Bogenskulptur und die Bäume auf dem Mittelstreifen vor der Urania. (Quelle: dpa/Wolff)
Video: rbb|24 | 18.02.2019 | Stefan Oberwalleney | Bild: dpa/Wolff

Kunstwerk an der Urania ist schlecht zu sehen - Der Kunst im Weg: Acht gesunde Bäume sollen fallen

Um ein Kunstwerk vor der Urania besser sichtbar zu machen, werden möglicherweise in Tempelhof-Schöneberg mehrere alte Bäume gefällt. So zumindest der Plan dreier Parteien im Bezirk. Über ihren Antrag wird am Mittwoch entschieden.

Am Mittwoch soll sich in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Tempelhof-Schöneberg entscheiden, ob acht gesunde, mehrere Jahrzehnte alte Platanen der Säge zum Opfer fallen. Sie sollen weg, weil sie die Sicht auf das Kunstwerk "Arc de 124,5" versperren. Bernard Venet, der Künstler selbst, hat sich dafür eingesetzt. Die Grünen und andere Umweltverbände sind gegen die Abholzung der großen Bäume und hatten einen Antrag zum Erhalt der Bäume eingebracht. Sie halten "ad hoc Baumfällungen" für "planlosen Aktionismus".

SPD, CDU und FDP hingegen wollen dem Wunsch des Künstlers entsprechen und die Skulptur "angemessen präsentieren". Das Kunstwerk sei kaum einsehbar und seiner Wirkung "weitestgehend beraubt". Umsetzbar sei es nicht. Sie haben einen Ersatzantrag zur Fällung der Bäume eingereicht.

Am Mittwoch soll in der BVV Tempelhof-Schöneberg über das weitere Schicksal der Bäume entschieden werden, sagte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) rbb|24 am Dienstagvormittag. "Vermutlich wird der Ersetzungsantrag am Mittwoch angenommen," sagte Schöttler.  

Protest gegen Baumfällungen am Montagabend

Vertreter mehrerer Initiativen sowie Politiker protestierten am Montagabend gegen eine mögliche Abholzung der Platanen. Darunter war auch die Grünen-Politikerin Renate Künast, die den Erhalt der Bäume forderte. "Es ist verantwortungslos, in Zeiten der Klimakrise gesunde Bäume zur besseren Sichtbarkeit eines Kunstwerks zu fällen", so Künast im Gespräch mit rbb|24. "Wir brauchen mehr Bäume, wir brauchen mehr Artenvielfalt." Zu dem Protest aufgerufen hatten die Grünen von Tempelhof-Schöneberg sowie die Umweltverbände BUND und Nabu.

Zuvor war bekannt geworden, dass die betroffenen acht Bäume rund um die Skulptur "Arc de 124,5" noch im Februar gefällt werden könnten.  

Bisher hatte sich die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Tempelhof-Schöneberg gegen die Fällung der Bäume ausgesprochen. Wenn jetzt doch gefällt würde, will der Bezirk "unverzüglich", so steht es im Ersetzungsantrag von SPD, CDU und FDP, als Ersatz rund 20 neue Bäume pflanzen. Das kritisierte Christian Hönig, Fachreferent für Baumschutz beim BUND, gegenüber rbb|24. "Was wir jetzt bräuchten ist ein Fällstopp für alle gesunden Bäume in der Stadt. Und dann sollen sie uns die 20 Bäume nochmal oben drauf geben, Berlin braucht diese Bäume."

Bertram von Boxberg (Grüne), Vorsitzender im Kulturausschuss der BVV des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, warf den Fraktionen von SPD, CDU und FDP mit ihrem Vorstoß Fantasielosigkeit in Fragen der Kunst und Kultur vor. Die Bäume seien, heißt es von den Grünen, inzwischen längst zu einem Teil des Kunstwerks geworden. Schon 2012 sei eine Debatte über eine mögliche Fällung geführt worden. Damals allerdings hätte sich die Tempelhof-Schöneberger SPD noch für den Erhalt der Platanen stark gemacht.

Der Künstler hat mehrfach vorgesprochen

Das Kunstwerk von Bernar Venet auf dem Mittelstreifen vor der Urania, ein schwarzer Metallbogen, war der Stadt 1987 von Frankreich geschenkt worden. Die Platanen, die auf einer Verkehrsinsel stehen, verdecken das Kunstwerk zeitweise mit ihrem Laub.

