Mehrere hundert Menschen protestieren in Berlin Kreuzberg gegen den Neubau eines Hotel / Hostels an der Kreuzung Skalitzer Str. (Quelle: imago/Mang)
Video: Abendschau | 18.02.2019 | Sabrina Wendling | Bild: imago/Mang

Anwohnerproteste - Hotelkomplex am Kottbusser Tor wird doch nicht gebaut

Der geplante Hotelkomplex an der Skalitzer Straße in Kreuzberg ist vom Tisch. Stattdessen sollen laut Bezirk ein Bürogebäude und kleinere Ladeneinheiten entstehen. Nach dem "Google Campus" haben Anwohner somit das zweite Großprojekt in Kreuzberg verhindert.

Nach Protesten von Anwohnern wird an der Skalitzer Straße nahe dem Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg nun doch kein Hotelkomplex gebaut. Darauf haben sich Bezirk, Senat und Eigentümer verständigt.

Ursprünglich sollten dort ein Hotel, ein Hostel und große Einzelhandelsflächen entstehen. Geplant waren ein neunstöckiger Gebäudeteil mit 105 Zimmern und ein Zehngeschosser mit 148 Zimmern mit Einkaufszeilen und einem Supermarkt im Untergeschoss, Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss.

Jetzt soll die sogenannte "Kreuzberger Mischung" berücksichtigt werden. Das Konzept sehe nun vor, ein Bürogebäude mit kleineren Ladeneinheiten zu errichten, heißt es in einer Pressemitteilung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Die Eigentümer wollen demnach Unternehmen aus dem Bezirk und solche mit sozialer Ausrichtung bei der Vergabe bevorzugt behandeln.

Vor einer Woche hatten Anwohner gegen den Hotelkomplex protestiert. Sie befürchteten Massentourismus, steigende Mieten und zunehmende Verdrängung. Die Initiatoren forderten stattdessen "nützliche Dinge wie Kitas, soziale Zentren, Wohnungen", hieß es auf Facebook.

Anwohner bringen zweites Großprojekt zu Fall

Der Hotelkomplex ist bereits das zweite Großprojekt, das durch Anwohnerproteste verhindert wurde. Im vergangenen Herbst rückte der Internetkonzern Google letztlich von seinen Plänen ab, in Kreuzberg einen "Campus" für Startups eröffnen zu wollen. Stattdessen eröffnete das Unternehmen schließlich ein neues Büro im Gropius-Ensemble an der Museumsinsel.

Aus dem ehemaligen Umspannwerk am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg soll statt des "Google Campus" nun ein "Haus für soziales Engagement" werden. Einziehen sollen dort voraussichtlich im April die Onlinespendenplattform Betterplace und der Verein Karuna, der sich um Kinder und Jugendliche in Not kümmert.

Die Karte zeigt, wo der geplante Hotel-Komplex in der Mariannenstraße in Berlin-Kreuzberg entstehen soll (Bild: mappa/rbb|24)

Sendung: rbb 88.8, 18.02.2019, 8.30 Uhr

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Ach herrje, wieder jemand der alteingesessene Mieter einfach so verdrängen will aus ihrem angestammten Kiez. Wohin, in die Pampa, weit außerhalb der Stadt? Das Berlin und eben auch Kreuzberg sich rasant verändern, daran besteht kein Zweifel. Aber was momentan mit der Mietenexplosion in der Stadt stattfindet ist inhuman und überhaupt nicht nachvollziehbar. Die gesunde Mischung an Bevölkerungsschichten hat schon immer unser Stadtbild geprägt. Gerade soetwas macht doch den Reiz dieser Stadt aus. Deshalb kann ich diesen Protesten vieles abgewinnen. An der Stelle sollte Wohnraum entstehen. Bürokomplexe können auch am Stadtrand entstehen. So was kennt man schon aus anderen Metropolen, wo tagsüber die Menschen in die Innenstadt kommen um zu Arbeiten und am Abend herrscht leere und die Unterwelt führt dann das Zepter. Bitte nicht noch so eine ( langweilige) Stadt.

