Archivbild: Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin, spricht am 18.12.2018 mit Schülern des Oberstufenzentrums für Sozialwesen der Ruth-Cohn-Schule.(Bild: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Fritz | 08.02.2019 | Nothnagel | Bild: dpa-Archivbild/Britta Pedersen

Wegen Plagiatsverdachts - FU Berlin prüft Dissertation von Familienministerin Giffey

Die Freie Universität Berlin überprüft die Doktorarbeit von Familienministerin Giffey  - offenbar auf ihren eigenen Wunsch. Plagiatsjäger hatten Unregelmäßigkeiten festgestellt. Giffey selbst sagt, sie habe ihre Dissertation "nach bestem Wissen und Gewissen verfasst".

Wegen eines Plagiatsverdachts prüft die Freie Universität Berlin (FU) die Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey. Die SPD-Politikerin hat die Hochschule selbst um diese Prüfung gebeten, wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" am Freitag berichtet.

Die Universität erklärte, sie werde dieser Bitte nachkommen und "in Kürze ein entsprechendes Verfahren einleiten". Giffey wies ein bewusstes Plagiat zurück: "Ich habe diese Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst", sagte sie.

"Ein ernstzunehmender Fall"

Dem Bericht zufolge untersuchen die Plagiatsjäger der Webseite VroniPlag Giffeys Arbeit. Gefunden hätten sie zahlreiche wörtliche oder sinngemäße Textübernahmen, die nicht gekennzeichnet seien. "Nach meinem bisherigen Eindruck ist das ein ernstzunehmender Fall", sagte der Jurist und VroniPlag-Akteur Gerhard Dannemann dem Magazin. "Es scheint so, dass die Verfasserin an ziemlich vielen Stellen die Quellen nicht angegeben hat oder nur für einen Satz oder Absatz angegeben hat, während sie tatsächlich die Quelle über einen deutlich längere Zeiträume genutzt hat", sagte Dannemann dem rbb. Außerdem sehe es danach aus, als habe Giffey viele ihrer eigenen Quellenangaben nicht überprüft, sondern einfach aus anderen Quellen übernommen.  

Promotion in der Politikwissenschaft

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema "Europas Weg zum Bürger - Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft". Von 2015 bis zu ihrem Wechsel in die Bundesregierung 2018 war Giffey Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln. Giffey wurde 1978 in Frankfurt (Oder) geboren und wuchs im brandenburgischen Fürstenwalde auf. Neuköllns Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) holte sie 2002 als Europabeauftragte ins Neuköllner Rathaus.

Mehrere Politiker der Region verloren Doktortitel nach Plagiatsvorwürfen

Giffey ist nicht die Erste, die ins Visier der Plagiatssucher von "VroniPlag Wiki" gerät. Erst Anfang dieser Woche war dem Berliner CDU-Politiker und Bundestagsabgeordneten Frank Steffel der Doktorgrad entzogen worden. Die Internetplattform analysierte, dass 15 von 250 Seiten seiner Dissertation für Plagiate gehalten werden müssen. Die FU Berlin überprüfte daraufhin mehrere Monate lang den Vorwurf und entschied am Montag gegen Steffel.

Ende 2018 scheiterte die Potsdamer Honorarprofessorin Margarita Mathiopoulos in letzter Instanz vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) mit ihrer Klage gegen die Aberkennung ihres Doktortitels. 2012 hatte die Universität Bonn Mathiopoulos den Doktorgrad aberkannt, nachdem ihr 46 Prozent Plagiate in ihrer Arbeit von 1986 nachgewiesen worden sind.

Auch der Forster Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) musste 2015 seinen Doktortitel zurückgeben, ebenso 2013 die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU).  

Sendung: Inforadio, 08.02.2019, 14:20 Uhr

Kommentar

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36 Kommentare

  1. 36.

    Ich verstehe nur Bahnhof. Wie kann man mit Betrug einen Doktortitel bekommen. Da ist mir jeder normale Malocher 1000mal lieber als diese verlogenen Doktoranden. Und die Moral von der Geschicht: Mit fremden Federn schmückt man sich nicht. Sagte schon Phaedrus.