Nach Angaben von Bezirksbürgermeisterin Schöttler hat der Künstler in den letzten Monaten mehrfach vorgesprochen und für die Fällung der Bäume plädiert. Auch bei einer großen Runde zwischen Französischer Botschaft, Urania, Senatskanzlei und Bezirk im Herbst vergangenen Jahres sei das der Fall gewesen, so Schöttler.

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66 Kommentare

  1. 66.

    Ich kann gar nicht an mich halten wegen des geplanten Unfugs und muss hier noch ergänzen: Die Fotos im Netz zeigen sämtlich einen guten Blick auf das Denkmal, dessen Form und Ausrichtung gar nicht besser geeignet sein könnte, mit den starken Bäumen zu harmonieren. Es schwingt sich unterhalb der Baumkronen entlang und wächst an je einem Punkt schräg in die Höhe, wie Äste eben auch, aber genau mittig zwischen der Allee der Bäume, sodass letztere nicht einmal bedrängt sind. Wer meint, der Bogen sei nicht wahrnehmbar, verdeckt oder vergessen, muss schon sehuntüchtig und vergesslich sein! Ich bin lange nicht dort vorbei gekommen, doch allein bei der Schlagzeile hatte ich sofort den Ort vor Augen und musste nicht überlegen, welche Skulptur gemeint ist. Dass die Bäume stören sollen, ist ein ganz böser Scherz und einfach nicht wahr. "Aussenpolitik" in der BVV zur Durchsetzung egoistischer Motive, unglaublich. Andere Werke des Künstlers will ich gar nicht mehr sehen. Egal, wie rennomiert. Nee.

  2. 65.

    Sehr geehte Damen und Herren,

    ich bin entsetzt, dass Natur und „Kunst“ nicht zusammen passen sollen. Ich empfehle dem Künstler sein absurdes Anliegen so schnell wie möglich zurückzunehmen, ansonsten muss ebend das Kunstwerk weichen. Unsere Volksvertreter sollten sich genz schnell daran erinnern, dass sie die Natur zu schützen haben. Gerade in einer Stadt wie Berlin. Das Wohl der Gemeinschaft geht auf jeden Fall vor.

  3. 64.

    Lieber Bernard Venet,

    stellen Sie sich Ihr Kunststück in ihren Garten. Wir brauchen Bäume und Luft, nicht Ego. Kunst dazu wäre schön, aber wenn sich's nicht verträgt, kann man nichts machen. Oder doch? Um Freundschaft geht es gar nicht.

  4. 63.

    da könnte man ja gleich noch den ganzen Tiergarten roden....dort stehen auch überall diverse Kunstwerke......

  5. 62.

    Es kann doch wohl nicht wahr sein, das für diesen verrosteten Stahlträger jahrzehntealte, kerngesunde Bäume fallen sollen. Wer will denn diesen Bogen sehen außer der Künstler selbst. Berlin braucht gesunde Bäume. Es werden schon viel zu viele sinnlos gefällt, nur weil es irgendjemanden stört.

  6. 59.

    Die Frau Schoeneberger Buegermeisterin braucht eben wieder Arbeit für ihr
    Kettensaegengeschwader. Die haben schon ganze Straßenzüge und Parks verschandelt wie gerade den Friedrich-Wilhelm-Platz.

  7. 58.

    Ich glaube, da würden wir uns missverstehen.
    Auf jeden Fall haben Sie sich mitnichten auf meine geäußerte Empfindung bezogen, dass in der Verbindung Bäume und Kunstwerk etwas gewaltig schiefgelaufen ist.

    Es gibt keine vierte Möglichkeit, in Ihrem geäußerten Sinne ggf. nur zwei:
    1. Achtung der Bäume mindestens in gleichem Ausmaß wie ein Kunstwerk oder 2., das wäre Ihr Ansinnen, Pflanzen von Bäumen unter Vorbehalt, soweit nichts Wichtigeres geplant ist.

  8. 57.

    Unfassbar, sollte dies geschehen.

