Der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung Christian Hirte (CDU) (Bild: imago/Blume)
Video: rbb|24 | Quelle: Brandenburg aktuell, 19.10.2018 | Bild: imago stock&people

Ostbeauftragter zu Anteil in Spitzenpositionen - "Quotenregelung für Ostdeutsche führt ins Elend"

Um den Anteil Ostdeutscher in Spitzenjobs zu erhöhen, setzen manche Politiker auf eine Quotenregelung. Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Christian Hirte (CDU), ist dagegen. Er glaubt nicht, dass das funktionieren würde.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), hat sich gegen eine Quotenregelung ausgesprochen, um mehr Ostdeutsche in Führungsämter zu bekommen.

Eine solche Regelung könne nicht funktionieren, sagte Hirte im rbb-Inforadio. Im Ergebnis könnten dann auch einzelne Bundesländer eigene Quoten fordern: "Jetzt hatten wir eine Kanzlerin, die einen Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern hatte. Wir hatten einen Bundespräsidenten, der kam - teilweise zumindest - auch aus Mecklenburg-Vorpommern. Und wenn man sagt, wir brauchen eine Ostquote, dann frag ich, wo bleiben denn die Thüringer? Dann muss man ja hinterher überlegen, ob wir eine Länderquote brauchen. Das führt ins Elend."

In Unternehmen haben es Ostdeutsche schwerer

"Aus den neuen Bundesländern zu sein", sei kein Nachteil, betonte Hirte. "Im Gegenteil: Man hat die gleichen Chancen wie alle anderen". Dass dennoch weniger Ostdeutsche in Führungspositionen seien, habe ganz unterschiedliche Gründe.

In der Justiz habe es zum Beispiel nach 1990 in den neuen Bundesländern niemanden gegeben, "der die Laufbahn-Voraussetzungen hatte, um Richter zu werden". Heute sei es für einen jungen Juristen aus den neuen Ländern aber "genauso einfach, ich würde sogar fast vermuten einfacher, Richter zu werden und eine Karriere zu machen, später Präsident eines Gerichts zu werden oder in der Verwaltung Karriere zu machen", sagte Hirte und fügte hinzu, in der Politik sei es genauso - die Chancen seien für alle die gleichen.

Anderes gelte allerdings bei Unternehmen, so Hirte. Dort hätten es Ostdeutsche nach wie vor schwerer, "weil wir schlicht die großen Unternehmen mit den Unternehmenssitzen nicht bei uns in den neuen Bundesländern haben".

Gysi für Ostquote

Für die Einführung einer Ostquote hat sich Ex-Linken-Chef Gregor Gysi ausgesprochen. Ostdeutsche würden noch immer benachteiligt und deshalb brauche man "eine strukturelle Lösung". "Wenn es eine Strukturfrage ist, dann muss man eingreifen und über eine Quote Schritt für Schritt für Gleichberechtigung sorgen." 

Frauke Hildebrandt, Tochter der einstigen SPD-Ikone Regine Hildebrandt, hatte sich bereits im Oktober 2018 für eine Quotenregelung für Ostdeutsche ausgesprochen: "Wir brauchen wie die Frauenquote eine Ostlerquote. In Politik, in Verwaltung, in Wissenschaft - bundesweit", sagte die Professorin für frühkindliche Pädagogik an der FH Potsdam im rbb.

Studie: Ostdeutsche auf 1,7 Prozent der Spitzenjobs

Eine Studie aus dem Jahr 2016 kommt zu dem Ergebnis, dass ein Vierteljahrhundert nach der deutschen Wiedervereinigung bundesweit lediglich 1,7 Prozent der Spitzenpositionen von Ostdeutschen besetzt sind. In Ostdeutschland stammen laut der Untersuchung der Universität Leipzig im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) lediglich etwa 20 Prozent der Führungskräfte auch aus Ostdeutschland.