  2. 35.

    Zunächst ist einmal zu konstatieren, dass fast 200 Seiten einer „Dissertation“ als Literaturarbeit („Europas Weg zum Bürger“ – Was ist denn das für ein eigenartiges Thema?), ohne irgendwelche empirische und experimentelle Untersuchungen keine wissenschaftliche Leistung darstellt, sondern ein Konvolut! Wenn ich mich nur auf andere Texte stütze und diese quasi zusammenfasse, dann birgt dass immer automatisch (!) die Gefahr, dass ich Textpassagen der Arbeiten anderer Autoren übernehme und somit in der Konsequenz ein Plagiat daraus resultiert! Führe ich aber eine empirische Untersuchung, beispielsweise eine Studie zum Thema „Bildungsabschlüsse der Politiker im Deutschen Bundestag von 1970 bis zur Gegenwart“ durch, dann muss ich Daten erheben, aufbereiten, analysieren, synthetisieren und interpretieren (…). Damit muss ich mir schon automatisch selbst Textbausteine einfallen lassen und ich kann faktisch gar nicht plagiieren! Bei experimentellen arbeiten ist dies noch extremer:

  3. 34.

    Hier muss man die Problemlage, die Fragestellung, die Hypothesen, die experimentelle Methodik und die Ergebnisdarstellung und Analyse/Synthese der Ergebnisse formulieren (…) – so vermeidet man hundertprozentig Plagiate! (bis auf gewisse Ausnahmen). Und es entsteht eine völlig neue Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit – mit fundamentalem Erkenntnisgewinn. Anderseits: Die „wissenschaftlichen“ Arbeiten der Politologen in der Gegenwart erinnern ganz stark an vergangene Zeiten! Was soll da denn an Erkenntnisgewinn herauskommen, wenn ich Texte zusammenfasse? Und nun zum Zitieren! Fußnoten waren gestern – vor 100 oder 200 Jahren! Zitiert wird mit Name und Zeitpunkt im fortlaufenden Text (z.B. Müller, 2019), wenn ich einen Gedanken, eine Idee eines anderen zitiere. Im Literatur – bzw. im Quellenverzeichnis wird dann die Quelle präzise und komplett angegeben [z.B. Müller, M. (2019): Die Bildungsabschüsse der Politiker in Deutschland, Weber-Verlag, Stuttgart].

  4. 33.

    Was ich bei dem ganzen Prozedere aber nicht verstehe, ist, dass die UNI's, die die Prüfung abgenommen und den Doktortitel verliehen haben, nicht auch zur Rechenschaft gezogen werden. Die müssen doch im Vorhinein die Dissertationen gelesen und bewertet haben. Kann man das Vertrauen darauf noch aufrecht erhalten? Damit soll das Fehlverhalten der Doktoranden nicht abgeschwächt werden. Das ist überhaupt nicht die Frage. Aber der Doktortitel hätte eigentlich dann nicht vergeben werden dürfen.

  5. 32.

    Das stimmt so nicht, da hier sofort auffällt, dass die vielen Zitate so gut wie nie ausgewiesen werden. Die machen aber den größten Teil vom Text aus, da Frau Giffey nicht von ihren eigenen Gedanken sondern immerfort von anderen redet. Sie zählt einfach eine Sache nach der anderen auf, ohne die Literatur irgendwie anzubinden.

  6. 31.

    https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/778/DissOnlineFranziskaGiffeyFeb2010.pdf?sequence=1
    Das ist keine Dissertation. Frau Giffey zählt lediglich auf, was sie sich angelesen hat, aber kann Zitate nso gut wie nie benennen und außerdem keine eigenen neuen Gedanken zum Thema entwickeln. Das ist kein Wunder, dass hier Kritik an ihrem Schriftstück geübt wird.
    Ich schließe mich der Äußerung von Professor Rieble im TSP an.

  7. 30.

    Süddeutsche.de, Roland Preuß interviewt den "Plagiatsjäger" Robert Schmidt. Es wird alles erläutert, wie es dazu kam, welche Indizien es gibt usw. Alles gut nachvollziehbar und plausibel. Sieht nicht gut aus für Frau Giffey.

