstützung an

Als "toxisches Gebilde" bezeichnet der Verfassungsschutz ein rechtsextremes Netzwerk aus Hooligans, Kampfsportlern, Rockern und Leuten aus der Wachschutzbranche, welches in der Fanszene von Energie Cottbus und in der Stadt selbst an Einfluss gewinnt.

Konkret hat der Verfassungsschutz angeboten, Mitarbeiter von Wachschutzfirmen zu überprüfen, die für die Stadt und den Fußballdrittligisten Energie Cottbus im Einsatz sind.

Das Land beteiligt sich außerdem an der Finanzierung einer Beratungsstelle für Vielfalt und Toleranz, die der FC Energie im März ausschreiben will.

Ganz Südbrandenburg ist betroffen

"Das neuere Phänomen [...] sind die sogenannten Neuen Rechten, die also intelligenter daher kommen, strategischer daher kommen", sagte Frank Nürnberger, Leiter des Brandenburger Verfassungsschutzes. Diese Neuen Rechten würden den Schulterschluss zur Hooliganszene suchen "und auch gucken, wie sie ihre Aktivitäten auch finanziell unterstützt bekommen."

Stadt und Land vereinbarten außerdem regelmäßig über die Entwicklung der rechtsextremistischen Szene in Cottbus reden zu wollen. Sie besteht laut Verfassungsschutz derzeit aus etwa 170 Personen und ist - so wie bundesweit auch - in jüngster Vergangenheit professioneller und in Teilen intellektueller geworden.

Cottbus' Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) warnte während einer Kabinettsitzung der Landesregierung - die am Dienstag ebenfalls in der Stadt stattfand - vor einer Stigmatisierung von Cottbus wegen rechter Fanstrukturen. Nicht nur Cottbus habe damit ein Problem, sondern ganz Südbrandenburg. "Es wurmt mich, wenn immer wieder von Cottbus geschrieben wird." Und Ministerpräsident Dietmar Wodke (SPD) sagte im rbb: "Cottbus ist alles andere als rechtsextremistisch."

Bessere Zusammenarbeit zwischen Politik und Verein

Man nehme die Verantwortung jedoch wahr, so Kelch. Seit einem Jahr gebe es eine sehr enge Kooperation mit dem Dezernenten für Ordnung, Sicherheit, Umwelt und Bürgerservice, Thomas Bergner (CDU), und dem Stadtsportbund. Man wolle sich noch besser verzahnen und vernetzen, um gegen rechte Fanstrukturen vorzugehen. Allerdings sei für Kelch klar, dass das Jahre in Anspruch nehmen werde.

Ute Nonnemacher, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, begrüßte die Überprüfung der Energie-Wachschützer, sowie "dass der Verein mit finanzieller Unterstützung des Landes endlich in die Prävention einsteigt."

Sendung: Brandenburg aktuell, 26.02.2019, 19.30 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    "Diese Neuen Rechten würden den Schulterschluss zur Hooliganszene suchen "und auch gucken, wie sie ihre Aktivitäten auch finanziell unterstützt bekommen." (Frank Nürnberger, Leiter des Brandenburger Verfassungsschutzes)

    Ist doch notwendig, den Rattenfängern Informationen und Bildung im weitesten Sinne entgegenzusetzen. Beides erhöht u.a. die Wahlfreiheit, stärkt die Meinungsfindung.

    Seien Sie ganz beruhigt, es werden den Rattenfängern noch genug Einfältige hinterherlaufen.

  2. 8.

    Eine Beratungsstelle für Vielfalt und Toleranz ist keine Regierungspolitik. Es wäre ja sonst möglich in diesem Land eine Regierung zu installieren, die gegen Vielfalt und Toleranz ist. Das ist in unserem demokratischen Land natürlich völlig unmöglich und illegal. Der Versuch sie zu installieren gäbe jedem Bürger sogar das Recht zu aktivem Widerstand.
    Falls Sie sich ein Land wünschen in dem das möglich ist: Suchen Sie es sich. Vielleicht gibt es das irgendwo.
    Zum anderen wird der Breitensport mit nicht unerheblichen öffentlichen Mitteln gefördert. Und zwar explizit und immer um Vielfalt und Toleranz zu fördern. Mag sein das Ihnen das nicht geläufig ist. Ist aber so. Es steht Ihnen ja völlig frei sich mit Menschen in einer Gruppe zusammenzufinden in der jeder weder vielfältig noch tolerant ist. Solange Sie sonst niemanden damit nerven, was Sie so untereinander veranstalten - tun Sie es doch.

  3. 7.

    "Das Land beteiligt sich außerdem an der Finanzierung einer Beratungsstelle für Vielfalt und Toleranz, die der FC Energie im März ausschreiben will."
    Muss jetzt jeder in den Medien auftauchende Fußballverein AgitProp für irgendwelche Regierungspolitiken und -ideologien (und damit für die Regierungen) betreiben?

  4. 6.

    Haben Sie den gleichen Artikel gelesen wie ich? Energie läßt sich von Staat vereinnahmen? Weil der Verein gegen Rechte vorgehen soll? Es geht nicht um ein paar Konservative- sondern um Menschen die außerhalb des Grundgesetzes agieren.

  5. 5.

    Na dann schlage ich den 97% mal Transparente, Sprechgesänge, Parties, Fanartikel vor, in denen immer klar ist: Ihr Nazis seid die Minderheit und habt bei, oder gar für Energie Cottbus nichts zu melden.
    Statt notorisch Nestbeschmutzung zu vermuten und zu behaupten. Sowas tun ja nur Schwächlinge. Und Leute die nicht verstehen - das Spiel ist schon und immer verloren, wenn rechtes Pseudo-Fan-Gelichter im Namen des Vereins auftritt.
    Euer Ding Energie-Fans.

  6. 4.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Neben der aktuellen Berichterstattung bericht wir regelmäßig über die Spiele von Energie Cottbus mit Vorberichten und Spielberichten.

  7. 3.

    170 toxische Personen bei Energie? Bitte berichten Sie auch mal über die restlichen 97% der friedlichen Energiefans und über mehr sportliche Dinge bei Energie. Leider hat Cottbus keine Millionentruppe, deshalb spielen wir ja auch nur Liga 3, noch.
    Nur die BSG! Thomas

  8. 2.

    Dann tun Sie das. China. Sack. Reis. Hauptsache das rechte Gelichter um den Verein verschwindet. Das Sie deshalb beleidigt sind steckt die Welt weg.

  9. 1.

    Auf Wiedersehen Energie!
    Wenn sich der Verein bereit erklärt vom Staat für politisch Ziele vereinnahmen zu lassen, kann ich ihm nur noch den ideologisch korrekten Abstieg wünschen. Dann kann ich auch zu Hertha gehen und der Millionentruppe beim Geldverdienen zuschauen.

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