  2. 26.

    Ist ja auch ein Innenstadtbezirk. Kreuzberg war bis zum Mauerfall Außenbezirk. Die Entwicklung der Innenstadt geht nunmal anders als am Rand. Insofern siedeln sich dort jeweils unterschiedliche Gewerde an. Ich finde Verdrängung sozial schwächerer Mieter gut. Die Stadt braucht Geld und das kommt nur durch einkommensstärkere Schichten. Der ganze Sozialrummel bringt uns nicht weiter.

  3. 25.

    Laut Statitstik ist Friedrichshain-Kreuzberg schon jetzt der teuerste Bezirk bei Neuvermietungen. Mittlerweile haben auch die Durchschnittseonkommen der Fhn-Kreuzberger*innen das Niveau von Charlottenburg-Wilmersdorf erreicht.
    Der entwicklungsbedürftige Schmuddelkiez-Mythos ist genauso weltfremd wie der linke Wohlfühlkiez. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Bezirksbewohner*innen plötzlich reich geworden sind, es zeigt, dass die Bestandsmieter*innen unter einem enormen Verdrängungsdruck stehen.
    Und ich habe Verständnis dafür, dass Projekte, die Kreuzberg weiter so rasant verteuern, als wäre es Ku’damm und Grunewald in hip, von den meisten Bewohner*innen abgelehnt werden. Auch, wenn das für meinen Geschmack oft polemisch und rückwärtsgewandt geschieht.
    Und zu den Büros. Wenn Flächen knapp werden, steigen auch hier die Gewerbemieten. Darunter leiden nicht Google, Zalando oder Mc Kinsey, sondern Verbände undVereine werden es sein, die sich Räume nicht mehr leisten können.

  4. 24.

    Die Autos und die verstopften Autobahnen sind das Problem. 22:23 S-Bahn 41 zum Ostkreuz dort in die S7 umsteigen bis Ahrensfelde, Ankunft 23:04 Fahrtzeit 41 Minuten statt ihre 90 min mit dem Auto. Im Berufsverkehr 36 Minuten, dank 5 Minuten Takt. Im Westen fehlen nicht nur in vielen Neubaugebieten die S-Bahn und Strassenbahnanbindungen ;) Aus den östlichen Neubauvierteln bin ich in 15-30 Minuten am Alex.
    Wieso nicht am Stadtrand in der Stadt z.B. am S-Bahnhof Grunewald Neubauviertel errichten. Die sind sofort zentral angebunden und noch dazu im Wald schön gelegen. Fun Fact Marzahn war auch mal ein Naturschutzgebiet :)

  5. 23.

    Wieviel Arbeitskräfte hat das Einknicken vor diesen Weltverbesserer gekostet?
    Wer hat eigendlich das Sagen hier in der Stadt? Die Dauerprotestler, die gegen Alles und Jedes sind?
    Mal sehen, wie es um den SIEMENS-CAMPUS steht, wenn der gebaut werden wird. Kravalltouristen, Dauerprotestierer, Umweltschützer und jede Menge von Leuten, die auf jeden Hashtag anspringen, werden das sicher verhindern.
    Arbeitsplätze scheinen in Berlin nicht willkommen.
    Resultat einer verfehlten Politik.

  6. 21.

    Die Gegend ist ohnehin schon hässlich, egal was da gebaut wird, Hauptsache, es wertet den Stadtteil auf.

  7. 20.

