Nach einem Brandanschlag ist die Turnhalle in Neuen völlig ausgebrannt. (Quelle: imago/Meike Engels)
Bild: imago/Meike Engels

Mutmaßlicher Brandstifter Maik Schneider - Angezündete Turnhalle: Versicherung fordert 2,9 Millionen Euro

2015 brannte in Nauen eine Turnhalle ab, die als Unterkunft für Asylsuchende vorgesehen war. Mittlerweile ist sie wieder aufgebaut – mit dem Geld der Versicherung. Die will jetzt Schadenersatz von dem mutmaßlichen Brandstifter Maik Schneider. Es geht um viel Geld.

Weil er eine Turnhalle in Nauen in Brand gesetzt haben soll, ist der ehemalige NPD-Politiker Maik Schneider nach Angaben seines Anwalts auf 2,9 Millionen Euro Schadenersatz verklagt worden.

Die entsprechende Klage der Ostdeutschen Kommunalversicherung sei bei ihm als Schneiders Pflichtverteidiger eingegangen, teilte Sven-Oliver Milke der Deutschen Presse-Agentur mit. Er wolle nun prüfen, ob die Versicherung den Schaden überhaupt hätte regulieren dürfen.

Falls das Potsdamer Landgericht die Forderung als rechtmäßig beurteilt, wird Schneider das Geld voll zurückzahlen müssen. Bei vorsätzlichen Straftaten gibt es nicht die Möglichkeit, in Privatinsolvenz zu gehen.

Versicherung bestätigt Klage

Ein Sprecher der Versicherung bestätigte rbb|24 am Dienstag die Schadenersatzforderung. Er verwies darauf, dass sein Unternehmen die Kosten für den Wiederaufbau der Turnhalle erstattet habe. Dazu sei es nach dem Vertrag auf Gebäudeversicherung verpflichtet gewesen, den der Landkreis Havelland für das Gebäude abgeschlossen habe.

Der Anspruch auf Schadenersatz sei mit der Schadensregulierung vom Landkreis auf die Versicherung übergegangen – so regele es das Versicherungsvertragsgesetz. Daher habe man jetzt Schadenersatzklage gegen den mutmaßlichen Verursacher des Schadens eingereicht.

Revisionsprozess läuft derzeit

Schneider steht derzeit als Angeklagter im Revisionsprozess um den Brandanschlag vor dem Potsdamer Landgericht. Dem 31-Jährigen wird vorgeworfen, im Sommer 2015 die Turnhalle in Nauen angezündet zu haben, die als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war.

In einem ersten Verfahren war Schneider wegen Brandstiftung und anderer Delikte zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil Schneider Revision eingelegt hatte. In dem ersten Prozess hatte der Ex-NPD-Politiker seine Beteiligung an der Brandstiftung eingeräumt, hatte aber erklärt, er habe die Turnhalle nicht abbrennen, sondern lediglich als Zeichen des Protests "einrußen" wollen.

Archivbild: Im Juni 2017 ist die neue Turnhalle in Nauen bereits wieder aufgebaut (Bild: dpa/Bernd Settnik)
Die nach dem Brandanschlag wieder aufgebaute Turnhalle in Nauen. | Bild: dpa/Bernd Settnik

Schneider musste freigelassen werden

Für den Revisionsprozess hat das Gericht Termine bis Mitte März angesetzt. In der nächsten Verhandlung am Mittwoch soll ein mutmaßlicher Komplize Schneiders aussagen.

Ursprünglich sollte der Prozess kurz vor Weihnachten beendet werden. Wegen mehrerer Verfahrensverzögerungen beantragte Schneider Haftentlassung. Das Oberlandesgericht gab dem Antrag Januar statt. Seitdem ist Schneider auf freiem Fuß. 

Das Gericht  bestätigte allerdings, Schneider sei weiterhin in allen angeklagten Punkten dringend tatverdächtig sei. Es gehe um Brandstiftung, Sachbeschädigung und Nötigung. Zudem bestehe weiterhin Flucht- und Verdunklungsgefahr.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 12.02.2019, 19:30 Uhr

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14 Kommentare

  1. 14.

    Na, braun ist er ja definitiv schon. Noch brauner ist dann auch schon wieder schwarz.

  2. 13.

    Was ist das Schlimme am Einrußen? - Es brennt.

  3. 12.

    Gut so, der kann sich dann bis zu seinem Ableben schwarz ...ääh, braun ärgern!

  4. 11.