  8. 29.

    bei den heute Studierenden wird sehr genau geschaut. Dies war in der Vergangenheit nicht so. Einmal weil die Technik noch nicht so weit vorangeschritten war um Plagiate als diese zu erkennen und dann wurde auch nicht so sehr darauf geachtet. Wenn man mit dem heutigen technischen Standard alle Doktorarbeiten durchschauen würde, wären sich sehr sehr viele ihren Doktortitel los. Heute hat man das entsprechende Programm auf dem Computer und kann vergleichen. Ab wann gibt es Computer und ab wann Doktortitel? Bei Frau Giffey gab es schon PC und es hätte eine Überprüfung durch den Korrektor stattfinden können bzw müssen. Deswegen muss eine Arbeit auch immer in elektronischer und gebundener Form eingereicht werden. Hätte der Korrektor auf Plagiat geprüft wäre ggf. ein "Nicht bestanden" raus gekommen.

  9. 28.

    Wer studiert hat oder studierende Kinder hat, weiß, dass genau bei dieser Thematik ganz genau hingeschaut wird. Manchmal erst im Nachhinein, das ist dann dumm gelaufen. Mein Kind studiert auch am OSI und lacht sich grad schlapp über Frau Giffeys Erklärungsversuch. Auch wenn man ihr keinen Vorsatz unterstellen mag, aber genauso redet sich der typische Falschparker raus. „Hab das Schild nicht gesehen...“ ;-) Dann sollte vielleicht doch etwas mehr Zeit und Sorgfalt von solch aufstrebenden Leuten investiert werden, die Karriere rennt schon nicht davon, wenn die Kompetenz tatsächlich vorhanden ist. Schade wäre es schon um sie, aber sollte sich der Verdacht bestätigen, sollte sie zumindest dann vorbildlich handeln und den Hut nehmen.

  10. 27.

    Gut so, Plagiatsvorwürfe bewahrheiten sich meistens.
    Schade nur, dass das StGB nur für den Normalbürger in voller Härte gilt und nicht für prominente Betrüger.
    Diese Möchtegern-Eliten müssten alle Geldvorteile durch bisherige Überbezahlung auf Grundlage der Täuschung zurückzahlen bzw. enteignet werden, Pensions- oder Berufsansprüche müssten ebenso aberkannt werden.

  11. 26.

    Morgen gehe ich mal zu meinen Hausarzt und lasse mir erstmal nachweisen ob er tatsächlich seine Doktorarbeit selber geschrieben hat. Es sollen ja massenweise Betrüger unterwegs sein!

  12. 25.

    @Inge „Das muss Auswirkungen auf ihre politische Karriere haben, denn Betrug ist Betrug.“- Warten Sie doch bitte erst das Ergebnis ab. Wären Sie betroffen, wie möchten Sie dann behandelt werden?

  13. 24.

    D.h., Sie finden es nicht richtig, dass ein Betrug, ein Plagiat, nach Jahren aufgedeckt wird, weil...??? Es verjährt ist? Jahre später weniger schlimm ist? Schwamm drüber?

  14. 23.

    dazu:
    Frau Franziska Giffey ist meines Wissens nach nocht mit dem " goldenen Löffelim Mund geboren" worden---
    für mich immer noch ein Ding, egal bei wem, Doktorarbeiten nach vielen Jahren nachgeprüft werden.

  15. 22.

    Diese tollen Karrieretypen - egal ob männlich oder weiblich - die mit 30 Jahren parteilpolitische Karriere gemacht, eine Familie gegründet und nebenbei noch eine Doktorarbeit geschrieben haben, waren und sind mir absolut suspekt. Habe selbst eine solche Arbeit geschrieben und weiß was das heißt. Es ist extrem ungerecht, dass manche sich solch eine Arbeit kaufen kann, und darauf weist solch ein Plagiatsverdacht ja nun mal hin. Agenturen gibt es dafür reichlich. Das muss Auswirkungen auf ihre politische Karriere haben, denn Betrug ist Betrug.

  16. 21.