Im Vergleich zu vor zehn Jahren gehe die Zahl der ostdeutschen Führungskräfte sogar zurück, hieß es bei der Präsentation der Studie im Mai 2016. Vom Rückgang seien die Bundesregierung und Landesregierungen genauso betroffen wie Unternehmen, Universitäten und Hochschulen. Lediglich in der Justiz, in Teilen der Wirtschaft, in der Bundeswehr sowie in einigen Medienbetrieben ist laut Untersuchung ein sehr langsames Nachrücken der Ostdeutschen in Führungsfunktionen festzustellen. Für die Studie wurden zwischen August 2015 und März 2016 Führungspositionen in verschiedenen Bereichen betrachtet. Dem wurden Vergleichszahlen aus 2004 gegenübergestellt. 

Kommentar

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44 Kommentare

  1. 44.

    Gerd aus Brandenburg
    So wie Herr Hirte halten sich zu viele Kommentatoren an dem Wort Quote fest. Das wirkliche Anliegen begreifen nur die, deren Arbeitsplätze über Nacht wegbrachen. Empathie wäre das Schlüsselwort nach der Wende gewesen. Aber wozu dieser Aufwand? Laut dem Übervater der CDU regelte der Markt doch alles! Eine Sondersteuerzone DDR wie z. B. für das Saarland hätte Wirkung gezeigt. Oder wurde aus Bayern OHNE Finanzspritzen ein industriell geprägtes Bundesland?Statt dessen kam die Treuhand mit ihrem unkontrollierten Handeln zu wessen Vorteil wohl?. Ich frage mich, was die Studie nach fast 30 Jahren für einen Sinn haben sollte. Jetzt ist die fehlende Anerkennung der Lebensleistung der ehem. DDR-Bürger nur noch eine politisches Armutszeugnis für die Politiker, die uns beitreten ließen. Mit Ostalgie hat das mit Sicherheit nichts zu tun!

  2. 43.

    Der Aufbau Ost geht fleißig voran: Erste Ziegel für den Turm der Garnisonkirche gesetzt - https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/02/garnisonkirche-potsdam-brandenburg-erster-ziegelstein-vermauert.html

  3. 41.

    Jede wie auch immer geartete Quote führt immer zu Ungerechtigkeit. 30 Jahre nach Mauerfall hat sich eine Ostquote schon aus rein biologischen Gründen erledigt. Wer noch noch nicht von den ehemaligen DDR Bürgern in Rente ist, geht demnächst in Rente. Eine Ostquote ist nur billige Politik der Linken.

  4. 40.

    Quoten haben wenig mit Gerechtigkeit zu tun, mit geistloser Gleichmacherei aber eine Menge.
    Weder Herkunft noch Geschlecht sollten bei der Besetzung von Arbeitsplätzen und Posten eine Rolle spielen (ausgenommen freilich, der entsprechende Faktor ist aus irgendeinem Grund erkennbar relevant), sondern Kompetenz und - soweit abschätzbar - Ehrgeiz und Charakter.
    Wer nach Quoten besetzt, der besetzt unter Zwang oder aus Gefälligkeit.

  5. 39.

    Es gibt keine "Qualitäts"quote. Wer sich Sorgen um Quoten macht, ignoriert die Kompetenzfrage. Die Quotendiskussion stark von der Kompetenzfrage und davon ab, ob Leute nicht ausreichend zugelassen und gefördert werden. Quoten ohne Zusammenhang zur Kompetenz lösen aber gar keine Probleme.
    Übrigens hört man reinweg nichts vom "Ostbeauftragten". Der Posten ist auch über die Abstammung besetzt worden, wahrnehmbare Politik macht der Mensch auf seinem Posten allerdings nicht. Was hat so ein Einsetzen nach Abstammung dann für einen Sinn?

  6. 38.

    Es gibt natürlich keine explizite Bayernquote, aber die CSU beansprucht nun mal tatsächlich ihre zwei bis drei Ministerposten. Da sie nur in Bayern antritt, ergibt sich daraus tatsächlich so eine Art Bayernquote, zumindest solange CDU/CSU an der Regierung beteiligt sind.

  7. 36.