    Würde es im Westen der Stadt nicht dieses tolle Autobahnnetz geben, müsste man auch dort stundenlang im Stau stehen woe so oft im Ostteil. Ein Praxisbeispiel: einmal von Tempelhof nach Ahrensfelde 90 Minuten (oneway, 25km) an einem Sonntag Nachmittag. Deutlich schneller ist man als Gegenpart in Tegel dank Autobahn.
    So wie Andere schnelles Internet fordern so will ich zügig von A nach B kommen und das nicht im Tempo einer mittelalterlichen Postkutsche bzw. Sänfte.
    Um beim Thema zu bleiben: Arbnb vermietet zeitweilig !!! ungenutzten Wohnraum und R2G macht Jagd auf die Vermieter, andererseits wird das Tempelhofer Feld sinnlos verschwendet anstatt Wohnraum zu schaffen oder wenigstens die Events vom Brdb.-Tor dorthin zu verlegen um das ständige Sperren dort zu verhindern. Und nun? Will man auch keine Hotels. Sorry, mir fehlt da jedes Verständnis, warum Büros besser als ein Hotel sein sollen? Aus der Marktwirtschaft wird zunehmend sozialistische Planwirtschaft mit allen bekannten Folgen!

  8. 19.

    Und noch einmal: Es wird keine Investition verhindert. Es wird statt Hotel und Hostel ein Bürogebäude gebaut. Ich kann da kein Versagen des Senates erkennen. Ob die 3 Oppositionsparteien sich so für die Anwohner eingesetzt hätten bezweifle ich.

  9. 18.

    Mir auch ein Rätsel. Wohnraum muß her. Wie hier schon vernünftig vorgeschlagen wird, läßt sich doch beides gut miteinander verbinden, Büros und Wohnungen.

  10. 17.

    Hatte mich spontan an dem Protest beteiligt, war jedoch sehr schnell ernüchtert. Eine Protestrede in einer derartig dialogverweigernden Sprache anzustimmen ("Gegen dieses Scheisshotel, Scheissinvestor" etc.) war m.E. ein direkter Tiefpunkt, kurz darauf folgten Zahlen und Fakten welche sich nicht mit denen in den Medien deckten, respektiv übertrieben wurden und gekrönt wurde das ganze durch wirre Krebstheorien welche die Ideal Versicherung betreffen. Es herrschte bei dieser Demo der allgemeine Tenor, dass hier sozialer Wohnungsbau umgesetzt werden soll. Dazu ein paar Worte. Der soziale Wohnungsbau ist eine wichtiger Akteur im Wohnungbau, aber nicht die Lösung für alles. Eine Stadt lebt von der Durchmischung von Wohn- und Gewerberäumen, von gut und weniger verdienenden Mitbürger und von hoch oder weniger gebildeten Menschen. Aus einer reinen Antihaltung, welche bei der Nutzung beginnt und bei einer oft verkorksten Gestaltung aufhört, können keine lebenswerte Räume entstehen.

  11. 16.

    Kleiner Hinweis: Hab gerade erst gesehen, dass ein zweiter unter meinem Synonym schreibt. Daher wird meine Antwort Sie wohl verwundern. Ich leide unter keinen Stimmungsschwankungen. Von mir ist der Kommentar von gerade eben sowie Nr. 3. Kommentar 8, auf den Sie geantwortet hatten, war nicht von mir.

  12. 15.

    Ich beurteile gar nichts für "die Kreuzberger". Ich frage mich nur selbst, ob weitere Hotels in Berlin wirklich nötig sind, bei der bestehenden Hoteldichte. Wenn ein Investor trotzdem zum Ergebnis kommt, es würde sich rechnen und der Bebauungsplan gibt das her, soll das weitere Hotel gerne gebaut werden. Das bringt wenigstens Arbeitsplätze im Hotel und auch rundherum. Dass unser Senat völlig kopflos agiert, wenn es um die Stadtentwicklung geht, ist ein anderes Problem. Wahrscheinlich ist der Geldfluss aus dem Finanzausgleich noch zu hoch, um auch umstrittene, aber vernünftige Projekte durchzuboxen, die Berlin voranbringen. Das ist aber ein anderes Thema.

  13. 14.

