Sandra Scheeres (SPD), Bildungssenatorin von Berlin (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 27.02.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Christoph Soeder

Unzumutbare Arbeitsbedingungen - Berliner Lehrer schreiben Brandbrief an Scheeres

Zu wenig Personal, Unterricht im Flur und kaputte Toiletten - den Lehrerinnen und Lehrern im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg reicht es. In einem Brandbrief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres fordern sie mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen.

In einem Brandbrief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres prangert der Bezirkslehrerausschuss in Tempelhof-Schöneberg Missstände an Schulen an. Die Arbeitsbedingungen seien "unzumutbar und gesundheitsgefährdend".

Im Einzelnen kritisieren die Lehrer, dass manche Schulen nicht einmal über eine für den Schulbetrieb notwendige bauliche Ausstattung verfügten. "Selbstverständlichkeiten wie funktionierende Toiletten, Feueralarmanlagen und in ausreichender Anzahl vorhandene sowie in der Heizperiode auf 20°C aufheizbare Klassenräume sind nicht an allen Schulen unseres Bezirks gegeben", heißt es in dem Schreiben, das dem rbb vorliegt.

Raummangel und Baulärm beeinträchtigen den Unterricht

Unterricht müsse zum Teil auf den Fluren stattfinden, weil Räume fehlten. An allen Schulen seien zudem der Lärmschutz sowie die Belüftung unzureichend. Teilweise herrsche eine unzulässige Schadstoffbelastung, die die Gesundheit von Lehrern und Schülern gefährde. Wo saniert werde, sei wiederum Baulärm während der Unterrichtsstunden problematisch.

Mangelhaft ist dem Bezirkslehrerausschuss zufolge außerdem die technische Ausstattung an den Schulen. "Es gibt an vielen Schulen eine unzureichende Anzahl von Computern für die Mitarbeiter der Schule (geschweige denn für die Klassen) und Kopierer, die dauerhaft oder häufig nicht funktionieren", heißt es. Sporthallen seien oft zu klein oder sanierungsbedürftig, sodass angemessener Sportunterricht nicht möglich sei.

Inklusion: Zu wenig Sonderpädagogen, zu große Klassen

Die Lehrer bemängeln zudem, die Bedingungen für die inklusive Schule. Oft sei ein Drittel einer Grundschulklasse verhaltensauffällig. Es gebe aber zu wenige Sonderpädagogen und die Klassen seien zu groß. "Zu groß für gute Lernerfolge, zu groß für die Lärmbelastung und auch bezogen auf die Richtlinien für den Brandschutz. So gibt es nicht selten verstellte Fluchtwege."

Durch die Überlastung herrsche in vielen Kollegien ein gereiztes Klima, so die Lehrer. Die Beschäftigten fühlten sich überfordert, seien genervt und resignierten. Die Ursache für die personelle Unterbesetzung sei das Resultat einer verfehlten Personalplanung in der Senatsverwaltung in den vergangenen 20 Jahren. Dringend nötig sei nun eine Attraktivitätssteigerung, um den Fachkräftemangel zu beheben.

Der Bezirkslehrerausschuss fordert deshalb unter anderem eine bessere Personalausstattung, eine Verringerung der Klassengrößen und eine schnelle Beseitigung von baulichen Mängeln. Um die Lehr- und Lernqualität zu verbessern, dürfe es auf keinen Fall zu einer weiteren Steigerung der Arbeitsbelastung kommen, so der Ausschuss.

Lehrkräfte streiken für bessere Bezahlung

Neben Arbeitsbelastung und Personalausstattung ist in Berlin derzeit auch die Bezahlung von angestellten Lehrkräften ein Streitthema. Wegen der stockenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder streiken seit Dienstag Tausende von Lehrerinnen und Lehrern für mehr Geld.

Sendung: Inforadio, 27.02.2019, 11:20 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    ...ist ja nicht die einzige Unzumutbarkeit der jetzigen Regierung...

  2. 15.

    Hauptsache Schäuble hat seine Schwarze Null und dabei wird grosszügig über marode Schulen, kaputtes Militär, zuwenig Altenpfleger/innen, zuwenig Aerzte etc, etc hinweggesehen. Aber den meisten deutschen Wählern gehts ja sooo gut, warum auch sollte man etwas ändern.....

  3. 13.

    Finde ich auch. Viele äußern hier Dinge, denen sie selbst nicht Stand halten würden. Kein Wunder, dass viele Schüler kaum noch Respekt vor ihren Lehrern haben, wenn die Erwachsenen das schon nicht hinbekommen. Ich würde mir auch wünschen, dass jetzt nicht wieder nur auf den Senat eingeprügelt, sondern nach vorne geguckt wird. @Tabea L.: Das kann ich nur bestätigen. Wer fragt nach den Schülern in diesen Klassen, die das Fähnchen noch hoch halten? Und dann werden sie von vielen noch mit den Leistungsverweigerern, Störern und denen, die ungerechtfertigt mit durchgezogen werden, über einen Kamm geschoren. Und ja, ich spreche diesbezüglich aus Erfahrung. Ich möchte heutzutage nicht Schüler sein müssen. Aber auch nicht Lehrer.