    Nüchtern und sachlich betrachtet ist zu konstatieren, dass Schneider sich auf freiem Fuss befindet und selbst wenn ihm die Tat nachgewiesen wird, er wohl eher nie diesen Betrag wird aufbringen können.

  5. 8.

    Bei aller Empörung und Ablehnung, man sollte die Kirche im Dorf lassen. Das dieser rechtsradikale Brandstifter und Gewaltverbrecher zur Verantwortung gezogen werden muss, steht außer Frage. Der Rechtsstaat muss Härte zeigen. Aber: es war zu diesem Zeitpunkt noch eine Turnhalle. Und nichts weiter. Das sie zur Unterbringung für Geflüchteten dienen sollte, war geplant, noch nicht durchgeführt, noch entgültig bestätigt. Es "soll", "es ist geplant", "wird überprüft", "aller Wahrscheinlichkeit nach". So die wörtliche Chronologie der Berichte vom RBB und aus dem Rathaus von Nauen.
    Es klingt verwerflicher und entspricht dem Tun und Handeln der Nauener Neonazi-Szene, wenn aus einem "geplanten" Zustand ein IST-Zustand gemacht wurde. Der Neonazi Schneider gehört für die Brandstiftung zur Verantwortung gezogen und das mit allen Mitteln, die dem Rechtsstaat zur Verfügung stehen. Und das nicht nur, weil daraus irgendwann eine Flüchtlingsunterkunft werden sollte.

  6. 7.

    ...oder wenn Sie es nicht verstehen wollen, können wir Ihnen auch nicht helfen...
    Naja lieber RBB24, solche Spitze geziemt sich nicht in einem seriösen Nachrichtendienst. Ziemlich dünnheutig.
    Gibt schlimmere Kommentare.

  7. 5.

    Ich verstehe den Zusatz "als Unterkunft für Asylsuchende vorgesehen war" nicht. In erster Linie ist das doch eine Turnhalle und sollte auch eine bleiben.
    Es ist schlimm genug, dass die abgefackelt wurde und natürlich der Täter in Haftung genommen wird. Der Zusatz "als Unterkunft für Asylsuchende vorgesehen war" vermittelt, dass es nicht so schlimm gewesen wäre, wenn es sich "nur" um eine Turnhalle gehandelt hätte.

  8. 4.

    Leider schreckt das Strafmaß niemanden ab! Durch die Einführung z.B. der Todesstrafe wird die Mordrate nicht sinken, siehe USA, China etc.
    So einfach ist es nicht. Erziehung, Bildung, Sozialstaat kann einiges bewirken aber nicht komplett kriminelle Ausbrüche verhindern. Ich denke der Brandstifter ist kein Wittkopf, sondern einfach nur ein dummer Nazi!

  9. 3.

    Der Regress auf einen Straftäter als Schadensverursacher ist tägliche Praxis. Hier wird sie nur aufgrund der hohen Summe besonders publik. Normalerweise erfolgt das im Stillen, aber es erfolgt. Versicherungen verschenken ja kein Geld. Sie sind sogar verpflichtet, sich Schäden ersetzen zu lassen, soweit dies möglich ist.

    Leider wird in diesem Fall wohl nicht viel zu holen sein, weil dieser Typ mit Sicherheit nicht all zu viel Muße haben wird, den Schaden zu ersetzen. Also wird er wohl eher mit Hartz IV und damit unpfändbarem Einkommen leben und die Versicherung schaut in die Röhre. Immerhin, eine Privatinsolvenz wird sich wohl nicht lohnen, weil Forderungen aus vorsätzlichen Straftaten von der Restschuldbefreiung ausgenommen sind. Ein sehr schwacher Trost, aber immerhin.

  10. 2.

    Sollte er letztinstanzlich verurteilt werden soll er Zahlen ! Ohne Möglichkeit einer Privatinsolvenz !

  11. 1.

    Völlig richtig, dass die Versicherubg dies fordert. Ob es sich zivilrechtlich durchsetzen lassen wird, ist eine ganz andere Frage. Es sollte auch vielmehr publik gemacht werden, dass Straftäter auch mit Ihrem Geld haften. In Zeiten lachhafter und völlig tatunangemessener Strafrahmen würde sich das so mancher Wirrkopf vielleicht überlegen, wenn er vorher wüsste, dass er nie wieder in seinem Leben auch bur einen Euro über Mindestbehalt hat - echtes Lebenslang (träumen darf man ja wohl)

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