    Alle Studierenden lernen ab dem Beginn ihres Studiums, wie die Rahmenbedingungen sind,. Zitiert darf werden, aber in einem glasklar festgelegten Rahmen, ein unmißverständlich festgelegtes Procedere. Schon bei Bachelorarbeiten wird das Nichteinhalten dieser Kriterien sanktioniert. Bei Master-/Diplomarbeiten erst recht. Ein Doktortitel verspricht oft Ruhm und Ehre, zumindest ein wesentlich besseres Einkommen. Dem muß man/frau dann auch gerecht werden. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Das gilt auch für PolitikerInnen. Vielleicht gerade bei denen. "Aus Versehen" sich mit den (Doktor-)Federn anderer zu schmücken, geht nicht. Es täte mir um Frau Giffey leid, aber wenn dem so wäre, kann ihr als Politikerin nicht mehr vertraut werden.

  17. 20.

    Was mich zudem sehr ärgert ist, dass es unzählige junge Menschen gibt, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren sind und sich wirklich jahrelang ins Zeug legen, um ein Studium und Masterlehrgänge absolvieren zu können (Vollzeitstudium und Jobs, das ist locker eine 60-Stunden-Woche bei vielen), vielleicht sogar von einem Doktortitel gekrönt. Für die muss das ein Hohn sein, wieviele unserer führenden Politiker sich mit Titeln schmücken, die ihnen nicht zustehen. Und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Jeder Studierende kennt die gesetzlichen Bedingungen. Diese Mogelpackungen müssen zurücktreten. Egal aus welcher Partei. Tolle Vorbilder :-(

  18. 19.

    Sie irren sich. Es ist Ihnen wahrscheinlich nicht klar, was das alles für ein ungeheurer Auwand ist, der betrieben wird, um Prüfungen und Doktorarbeiten aller Studierenden zu lesen und zu prüfen. Da ist eine 100%ige Prüfung gar nicht möglich, zumal auch darauf vertraut werden kann und muß, dass nicht betrogen wird. Schuld ist derjenige, der betrügt, nicht derjenige, der den Betrug entdeckt! Wenn dann im Nachhinein diese Plagiatsfälle erkannt werden, ist es selbstverständlich, dass Doktortitel wieder entzogen werden, weil sie dem- oder derjenigen nicht zustehen. Ihr Kritikpunkt, dass Menschen, die hoch angesehen in der Öffentlichkeit stehen, damit diskreditiert werden, ist falsch. Sie sind hoch angesehen durch Schummel und Betrug. Dass das dann publik gemacht wird, ist völlig legitim. Es sind auch nicht „irgendwelche“ Leute, die das tun. Sondern hochangesehene Leute, die wahrhaftig ihre Position erarbeitet und verdient haben. Würden Sie gerne von einem Arzt ohne Approbation behandelt werden?

  19. 18.

    Um mal auf Ihre Frage einzugehen: Egal ob Doktorarbeit oder Diplomarbeit, diese wird und wurde sehr wohl geprüft. Dies allerdings auf den Inhalt, also auf Plausibilität des Geschriebenen, auf korrekte und nachvollziehbare Begründungen bzw. Ergebnisse. Dazu gehört auch die Prüfung, ob eigene Erkenntnisse und Folgerungen gezogen werden. Eine Arbeit, die nur aus Zitaten besteht, genügt diesen Anforderungen naturgemäß nicht. Dafür müssen dann freilich Zitate auch als solche gekennzeichnet sein. Es kann schon mal passieren, dass man einzelne Quellen, die man übernommen hat, nicht korrekt einzeln kennzeichnet. Ab einem gewissen Grad ist dies aber dann nicht mehr auf Fahrlässigkeit zurückzuführen. Dann fehlt entweder die nötige Sorgfalt oder es liegt gar Vorsatz vor. Dies wird auf Hinweise hin nachträglich geprüft, so wie hier auch.

    Ein Abgleich auf Zitate ist erst seit kurzem mit spezieller Software möglich. Ein Doktorvater hat diese Möglichkeit in aller Regel nicht zur Verfügung.

  20. 17.

    ... Selbst drum gebeten, nachdem sie mitbekommen hatte das man ihr auf die schliche gekommen war....

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