  4. 12.

    Sie haben recht. Es sind aber auch die anderen Schüler betroffen. Es gibt auch viele, die gerne zur Schule gehen und etwas lernen möchten. Die müssen beides ertragen, die kaputten Lehrer und die chaotischen Mitschüler.

  5. 11.

    Leider ist das Fakt. Und nicht nur in den Grundschulen. Das zieht sich meist bis zum Ende der Mittelstufe. Ich habe viel Verständnis für die Lehrer, aber noch mehr Mitleid mit den Schülern, die sich an die Regeln halten, verhaltensunauffällig sind und motiviert. Die baden das Schlamassel nämlich aus. Noch mehr als die Lehrer. Sie haben aber als Einzige, im Gegensatz zu Inklusionskindern z.b., keine Lobby. Es wird erwartet, dass sie trotz dieser erschwerten Bedingungen brav funktionieren.

  6. 10.

    Wow, da wollten Sie uns schon wieder eine rechtslastige Quelle andrehen. NZZ war einmal, das war ganz weit gestern! Zum Thema passt es auch nicht so wirklich!

  7. 9.

    Einen dümmeren Kommentar als ihren habe ich selten gelesen. Bin kein Lehrer kriege aber viel im Alltag mit, auch die verhaltensaufälligen Schüler in drr U Bahn, Bahnhöfen u.a. Lärm ist gesundheitsschädlich, auch wenn nur angeblich jammernde Lehrer betroffen sind.

  8. 8.

    Es dauert sehr lange, bis leidensfähige Lehrer sich so bei ihren Dienstherren beschweren. Vermutlich ist es nur "die Spitze des Eisberges". Manche Kommentare sind so respektlos, die würden keine 10min vor einer Klasse aushalten.

  9. 7.

    Werden die Lehrerarbeitsplätze nicht von einer Behörde begutachtet von wegen Arbeitsschutz usw.? Wenn wir hier im privatem Betrieb die Flure voll stellen oder der Aufenthaltsraum nicht beheizt wird, dann gibt es saftige Bußgelder.
    Das Amt für Arbeitsschutz hat immer ein offenes Ohr für Angestellte und Arbeiter. Ebenso kommt die Berufsgenossenschaft ab und an mal vorbei um zu schauen ob alles nach den gesetzlichen Vorgaben ist.
    Irgendwer hätte die Bude geschlossen bei den Mängeln.

  10. 5.

    Das ein Drittel jeder Grundschulklasse verhaltensauffällig ist, halte ich für ganz gefährlichen Quatsch. Das Kinder auf, wie sich die Lehrer selbst beschreiben, genervte und resignierte Lehrer, sowie schlecht ausgestattete Räume und Lärmbelästigung reagieren ist nicht auffällig, sondern normal. Ich würde eher die betroffenen resignierten Lehrer als verhaltensauffällig bewerten. Sie sind Erwachsen und können sich wehren oder zumindest umgestalten. Ich fordere hier auf vom Jammern ins Handeln zu wechseln.

  11. 4.

    Eigentlich mag man das Thema gar nicht mehr hören. Ich frage mich nur warum unsere Politiker nicht begreifen, das sie in den letzten 20Jahren durch eine fehlerhafte Personalpolitik ein Bildungschancen-Desaster in unglaublichen Ausmaßen angerichtet haben und einer ganzen Generation den Zugang zur optimalen Bildung verwehrt haben. DAS wird Folgen für unser Land haben ! Warum werden die Verantwortlichen ( Herr Zöllner / Frau Scheeres / ... alle SPD) nicht zur Rechenschaft gezogen ? Deutschland und der Berliner Senat zeigen hier in aller Deutlichkeit das ihnen Kinder nun mal nix wert sind. Als deutscher Staatbürger bleibt einem eigentlich nur sich zu schämen und zu akzeptieren, das man in einem kinderfeindlichen Land lebt.

  12. 3.

    Wer mal wissen möchte, ob Deutschlands Investitionsstau, marode werdenden Brücken und Schulen, Dauerbaustellen oder -verspätung usw. im Ausland irgendwie als normal empfunden werden, der kann mal hier querlesen, auch putziger Kommentar unten.
    https://www.nzz.ch/international/deutschland/berlinkoeln-ein-wettrennen-mit-bahn-bus-auto-und-flugzeug-ld.1461313?reduced=true

  13. 2.

    Sorry aber muss es im Text nicht Tempelhof-Schöneberg heißen.

  14. 1.

    Wo ist der Bezirk Tempelhof Schönefeld????

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