  9. 56.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Bäume wachsen weiter, sicherlich auch höher. Das Kunstobjekt steht und wächst nicht. Völlig Schitzo, erst die Bäume abholzen, um dann wieder neue zu pflanzen.

  10. 55.

    Als das Kunstwerk dort hingestellt wurde, befanden sich dort keine Bäume. Irgendwann fühlte sich ein Grünflächenamt Gemüsegarten dort Bäume zu planen. Leider wurde versäumt, sie bei Zeiten zu beschneiden. Jetzt sind sie größten und vergessen, bis sich der Künstler dazu meldet.
    Also: Kettensäge ran und den ursprünglichen Zustand wieder hergestellt. Sicherlich unter Polizeischutz - das gibt die heutige RotRotGrüne Politik in der Stadt her.
    Sicher, der RotRotGrüne Senat hat versprochen, die Bäume anderen Ortes zu ersetzen - was man aber von den Plänen und Versprechen halten kann, sieht man Tagtäglich.

  11. 54.

    4. Einfach wie „früher“ (um in Ihrer Argumentation zu bleiben) und nicht solch einen Aufstand wegen 8 (!) Bäumen machen. Einfach fällen und neue (20) pflanzen. Wir machen immer ein Aufstand ...

  12. 53.

    Ohne der Nostalgie zu verfallen: Menschen vergangener Jahrhunderte waren offenbar besser als "wir" in der Lage, sich das Wachstum von Bäumen zu allen möglichen späteren Zeiten vorzustellen und dementsprechend Bauwerke und Bäume zuzuordnen. Das betrifft sowohl die Stammhöhe als auch die Ausbreitung der Kronen.

    Jetzt reiben sich alle die Augen:
    Entweder waren die "jahrzehntealten" Bäume zuerst da, dann ist das Kunstwerk reichlich unüberlegt und in Verkennung der Natur dort platziert worden oder das Kunstwerk "von 1987" war zuerst da und dann sind die Bäume zu dicht gepflanzt worden, dass sie das Kunstwerk zu späterer Zeit zudecken.

    Dreierlei Umgang damit:
    1. Das Kunstwerk war zuerst da und dann müssen leider die Bäume weg
    2. Die Bäume waren zuerst da und dann muss das Kunstwerk umgesetzt werden, oder
    3. Dass die Bäume das Kunstwerk zudecken, wird als Mahnmal heutiger Unfähigkeit begriffen und alles bleibt, wie es ist.

  13. 52.

    Weg mit den wenigen Bäumen. Werden ja neue gepflanzt. Viel Aufregung. Kunst ist wertvoll. Und der Bogen hat Charakter.

  14. 51.

    "Ein Eisbär in Bangladesch säuft wegen der AfD ab?"

    Höchstens wenn wer er vor lauter fremdschämen suizidale Absichten hegt. Nein, wegen der Erderwärmung, steht auch so da aber Lesen ist nicht jedermanns Sache.

    "Ich bin überzeugter AfD-Wähler, ..." Oh, das merkt man bei jedem ihrer Kommentare aber dennoch danke für die Warnung. Dann lag es evt. nicht am lesen, sondern eher daran.

    "Und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich will nachher noch ein wenig lustwandeln. Im Grünen. Mit Bäumen darin und verhältnismäßig sauberer Luft." Okay aber denken sie an meinen 2,5 t SUV mit extra nachgerüsteten Bangladescheisbären-, äh Quatsch Kuhfänger. Ganz nach dem Motto ihrer AfD: "Freie Fahrt für freie Bürger!" :-P

  15. 49.

    Falls das Ding aus Metall ist, gibt es im Westhafen eine große Firma, die bestimmt eine prima Verwendung dafür hat.

  16. 48.

    EINFACH STEHEN LASSEN ! Das Kunstobjekt und die Bäume ! Auch an anderen Stellen können Skulpturen, Installationen oder was auch immer es ist, mit grüner Umgebung koexistieren oder sich zu einem Ganzen fügen. Kunstwerke in Grünanlagen, Parks etc.
    Darüber hinaus: wenn das Objekt vor der Urania ein Geschenk (Frankreichs) sein soll, dann frage ich mich, mit welchem Recht der Urheber oder die französische Botschaft die Verwendung desselben und Gestaltung des Umfeldes diktieren dürfen.

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