ARCHIV - 23.08.2018, Brandenburg, Blankenfelde-Mahlow: Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH.
Video: Brandenburg Aktuell | 25.02.2019 | C. Walter/I. Alboga | Bild: Patrick Pleul/ZB/dpa

Pharmahändler in Brandenburg - Lunapharm: Zweifelhafte Methoden gegen Experten und Politiker

Dem Brandenburger Pharmahändler Lunapharm wurde untersagt, Arzneimittel herzustellen und damit zu handeln. Doch die Firma hat einen PR-Berater engagiert, der aggressiv vorgeht. Zudem tritt der Ehemann der Geschäftsführerin auf fragwürdige Weise in Erscheinung. Eine Landtagsabgeordnete fühlt sich unter Druck gesetzt und sie ist nicht die Einzige. Von Caroline Walter und Ismahan Alboga

Ursula Nonnemacher, Brandenburger Landtagsabgeordnete der Grünen, staunt, als sie ein Schreiben von einer Kommunikationsagentur namens Cato bekommt. Diese vertrete Lunapharm in Fragen der Public Affairs. "Auf eineinhalb Seiten wird mir vorgeworfen, ich würde gegenüber der Firma Lunapharm unbegründete Kriminalitäts-Unterstellungen äußern, ohne dass gesagt wird, die und die konkrete Äußerung", erzählt Nonnemacher. So etwas habe sie in ihrer langen Abgeordnetentätigkeit noch nicht erlebt.

Wenige Tage später taucht der Ehemann der Lunapharm-Geschäftsführerin, Thomas Z., in ihrem Wahlkreisbüro auf. "Er war aufgeregt und hielt mir dann sofort Aktenstücke unter die Nase und forderte mich ultimativ auf, zu bestätigen, dass ich die und die wörtliche Aussage in einem Ausschuss getroffen habe." Nonnemacher fühlte sich unter Druck gesetzt, sagt sie: "Ich habe es schon als einen Einschüchterungsversuch mir gegenüber bewertet."

Staatssekretär fühlt sich unter Druck gesetzt

Thomas Z. macht sogar vor der Landesregierung nicht halt. Als der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Andreas Büttner, nach einer Veranstaltung zu seinem Auto geht, habe Herr Z. ihn abgefangen und angebrüllt. "Ich solle gefälligst erklären, dass wir Unsinn machen. Ich habe das Gespräch natürlich nicht fortgesetzt und abgebrochen", so Staatssekretär Büttner. 

Der Vorfall ereignete sich, nachdem das Brandenburger Gesundheitsministerium Lunapharm die Herstellungserlaubnis entzogen hat. Jetzt, im Februar, folgte auch der Entzug der Großhandelserlaubnis. In dem Bescheid, der dem ARD-Magazin Kontraste vorliegt, werden detailliert zahlreiche Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz aufgeführt, die Lunapharm begangen haben soll. Es geht um den illegalen Handel mit griechischen Krebsmedikamenten. Lunapharm hätte seit 2013 wissen müssen, dass das Geschäft mit der griechischen Apotheke nicht legal ist. Aber auch der Handel mit dem Brustkrebsmedikament Herceptin aus Italien wird Lunapharm vorgeworfen, denn es gab mehrere Warnungen von Behörden, nachdem es zu Diebstählen in Italien gekommen war. Das Ausmaß der Gesundheitsgefahr für Patienten lässt sich nachträglich kaum mehr ermitteln, weil diese Geschäfte unkontrolliert über Jahre liefen.

Im Bescheid heißt es: "Insofern hat die Lunapharm Deutschland GmbH durch ihr Verhalten selbst gravierende Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung generiert." Lunapharm hat gegen den Bescheid Widerspruch eingelegt.

Lunapharms PR-Berater war früher bei VW

Staatssekretär Andreas Büttner gibt sich kämpferisch: "Wir handeln auf Grundlage bestehender Rechtsvorschriften und uns geht es um Patientensicherheit. Und die Patientensicherheit steht für uns über allem und da lasse ich mich nicht einschüchtern."

Der PR-Berater von Lunapharm, Klaus Kocks, hat mehrfach angekündigt, der Händler wolle die Landesregierung verklagen. Kocks war früher Kommunikationschef bei VW, danach oft und gerne in den Medien. Seine Methoden im Fall Lunapharm erscheinen fragwürdig.

Vorgehen gegen Experten erscheint fragwürdig

Fragwürdig erscheint auch das Vorgehen gegen Wolf-Dieter Ludwig, einem Mitglied der Task Force Lunapharm. Der Krebsspezialist hat einen Artikel über das Risiko von Arzneimittelimporten in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, in dem er auch den Skandal um den Brandenburger Händler erwähnte. Daraufhin bekam er ein aggressives Schreiben der PR-Agentur Cato mit einer Unterlassungssaufforderung. Kurze Zeit später folgte schon ein Anwaltsbrief.

"Diese Kommunikationsagentur hat von uns verlangt, dass wir verschiedene Aussagen zu Lunapharm widerrufen. Ich war natürlich stark verunsichert und fühlte mich in gewisser Weise bedroht, weil ja auch Geldsummen in diesem Schreiben genannt wurden", sagt der Professor.

Lunapharm-Geschäftsführerin lehnt Interview ab

Die Geschäftsführerin von Lunapharm, Susanne Krautz-Zeitel, lehnte ein Interview zu den Vorfällen und ihrer PR-Strategie ab. Ihr Ehemann antwortete auf unsere Anfragen nicht. Und Berater Klaus Kocks sagte erst ein Interview zu, dann aber wieder ab. In seiner Email heißt es zu den Vorwürfen, "es gibt keine PR-Strategie". Man wehre sich nur gegen eine Rufmordkampagne. Es gebe einen einzelnen Brief an eine Fraktionsvorsitzende einer Oppositionspartei und eine rechtliche Auseinandersetzung mit einem Verlag, in dem Professor Ludwigs Artikel erschienen ist. 

Bei der Staatsanwaltschaft Potsdam laufen derzeit noch umfangreiche Ermittlungen gegen die Lunapharm-Geschäftsführerin. Unklar bleibt die Absicht hinter den Aktionen des PR-Beraters Klaus Kocks. Wolf-Dieter Ludwig findet das Verhalten jedenfalls unseriös. "Vor dem Hintergrund, dass Patienten ja davon betroffen sein können, finde ich es auch absolut unethisch das Verhalten einer Kommunikation-Agentur, ein derartig letztlich kriminelles Vorgehen eines Großhandelsbetriebs in Brandenburg noch zu versuchen, reinzuwaschen."

Sendung: Brandenburg Aktuell, 25.02.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Caroline Walter, ARD-Politikmagazin Kontraste, und Ismahan Alboga, Brandenburg Aktuell

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