    "Ihnen ist schon klar, dass der Soziale Wohnungsbau seit Jahre abnimmt und nicht zunimmt?" Selbstverständlich. Aber ist Ihnen klar, was sozialer Wohnungsbau eigentlich genau ist? Der geht nämlich weit über den reinen staatlichen Bau von Sozialwohnungen hinaus. Die aktuelle Quote von 30% geförderter Wohnungsbau in Berlin ist schon relativ hoch. In Berlin ist es leider so, dass Mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, als neu errichtet werden.

  14. 13.

    Wenn in den 80er Jahren Hausbesetzer die Häuser in unserem Kiez nicht vor dem Abriss gerettet hätten, würde die Stadtautobahn heute mit einem Autobahnkreuz über den Oranienplatz führen; inklusive Umbauung mit Plattenbauten ;)
    Grünflächen gäbe es dann wohl in diesem Quattier auch nicht mehr, denn in der heute immer noch herrschenden Logik wäre die Autobahn dann sicher nach "Ost-Berlin" weitergebaut worden. An vielen Orten in der Stadt hat mensch weiterhin Anlass am angeblichen "Vorrang für den ÖPNV" zu zweifeln. Auf der Skalitzer- und der Adalbertstraße gilt ganz sicher Vorrang für den Autostau. Hoffentlich landet der Autostau zukünftig ebenfalls als interessanter historischer Fakt im Museum. Die Modelle des tatsächlich geplanten Autobahnkeuzes können heute noch im Kreuzberg Museum bewundert werden.
    https://www.fhxb-museum.de/

  15. 12.

    Willst du ernsthaft beurteilen was die Kreuzberger Bürger, wohlbemerkt, dort brauchen? Es ist doch wohl ein Armutszeichen für diesen links-reaktionären Senat, solche großen Investitionen zu verhindern. Reicht es nicht schon was die sich am Kudamm und am Checkpoint Charly geleistet haben? Aber die Illegalität und Kriminalität in der Rigaer Str. dulden und die schwarzen Drogenschieber am RAW Gelände, Görli, Schlesischen Bhf und East Side Gallery laufen frei rum. Völliges Versagen des Senats.

  16. 11.

    Glückwunsch! @rbb Wieso "verhindert" und "zu Fall" gebracht?! Hier werden nach wie vor "Großprojekte" realisiert. Doch diese orientieren sich voraussichtlich etwas mehr am Bedarf im Bezirk als nur an der Verwertung der inzwischen globalen Marke Berlin. Vielen herzlichen Dank auch an das Städtemarketing für deren nachhaltige Strategie ;)
    Die Bedürfnisse der Bewohner*innen von Berlin erscheinen da irgendwie nachrangig. Siehe:
    https://www.berlin-partner.de/ueber-uns/partner-fuer-berlin-holding-gesellschaft-fuer-hauptstadt-marketing-mbh/

  17. 10.

    Abwarten. Die Bürger vergessen nicht, welche Lügen denen von den guten Rhetorikern täglich aufgetischt werden. Wir sehen doch täglich die Realität.

  18. 9.

    Na was denn nun?
    Kampf gegen Arbnb, keine Hotels, keine Motels????
    Touris lt. RBB-Abendschau Interviews auch nicht erwünscht?
    Nur noch sozialer Plattenbau mit dem Charme eines Ghettos?
    Dieses Investitionsfeindliche Klima in diesem Land ist wahrhaft unerträglich. Bei jedem Pups wird eine Bürgerinitiative gegründet und rumgemotzt. Zieht doch nach Marzahn, feinste Platte zum kleinen Preis incl. der zugehörigen Klientel.
    Fazit: toller Tausch, Hotel gegen Bürogebäude;

  19. 8.

    Was bitteschön ist denn "mutig" an einem Hotelneubau? Und leben Sie in Kreuzberg, dass Sie so gut einschätzen können, was dort an Neubauten gebraucht wird? Oder wollten Sie einfach nur was gegen diese Demonstranten sagen, weil die halt irgendwie links sind und das ist grundsätzlich abzulehnen, egal worum es hier gerade inhaltlich geht?

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