    Der Aufbau Ost wird noch eine Weile dauern, solange es die Ostalgie gibt und Ostdeutsche. Erst wenn sich Ostdeutsche als Mecklenburger, Vorpommern, Sachsen, Thüringer, Anhalter etc. und als Deutsche betrachten wird es aufhören. Die DDR ist Geschichte. Merkt es endlich. Jede Regierung eines Bundeslandes hat es in der Hand, Bedingungen für den wirtschaftlichen Aufschwung zu schaffen. BTW.. Bayern war auch mal ein Nehmerland....

  8. 35.

    So ein Unsinn. Außer man betreibt bashing ggü. Bayern.... Das ist natürlich dann Ihre persönliche Meinung.

  9. 34.

    Ein Blick in den Vertrag zur Wiedervereinigung hilft weiter. Die ehemalige DDR ist am 03.10.1990 der Bundesrepublik Deutschland beigetreten, somit sind die umgangssprachlich "Neuen Bundesländer" rechtlich das Beitrittsgebiet.

  10. 33.

    Das ist eben so. Die letzte DDR-Regierung hat sich dazu entschieden, der Bundesrepublik beizutreten (ich glaube nach Art.29 GG). Eine Vereinigung hätte es nie gegeben. 1. hätte das viel zu lange gedauert, 2. wollte das im Westen niemand wirklich. Dann hätte man ja evtl. irgendwas vom Osten übernehmen müssen.

  11. 32.

    Weil die CSU immer ein paar Minister in die Bundesregierung schickt, sofern CDU-CSU die Wahlen gewinnen. Das ist dann die faktische Bayernquote.

  12. 31.

    Eigentlich heißt es Wiedervereinigung und dazu gehören ZWEI. Beide müssen dazu beitragen, dass das gelingt.
    Wer das fast 30 Jahre nach Mauerfall nicht verstanden und nicht geschafft hat, wird es nun wohl auch nicht mehr. Wer ständig in der Vergangenheit verharrt, hat keine Zukunft und verliert die Gegenwart.

  13. 27.

    Ich bin sehr für eine Quote. Aber bitte nicht nur für Frauen und für Ossis. Natürlich auch für Landbewohner, Behinderte, Homo-, Bi-, Inter-, Hyper- und Asexuelle, Kurzsichtige, Dunkelhäutige, Blonde, Mensch*(Inn)en ohne Migrationshintergrund, Unterdreißigjährige, Übersechzigjährige, Männer (wo ein Frauenanteil von mindestens sechzig Prozent herrscht), Angehörige des dritten Geschlechts und verschiedenster Religionen, aber natürlich auch Atheisten, Menschen ohne Abitur und (in der Politik) Nichtanwälte und Nichtakademiker usw. usf. Da es um Vielfalt, Gerechtigkeit und das Glück der Menschheit geht, MUSS diese Liste endlos verlängert werden.

    Dann spielt Qualifikation endlich gar keine Rolle mehr.

  14. 26.

    Schön wenn es so wäre. Leider zählt aber meistens nicht die persönliche oder fachliche Eignung. Schönes Beispiel sind z.B. die Bundesregierungen seit 2005. Deutschland besteht aus 16 Bundesländern. Aber von 14 Ministern mussten in jeder Regierung mindestens 2-3 aus Bayern kommen...
    Über mögliche Frauen- und Ossiquoten wird sich immer viel beschwert. Gegen die existierende Bayernquote seltsamerweise nie. Warum eigentlich?

  15. 25.

    Als Berliner kann ich die Trennung in Ost und West nicht mehr hören. Ich habe Kollegen aus Ost und West. Welche mit DDR Biographie und welche mit West Biographie. Berlin hat Bezirke, die ehemals Ost und ehemals West waren. Spandau hat einen Teil aus der ehemaligen DDR hinzubekommen. Alles ist durchmischt. Und dennoch versuchen immer wieder Menschen, eine Trennung zu sehen. Lassen Sie das bitte. Der Ostbeauftagte hat recht.

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